John McMartin

John McMartin (2011)

John Francis McMartin (* 21. August 1929 in Warsaw, Indiana; † 6. Juli 2016 in New York City, New York) war ein US-amerikanischer Schauspieler, der von 1958 bis 2016 aktiv war. Einige Quellen geben als Geburtsdatum den 18. November 1929 an.

Leben

McMartin wurde 1929 als der Sohn von Royal John „Roy“ Martin in Warsaw im US-Bundesstaat Indiana geboren und wuchs in St. Cloud in Minnesota auf. Er hatte eine jüngere Schwester namens Mary Theresa und einen Bruder namens Jim. Nach dem Abschluss der High School trat er der United States Army bei und diente als Fallschirmjäger in der 101. Luftlandedivision. Nach dem Ende seiner Dienstzeit besuchte er das Columbia College in Chicago, Illinois, schloss sein Studium dort jedoch nicht ab und studierte später an einem College in New York. Ursprünglich wollte er Journalist werden, entschied sich aber schließlich für die Schauspielerei.

Mit der Produzentin von Little Mary Sunshine, Cynthia Baer, hatte er die beiden Töchter Kathleen und Susan, die als Filmproduzentin arbeitet. Das Paar heiratete 1960, ließ sich jedoch 1971 wieder scheiden.

Er starb im Alter von 86 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung im Stadtteil Manhattan von New York City, begleitet durch seine Lebenspartnerin und seinen Bruder Jim. Er wurde von seinen Töchtern und seiner langjährigen Partnerin Charlotte Moore überlebt, Schauspielerin und künstlerische Leiterin des Irish Repertory Theatre. Am 13. Juli 2016 wurden ihm zu Ehren die Leuchtschilder der Broadway-Theater gedimmt.

Karriere

McMartin begann seine Karriere auf der Bühne. Sein Off-Broadway-Debüt gab er 1959 in dem Musical Little Mary Sunshine an der Seite von Eileen Brennan und Elmarie Wendel. Für seine Darstellung des Corporal Billy Jester erhielt er den Theatre World Award.

Seinen ersten Broadway-Auftritt hatte McMartin 1961 als Forrest Noble in The Conquering Hero, gefolgt von Blood, Sweat and Stanley Poole. 1966 schuf er die Rolle des Oscar in Sweet Charity an der Seite von Gwen Verdon, wofür er eine Nominierung für den Tony Award erhielt. Dieselbe Rolle verkörperte er auch in der Verfilmung von 1969 mit Shirley MacLaine. Er war auch für eine Rolle in Stephen Sondheims A Funny Thing Happened on the Way to the Forum vorgesehen, die jedoch noch vor der Premiere aus dem Stück gestrichen wurde.

In den frühen 1970er-Jahren war McMartin ein führendes Mitglied der New Phoenix Repertory Company. Dort trat er unter anderem in Eugene O’Neills The Great God Brown an der Seite von Katherine Helmond, in Molières Don Juan und in Luigi Pirandellos The Rules of the Game auf.

1971 spielte McMartin in der Original-Broadway-Produktion von Sondheims Follies neben Alexis Smith die Rolle des Benjamin Stone und stellte dabei die Ballade The Road You Didn’t Take erstmals dem Publikum vor. Seine Zusammenarbeit mit Sondheim setzte sich fort: 1991 spielte er Frederick in A Little Night Music am Ahmanson Theatre in Los Angeles. Ein Kritiker des Orange County Register beschrieb ihn dabei als „bewusst ausdruckslos und trocken komisch als ihren wiedergefundenen früheren Geliebten“. Im Regionaltheater schuf er 1979 am Kennedy Center die Rolle des Benteen in Custer.

Weitere Broadway-Rollen waren der Erzähler in Happy New Year, Ben in A Little Family Business (1982), Donner in Tom Stoppards Artist Descending a Staircase, Cap’n Andy in Show Boat (1994) von Jerome Kern und Oscar Hammerstein II sowie Uncle Willie in Cole Porters High Society (1998). Zudem übernahm er die Rolle des amerikanischen Marinehelden des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs, John Paul Jones, in dem – jedoch erfolglosen – Musical Pleasures and Palaces, das zuvor bereits in Detroit eingestellt worden war.

2002 wirkte McMartin in der ersten Broadway-Wiederaufnahme von Into the Woods mit und übernahm die Doppelrolle des Erzählers sowie des „geheimnisvollen Mannes“.

Später spielte er Anton Schell an der Seite von Chita Rivera im Musical The Visit am Goodman Theatre. In Grey Gardens schuf er die Rollen von J. V. „Major“ Bouvier und Norman Vincent Peale. In John Guares A Free Man of Color verkörperte er Thomas Jefferson in der Originalbesetzung. In der Broadway-Wiederaufnahme von Anything Goes aus dem Jahr 2011 spielte er Elisha Whitney an der Seite von Jessica Walter.

