| Uhrenfabrik Junghans GmbH & Co. KG | |
|---|---|
| Rechtsform | GmbH & Co. KG |
| Gründung | 1861 |
| Sitz | Schramberg, |
| Leitung | Hannes Steim |
| Mitarbeiterzahl | ca. 110 (2023) |
| Branche | Uhren |
| Website | www.junghans.de |
| Stand: 31. Dezember 2022 | |
Junghans ist ein deutscher Hersteller von Uhren, der 1861 in Schramberg im Schwarzwald gegründet wurde und Anfang des 20. Jahrhunderts mit zeitweise über 3000 Beschäftigten der größte Uhrenhersteller der Welt war. In dem historischen Gebäude des Uhrenherstellers in Schramberg wird seit 2018 ein Uhrenmuseum betrieben.


Im Jahr 1860 gründete der Kaufmann Erhard Junghans gemeinsam mit seinem Schwager Jakob Zeller-Tobler in Schramberg eine Ölmühle, die allerdings wirtschaftlich ein Misserfolg wurde. Daraufhin gründete Junghans im folgenden Jahr 1861 mit Zeller-Tobler die Uhrenbestandteile-Firma Zeller & Junghans. Zunächst wurden Gehäuseteile für andere Uhrenhersteller im Schwarzwald fabriziert. Ab 1866/67 konnten die ersten Uhrwerke hergestellt werden. Im Jahr 1870 lag die wöchentliche Produktion bei etwa 360 Uhren, 72 Arbeiter waren beschäftigt.
Erhard Junghans starb im Herbst 1870, worauf die Witwe Luise Junghans die Leitung des Unternehmens übernahm. Am 1. Juli 1875 wurde die Firma Junghans von Luise Junghans an die Söhne Erhard d. J. und Arthur Junghans verkauft; laut Gesellschaftervertrag übernahm der ältere Sohn Erhard (d. J.) sowohl die kaufmännische als auch die technische Leitung. In den Jahren nach der Übernahme brachte Arthur Junghans, der vorher für ein Jahr in amerikanischen Uhrenfabriken gearbeitet hatte, eine Reihe von technischen Modernisierungen auf den Weg. Ende der 1870er Jahre nahm Junghans auch die Fertigung von Weckern nach amerikanischem Vorbild auf, was zu einer starken Vergrößerung des Unternehmens führte.
Bereits 1883 und nochmals 1894 versuchte Arthur Junghans, eine Fertigung einfacher Taschenuhren aufzubauen. Eine Reihe von Fehlschlägen zwang jedoch dazu, diese Bemühungen einzustellen. Die Fusion mit der Schwenninger Thomas Haller AG, die bereits seit Mitte der 1890er Jahre Taschenuhren fabrizierte und vermarktete, ermöglichte Junghans ab 1900 die Erweiterung des Sortiments um Taschenuhren als Sparte.
1888 präsentierte das Unternehmen einen fünfstrahligen Stern mit einem „J“ in dessen Mitte als Markenzeichen. Im Jahr 1890 bekam dieser Stern acht Zacken. Er ist heute noch das Markenzeichen des Unternehmens.
Nach einem Streit übergab Erhard d. J. im Jahr 1897 seinem jüngeren Bruder Arthur die alleinige Firmenleitung, die Arthur bis zu seinem Tod 1920 behielt.
1903 war Junghans mit mehr als 3000 Beschäftigten und einer Produktion von über drei Millionen Uhren pro Jahr der weltweit größte Uhrenhersteller. Im Jahr 1906 nahm Junghans ferner die Fertigung von Munitionszündern auf, die nach Beginn des Ersten Weltkrieges in Schramberg in großen Mengen hergestellt wurden.

1918 wurde der von Philipp Jakob Manz entworfene und inzwischen denkmalgeschützte Terrassenbau nach zwei Jahren Bauzeit eingeweiht, der danach als Arbeitsplatz für Hunderte von Firmenarbeitern diente und später zum Museum wurde. Manz legte die schmalen, lange Räume so an, dass möglichst viele Arbeitsplätze am Fenster liegen und Mitarbeiter dadurch viel Tageslicht erhielten.


