Johannes Hauser (Scriptor und Editor)

Johannes Hauser Codex 4119

Johannes Hauser (auch Johann oder Iohannes; * um 1440 in St. Georgen im Attergau; † 29. November 1518 in Mondsee) war ein Benediktinermönch, Schreiber und Leutpriester im Kloster Mondsee. Er gilt als bedeutender Sammler spätmittelalterlicher geistlicher und weltlicher Texte.

Leben

Johannes Hauser wurde um 1440 in St. Georgen im Attergau geboren. Über seine frühe Ausbildung ist wenig bekannt, da Urkunden und Grundbücher seines Geburtsortes infolge wiederkehrender Bauernaufstände zerstört wurden. Er trat in das Kloster Mondsee ein, das zu jener Zeit unter dem einflussreichen Abt Benedikt Eck von Piburg eine wissenschaftliche und künstlerische Blütezeit erlebte (unter anderem wirkte dort der „Meister von Mondsee“).

Mondseeabtei

Hausers Eintrittsdatum in das Kloster ist nicht genau überliefert, seine erste urkundliche Erwähnung fällt auf den 14. August 1474, den Tag seiner Profess. In der Forschung wird vermutet, dass Hauser zusätzlich die Ämter des Schulmeisters und des Stiftsbibliothekars bekleidete, was jedoch bisher nicht zweifelsfrei belegt werden konnte. Sicher ist seine Tätigkeit als Leutpriester und vor allem als Scriptor (Schreiber), eine Bezeichnung, die er für sich selbst verwendete.

Hauser stand im Austausch mit bedeutenden Zeitgenossen und Gelehrten. Das Kloster pflegte enge Beziehungen zur Universität Wien, etwa über Stephan Rudenberger, und beherbergte Forscher des humanistischen Netzwerks von Kaiser Maximilian I., wie Leonhard Schilling.

Johannes Hauser starb am 29. November 1518. Sein Tod ist in der Collectura ex aures biblia vermerkt: „[...] in vigilia sancti Andree apostoli hora nona post soli occasum [...]“ (am Vorabend des Festes des heiligen Apostels Andreas, zur neunten Stunde nach Sonnenuntergang).

Werk und Bedeutung

Hauser war über vier Jahrzehnte (1478–1518) als Schreiber tätig. Sein Werk besteht primär aus umfangreichen Sammelbänden, in denen er fremde Texte zusammentrug. Seine Aufzeichnungen spiegeln das spätmittelalterliche Streben nach Lehrhaftigkeit wider und enthalten Traktate, Predigten, Gedichte, Volkslieder und Segensformeln.

Literarische Sammlungen

Besondere Bedeutung haben seine deutsch-lateinischen Mischcodices. Er kopierte Texte bedeutender Autoren wie Hans Heselloher, Hans Folz, Peter Suchenwirt und Hans Rosenplüt. Die Sprache seiner Aufzeichnungen variiert zwischen Latein und dem zeitgenössischen Bairisch-Österreichischen. Fünf dieser Sammelbände befinden sich heute in der Österreichischen Nationalbibliothek (Codices 3027, 4117, 4118, 4119 und 4120).

Wichtige Einzelschriften

  • Bibelübersetzung (1482): Eine vollständige Wort-für-Wort-Übersetzung der Bibel.
  • Collectura ex aures biblia (1483): Ein lateinischer Index zur Bibel.
  • Phaetra doctorum (1485): Ein alphabetisch geordnetes Sachlexikon zu den Kirchenvätern.
  • Evangelien- und Epistelübersetzung: Diese wörtliche Übertragung wurde lange Zeit fälschlicherweise Leonhard Schilling zugeschrieben, da sie mit „Leonhardi“ signiert war. Die neuere Forschung identifizierte sie jedoch als Werk Hausers.
  • Natabile: Ein erhaltenes Erinnerungsgedicht von Hauser selbst.

