


Josef Trattner (* 13. März 1955 in Semriach) ist ein österreichischer Künstler. Bekannt wurde er vor allem durch seine Arbeiten mit dem Werkstoff Schaumstoff.
Josef Trattner absolvierte die Akademie der bildenden Künste in Wien, wo er in den Jahren 1996 bis 2008 auch eine Lehrtätigkeit ausübte. Trattner betätigt sich in unterschiedlichen Disziplinen der Kunst: Sein Werk umfasst Skulpturen, Performances, Aktionen, Fotografie, Videos und Literatur.
Bereits in seiner frühen Schaffenszeit bediente sich Trattner einer reduzierten Formensprache, gepaart mit einer puristischen, oft auf dem Prinzip der Täuschung basierenden Materialästhetik. Waren es zunächst noch an Naturformen erinnernde, mit Tempera bemalte und zu mehrteiligen Ensembles arrangierte Gipsarbeiten gewesen, so entstanden in der Folge ebenfalls aus Draht und Gips gefertigte, jedoch mit Blei ummantelte Objekte, bei denen organisch-runde mit geometrisch-blockhaften Formen kontrastieren. Die von Trattner geschaffenen groß dimensionierten Stempel-Plastiken reflektieren das doppeldeutige Verhältnis von Positivform und Negativabdruck. Trattner entwickelte seine Formensprache auf der Basis der Minimal Art weiter, wobei er bevorzugt Gegensatzpaare wie runde und kantige Formen, Organisches und Geometrisch-Abstraktes oder die Arbeit mit den Positiv/Negativ-Effekten einsetzt. Er betont in seinen Arbeiten gerne den Übergang vom Organhaften zum Geometrischen.
Zu seinen ab den 1980er-Jahren permanent im öffentlichen Raum platzierten Kunstwerken zählen unter anderem ein Brunnenartefakt in Wien-Meidling und die Ausgestaltungen im Hof des Bundesschulzentrums Bergheidengasse in Wien-Hietzing. Seit 1990 realisiert Trattner unter Verwendung des Werkstoffs Schaumstoff Projekte im öffentlichen Raum. Vor allem handelt es sich um temporäre Interventionen, etwa in der Landschaft oder im Bereich von historischen Gebäuden. Auf eine Schaumstoff-Performance von Josef Trattner geht auch die Möblierung des Hofs des Wiener MuseumsQuartiers (MQ) zurück: Im Sommer 2002 entwarf Trattner für das Areal im Wiener MuseumsQuartier riesige Schaumstoffkuben, die im Rahmen einer temporären Installation von den Besuchern begeistert genutzt wurden. Die Geschäftsführung der MuseumsQuartier Errichtungs- und Betriebsgesellschaft (MQ E+B) lud daraufhin zu einer Ideenfindung für dauerhafte Sitzmöbel für die MQ-Höfe ein. Sieger wurde das Architektenteam PPAG mit seinem Hofmöbel „Enzi“.
Seit dem Jahr 2000 setzt sich Josef Trattner künstlerisch mit den Farben des Weins auseinander. Nach einer Ausstellung mit 100 Weinbildern im Wiener Künstlerhaus im Jahr 2005 folgten weitere Ausstellungen und Performances mit Weinartefakten in Österreich, der Schweiz und im italienischen Piemont. Bei der 8. Shanghai Biennale in der Zeit vom 23. Oktober 2010 bis 23. Jänner 2011 war Trattner als österreichischer Vertreter mit 100 Weinbildern vertreten. Ebenso wie Hermann Nitsch gilt Josef Trattner als österreichischer Vertreter der extremen Form des Drip Paintings. Mit ihrem Schaffen individueller Kunstwerke durch Auftragen und Schütten von Farben und anderen Materialien auf Papier und Leinwand stehen beide Künstler in der Tradition von Jackson Pollock.
Seit 2004 widmet sich Josef Trattner seinen „Europäischen Sofafahrten“, die ihn in mehr als 80 Städte und verschiedene Länder führten. Einen essenziellen Teil der Sofafahrten, bei denen jeweils performative und kommunikative Aspekte im Vordergrund stehen, stellen umfangreiche Publikationen und filmische sowie fotografische Dokumentationen und Inszenierungen dar. Ein wesentliches Merkmal von Trattners Arbeiten ist die Überlagerung von kunstimmanenten Aspekten (dazu zählen unter anderem das Verhältnis von Materialität, Form und Farbe zum Innenraum und Außenraum) mit gesellschaftlichen Fragestellungen. Seine ephemeren, nach Veränderung durch Publikum und Wettereinflüsse sich wieder in Nichts auflösenden Inszenierungen in Natur- und Stadträumen sind immer auch soziale Versuchsanordnungen, denen ein selbstreflexives und kritisches Potenzial eingeschrieben ist.
Eine Reihe von künstlerischen Projekten setzte Trattner im Zusammenwirken mit anderen Disziplinen der Kunst um. Kooperationen gab es mit Musikern, Literaten, Architekten und Fotografen. Josef Trattner lebt und arbeitet in Wien sowie im Weinviertel. Er ist Mitglied der Wiener Secession.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Trattner, Josef |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Künstler |
| GEBURTSDATUM | 13. März 1955 |
| GEBURTSORT | Semriach |