Karl von Scharfenberg

Karl Xaver Scharfenberg im Jahr 1874 als Seconde Lieutenant beim Husaren-Regiment „König Wilhelm I.“ (1. Rheinisches) Nr. 7.

Karl Xaver von Scharfenberg (auch Carl Xaver von Scharfenberg) (* 28. November 1849 in Bremen als Carl Xavier Scharfenberg; † 18. April 1922 auf dem Kalkhof bei Wanfried) war ein deutscher Gutsbesitzer, Unternehmer und Abgeordneter des Provinziallandtages der preußischen Provinz Hessen-Nassau.

Leben

Gedenktafel in Wanfried

Karl Xaver von Scharfenberg wurde als zweiter Sohn von Karl Franz Josef Friedrich von Scharfenberg (auch Carl Franz Josef Friedrich von Scharfenberg) (* 26. Mai 1812 in Kassel als Karl Franz Josef Friedrich Scharfenberg, † 25. Februar 1890 in Wanfried, Kalkhof) und Mary Hurry von Scharfenberg, geb. Tolmé (* 29. Juni 1828 in Hamburg, † 22. Mai 1885 in Wanfried, Kalkhof) geboren. Sein älterer Bruder Charles William Scharfenberg (* 1. Mai 1848, † 1848) verstarb bereits kurz nach der Geburt. Karl Xaver von Scharfenberg war evangelischer, seine Mutter anglikanischer und sein Vater katholischer Konfession. Er wuchs in England bei den Großeltern und bei seinen Eltern in Havanna auf Kuba auf. Bereits als Kind sprach er Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch.

Karl Franz Joseph Friedrich Scharfenberg hatte seit 1845 die Handelsvertretung der Brüder Rothschild auf Kuba inne. Er wurde im Jahr 1853 zum Honorarkonsul der Donaumonarchie auf Kuba ernannt (bis 1868). Karl Xaver besuchte das Eton College und legte 1870 das Abitur in Bonn ab. Im selben Jahr trat er dem Militär, den Husaren in Bonn als einjährig Freiwilliger bei und wurde im Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 bei Sedan verwundet. Er wurde 1871 zum Seconde Lieutenant befördert und war Rittmeister der Reserve im Husaren-Regiment „König Wilhelm I.“ (1. Rheinisches) Nr. 7 und Kontrolloffizier im Landwehrbezirk Kassel II. Am 22. März 1876 wurde Karl Xaver von Scharfenberg durch den preußischen König Wilhelm I. in den Adelsstand erhoben. Fünf Jahre später, am 3. Oktober 1881, wurde auch sein Vater Karl Franz Josef von Scharfenberg in Baden-Baden durch Wilhelm I. in den Adelsstand erhoben.

1878 erwarb Karl den Kalkhof bei Wanfried. Ebenso kam das Landgrafenschloss in Wanfried in seinen Besitz. Durch geschickte Arrondierungskäufe vermehrte er sein Vermögen und errichtete eine Ziegelei, Töpferei sowie ein Elektrizitätswerk.

Von Scharfenberg war seit 1880 Mitglied der Gesellschaft für Erdkunde.

Am 15. November 1881 erwarb von Scharfenberg das Keudellsche Schloss mit den zugehörigen, auf der Wanfrieder Werraseite liegenden Ländereien von Freiherr Otto Carl Emil von und zu Gilsa (* Mai 1835 in Winkel, † 27. März 1895 in Völkershausen).

Mäzenatentum

Von Scharfenberg unterstützte zahlreiche Bauvorhaben in und um Wanfried finanziell.

Als größere Vorhaben sind hierbei zu nennen: Der Bau der Turnhalle des VfL Wanfried im Jahr 1886, die Errichtung des Karl-Alexander-Turms (Vorgängerbau des heutigen Turms der Einheit), der Neubau der Evangelischen Stadtkirche in Wanfried, der Bau der Wanfrieder Werrabrücke in den Jahren 1886 und 1887, der Bau der Schule in Wanfried im Jahr 1902, der Grunderwerb für die Errichtung der Bahnstrecke Schwebda–Wartha, die Regulierung des Gatterbachs in Wanfried im Jahr 1892 und der Bau des städtischen Wassernetzes im Jahr 1908.

Die Kosten der Renovierungsarbeiten an der St. Johannis Kirche in Heldra in den Jahren 1910 und 1911 beliefen sich auf rund 3.400 Mark. Von Scharfenberg unterstützte das Vorhaben mit einer Spende von 790,97 Mark.

