Ismailitische Rechtsschule

  • Regionen, in denen die ismailitische Rechtsschule die Mehrheit stellt – die meisten Anhänger der ismailitischen Rechtsschule leben jedoch in Südasien
  • Das Fatimidenreich (909–1171) zur Zeit seiner größten Ausdehnung

    Die Ismailitische Rechtsschule geht auf Qādī an-Nuʿmān zurück, der lange Zeit in den Diensten der ismailitischen Dynastie der Fatimiden stand. Der Prozess der Kodifizierung der Gesetze begann in der Regierungszeit des Fatimiden-Kalifen al-Mahdi.

    Das ismailitische Rechtssystem lehnt sich an die Rechtsauffassungen der Zwölferschiiten und der schiitischen Richtung der Zaiditen an und wurde auch vom malikitischen Recht beeinflusst.

    Die wichtigste Rechtsquelle bildete die Ansicht des herrschenden Imam-Kalifen, der bei Meinungsverschiedenheiten das letzte Wort hatte. Beim Koran – dessen Interpretation und Auslegung seiner inneren Wahrheit das Vorrecht des herrschenden Imam-Kalifen war – unterscheiden sie zwischen vordergründigem Wortlaut und tieferer Bedeutung.

    An-Nuʿmān verfasste zahlreiche wichtige Rechtswerke. Bei seiner Kodifizierung stützte er sich unter anderem auf Werke des Imamiten al-Kulainī. Als wichtigstes erhaltenes Werk gilt das Daʿaʾim al-Islam (Die Säulen des Islam / The Pillars of Islam), beauftragt vom vierten fatimidischen Imam-Kalifen al-Muʿizz (gest. 975). Dieses Werk wurde der offizielle Codex für den Fatimiden-Staat und ist die höchste Autorität zum ismailitischen Recht für die Tayyibi-Ismailiten, zu denen auch die ismailitischen Bohra-Ismailiten in Indien zählen.

    Wichtige Werke

    The Pillars of Islam: Volume I: Ibadat: Acts of Devotion and Religious Observances (2002), ISBN 0-19-565535-4.
    The Pillars of Islam: Volume II: Mu'amalat: Laws Pertaining to Human Intercourse (2004), ISBN 978-0-19-568907-5.

    Literatur

    Einzelnachweise

    1. ↑ Karl Wulff: Bedrohte Wahrheit. Der Islam und die modernen Naturwissenschaften. GRIN Verlag, 2010, ISBN 978-3-640-68535-6, S. 69 (229 S., eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
    2. ↑ Karl Wulff: Bedrohte Wahrheit. Der Islam und die modernen Naturwissenschaften. GRIN Verlag, 2010, ISBN 978-3-640-68535-6, S. 70 (229 S., eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche – Siehe ẓāhir und bāṭin).
    3. ↑ F. Daftary: Kurze Geschichte der Ismailiten, S. 91
    4. ↑ iis.ac.uk (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.) - Institute of Ismaili Studies