Dieser Artikel behandelt das deutsche Tochterunternehmen von E.ON. Zum britischen Unternehmen mit dem ehemaligen Namen Innogy, das vormals ebenfalls zur Innogy SE gehörte, siehe npower.
Die Innogy SE (Eigenschreibweise innogy;Kofferwort aus englischinnovation „Neuerung“ und energy „Energie“) war eine ehemals börsennotierte, ursprünglich von RWE 2016 gegründete Tochtergesellschaft der E.ON.
2018 vereinbarten RWE und E.ON einen umfangreichen Tausch von Vermögenswerten und Geschäftsbereichen. In dessen Rahmen übertrug RWE bis September 2019 seine Innogy-Anteile vollständig an E.ON und erhielt dafür das gesamte Erneuerbare-Energien-Geschäft von E.ON und Innogy.
Innogy betrieb Verteilnetze und erzeugte und vertrieb elektrischen Strom.
Unternehmen
Innogy war überwiegend als Netzbetreiber und im Energievertrieb tätig.
Außerdem plante, baute und betrieb das Unternehmen Stromerzeugungsanlagen, vor allem Windkraftanlagen (On- und Offshore), Wasserkraftwerke und Photovoltaikanlagen. Mitte2009 hatte die RWE Innogy, eine der Vorgängergesellschaften, Anlagen mit einer installierten Gesamtleistung von mehr als 1,4Gigawatt. Im März2011 waren es bereits 2,4GW mit weiter steigender Tendenz (1,1GW in Bau). Im Jahr2012 produzierte RWE rund 4,2% ihres Stroms aus erneuerbaren Energiequellen (einschließlich der heute von Innogy verwalteten Wasser- und Biomassekraftwerke).
Unter dem Namen RWEInnogyGmbH wurde ab2008 die Sparte für erneuerbare Energien im RWE-Konzern gegründet. Sie übernahm den Namen der im Jahr2002 von RWE übernommenen Innogy plc.
2016 wurde die InnogySE gegründet (zunächst als RWEInternationalSE), auf die die Sparten Erneuerbare, Netze und Vertrieb der RWE übertragen wurden.
Innogy war vorrangig in Europa aktiv, mit Schwerpunkten in Deutschland, Großbritannien (Übernahme der Aktivitäten von RWEnpower), Frankreich, Spanien, Polen, Portugal und Italien. Im Februar2016 hat sich Innogy erst an einem Joint Venture für Elektromobilität in den USA beteiligt und dann im Juli2017 eine Tochtergesellschaft für Elektromobilität in den USA gegründet.
Am 12.Dezember2017 veröffentlichte Innogy eine Gewinnwarnung. Daraufhin gab 19.Dezember2017 Werner Brandt, Aufsichtsratsvorsitzender von Innogy, die Trennung von CEOPeter Terium bekannt.
Verkauf an E.ON und Restrukturierungen
Am 11.März2018 wurde der Verkauf von Innogy an E.ON bekanntgegeben; gleichzeitig gewährte E.ON im Zuge einer Kapitalerhöhung im Volumen von 20Prozent RWE eine Beteiligung von 16,7Prozent.
Den bisherigen Minderheitsaktionären von Innogy bot E.ON im Rahmen eines freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebots den Kauf ihrer Aktien in bar an. Für 9,4Prozent der stimmberechtigten Aktien wurde das Übernahmeangebot angenommen, dadurch stieg der mögliche Gesamtanteil von E.ON an Innogy nach Vollzug der Transaktion auf mindestens 86,2Prozent.
Durch die Transaktion wollen RWE und E.ON ihre Aktivitäten wie folgt neu strukturieren:
E.ON erwirbt von RWE deren 76,8-%-Anteil an Innogy. Im Rahmen eines Tauschs von Geschäftsaktivitäten erhält RWE alle wesentlichen erneuerbaren Energieaktivitäten von E.ON und das erneuerbare Energiegeschäft von Innogy, eine Minderheitsbeteiligung von 16,67Prozent an der erweiterten E.ON sowie weitere Vermögensgegenstände. RWE wird zudem 1,5MilliardenEuro an E.ON zahlen.
E.ON unterbreitet den Minderheitsaktionären von Innogy ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot. Der Gesamtwert dieses Angebots von 40,00Euro je Aktie setzt sich aus dem Angebotspreis von 36,76Euro je Aktie sowie den Zahlungen aus unterstellten Dividenden der Innogy für die Geschäftsjahre2017 und2018 von insgesamt 3,24Euro je Aktie zusammen.
Beide Partien begründeten die Transaktion wie folgt:
E.ON erwartet Synergien in Höhe von 600bis800MillionenEuro jährlich, die ab2022 realisiert werden sollen.
E.ON solle zu einem fokussierten Betreiber europäischer Energienetze und Anbieter moderner Kundenlösungen werden, mit einer Positionierung als Innovationstreiber der Energiewende in Europa. Damit wolle man sich auf Ansprüche der Energiekunden in Deutschland und Europa vorbereiten, etwa im Bereich der Elektromobilität oder der zunehmenden Vernetzung von Produktion und Angeboten in lokalen Netzstrukturen.
