
Joseph Augustus Moloney (* 1857 in Newry, Nordirland; † 5. Oktober 1896 in Surbiton bei London, England) war ein irischer Sanitätsoffizier und Forschungsreisender. Er wurde insbesondere bekannt für seine Teilnahme an der sog. „Stairs“-Expedition von 1891–1892, die Katanga im späteren Kongo-Freistaat in Zentralafrika für den belgischen König Leopold II. eroberte und dabei den Herrscher Msidi tötete. Moloney übernahm für einige Wochen die Leitung der Expedition, als deren Militäroffiziere tot oder durch Krankheit außer Gefecht gesetzt waren, und schrieb einen populären Bericht darüber, der 1893 veröffentlicht wurde.
Moloney studierte am Trinity College Dublin und am St. Thomas’s Hospital in London Medizin. Er praktizierte in Südlondon als Arzt, war ein Sportler und Segler und zeigte eine Vorliebe für Abenteuer. Er meldete sich freiwillig, um als Militärarzt im Ersten Burenkrieg in Südafrika zu dienen. Anschließend nahm er als Sanitätsoffizier auf einer Expedition nach Marokko teil, von der er 1890 zurückkehrte. Aufgrund dieser Erfahrungen wurde er von dem kanadischen Söldner Captain William Stairs angeworben. Als einer von fünf Europäern sollte Moloney Stairs auf seine bewaffnete Mission mit 336 afrikanischen Askaris und Trägern begleiten, um Katanga für den Freistaat Kongo und dessen Herrscher Leopold II. in Besitz zu nehmen. Die Expedition war so angelegt, dass auch eine bewaffnete Auseinandersetzung mit dem lokalen Herrscher Msidi in Kauf genommen wurde.

Die Expedition brauchte ein Jahr für die Hin- und Rückreise von ihrer Basis in Sansibar zu Msidis Hauptstadt Bunkeya, wo sie fast zwei Monate blieben. Sie litten an Krankheiten und zeitweise auch an Hunger und mussten weitere Herausforderungen meistern. Ein Viertel der Afrikaner und zwei der fünf Europäer starben, darunter auch Stairs. Moloney blieb von schweren Erkrankungen verschont. Als sich Msidi in Bunkeya weigerte, einen Vertrag zu unterzeichnen, der Leopolds Souveränität und die Oberhoheit des Freistaats festschrieb, wurde dieser vom stellvertretenden Expeditionsleiter Omer Bodson getötet. Msidis Nachfolger und seine Anhänger mussten in der Folge die militärische Überlegenheit der Expeditionsteilnehmer anerkennen, fügten sich letztlich und unterzeichneten den Vertrag. Katanga wurde somit Teil von des Freistaats Kongo.
Moloneys Expeditionsbericht enthält hierzu eine bedeutende Auslassung. Als Beweis für Msidis „Barbarei“ merkt er darin an, dass dieser die Köpfe und Schädel hingerichteter Feinde und wegen Vergehen Verurteilter auf Pfähle und die Palisaden seiner Boma legte. Etwa zur gleichen Zeit wie Moloneys Buch wurde in Paris ein Artikel auf Französisch veröffentlicht, in dem Moloneys Expeditionskollege, der Marquis Christian de Bonchamps, enthüllte, dass die Expeditionsteilnehmer Msidis Kopf nach seiner Ermordung ebenso abgeschnitten und diesen auf einer Stange in aller Öffentlichkeit aufgehängt hatten, um seinem Volk eine „barbarische Lektion“ zu erteilen.