Vor der Kamera trat McMartin erstmals 1958 im Armstrong Circle Theatre auf. Seinen Durchbruch hatte er von 1961 bis 1963 in der Rolle des Ed Rice in der Seifenoper Jung und Leidenschaftlich – Wie das Leben so spielt. Weitere bekannte Rollen hatte er in East Side West Side sowie in den ersten beiden Staffeln von Die Schöne und das Biest als Charles Chandler, Vater der Titelfigur Catherine, gespielt von Linda Hamilton. In Golden Girls spielte er den Priester Frank Leahy, in den sich Dorothy verliebt, ohne zu wissen, dass er Geistlicher ist. Weitere Gastauftritte absolvierte er in Serien wie The Bob Newhart Show, Cheers, Frasier und Mord ist ihr Hobby. Zudem spielte er das Liebesinteresse von Shirley Jones in der Folge When Mother Gets Married in der Serie Die Partridge Familie.

Zu seinen Filmrollen zählten der Auslandsredakteur in Alle Männer des Präsidenten (1976), ein Senator in Brubaker (1980), ein politischer Berater in Blow Out – Der Tod löscht alle Spuren (1981) sowie der Millionär Mr. Forrester in Staatsanwälte küsst man nicht ('1986). Einen letzten Auftritt vor der Kamera hatte er 2015 in der Fernsehserie Unbreakable Kimmy Schmidt.

Im deutschen Sprachraum wurde McMartin unter anderem von Joachim Ansorge, Eckhard Bilz, Lothar Blumhagen, Michael Chevalier, Michael Cramer, Berno von Cramm, Norbert Gastell, Helmut Gauß, Norbert Gescher, Heinz Giese, Henning Gissel, Reinhard Glemnitz, Michael Grimm, Klaus Guth, Wilfried Herbst, Gerd Holtenau, Joachim Kerzel, Henry Kielmann, Helmo Kindermann, Randolf Kronberg, Franz Otto Krüger, Erich Ludwig, Gerd Martienzen, Peter Matic, Horst Naumann, Klaus Nietz, Heinz Petruo, Eberhard Prüter, Hartmut Reck, Thomas Reiner, Friedrich Schoenfelder, Jochen Schröder, Wolfgang Spier, Horst Stark, Harry Täschner und Gert Wiedenhofen synchronisiert.

Auszeichnungen

  • 1960: Theatre World Award für Little Mary Sunshine
  • 1966: Nominiert für den Tony Award in der Kategorie „Best Featured Actor in a Musical“ für Sweet Charity
  • 1973: Drama Desk Award in der Kategorie „Outstanding Performance“ für Don Juan
  • 1973: Drama Desk Award in der Kategorie „Outstanding Performance“ für The Great God Brown
  • 1973: Nominiert für den Tony Award in der Kategorie „Best Featured Actor in a Play“ für Don Juan
  • 1995: Nominiert für den Tony Award in der Kategorie „Best Actor in a Musical“ für Show Boat
  • 1998: Nominiert für den Drama Desk Award in der Kategorie „Outstanding Featured Actor in a Musical“ für High Society
  • 1998: Nominiert für den Outer Critics Circle Award in der Kategorie „Outstanding Featured Actor in a Musical“ für High Society
  • 1998: Nominiert für den Tony Award in der Kategorie „Best Featured Actor in a Musical“ für High Society
  • 2002: Nominiert für den Tony Award in der Kategorie „Best Actor in a Musical“ für Into the Woods
  • 2006: Nominiert für den Drama Desk Award in der Kategorie „Outstanding Featured Actor in a Musical“ für Grey Gardens
  • 2009: Nominiert für den Lucille Lortel Award in der Kategorie „Outstanding Featured Actor“ für Saturn Returns
  • 2009: Aufnahme in die American Theatre Hall of Fame
  • 2011: Nominiert für den Outer Critics Circle Award in der Kategorie „Outstanding Featured Actor in a Musical“ für Anything Goes
  • 2014: Nominiert für den Outer Critics Circle Award in der Kategorie „Outstanding Featured Actor in a Play“ für All The Way

Filmografie (Auswahl)

Theater (Auswahl)

