Jakob Feis

Jakob Feis (* 10. Juli 1842 in Deidesheim; † 7. Juli 1900 in London) war ein deutscher Übersetzer und Schriftsteller.

Leben

Der 1842 in Deidesheim geborene Sohn jüdischer Eltern erhielt eine kaufmännische Ausbildung in Frankfurt am Main und hörte 1861/1862 einige Vorlesungen an der Universität München. 1864 emigrierte er nach London und gründete dort ein Einfuhrgeschäft. Zwanzig Jahre später veröffentlichte er das Buch Shakespeare and Montaigne: An endeavour to explain the tendency of Hamlet from allusions in contemporary works, mit dem er zeigen wollte, dass die Neuerungen in den späteren Ausgaben von William Shakespeares Hamlet sich gegen die Grundsätze des damals neuartigen philosophischen Werks von Michel de Montaigne, The Essays of Michel Montaigne, richteten. Er übersetzte außerdem einige englische Werke ins Deutsche, darunter Auszüge aus den Schriften John Ruskins sowie Alfred Tennysons In Memoriam und The Death of Œnone. Er starb 1900 als wohlhabender Fabrikant in London.

Vermächtnis

Jakob Feis vermachte der katholischen Pfarrei seiner Vaterstadt ein ölgemaltes Marienbild, die Kopie eines Bilds des spanischen Barockmalers Bartolomé Esteban Murillo, das auch in der Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland erwähnt wird und im Chor der Ulrichskirche hängt. Im Protokollbuch der Pfarrei ist dazu am 27. November 1900 vermerkt:

„Jakob Feis aus London – ein Deidesheimer Kind – hat bei seinem Ableben der hiesigen katholischen Kirche ein Muttergottebild zu Eigenthum vermacht. Der Fabrikrat nimmt diese Schenkung an und beschließt seinen Dank hierfür durch Zuschrift an die Witwe des Verlebten zum Ausdruck zu bringen.“

Diese und eine weitere Schenkung der jüdischen Familie Feis zeigen eindrücklich, wie gut das Verhältnis zwischen den Katholiken Deidesheims und ihren jüdischen Mitbürgern um die Wende zum und zu Beginn des 20. Jahrhunderts war.

Veröffentlichungen (Auswahl)

als Autor
als Herausgeber/Übersetzer

Einzelnachweise

  1. ↑ Feis, Jakob. In: Meyers Konversations-Lexikon. Band 6. Biographisches Institut, Leipzig 1894, S. 260 (online).
  2. ↑ FEIS, JACOB. JewishEncyclopedia.com, abgerufen am 26. Januar 2026.
  3. ↑ Berthold Schnabel: Ecclesia und Synagoga in Deidesheim. Vom Zusammenleben der katholischen und jüdischen Gemeinde in Deidesheim.
  4. ↑ Georg Peter Karn, Rolf Mertzenich: Kreis Bad Dürkheim. Stadt Bad Dürkheim, Gemeinde Haßloch, Verbandsgemeinden Deidesheim, Lambrecht, Wachenheim (= Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Band 13.1). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 1995, ISBN 3-88462-119-X, S. 148.
  5. ↑ Berthold Schnabel: Erinnerungen an die jüdische Gemeinde von Deidesheim. In: Heimatfreunde Deidesheim und Umgebung e. V. (Hrsg.): Deidesheimer Heimatblätter. Beiträge zur Geschichte des ehemaligen fürstbischöflich-speyerischen Amtes und der heutigen Verbandsgemeinde Deidesheim. Nr. 7, 1991, S. 20.