Politik

Bei der Wahl zum 5. Deutschen Reichstag am 27. Oktober 1881 kandidierte von Scharfenberg für die Konservativen gegen Karl Frieß (Liberale Vereinigung). Von 18.530 Wahlberechtigten des Reichstagswahlkreises Regierungsbezirk Kassel 4, gaben 11.369 ihre Stimmen ab (Wahlbeteiligung 61,4 %) von denen 11.330 gültig waren. Auf Frieß entfielen 7.122 Stimmen (62,8 %), auf von Scharfenberg 4.199 Stimmen (37,1 %), der somit unterlag. Auf Sonstige entfielen 9 Stimmen.

Im Jahr 1890 war er Mitglied der 1. Kammer des 16. Kurhessischen Kommunallandtages, aus dessen Mitte er zum Abgeordneten der 3. Kammer des 3. und 4. Provinziallandtages der Provinz Hessen-Nassau im Jahr 1890 bestimmt wurde. Im Jahr 1891 wurde er erneut Mitglied der 1. Kammer des 17. Kurhessischen Kommunallandtages.

Von 1901 bis 1903 war von Scharfenberg Bürgermeister von Wanfried.

Familie

Aus der Ehe mit Bertha Julie Freiin von Diergardt (* 3. September 1854 in Viersen, † 12. Juni 1929 Wanfried, Kalkhof), die er am 25. Februar 1874 auf Schloß Bornheim heiratete, gingen 8 Kinder hervor:

Auszeichnungen

Siehe auch

Literatur

Commons: Karl von Scharfenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Marcelli Janecki: Handbuch des Preußischen Adels. Herausgegeben unter Förderung des königlichen Herold-Amtes. Hans von Borwitz und Harttenstein. Band 1, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1892, S. 517. Digitalisat
  2. ↑ A. Freiherr von Houwald: Brandenburg-Preußische Standeserhebungen und Gnadenakte für die Zeit 1873-1918. C. A. Starke, Görlitz 1939, S. 10.
  3. ↑ Verhandlungen der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. Herausgegeben im Auftrage des Vorstandes von Prof. Dr. G. Boguslawski, Erstem Schriftführer. Band IX. Januar bis Decmeber 1882. Berlin, Verlag von Dietrich Reimer. 1882. S. 18. archive.org
  4. ↑ Reinhold Strauß: Chronik der Stadt Wanfried. Carl Braun, Wanfried 1908, S. 189 (archive.org).
  5. ↑ Sterbenebenregister von Völkershausen 1895, Eintrag Nr. 8
  6. ↑ Pfarrer Ernst Höhmann: 1247/1947. 700-Jahrfreier Heldra. Festschrift. Heldra Oktober 1947, S. 24 (Digitalisat).
  7. ↑ Dr. A. Philipps (Hrsg.): Die Reichstags-Wahlen von 1867 bis 1883. Statistik der Wahlen zum konstituierenden und Norddeutschen Reichstag, zum Zollparlament, sowie zu den fünf ersten Legislatur-Perioden des Deutschen Reichstages. Louis Gerschel's Verlagsbuchhandlung, Berlin 1883, S. 97 (Digitalisat).
  8. ↑ Karl Xaver von Scharfenberg. Abgeordneter 1890-1891. Geb. 28.11.1849 in Bremen; Gest. 18.4.1922 in Wanfried. Rittergutsbesitzer, Landwirt, Abgeordneter. Königreich Preußen. Provinz Hessen-Nassau. 16. Kommunallandtag (1890) Wahlkreise, Stand 18. April 2024. In: Hessische Parlamentsgeschichte, Hrsg. Institut für hessische Landesgeschichte Marburg (Lahn)/Philipps-Universität Marburg (Lahn).
  9. ↑ Reinhold Strauß: Chronik der Stadt Wanfried. Carl Braun, Wanfried 1908, S. 218 (archive.org).
  10. ↑ Jonathan Robert Tolmé Davidson: Tolme Tales. What's in a Name? 2019, ISBN 978-1-68454-949-8, S. 98 ff. (memento vom 21. Juli 2024 PDF).
  11. ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft. Teil B (Briefadel). 34. Jahrgang. 1942. Justus Perthes, November 1941. S. 462–463. (Digitalisat)
  12. ↑ Gustav Gotthilf Winkel: Biografisches Corpsalbum der Borussia zu Bonn 1821-1928. Druck Wailandt AG, Selbstverlag, Bonn 1928, S. 257. Digitalisat
  13. ↑ Nikolai Scheuring: Liste der Ehrenritter des Johanniterordens 1853–1918. 18. Juli 2021, S. 76 (PDF).