Josef Blau (* 12. August 1872 in Ober Neuern, Bezirk Klattau, Österreich-Ungarn; † 22. Oktober 1960 in Straubing) war ein sudetendeutscher Lehrer, Heimatforscher und Volkskundler.
Als ältester Sohn einer Handwerker- und Ackerbürgerfamilie geboren, trat er nach der Schulausbildung und einer vierjährigen Tätigkeit als Schreibgehilfe eines Rechtsanwalts in Neuern und Bilin im Jahr 1890 in die Deutsche Lehrerbildungsanstalt in Prag ein. Nach deren Abschluss wurde er Lehrer und Oberlehrer an verschiedenen Schulen im Böhmerwald, zuletzt in seiner Geburtsstadt Neuern bei Klattau. 1910 besuchte Josef Blau einen Volkshochschulkurs in Eger, dem heutigen Cheb, wo er durch den Prager Universitätsprofessor Adolf Hauffen erste Anregungen für seine spätere Tätigkeit als Heimatforscher erhielt. Er publizierte seit dem Ersten Weltkrieg Druckschriften mit den Ergebnissen seiner Heimatforschung. Er wurde Initiator und einer der bedeutendsten Repräsentanten der Heimatforschung, Heimatbildung und Volkskunde der Ersten Tschechoslowakischen Republik und trat selbst forschend im Bereich der Kultur des Böhmerwaldes hervor.
Josef Blau war mit Betty Jindřichvá verheiratet. Er ist der Schwager des chodischen Komponisten Jindřich Jindřich.
Frühzeitig, schon 1929, wurde er in den Ruhestand versetzt, um sich ganz seiner Forschungsarbeit widmen zu können. Lernend und lehrend hat Blau den Böhmerwald durchwandert, hat er der Vergangenheit, der Eigenart, dem Leben und der Arbeit der Böhmerwäldler nachgespürt wie kaum ein anderer. Für seine Forschungen besuchte er die Orts- und Pfarrarchive, die Schlossarchive und Grundbuchämter seiner Heimat, die Staats- und Landesarchive in Prag, München und Landshut. Auch suchte er überall vom Volk zu hören und zu lernen, schrieb die mündlichen Überlieferungen nieder, beobachtete und beschrieb die Bräuche, vor allem aber das Arbeitsleben der Waldler. Haus und Hof, Möbel und Tracht, Zierformen und Stoffmuster und das heute vielfach schon verschollene alte Arbeitsgerät hat er auf seinen Wanderungen gezeichnet und fotografiert, auch vieles gesammelt, um es dem Wiener Volkskundemuseum zu übereignen.
In rascher Folge erschienen weitere heimatgeschichtliche und volkskundliche Schriften, zusammen über dreißig Bücher und Broschüren und Hunderte von Aufsätzen. Blau war nie ein Vergangenheitsschwärmer: Er stand mitten im tätigen Leben, er sah mit ungetrübtem Blick die sozialen Verhältnisse im Böhmerwald - und er suchte sie zu bessern.
Aus seiner eigenen Arbeit gewann Blau schon in jungen Jahren die Erkenntnis, dass gerade der Volksschullehrer Hervorragendes auf dem Gebiet der Heimatforschung leisten könnte und auch im Interesse seiner Unterrichtsaufgabe leisten sollte. Darum forderte er leidenschaftlich die heimatkundliche Grundlegung und Ausrichtung der gesamten Schul- und Volksbildungsarbeit. Zur Einführung in diese heimatkundliche Arbeit und Unterrichtung schrieb Blau das für seine Zeit bahnbrechende Werk „Der Lehrer als Heimatforscher“ (Prag 1915), das in kurzer Zeit drei Auflagen erlebte und das von berufener Seite ein „Leuchtturm der Heimatforschung“ genannt worden ist.
Schon im Sommer 1905 begann die Freundschaft Blaus mit dem Dichter Hans Watzlik (geboren 1879 in Unterhaid bei Kaplitz, gestorben 1948 auf Gut Tremmelhausen bei Regensburg), der damals Fachlehrer an der Bürgerschule in Neuern war. Gemeinsam wurde nun die Heimat durchwandert, und reger Gedankenaustausch befruchtete das Schaffen beider. Josef Blau hat dem Dichter Watzlik zahlreiche Anregungen für sein Werk gegeben.
Blau sind aber im Leben und Wirken auch Leid und Unglück nicht erspart geblieben: Ein Unfall entriss ihm die erste Frau, Krankheit die zweite, und im Ersten Weltkrieg verlor er den Sohn, das einzige Kind. Obwohl er zunächst von der Heimatvertreibung verschont blieb, beantragte er 1947 die freiwillige Ausreise aus der tschechoslowakischen Republik, deren Staatsbürgerschaft er besaß und die ihm auch genehmigt wurde, aber erst 1948 vollzogen wurde. In der neuen Heimat in Niederbayern setzte er seine Forschertätigkeit fort.
Sein erster Zufluchtsort im nachbarlichen Bayern war das Grenzdorf Schachten bei Eschlkam, dann zog er nach Neuhausen bei Metten, dann nach Deggendorf und schließlich in die Gäubodenstadt Straubing. Dort starb Josef Blau am 22. Oktober 1960 im Alter von 88 Jahren. Den schriftlichen Nachlass und die Bücher erwarb die Staatliche Glasfachschule in Zwiesel, nachdem zuvor noch Blau einen Teil seiner Unterlagen dem Böhmerwaldmuseum in Passau gegeben hatte.
(Quelle: )
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Blau, Josef |
| KURZBESCHREIBUNG | sudetendeutscher Lehrer, Heimatforscher und Volkskundler |
| GEBURTSDATUM | 12. August 1872 |
| GEBURTSORT | Neuern |
| STERBEDATUM | 22. Oktober 1960 |
| STERBEORT | Straubing |