1927 begann Junghans mit der Produktion von Armbanduhren, wobei anfangs zugekaufte Werke der Gebrüder Thiel GmbH in Ruhla verwendet wurden. Ab 1930 fertigte Junghans eigene Armbanduhren. Zur gleichen Zeit begann die Zusammenarbeit mit der französischen ATO und die Herstellung der gleichnamigen elektrischen Pendeluhren bis 1962.
Ebenfalls in den 1930er-Jahren traten erstmals „Weckermädle“ auf. Dabei handelte es sich um Frauen, die in Nachbildungen von Weckern gekleidet waren und in den folgenden Jahrzehnten regelmäßig die Kunden von Junghans in der Fabrik begrüßten.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Junghans von den Generaldirektoren Erwin Junghans (1875–1944) und Helmut Junghans (1891–1964), den Söhnen von Arthur Junghans, auf Rüstungsproduktion ausgerichtet. Junghans erhielt aufgrund der Kriegsvorbereitungen zahlreiche Rüstungsaufträge (Präzisionsuhren für Flugzeuge und Schiffe sowie Munitionszünder aller Arten). In den Jahren des Zweiten Weltkrieges stellten über 9000 Beschäftigte in bombensicheren Räumen in Schramberg vorwiegend Zünder und weitere Rüstungsgüter her. Von Junghans entwickelte Zünder wurden auch in großem Umfang von anderen Unternehmen besonders in Pforzheim hergestellt, was wohl die Ursache der totalen Zerstörung Pforzheims durch die Alliierten war. Junghans gründete unter neutralem Namen auch in anderen Städten Zweigwerke für die Herstellung von Rüstungsgütern (z. B. „MESSAP“ in Hamburg). In Mühlheim an der Donau unterhielt Junghans zusammen mit der Uhrenfabrik Mühlheim einen eigenen Schießplatz zum Testen von Munition.
Im Jahr 1942 waren in Schramberg 440 „Ostarbeiter“, 332 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus Frankreich und 90 Zwangsarbeiter aus Polen bei Junghans untergebracht. Die französischen Arbeiter waren meist in Gemeinschaftsunterkünften oder Gasthäusern einquartiert, während die sowjetischen und polnischen Arbeiter in Baracken wohnten. Nach Kriegsende wurden von der französischen Militärverwaltung wesentliche Maschinen demontiert und nach Frankreich verbracht. Die Produktion ziviler Uhren konnte jedoch bereits 1946 in Schramberg wieder aufgenommen werden. Verschiedene Unternehmensgebäude blieben noch eine Zeit lang von den Alliierten als Kaserne beschlagnahmt. Ferner war Junghans gezwungen, lose Uhrwerke nach Frankreich zu liefern, die allerdings nicht in Frankreich, sondern unter dem Firmenzeichen französischer Uhrenhersteller im Ausland verkauft wurden.

1946 konnte die zivile Uhrenproduktion wieder aufgenommen werden. In der Nachkriegszeit konzentrierte sich Junghans auf die Herstellung qualitativ guter Armbanduhren, um bei den Kunden wieder an Reputation zu gewinnen. Dadurch entwickelte sich Junghans in den 1950er Jahren zum größten Hersteller von Chronometern in Deutschland, etwa mit dem Anfang der 1960er Jahre auf den Markt gebrachten Junghans Chronometer für etwa 160 DM mit dem Werkkaliber J 85.
Im Rahmen einer feindlichen Firmenübernahme durch Diehl in Nürnberg verlor die Familie Junghans im Jahr 1956 das Unternehmen. Die offizielle Firmenübernahme erfolgte zum 15. November 1956. Die Diehl-Gruppe führte die Geschäftszweige Uhren und Zündertechnik separat weiter. Zum Zeitpunkt des 100. Geburtstags des Unternehmens wurden täglich rund 20.000 Junghans-Uhren von rund 6000 Mitarbeitern produziert.
1971 stellte Junghans die erste deutsche Quarz-Armbanduhr, die „Astro-Quarz“, vor. Fünf Jahre später stellte Junghans die Produktion mechanischer Uhren vorläufig völlig ein. 1972 fand die offizielle Zeitmessung der Olympischen Sommerspiele in München mit Junghans-Zeitmesstechnik statt, da das elektronische Quarzsystem des Unternehmens Sportlerleistungen bis auf die hundertstel Sekunde messen konnte.
Ab den 1970er-Jahren hatte das Unternehmen zunehmend Probleme mit günstiger produzierender Konkurrenz aus dem Ausland, weshalb es zu Entlassungen und in den folgenden Jahrzehnten zu einer sukzessiven Verkleinerung des Unternehmens kam. Seit 1984 existieren zwei organisatorisch voneinander getrennte Unternehmen: die Uhrenfabrik Junghans GmbH & Co. KG und die Junghans Microtec GmbH.
Im Jahr 1985 präsentierte Junghans eine funkgesteuerte Tischuhr, eine der ersten kommerziellen Funkuhren der Welt. 1990 folgte mit der digitalen MEGA 1 (Gestaltung: frog design) die weltweit erste funkgesteuerte Armbanduhr. 1991 kam die analoge Variante Junghans Mega auf den Markt. 1995 stellte Junghans eine Kombination aus Funkarmbanduhr mit Solarantrieb und Keramikgehäuse vor, die Mega Solar Ceramic.
Die Diehl-Gruppe verkaufte die Uhrensparte im Jahr 2000 an die Holdinggesellschaft Egana Goldpfeil. Die Wehrtechnik sowie die Firmengebäude in Schramberg blieben bei Diehl. Die Uhrensparte beschäftigte damals etwa 220 Angestellte.
Im Jahr 2004 präsentierte Junghans die erste Multifrequenz-Funk-Armbanduhr, die Signale der Zeitzeichensender DCF77 in Europa, JJY in Japan und WWVB in den USA empfängt. Als Hommage an den Firmengründer wurden 2006 und 2009 die Marken „Erhard Junghans“ bzw. „Erhard Junghans Aerious“ eingeführt.