RWE werde zu einem führenden europäischen Stromerzeuger bei den erneuerbaren Energien mit einem attraktiven Wachstumspotenzial, kombiniert mit der Versorgungssicherheit aus konventionellen Kraftwerken und dem Energiehandel.
Im Einzelnen wurde vereinbart, dass RWE im Rahmen eines Tauschs der Geschäftsaktivitäten folgende erneuerbaren Energieaktivitäten von E.ON erhalten wird:
eine durchgerechnete Beteiligung von 16,67Prozent an E.ON im Rahmen einer Sachkapitalerhöhung von E.ON aus genehmigtem Kapital;
alle wesentlichen erneuerbaren Energieaktivitäten von E.ON;
das erneuerbare Energie-Geschäft von Innogy, sowie
die Minderheitsbeteiligungen, die E.ONs Tochtergesellschaft Preussenelektra an den von RWE betriebenen Kernkraftwerken Emsland und Gundremmingen hält und
Innogys Gasspeichergeschäft sowie den Anteil am österreichischen Energieversorger Kelag. Des Weiteren sieht die Vereinbarung eine Zahlung von RWE an E.ON in Höhe von 1,5MilliardenEuro vor.
Ende Januar2019 meldete E.ON die geplante Übernahme von Innogy bei der EU-Kommission an.
Im März 2019 meldete E.ON einen Anteil von 3,02% des stimmberechtigten Grundkapitals von Innogy erworben zu haben, zusätzlich dazu ist für weitere 9,41% der Aktien das freiwillige Übernahmeangebot angenommen worden. Zusammen mit dem zu übernehmenden Anteil von RWE kam E.ON damit auf 89,23% aller Innogy-Aktien.
Die kartellrechtliche Erlaubnis sowie der Abschluss der Transaktion erfolgte im September 2019.
Börse und Squeeze-out
Die Aktien der Innogy waren seit Oktober2016 an der Börse Frankfurt notiert. Es war der bis dahin viertgrößte Börsengang in Deutschland (nach Telekom im Jahr1996 sowie Deutsche Post und Infineon, beide im Jahr2000) und der größte seit 16Jahren. Rund 3MilliardenEuro flossen an RWE und 2Milliarden an Innogy. Zum Ausgabepreis von 36Euro betrug der Börsenwert des Unternehmens damit 20MilliardenEuro. RWE war zum Zeitpunkt des Börsengangs Eigentümer von 76,8Prozent der Anteile.
Die Innogy-Aktie war vom 19.Dezember2016 bis zum 16.September2019 im MDAX gelistet. Nachdem der Streubesitz im Zuge der Übernahme durch E.ON unter 10% fiel, musste die Aktie außerplanmäßig den MDAX verlassen.
Anfang September 2019 teilte E.ON mit, durch weitere Anteile aus zwischenzeitlich erfolgten Zukäufen nach der Freigabe der Transaktion die 90% Schwelle zu erreichen und schnellstmöglich einen Squeeze-out der verbleibenden Minderheitsaktionäre veranlassen zu wollen. Nach der Übertragung der Anteile von RWE auf E.ON am 18.September 2019 bekräftigte E.ON die Absicht, die verbliebenen Anteile durch einen Squeeze-out zu übernehmen.
Mitte Januar 2020 gab E.ON bekannt, die Minderheitsaktionäre mit 42,82Euro pro Innogy-Aktie abzufinden.
Die Höhe der Abfindung wurde von Aktionären kritisiert und von einem gerichtlich bestellten sachverständigen Prüfer als angemessen bestätigt. Anfang März 2020 beschloss eine außerordentliche Hauptversammlung der Innogy AG die Verschmelzung.
Im Juni 2020 erfolgte die Eintragung ins Handelsregister; das Squeeze-out war damit beendet.
Anlagen (vor Abschluss der Transaktion mit E.ON)
Windpark Thornton Bank, Bauphase1, Windenergieanlagen D1 bis D6
Innogy betrieb unter anderem die On- und Offshore-Windparks
Lage von Nordsee Ost innerhalb der Windparks in der Deutschen Bucht und deren Anbindung ans FestlandLuftaufnahme des Windparks Rhyl Flats
Tochterunternehmen (vor Abschluss der Transaktion mit E.ON)
Weitere erneuerbare Energien
Belectric Solar & Battery Holding (Photovoltaik), mit ka-tek (Systemintegration Mittel- und Hochspannung), Jurchen Technology (Montage- und Kabel-Systeme) und Padcon (Leitstand)
Im hauseigenen Innovation Hub hat innogy unter Einsatz von nutzerzentrierten Methoden wie Design Thinking unter anderem ein vom Energielieferanten betriebenes ecar-Sharing-Projekt entwickelt, das 2017 in vier deutschen Städten operierte.