Karl Bernhardi

Karl Bernhardi

Karl Christian Sigismund Bernhardi (* 5. Oktober 1799 in Ottrau, Hessen; † 1. August 1874 in Kassel) war ein deutscher Schriftsteller, Bibliothekar, Publizist und Politiker.

Leben

Darstellung des deutschen Sprachraums von Bernhardi aus dem Jahr 1843.
Diese Karte aus der Zeit der frühesten Germanistik enthält einige historische Besonderheiten: So werden u. a. Schwedisch und Dänisch der deutschen Sprache untergeordnet, erscheint das Englische als unverwandt und werden das Niederländische, Friesische und „Sassische“ zusammenfassend als „Niederdeutscher Sprachstamm“ dargestellt.

Als Sohn des Predigers Johann Christian Bernhardi (* 8. April 1767 in Bacharach; † 11. Juli 1837 in Zierenberg) und dessen Ehefrau Sabine, geborene Claudi (* 11. September 1769 in Wetter bei Marburg; † 13. Juli 1836 in Zierenberg), studierte Karl Bernhardi Evangelische Theologie und Philologie an der Philipps-Universität. 1816 wurde er im Corps Hassia Marburg aktiv. 1817 schloss er sich der Alten Marburger Burschenschaft Germania an. Von 1819 bis 1823 war er Hauslehrer in Brüssel, setzte anschließend sein Studium der Philologie an der Reichsuniversität Löwen fort, an der er 1826 zum Dr. phil. promovierte und Bibliothekar. 1829 wurde er als Erster Bibliothekar an die Kurhessische Bibliothek berufen.

Die Kurhessische Verfassung von 1831 fand in ihm einen ihrer aktivsten Vorkämpfer. So war er 1831 Mitbegründer und Redakteur der Zeitung Der Verfassungsfreund und gehörte 1833 der Kurhessischen Ständeversammlung an. 1834 gründete er in Kassel die „Anstalt zur Erziehung armer und verwahrloster Knaben“. Er war Mitglied der Stadtverordnetenversammlung Kassels und Vorsteher des Bürgerausschusses von 1835 bis 1841.

Vom 18. Mai 1848 bis zum 21. Mai 1849 war er Abgeordneter für den 2. kurhessischen Wahlbezirk Eschwege in der Frankfurter Nationalversammlung. Er gehörte zu Heinrich von Gagerns Casino-Fraktion und gab von Juni bis Oktober 1848 die Flugblätter aus der Nationalversammlung heraus. Nach der Auflösung der Nationalversammlung nahm er am Gothaer Nachparlament teil.

Von 1859 bis 1874 war er der Leiter kurhessischen Landesbibliothek als einer der Nachfolger von Jacob Grimm. Im selben Jahr wurde er Vorstandsmitglied des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, den er 1834 mit gegründet hatte und dessen Vorstand er bis zu seinem Tode angehörte.

Als Mitglied der Nationalliberalen Partei saß er von 1867 bis Oktober 1868 im Preußischen Abgeordnetenhaus und von 1867 bis 1870 für den Reichstagswahlkreis Regierungsbezirk Kassel 3 im Reichstag (Norddeutscher Bund).

Familie

Karl Bernhardi war seit 1838 mit Ida Engelhard (* 3. Oktober 1811 in Kassel; † 1. Oktober 1866 ebenda), Tochter des Kasseler Obergerichtsdirektors Wilhelm Gotthelf Engelhard und dessen erster Gattin Karoline Heym (1795–1821), verheiratet. Beider Sohn war der Reichsgerichtsrat Heinrich Bernhardi.

Ehrungen

Bernhardis Ehrengrab auf dem Hauptfriedhof Kassel

Unvollständige Liste

Werke (Auswahl)

Außer vielen Aufsätzen und Flugschriften veröffentlichte er

Literatur

Commons: Karl Bernhardi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Karl Bernhardi – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. ↑ Kösener Korpslisten 1910, 160/74.
  2. ↑ Peter Kaupp: Burschenschafter in der Paulskirche, Dieburg 2005.
  3. ↑ Bernhard Mann (Bearb.) unter Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh, Thomas Kühne: Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus 1867–1918 (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 3). Droste, Düsseldorf 1988, ISBN 3-7700-5146-7, S. 63.
  4. ↑ Bernd Haunfelder, Klaus Erich Pollmann: Reichstag des Norddeutschen Bundes 1867–1870. Historische Photographien und biographisches Handbuch (= Photodokumente zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 2). Droste, Düsseldorf 1989, ISBN 3-7700-5151-3, Foto S. 67, Kurzbiographie S. 376–377.
  5. ↑ Fritz Specht, Paul Schwabe: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Auflage. Carl Heymanns Verlag, Berlin 1904, S. 149.
Personendaten
NAME Bernhardi, Karl
ALTERNATIVNAMEN Bernhardi, Karl Christian Sigismund; Bernhardi, Carl Christian Sigismund; Bernhardi, Carl; Bernhardi, Carolus Christianus Sigismundus
KURZBESCHREIBUNG deutscher Autor und Politiker
GEBURTSDATUM 5. Oktober 1799
GEBURTSORT Ottrau
STERBEDATUM 1. August 1874
STERBEORT Kassel