Kamenosuke Ogata

Porträt des japanischen Dichters Ogata Kamenosuke (1900–1942), abgedruckt in der Anthologie Gendai Nihon Shijin Zenshū (Gesammelte Werke moderner japanischer Dichter), Band 12, 15. April 1954

Ogata Kamenosuke (japanisch 尾形 亀之助; * 12. Dezember 1900 in Ōgawara, Präfektur Miyagi; † 2. Dezember 1942 in Sendai, Präfektur Miyagi) war ein japanischer Maler, Dichter, Romanautor, Essayist sowie Literatur- und Kunstkritiker. Er gehörte in den frühen 1920er Jahren zur japanischen Avantgarde und war Mitbegründer der Künstlervereinigung Mavo. Ab Ende 1924 widmete er sich ausschließlich der Dichtung, der Literatur und der Literaturkritik.

Leben

Herkunft und Ausbildung

Ogata war der älteste Sohn des Ogata Toyonosuke und dessen Ehefrau Hiza, geborene Takeda. Der Vater entstammte einer wohlhabenden Familie von Sakebrauern. Bereits als Kind erkrankte Ogata an Asthma, weshalb er die Schule mehrfach wechselte. Von 1907 bis 1914 besuchte er verschiedene Grundschulen und eine weiterführende Grundschule in Ōgawa, Sendai und Kamakura. 1915/16 war er an der privaten Kaisei Middle School in Zushi, 1916/17 an der Meiji Gakuin Middle School in Tokio. Ab 1917 besuchte er in Sendai die Tōhoku Gakuin Middle School, die er 1920 abbrechen musste. Zushi und Kamakura liegen beide in der Präfektur Kanagawa.

Anfänge als Dichter und Maler

1919 gründete er gemeinsam mit seinen Freunden aus der Tōhoku-Zeit Fukuta Toyota, Suzuki Shigeo und weiteren die Tanka-Zeitschrift Fumie (englisch Step-on Picture). Ab 1920 steuerte er Gedichte zur Zeitschrift Gendo (Dark Earth) bei. Dort lernte er Maler aus deren Umfeld kennen, darunter Mayama Kōji und Satō Yūzaburō. Er kam mit der Neuen Kunstbewegung (shinkō bijutsu undō) und dem Futurismus in Berührung und studierte in Tokio Malerei im westlichen Stil.

1921 heiratete er Mori Take, eine Nichte des Malers Kinoshita Shūichirō, der zu den Mitbegründern der Futurist Art Association (japanisch Miraiha Bijutsu Kyōkai, 未来派美術協会) zählte. Die Ehe wurde 1928 geschieden. Über Kinoshita lernte Ogata unter anderem Asao Mōfu, Shibuya Osamu, David Burljuk und Viktor Palmow kennen.

Futurist Art Association und Mavo

Auf Anregung Kinoshitas beschickte Ogata im Oktober 1921 die zweite Ausstellung der Futurist Art Association, deren Finanzierung er unterstützte. Er zeigte die Debütwerke Asa no shikikan (Morgendliche Farbimpressionen) und Keiba (Pferderennen). 1922 wurde er ordentliches Mitglied der Vereinigung. Im Oktober war er mit sieben Werken auf der Futuristen-Sonderschau der Sanka Independent Exhibition vertreten und nahm fortan eine aktive Rolle in der Bewegung ein. 1923 beteiligte er sich mit zahlreichen Beiträgen an der Miraiha-Ausstellung im Lion Dentrifice Showroom im Marunouchi Building in Tokio.

Nach der Auflösung der Gruppe im selben Jahr gründete er mit Murayama Tomoyoshi, Yanase Masamu und anderen die Avantgarde-Vereinigung Mavo. Er war Mitverfasser des Mavo-Manifests (Mavo no sengen), das eine Nähe zur konstruktiven Kunst (keisei geijutsu) bekundete, ohne sich an einen bestimmten Stil, eine Ideologie oder eine Malergruppe zu binden. Wegen des zunehmenden Radikalismus Murayamas distanzierte er sich von Mavo.

Rückkehr nach Sendai

Ab Ende 1924 widmete sich Ogata ausschließlich der Dichtung, der Literatur und der Literaturkritik. Zusammen mit Akiyama Noboru, Nakano Hideto und anderen gründete er die Japan Poets Association (Nihon Shijin Kyōkai). Seine Gedichte erschienen in Literaturzeitschriften wie A (Asia) und Dora (Gong). Zu seinen bedeutenden Gedichtsammlungen zählen Iro garasu no machi (Buntglas-Stadt, 1925), Ame ni naru asa (Regenmorgen, 1929) und Shōji no aru ie (Haus der Schiebetüren, 1930). 1932 kehrte er mit der Dichterin Yoshimoto Yū, mit der er seit Ende 1928 zusammenlebte, nach Sendai zurück. Dort war er gemeinsam mit seinem Vater in der Bashō Cottage Haiku Association (Shōsha Kukai) aktiv. Ogata starb 1942 in Sendai an seinem Asthmaleiden.

Werk

Ogata Kamenosuke: Conductor, um 1922, Öl auf Leinwand (verschollen). Reproduktion nach: Gennifer Weisenfeld – MAVO: Japanese Artists and the Avant-Garde, 1905–1931, University of California Press, 2002, S. 58

Ogatas Tätigkeit als Maler beschränkte sich auf wenige Jahre und war von einer intensiven Beschäftigung mit dem Futurismus begleitet. Er galt in der Fachwelt als ausgezeichneter Kenner dieses Stils. Nach Shibuya Osamu setzte er seine Kenntnisse in seinen eigenen Arbeiten jedoch nicht um. Die meisten seiner Gemälde sind nur noch als fotografische Reproduktionen überliefert. Sie werden mit dem Einfluss Filippo Tommaso Marinettis, des russischen Konstruktivismus und des Dada im Sinne Kurt Schwitters’ in Verbindung gebracht. Beispiele sind Kondakutā (Dirigent, um 1922; Fotografie) und Keshō (Toilette, 1922; Sendai, Privatsammlung). Stilistisch und thematisch bestehen außerdem Verbindungen zu Yorozu Tetsugorō und Kanbara Tai.

In einzelnen Arbeiten bevorzugte Ogata abstrakte Formen aus Linien, Wellenlinien und Kreisen, die auf Konkretes verweisen und an Paul Klee und Wassily Kandinsky erinnern, etwa in Doromichi no saka to ushi no atama (Hügel an morastigem Weg und Kopf eines Rindes, 1923). Aru satsujinhan no ninsōga (Steckbrief eines Mörders, 1922) ist mit Collageelementen kombiniert, vermutlich unter Verwendung von Stoff- und Papierteilen. Das frühe Aru shunkan no jigazō (Selbstbildnis. Eine Momentaufnahme, um 1921) weist impressionistische Züge auf.

Ausstellungen (Auswahl)

Schriften

Literatur

Commons: Kamenosuke Ogata – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 Ulrike Middendorf: Ogata, Kamenosuke. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. Band 93. De Gruyter, 2017, S. 226.