Der Sohn eines Verwaltungsdirektors besuchte die Volksschule in Neutitschein. Ab Herbst 1944 besuchte er die Oberschule. Ein Jahr später wechselte er an die Karlsschule in Bernburg und im Herbst 1946 an die Oberrealschule Mühldorf (Oberbayern). Im Juli 1952 legte er in Mühldorf die Reifeprüfung ab. Er studierte vom Wintersemester 1952/53 bis zum Wintersemester 1957/58 an der Universität München die Fächer Geschichte, Deutsch und Englisch. Sein wichtigster akademischer Lehrer war Johannes Spörl. Er wurde 1958 mit einer von Spörl angeregten und betreuten Arbeit über die Augsburger Chronik des Burkhard Zinkpromoviert. In München habilitierte er sich 1966 für mittlere und neuere Geschichte mit einer historiographischen Studie über Roger Wendover und Matthäus Paris. Er gehörte 1968 zu den Unterzeichnern des Marburger Manifests. Seit 1972 lehrte er als Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität München.
Mit seiner Dissertation griff er eine Anregung Spörls aus dem Jahr 1933 auf, die „treibenden Ideen jedes einzelnen Geschichtswerkes herauszustellen“ und zu beachten, „welche Rolle Institutionen wie der Staat, das Imperium, die Kirche, geistige und religiöse Bewegungen, Gemeinschaftsformen wie neue Orden, die geistige und politische Persönlichkeit spielen“. Er legte zahlreiche weitere Studien zur Augsburger Historiographie vor.
Schnith befasste sich vor allem mit der Geschichte Englands im Mittelalter. Mit seiner Habilitation betrat er wissenschaftliches Neuland. Bis dahin war das englische Hochmittelalter an deutschen Universitäten weitgehend unerforscht. Im Jahr 1991 gab er einen Sammelband zu 25 mittelalterlichen Herrschern in Lebensbildern heraus. Im zweiten Band des von Ferdinand Seibt 1987 herausgegebenen Handbuchs der europäischen Geschichte veröffentlichte Schnith den Beitrag über England von der normannischen Eroberung bis zum Ende des Hundertjährigen Krieges 1066–1453.
Er gab 1997 einen Sammelband über Frauen im Mittelalter in zwanzig Kurzbiographien heraus. Ziel des Sammelbandes war die „Durchdringung der überpersönlichen geschichtlichen Abläufe“ anhand bedeutender Frauenpersönlichkeiten. Für das Lexikon des Mittelalters und das Biographisch-Bibliographische Kirchenlexikon verfasste er zahlreiche Artikel. Schnith lebte in Baldham bei München.
Schriften
Monographien
England in einer sich wandelnden Welt (1189–1259). Studien zu Roger Wendover und Matthäus Paris (= Monographien zur Geschichte des Mittelalters. Bd. 7). Hiersemann, Stuttgart 1974, ISBN 3-7772-7404-6.
Die Augsburger Chronik des Burkhard Zink. Eine Untersuchung zur reichsstädtischen Geschichtsschreibung des 15. Jahrhunderts. Dissertation, München 1958.
Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Styria, Graz 1997, ISBN 3-222-12467-1.
Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern zu den Staufern. Styria, Graz 1990, ISBN 3-222-11973-2.
mit Roland Pauler: Festschrift für Eduard Hlawitschka zum 65. Geburtstag (= Münchener Historische Studien. Abteilung Mittelalterliche Geschichte. Bd. 5). Lassleben, Kallmünz 1993, ISBN 3-7847-4205-X.
Literatur
Karl Schnith, Historiograph des Mittelalters. In: Mitteilungen des Sudetendeutschen Archivs, Ausgaben 74–77, 1984, S. 61.
Karl Schnith: Die Augburger Chronik des Burkhard Zink. Eine Untersuchung zur reichsstädtischen Geschichtsschreibung des 15. Jahrhunderts. München 1958, S. 139 (Lebenslauf).
Schnith, Karl. In: Kürschners Deutscher Gelehrtenkalender. Bio-bibliographisches Verzeichnis deutschsprachiger Wissenschaftler der Gegenwart. Band 3: S–Z. 16. Ausgabe. De Gruyter, Berlin u. a. 1992, ISBN 3-11-011754-1, S. 3310.
Richard W. Eichler (Redaktion): Die Universität zu Prag (= Schriften der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste. Bd. 7). Verlagshaus Sudetenland, München 1986, ISBN 3-922423-21-3, S. 204 (Autoreneintrag).
↑Karl Schnith: Zur Erforschung der spätmittelalterlichen Augsburger Historiographie in den letzten fünfzig Jahren. In: Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte 60 (1997), S. 479–489, hier: S. 481 (online).
↑Karl Schnith: Mittelalterliche Augsburger Gründungslegenden. In: Fälschungen im Mittelalter. Internationaler Kongreß der Monumenta Germaniae Historica München, 16.–19. September 1986. Hannover 1988, S. 497–517; Karl Schnith: Reichsstädtisches Bewußtsein in der Augsburger Chronistik des Spätmittelalters. In: Pankraz Fried (Hrsg.): Festschrift für Andreas Kraus zum 60. Geburtstag. Kallmünz 1982, S. 79–93; Karl Schnith, Norbert Hörberg: Das Geistesleben. In: Gunther Gottlieb, Wolfram Baer, Joseph Becker (Hrsg.): Geschichte der Stadt Augsburg. Stuttgart 1984, S. 213–219.
↑Karl Schnith: England von der normannischen Eroberung bis zum Ende des Hundertjährigen Krieges 1066–1453. In: Ferdinand Seibt (Hrsg.): Europa im Hoch- und Spätmittelalter (= Handbuch der europäischen Geschichte. Bd. 2). Stuttgart 1987, S. 778–862.