John Napier

John Napier
Titelseite von Mirifici logarithmorum canonis descriptio (1614)
Titelseite von Rabdologiae seu numerationis per virgulas libri duo (1617)

John Napier, 8. Laird of Merchiston (latinisiert auch Neper, * 1. Februar 1550 in Merchiston Castle bei Edinburgh; † 4. April 1617 ebenda) war ein schottischer Theologe und Mathematiker.

Leben und Wirken

Napier war der älteste Sohn des schottischen Lairds Archibald Napier (1534–1608) und dessen Frau Janet Bothwell († 1563). Im Alter von 13 Jahren ging er auf das St Salvator’s College der University of St Andrews, wo er bei John Rutherford (um 1515–1577), dem Provost (Vorsteher) des Colleges, wohnte. Der Bruder seiner Mutter, Adam Bothwell (um 1527–1593), Bischof von Orkney, empfahl, dass er seine Studien im Ausland fortsetzen sollte. 1571 war Napier wieder in Schottland. 1572 wurden ihm viele Besitztümer seines Vaters übertragen und er heiratete Elizabeth Stirling († 1579). Aus der Ehe mit ihr gingen der Sohn Archibald (um 1576–1645) und die Tochter Joanne hervor. Nach dem Tod seiner Frau heiratete er Agnes Chisholmm aus Cromlix (Perthshire). Mit ihr hatte er zehn Kinder, darunter den Sohn Robert (1580–1655), der den literarische Nachlass seines Vaters verwaltete.

In den 1580er Jahren beschäftigte sich Napier mit der Offenbarung des Johannes. Dies führte 1593 zur Veröffentlichung des Bibelkommentars A plaine discovery of the whole Revelation of Saint John. Auf mathematischer Grundlage sagte er darin die Wiederkunft Jesu Christi, das Jüngste Gericht und die Apokalypse für die Jahre zwischen 1688 und 1700 voraus. Das Werk erlangte schnell weite Verbreitung. Es wurde ins Niederländische (1600 und 1607), Französische (1602, 1603, 1605 und 1607) und Deutsche (1611, 1612, 1615 und 1627) übersetzt und erfuhr weitere drei englische Auflagen (1594, 1611 und 1645).

Napier und der Schweizer Jost Bürgi entwickelten etwa gleichzeitig, unabhängig voneinander, den Logarithmus als ein Rechenhilfsmittel (1614, 1620), das jahrhundertelang in Gebrauch war. Im Gegensatz zu Bürgis wenig beachteten Logarithmen wurde Napiers Erfindung von Gelehrten eifrig studiert und vor allem von Henry Briggs rasch weiterentwickelt.

Napier wollte hierbei sphärisch-trigonometrische Berechnungen rein logarithmisch durchführen. Dafür entwickelte er wichtige Sätze der sphärischen Trigonometrie wie den Halbwinkelsatz oder die Napierschen Analogien (Logarithmorum canonis descriptio, 1620, S. 47, 56). Die nach ihm benannten Napierschen Regeln sind eine prägnante Zusammenfassung damals schon bekannter Rechenformeln für das rechtwinklige sphärische Dreieck, für die Napier einen eleganten Beweis gab (Logarithmorum canonis descriptio, 1620, S. 56).

Napiers Rechenstäbchen (Rabdologiae seu numerationis per virgulas libri duo, 1617) hatten bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung der Rechenmaschinen. Durch sie war es Wilhelm Schickard möglich, die erste mechanische Rechenmaschine zu bauen.

Ehrungen

Ihm zu Ehren wurde die Hilfsmaßeinheit der Dämpfung bei elektrischen und akustischen Schwingungen Neper genannt. Ebenso wurde nach Napier das Nit, eine nicht mehr gebräuchliche dimensionslose Einheit der Datenmenge, benannt.

Das Napier Technical College in Edinburgh wurde 1964 nach ihm benannt.

Der Mondkrater Neper und der Asteroid (5558) Johnnapier sind nach ihm benannt.

Gleiches gilt für die Insel Napier Island in der Antarktis.

Schriften (Auswahl)

postum

Literatur

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Einzelnachweise

  1. ↑ Brian Rice, Enrique González-Velasco, Alexander Corrigan (Hrsg.): The life and works of John Napier. Springer, Cham 2017, ISBN 978-3-319-53281-3, S. 13–14.
  2. ↑ Alexander Corrigan: John Napier’s Influence on Seventeenth-Century Apocalyptic Thinking in England. In: Reformation & Renaissance Review. Band 22, Nr. 2, 2020, S. 126.
  3. ↑ William Rae Macdonald (Hrsg.): The construction of the wonderful canon of logarithms. William Blackwood and sons, Edinburgh / London 1889, S. 109–128 (online).
  4. ↑ A. v. Braunmühl: Geschichte der Trigonometrie. Band 2. Leipzig 1903, S. 4, 10.
  5. ↑ Napier’s analogies, Mathworld
  6. ↑ U. Dietrich, K. Girstmair: John Napiers Trigonometrie – ein Blick zurück. In: Math. Semesterber. Band 56, 2009, S. 215–232.
  7. ↑ John Napier beim IAU Minor Planet Center (englisch)