Isidore Okpewho (* 9. November 1941 in Agbor; † 4. September 2016 in Binghamton, Vereinigte Staaten) war ein nigerianischer Romancier, Klassizist und Literaturwissenschaftler, der als Distinguished Professor an der Binghamton University (State University of New York) wirkte. Besondere Anerkennung fand er als führender Forscher zur mündlichen Literatur Afrikas; zu seinen prägenden Monografien zählen The Epic in Africa (1979) und Myth in Africa (1983). Für sein Schaffen erhielt er den African Arts Prize for Literature (1976), den Commonwealth Writers’ Prize (Region Afrika, 1993) sowie 2010 den Nigerian National Order of Merit (NNOM). Als Erzähler veröffentlichte er die Romane The Victims (1970), The Last Duty (1976), Tides (1993) und Call Me by My Rightful Name (2004).
Okpewho wuchs in Asaba auf, besuchte das St. Patrick’s College und erwarb am University College, Ibadan, einen First-Class-Abschluss in Classics. Nach Jahren als Lektor bei Longman wechselte er in die Wissenschaft, promovierte an der University of Denver in den USA und erwarb später einen D.Litt. an der University of London. Er lehrte u. a. an der University at Buffalo (1974–1976), an der University of Ibadan (1976–1990), an der Harvard University (1990–1991) und seit 1991 an der Binghamton University. In Nigeria leitete er zeitweise das Department of English in Ibadan; später war er Präsident der International Society for the Oral Literatures of Africa (ISOLA) und komponierte die Universitäts-Hymne The Fount der University of Ibadan. Okpewho starb am 4. September 2016 in einem Krankenhaus in Binghamton; beigesetzt wurde er am 17. September 2016 auf dem Gate of Heaven Cemetery in East Hanover (New Jersey).
Okpewhos Arbeiten zur mündlichen Literatur verbanden klassisch-philologische Ausbildung mit Feld- und Textstudien und setzten Maßstäbe für die Analyse von Gattung, Performanz und Narratologie afrikanischer Epen. Spät fasste er seine Langzeitforschung in Blood on the Tides: The Ozidi Saga and Oral Epic Narratology (University of Rochester Press, 2014) zusammen. Für seine wissenschaftliche Arbeit erhielt er Fellowships u. a. vom Woodrow Wilson International Center for Scholars (1982), der Alexander-von-Humboldt-Stiftung (1982), dem Center for Advanced Study in the Behavioral Sciences (1988), dem W. E. B. Du Bois Institute (1990), dem National Humanities Center (1997) sowie der John-Simon-Guggenheim-Stiftung (2003). Als Romancier thematisierte er in The Last Duty (1976) – bereits im Manuskript mit dem African Arts Prize for Literature ausgezeichnet – und in Tides (1993) Konflikt-, Gewalt- und Transformationsprozesse im nigerianischen Kontext; Tides gewann 1993 den Commonwealth Writers’ Prize (Region Afrika). Im Jahr 2010 wurde er mit dem NNOM – der höchsten nigerianischen Auszeichnung für Wissenschaft und Geistesleben – geehrt. Sein Einfluss als Gelehrter und Schriftsteller wurde in Nachrufen führender Medien und Fachverbände als außergewöhnlich hervorgehoben.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Okpewho, Isidore |
| KURZBESCHREIBUNG | nigerianischer Romancier, Klassizist und Literaturwissenschaftler |
| GEBURTSDATUM | 9. November 1941 |
| GEBURTSORT | Agbor |
| STERBEDATUM | 4. September 2016 |
| STERBEORT | Binghamton, Vereinigte Staaten |