Die Junghans Uhren GmbH stellte am 29. August 2008 einen Insolvenzantrag, nachdem der Mutterkonzern Egana Goldpfeil kurz zuvor in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. Das Unternehmen beschäftigte zu diesem Zeitpunkt 115 Mitarbeiter. Am 22. Januar 2009 erklärte der Insolvenzverwalter, dass ein Käufer für die Junghans Uhren GmbH gefunden worden sei. Der Schramberger Unternehmer Hans-Jochem Steim übernahm gemeinsam mit seinem Sohn Hannes Steim zum 1. Februar den Geschäftsbetrieb sowie alle Sparten des Unternehmens, das seit 1. Februar 2009 unter dem Namen Uhrenfabrik Junghans GmbH & Co. KG firmiert.
Es gelang, das Unternehmen in den 2010er-Jahren wieder finanziell solide aufzustellen. In einem Bericht der Zeitschrift Focus von 2014 wurden als Gründe hierfür sowohl die Modernisierung der Produktionsabläufe als auch die verstärkte Betonung der Unternehmenstradition und der Herstellung „Made in Germany“ erwähnt.
Im Jahr 2011 feierte Junghans das 150-jährige Firmenjubiläum mit limitierten Modellen und Neuinterpretationen historischer Serien. Dies ging einher mit einer Neuausrichtung des Unternehmens in das mittlere und höhere Qualitäts- und Preissegment. Im Juni 2018 wurde der Terrassenbau nach einer Restaurierung unter Aufsicht des Denkmalamtes der Öffentlichkeit in Form eines Museums zugänglich gemacht (siehe Abschnitt zum Museum).
2018 wurde das Funkuhrwerk J101 vorgestellt. Dieses Kaliber kann über eine Mobile App gesteuert werden. Es ist klein genug für Uhren der Kollektionen im klassischen Design max bill und Meister.
Die Uhrenmarke Junghans umfasst alle Uhrentechnologien. Nachdem ab 1976 die Produktion mechanischer Uhren bei Junghans zeitweise eingestellt war, machen diese Stand 2023 wieder rund die Hälfte der neu hergestellten Uhren aus. Das mechanische Segment beinhaltet Handaufzug und Automatikmodelle, teilweise mit Komplikationen wie Gangreserve, Kalenderwochenanzeige, Mondphase und Chronograph.
Die Technologiesparte bietet Funkuhren mit junghanseigenen Funkwerken, die die Zeitinformationen des europäischen DCF77-, des amerikanischen WWVB- und des japanischen JJY-Senders empfangen. Antriebsenergie liefern herkömmliche Knopfzellen beziehungsweise moderne Solartechnologie. Spezielle High-Tech-Materialien wie Titan und Keramik können mit der Funk- und Solartechnologie kombiniert werden. Klassische Uhren von Junghans wie die Funk-Armbanduhr Mega sind inzwischen auch mit digitaler Technik erhältlich.
Im Lauf der Jahrzehnte arbeitete Junghans vereinzelt mit ausgewählten Künstlern und Designern wie Max Bill oder Hartmut Esslinger. Gestaltungsklassiker des Signets Junghans max bill beruhen auf Originalentwürfen von Max Bill und sind bei Uhrensammlern sehr geschätzt. Die meisten Uhren von Junghans bewegen sich preislich zwischen 500 und 3000 Euro, daneben gibt es aber auch einzelne Uhren im fünfstelligen Preisbereich.
2018, zum 100. Jubiläum des Baus, wurde das Junghans Terrassenbau Museum in dem ehemaligen, von Philipp Jakob Manz entworfenen Firmengebäude eröffnet. Der Terrassenbau hatte seit den 1990er-Jahren leer gestanden und war in verschiedenen Händen gewesen, ehe die Junghans-Inhaber, die Familie Steim, ihn im Jahr 2012 von einem Investor kauften. Ab 2014 bestand die Idee, ein Museum darin zu errichten. Nach der Entwicklung eines Museumskonzeptes wurde der Terrassenbau restauriert.
Einen ersten Grundstock für die Ausstellung im Junghans Terrassenbau Museum bilden 400 historische Uhren des Sammlers Heinrich Engelmann aus Vechta. Schwerpunkte des Museums bilden die Uhrenfertigung im Schwarzwald seit dem 18. Jahrhundert (Schwarzwalduhren), die Historie der Uhrenfabrik Junghans sowie die Schramberger Industriegeschichte.
Koordinaten: 48° 13′ 20,5″ N, 8° 22′ 44,4″ O