Die Melker Reform in Mondsee

Das Kloster Mondsee spielte im 15. Jahrhundert eine zentrale Rolle, da es als Vorzeigekloster bei der Umsetzung der Melker Klosterreform gilt. Dabei handelt es sich um eine Bewegung, die ab dem Jahr 1418 bis in die 1450er stattgefunden hat. Ausgehend vom Stift Melk in Niederösterreich wurden Reformen entwickelt, die das Klosterleben disziplinierter gestalten sollten. Die Reform war darauf angesetzt, in allen Benediktinerklöstern im österreichischen und süddeutschen Raum umgesetzt zu werden. Ziel der Reform war eine Rückbesinnung auf die strengen Ordensregeln sowie eine verstärkte Hinwendung zu Bildung und Schriftlichkeit. Dass Hauser so breit gefächerte Inhalte – von der Bibelübersetzung bis zum Volkslied – sammelte, war ein direktes Ergebnis dieser neuen „Gelehrsamkeit im Kloster“. Unter Äbten wie Benedikt Eck von Piburg wurde Mondsee so zu einem Zentrum des Wissensschutzes, in dem Hauser als Scriptor eine Schlüsselrolle einnahm.

Verbleib der Bestände

Als das Kloster Mondsee 1791 aufgelöst wurde, ordnete man die Bestände der Stiftsbibliothek neu. In diesem Zuge wurden die wertvollen Handschriften und Notizbücher von Johannes Hauser nach Wien gebracht, wo sie heute in der Österreichischen Nationalbibliothek aufbewahrt werden.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ DNB, Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. Abgerufen am 4. Mai 2026.
  2. ↑ Ilse Fiedler: Der Mondseer Benediktiner Johannes Hauser (gest. 1518) als Sammler und Dichter. Wien 1950, S. 6 f.
  3. ↑ Dieter Trauden: "Auch ander ler exempel gut". Der Mondseer Benediktiner Johann Hauser als Sammler volkssprachiger Dramen. In: Amsterdamer Beiträge zur älteren Germanistik. Amsterdam 1995, S. 458 f.
  4. ↑ Fiedler, Der Mondseer Benediktiner Johannes Hauser, S. 7
  5. ↑ Fiedler, Der Mondseer Benediktiner Johannes Hauser, S. 12
  6. ↑ Balázs J. Nemes: Das ‘Heltauer Marienlied’ in Handschriften außerhalb von Siebenbürgen. Untersuchungen zur Überlieferung und Edition. In: Rudolf Bentzinger, Ulrich-Dieter Oppitz, Jürgen Wolf (Hrsg.): Grundlagen Forschungen, Editionen und Materialien zur deutschen Literatur und Sprache des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Stuttgart 2013, S. 329–348.
  7. ↑ Handschriftencensus | Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 3027. Abgerufen am 4. Mai 2026.
  8. ↑ Handschriftencensus | Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 4117. Abgerufen am 4. Mai 2026.
  9. ↑ Handschriftencensus | Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 4118. Abgerufen am 4. Mai 2026.
  10. ↑ Handschriftencensus | Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 4119. Abgerufen am 4. Mai 2026.
  11. ↑ Handschriftencensus | Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 4120. Abgerufen am 4. Mai 2026.
  12. ↑ Trauden, "Auch ander ler exempel gut", S. 485 f.
  13. ↑ Joachim Heinzle (Hrsg.): Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zum Beginn der Neuzeit. Band III: Vom späten Mittelalter zum Beginn der Neuzeit. Berlin/Boston 2013, S. 411 f.
  14. ↑ Christine Glaßner: Stift Melk und die Melker Reform im 15. Jahrhundert. In: Franz Xaver Bischof, Martin Thurner (Hrsg.): Die benediktinische Klosterreform im 15. Jahrhundert. Berlin 2013, S. 75–92.
  15. ↑ Fiedler, Der Mondseer Benediktiner Johannes Hauser, S. 2