  • 1959: Little Mary Sunshine (Orpheum Theatre, Off-Broadway, New York City)
  • 1961: The Conquering Hero (ANTA Playhouse, Broadway, New York City)
  • 1961: Blood, Sweat and Stanley Poole (Morosco Theatre, Ambassador Theatre; Broadway, New York City)
  • 1963: Children From Their Games (Morosco Theatre, Broadway, New York City)
  • 1963: A Rainy Day in Newark (Belasco Theatre, Broadway, New York City)
  • 1963: The Millionairess (Paper Mill Playhouse, Millburn, New Jersey)
  • 1964: Too Much Johnson (Phoenix Theatre, Off-Broadway, New York City)
  • 1966–1967: Sweet Charity (Palace Theatre, Broadway, New York City)
  • 1971–1972: Follies (Winter Garden Theatre, Broadway, New York City)
  • 1972: Follies (US-Tournee)
  • 1972–1973: Don Juan / The Great God Brown (Lyceum Theatre, Broadway, New York City)
  • 1973: Sondheim: A Musical Tribute (Shubert Theatre, Broadway, New York City)
  • 1973–1974: Chemin de Fer / The Visit (Ethel Barrymore Theatre, Broadway, New York City)
  • 1974: Love for Love (Helen Hayes Theatre, Broadway, New York City)
  • 1974: The Rules of the Game (Helen Hayes Theatre, Broadway, New York City)
  • 1976: The Fatal Weakness (Cape Playhouse, Dennis, Massachusetts)
  • 1976: The Fatal Weakness (Ogunquit Playhouse, Ogunquit, Maine)
  • 1977: The Misanthrope (Joseph Papp Public Theater / Anspacher Theater, Off-Broadway, New York City)
  • 1978: Absent Person Singular (Ahmanson Theatre, Los Angeles)
  • 1980: Happy New Year (Morosco Theatre, Broadway, New York City)
  • 1982: Solomon’s Child (Little Theatre, Broadway, New York City)
  • 1982: A Little Family Business (Martin Beck Theatre, Broadway, New York City)
  • 1982: A Little Family Business (Ahmanson Theatre, Los Angeles)
  • 1982: The Subject was Roses (Cape Playhouse, Dennis, Massachusetts)
  • 1982: The Subject was Roses (Ogunquit Playhouse, Ogunquit, Maine)
  • 1988: Julius Caesar (Joseph Papp Public Theater / Newman Theater, Off-Broadway, New York City)
  • 1989: Artist Descending a Staircase (Helen Hayes Theatre, Broadway, New York City)
  • 1991: A Little Night Music (James A. Doolittle Theatre, University of California, Los Angeles)
  • 1994–1997: Show Boat (Gershwin Theatre, Broadway, New York City)
  • 1998: High Society (St. James Theatre, Broadway, New York City)
  • 2001: The Visit (Weltpremiere in Chicago)
  • 2002: Into the Woods (Ahmanson Theatre, Los Angeles)
  • 2002: Into the Woods (Broadhurst Theatre, Broadway, New York City)
  • 2003: Abelard and Heloise (New York Workshop)
  • 2004: Passion (Ambassador Theatre, Broadway, New York City)
  • 2005: Thrill Me: The Leopold & Loeb Story (York Theatre at St. Peter’s, Off-Broadway, New York City)
  • 2005–2006: Grey Gardens (Playwrights Horizons, Off-Broadway, New York City; Lesung 2005)
  • 2006: Indian Blood (59E59 Theaters / Theater A, Off-Broadway, New York City)
  • 2006–2007: Grey Gardens (Walter Kerr Theatre, Broadway, New York City)
  • 2007–2008: Is He Dead? (Lyceum Theatre, Broadway, New York City)
  • 2008: Saturn Returns (Mitzi E. Newhouse Theater, Off-Broadway, New York City)
  • 2009: Chance & Chemistry (Minskoff Theatre, Broadway, New York City)
  • 2010: Paradise Found (Menier Chocolate Factory Production, West End, New York City)
  • 2010–2011: A Free Man of Color (Vivian Beaumont Theater, Broadway, New York City)
  • 2011–2012: Anything Goes (Stephen Sondheim Theatre, Broadway, New York City)
  • 2013: The Explorers Club (New York City Center / Stage I, Off-Broadway, New York City)
  • 2014: All The Way (Neil Simon Theatre, Broadway, New York City)

Literatur

Commons: John McMartin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 John McMartin. Internet Movie Database, abgerufen am 20. Oktober 2026.
  2. ↑ John McMartin in The Movie Database (englisch), abgerufen am 20. Oktober 2026.
  3. ↑ John McMartin bei Fernsehserien.de, abgerufen am 20. Oktober 2026.
  4. 1 2 John McMartin in der Datenbank Find a Grave, abgerufen am 20. Oktober 2026.
  5. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 John McMartin in der Internet Broadway Database, abgerufen am 20. Oktober 2026 (englisch)
  6. ↑ John McMartin Obituary. In: Legacy. The New York Times, 7. Juli 2016, abgerufen am 20. Oktober 2026 (englisch).
  7. ↑ William Grimes: John McMartin, 86, versatile and prolific actor of stage, screen. In: The Boston Globe. 11. Juli 2016, abgerufen am 20. Oktober 2026 (englisch).
  8. ↑ Sprecher und Stimme John McMartin. In: Sprecherdatei.de. Abgerufen am 20. Oktober 2026.
  9. ↑ John McMartin. In: Deutsche Synchronkartei. Abgerufen am 20. Oktober 2026.
  10. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 John McMartin (Internet Off-Broadway Database, Lucille Lortel Foundation) (Memento vom 29. November 2021 im Internet Archive)
  11. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 John McMartin (Performer). In: Playbill. Abgerufen am 20. Oktober 2026 (englisch).
  12. ↑ Redgrave, Schwartz, Lloyd Webber and More Inducted Into Theater Hall of Fame Jan. 25 (Memento vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive) (Andrew Gans, Playbill, 25. Januar 2010; englisch)
  13. 1 2 3 4 5 John McMartin. In: Broadway World. Abgerufen am 20. Oktober 2026 (englisch).