Moloney ging in seiner Einstellung als Expeditionsarzt im Großen und Ganzen konventionell an seine Aufgabe heran und war seinem Kommandanten und Arbeitgeber gegenüber loyal. Manchmal schrieb er anerkennend über viele der Afrikaner auf der Expedition, insbesondere über „Chef“ (d. h. Vorgesetzter) Hamadi-bin-Malum und einige der Askaris und Träger aus Sansibar. Er widersprach auch der konventionellen Weisheit im Kolonialdienst, indem er die Anständigkeit und Menschlichkeit vieler Araber in Ost- und Zentralafrika hervorhob und meinte, dass sie ein viel besseres Verhältnis zu den Bantu-Völkern hätten, als seine Kollegen zugeben würden. Als Arzt behandelte Moloney afrikanische Dorfbewohner, die zu ihm gebracht wurden, so oft es seine Medikamentenvorräte erlaubten.
Andererseits ließ sich Moloney in seinen Schriften nicht von der Vorstellung beunruhigen, dass die Ermordung von Msidi ungerechtfertigt gewesen sein könnte oder dass die Eroberung von Katanga für Leopold II. ein Gebietsraub war. Er schrieb, dass Msidi ein blutrünstiger Tyrann und Despot war, von dessen Herrschaft die einheimische Bevölkerung durch die Expedition befreit worden war, und dass Bodson Msidi in Selbstverteidigung getötet hatte.
Er ging zwar darauf ein, dass er und Stairs als britische Untertanen im Dienste des Königs von Belgien in bewaffneten Konflikt mit konkurrierenden britischen Interessen (der British South Africa Company von Cecil Rhodes) geraten könnten. Er schrieb, dass sie in diesem Fall ihre Pflichten gegenüber ihrem Arbeitgeber erfüllen würden, aber er dachte nicht darüber nach, was andere Briten davon halten könnten. Moloney betrachtete Belgien nicht als ernsthaften Rivalen des britischen Empires, anders als Frankreich, Deutschland oder Portugal.
In seinem Nachruf in der Londoner Times wurde Moloney als „sehr tapfer“ beschrieben und seine Leitung der Expedition während der Krankheit von Captain Stairs und nach Bodsons Tod gewürdigt. Er festigte die Kontrolle über Katanga und errichtete ein starkes Fort, wodurch die folgenden belgischen Hilfsexpeditionen die Kontrolle über die Stadt festigen konnten.
Nach seiner Rückkehr nach London hielt Moloney Vorlesungen und verfasste Abhandlungen über die Geographie der Expeditionsroute. Er wurde zum Mitglied der Royal Geographical Society ernannt und lebte in New Malden im Südwesten Londons.
1895 reiste Moloney mit einer Expedition erneut nach Zentralafrika, diesmal im Auftrag der British South Africa Company (die während der Stairs-Expedition sein Konkurrent gewesen war), um mit afrikanischen Häuptlingen im Nordosten Rhodesiens Verträge auszuhandeln. Diese Expedition verlief friedlicher als die Stairs-Expedition und war recht erfolgreich, bis auf den Fall von Mpeseni, einem Nguni-Häuptling, der in der Nähe des heutigen Chipata ansässig war. Die Nguni waren Zulu-stämmig und hatten eine ähnliche Kriegertradition. Moloney verbrachte zwei Tage mit Mpeseni, reiste aber unverrichteter Dinge ab. Zwei Jahre später zogen Mpeseni und seine Krieger gegen die Briten in den Krieg, wurden aber besiegt.
Möglicherweise aufgrund seiner späteren Tätigkeit für den BSAC oder weil seine Rolle als untergeordnet galt, genoss Moloney nicht dieselbe Wertschätzung wie später Stairs, der Katanga für die Belgier in Besitz genommen hatte.
Joseph Moloney kehrte nach Südwest-London zurück, konnte seinen Status als gefeierter Entdecker jedoch nicht mehr genießen: Er starb im Alter von 38 Jahren und ist auf dem Kingston Cemetery in Kingston upon Thames begraben.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Moloney, Joseph |
| ALTERNATIVNAMEN | Moloney, Joseph Augustus (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | irischer Mediziner und Entdecker |
| GEBURTSDATUM | 1857 |
| GEBURTSORT | Newry, Nordirland |
| STERBEDATUM | 5. Oktober 1896 |
| STERBEORT | London, England |