
John „Bud“ Cardos (* 20. Dezember 1929 in St. Louis, Missouri; † 31. Dezember 2020 in Acton, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Stuntman, Schauspieler und Regisseur, der häufig mit dem Regisseur Al Adamson sowie den Schauspielern Gary Kent und Robert Dix zusammenarbeitete. Als Regisseur war er für seine Exploitationfilme und B-Movies bekannt.
Cardos wurde 1929 in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri geboren. Sein Vater Johnnie Cardos leitete das Grauman’s Egyptian Theatre und seine Onkel das prunkvolle Chinese Theatre am Hollywood Boulevard; die Familie zog nach Los Angeles als John vier Jahre alt war. Später eröffnete der Vater „Johnnie Cardos’ Club Café“ in Los Angeles. Er war Cousin des Filmproduzenten Spyros P. Skouras, der für Twentieth Century-Fox arbeitete und später zwei Jahrzehnte lang der Präsident von Fox war.
Er begann seine Karriere vor der Kamera als Kinderdarsteller in Hal Roachs „Our Gang“-Komödien in den 1940er-Jahren. Es folgten Gastauftritte in Fernsehserien wie The Monroes, Custer, High Chaparral und in Daniel Boone mit Fess Parker in der Hauptrolle. Als Jugendlicher nahm Cardos während der Sommer in Big Bear an Rodeos teil, arbeitete in Pferdeställen und lieferte Pferde zu den Sets von Filmen von Roy Rogers und Gene Autry. Nach seinem Dienst bei der United States Army von 1946 bis 1952 wurde er Pferdewart und Stuntman der Fernsehserie Sergeant Preston of the Yukon, später betreute er Vögel für Alfred Hitchcocks Tierhorror-Klassiker Die Vögel aus dem Jahr 1963 sowie Spinnen bei Horrorfilm-Produktionen.
Ende der 1960er Jahre erreichte er größere Popularität durch Rollen in mehreren Exploitationfilmen des Regisseurs Al Adamson, oft in Rollen indianischer Figuren, so als Mohawk-tragender indianischer Biker Firewater in Satan’s Sadists und als verrücktes „Halbblut“ Joe Lightfoot in der Westernadaption Fünf blutige Gräber. Danach begann er als Stuntman in Filmen zu arbeiten, darunter Angels on Wheels (1967), Psych-Out (1968), A Man Called Dagger (1968), The Savage Seven (1968), Nightmare in Wax (1969), The Incredible 2-Headed Transplant (1971) und Jud (1971).
Im Laufe seiner Karriere war Cardos auch als Produktionsmanager, Artdirector und Production Designer tätig; in späteren Jahren arbeitete er als Fahrer bei Filmen. Als Produktionsmanager war er unter anderem für Deadwood ’76 (1965), Killers Three (1968), Hell’s Bloody Devils (1970), The Rebel Rousers (1970), Lash of Lust (1972) und Dead of Night (1974) tätig. Für Sam Peckinpahs Monumentalwestern The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz (1969) übernahm Cardos auch Aufgaben als Second-Unit-Regisseur. Sein eigenes Regiedebüt hatte er mit dem Blaxploitation-Film The Red, White, and Black im Jahr 1970. Zu seinen weiteren Regiearbeiten gehören Drag Racer (1972), der Tier-Horrorfilm Mörderspinnen (1977), The Day Time Ended (1979), The Dark (1979), bei dem er Tobe Hooper ersetzte, sowie der Zombie-Film Forbidden World (1982). 1984 löste er Mark Rosman beim Mutant II als Regisseur ab, 1988 inszenierte er Skeleton Coast und 1992 Legends of the West.
Die Ausgabe des Magazins Variety vom 1. Februar 1978 berichtete, dass der Film Tennessee Work Farm, bei dem Cardos ebenfalls Regie führte und der von Igo Kantor produziert wurde, die Hauptdreharbeiten im Norden Arizonas abgeschlossen habe. Der Film wurde für Dimension Pictures hergestellt. Es gab danach jedoch keinerlei weitere Hinweise darauf, dass der Film jemals fertiggestellt oder veröffentlicht wurde.
Obwohl er auch in anderen Bereichen tätig war, wurde er vor allem für seine Stuntarbeit berühmt. Quentin Tarantino sagte über ihn, er ist einer „dieser staubigen Kerle, die aus dem Schacht herausreiten, auf dem Rücken eines zwei Tonnen schweren, schaumgespritzten Ungetüms, das nur darauf aus ist, ihn in den Dreck zu werfen und ihn in Grund und Boden zu stampfen“.
Er und Maskenbildner Martin Varno erinnerten sich an die Dreharbeiten zu Nightmare in Wax (1969) in dem Buch A Sci-Fi Swarm and Horror Horde (McFarland & Co., 2010) des Autors Tom Weaver. Cardos ist das Thema der 2016 erschienenen Biografie Action! von Schauspieler Robert Dix und dessen Ehefrau Lynette Dix. Robert Dix und Cardos standen gemeinsam für den von Al Adamson inszenierten Bikerfilm Satan’s Sadists vor der Kamera. Im Dokumentarfilm Love and Other Stunts (Danger God) unter der Regie von Joe O’Connell, der von seinem Freund und Stuntkollegen Gary Kent handelt, kommt auch Cardos zu Wort: „Man muss sehr athletisch sein, aber das heißt nicht, dass man Stunts kann. […] Ein Stunt muss für mich ohne Nachdenken ablaufen. Du musst genau wissen, was du tust, und es muss passieren, sofort. Ich bin früher im vollen Galopp vom Pferd gefallen, wurde abgeschossen, rückwärts, seitwärts, wie du willst. Nie eine Schramme.“ Neben seiner umfangreichen Filmarbeit beschäftigte sich Cardos auch mit Western-Kunst.
Ab Mitte der 1990er-Jahre arbeitete er zunehmend als Transportkoordinator und Fahrer bei Film- und Fernsehproduktionen, unter anderem für City of Industry (1997), Memento (2000) und Secretary (2002). Im deutschen Sprachraum wurde Cardos unter anderem von Arne Elsholtz, Hartmut Neugebauer, Panos Papadopulos und Manfred Richter synchronisiert.
Cardos starb im Schlaf im Alter von 91 Jahren auf seiner Pferderanch im kalifornischen Acton. Er wurde von seiner Frau Letty und seinen Töchtern Debbie, Kim, Judy und Cindy überlebt.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Cardos, John |
| ALTERNATIVNAMEN | Cardos, John Bud; Cardos, Johnny; Cardos, Bud; Cardos, John Bud |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Stuntman, Schauspieler und Regisseur |
| GEBURTSDATUM | 20. Dezember 1929 |
| GEBURTSORT | St. Louis, Missouri, Vereinigte Staaten |
| STERBEDATUM | 31. Dezember 2020 |
| STERBEORT | Acton, Kalifornien, Vereinigte Staaten |