Karmesinkardinal

Karmesinkardinal

Karmesinkardinal ♂

Systematik
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Kardinäle (Cardinalidae)
Gattung: Habia
Art: Karmesinkardinal
Wissenschaftlicher Name
Habia rubica
(Vieillot, 1817)

Die Karmesinkardinal (Habia rubica, Syn.: Saltator rubicus, Tanagra flammiceps) ist eine Vogelart aus der Familie der Tangaren (Thraupidae), die in Mexiko, Belize, Guatemala, Honduras, El Salvador, Nicaragua, Costa Rica, Panama Kolumbien, Venezuela, Ecuador, Peru, Bolivien, Brasilien, Paraguay und Argentinien sowie auf Trinidad verbreitet ist. Der Bestand wird von der IUCN als nicht gefährdet (Least Concern) eingeschätzt.

Merkmale

Karmesinkardinal ♀

Der Karmesinkardinal erreicht eine Körperlänge von ca. 17,0 bis 19,0 cm bei einem Gewicht der Männchen von ca. 27,7 bis 42,9 g und der Weibchen von 22,5 bis 37,0 g. Es ist überwiegend bräunlich roter Kardinal mit kräftigem Schnabel ohne auffällige Haube. Das Männchen ist auf der Oberseite überwiegend matt braunrot, mit einem teilweise verdeckten scharlachroten Oberkopffleck, der schmal von einer unauffälligen schwarzen Linie eingefasst ist. Der Oberkopffleck erscheint meist als schmaler mittlerer Streifen und ist oft kaum zu erkennen, kann aber auch aufgestellt sein. Die Oberflügeldecken sind matt rot, die schwarzen Handdecken sind an den Rändern rot gesäumt. Die innere Hälfte der Handdecken und die Armschwingen ist matt rot gesäumt, die Schirmfedern und der meiste Teil des Schwanzes sind matt rot. Die Unterseite ist blasser rot, die Kehle und manchmal die Brust leuchten kontrastierend rot und die Flanken schimmern grau. Die Iris ist dunkel braun, der Oberschnabel dunkel, der Unterschnabel meist heller und die Beine sind dunkel grau. Das Weibchen ähnelt dem Männchen, ist jedoch matter gefärbt, auf der Oberseite olivbraun mit einem bräunlich gelben Fleck in der Mitte des Oberkopfs. Die Unterseite ist heller als die Oberseite. Jungvögel sind im Allgemeinen rußig olivbraun, an der Unterseite heller und am hellsten an der Kehle. Sie nehmen bald das Jugendgefieder an, das dem des Weibchens sehr ähnlich ist. Das Gefieder des erwachsenen Männchens erreichen sie nach etwa einem Jahr.

Lautäußerungen

Der Karmesinkardinal verfügt über ein vielfältiges Spektrum an Lautäußerungen. Manche Lautäußerungen klingen rau, andere sind außergewöhnlich melodisch. In Mittelamerika lassen sich drei Haupttypen des Gesangs unterscheiden. Während der Brutzeit singen die Männchen in der Morgendämmerung. Dieser Gesang variiert individuell und kann beispielsweise wie pir pir p’yerk peouk pir klingen oder aus einer Abfolge musikalischer, meist dreisilbiger Phrasen bestehen, die etwa inter-vene, inter-vene... klingt. Der Gesang am Tag wird bisher vor allem aus dem Gebiet von Mexiko bis Belize als oft rau oder kehlig und stärker repetitiv beschrieben. Auch Flüstergesänge sind vorwiegend tagsüber zu hören. Diese können beispielsweise beim Tragen von Nahrung, bei Revierstreitigkeiten oder in anderen Situationen von ihm geäußert werden. In Südamerika variieren die Gesänge bei Tagesanbruch und im Tagesverlauf von Region zu Region beträchtlich. Diese können ausschließlich aus lieblichen, melodischen Phrasen bestehen oder, was häufiger der Fall ist, eine Mischung aus rauen und melodischen Elementen enthalten. Die Rufe bestehen in allen Fällen aus scharfen Tschat- oder Tschak-Lauten sowie anderen rauen, unangenehmen Geräuschen, die bisweilen in schnatternden oder groben Lautfolgen vorgetragen werden.

Fortpflanzung

Die Brutzeit des Karmesinkardinals liegt in Mexiko in den Monaten Mai und Juni, seltener bereits ab Februar, in Belize von April bis Juli, in Guatemala im März und in Costa Rica von Februar bis Juni und auf Trinidad von Februar bis August, gelegentlich auch Oktober. Aus Brasilien gibt es Brutnachweise aus dem Bundesstaat Pará im Februar und April sowie in Rio de Janeiro von September bis Dezember. In Paraguay brütet er mindestens von September bis Januar. Gelegentlich kommt es zu zwei Bruten pro Saison. Dabei verteidigt das Paar sein Brutrevier. Das Nest wird fast ausschließlich vom Weibchen errichtet. Es ist ein flaches, schalenförmiges Gebilde aus feinen Wurzeln, Pflanzenfasern und Zweigen, meist sehr dünnwandig, so dass die Eier oft von außen sichtbar sind, wobei ein in Paraguay gefundenes Nest jedoch dickwandig war. Das Nest befindet sich 1 bis 4 Meter über dem Boden, selten bis zu 7 Meter, in der Gabelung eines jungen Baumes, eines Strauchs oder einer Kletterpflanze im Wald, häufig in der Nähe eines kleinen Bachs. Ein Gelege besteht aus 2 oder 3 weiß oder bläulich gefärbten Eiern, selten aus 1 oder 4 Eiern, die zimtfarbene oder gelbbraune Flecken haben, die sich besonders am stumpfen Ende zu einem Kranz verdichten. Nur das Weibchen bebrütet die Eier. Die Brutdauer beträgt 13 bis 14 Tage. Die Küken werden von beiden Elternvögeln gefüttert, wobei das Weibchen einen größeren Anteil an der Fütterung übernimmt als das Männchen. Um Eindringlinge vom Nest wegzulocken, zeigen die Altvögel mitunter Ablenkungsverhalten, bei dem sie eine Verletzung vortäuschen. Die Nestlingszeit dauert etwa 10 Tage. Die Jungvögel verlassen das Nest, noch bevor sie flugfähig sind, und bewegen sich hüpfend im dichten Laub und Gebüsch fort.

Verhalten und Ernährung

Der Karmesinkardinal ernährt sich hauptsächlich von Gliederfüßern, sowie einer geringen Menge an Früchten, darunter Beeren von Miconia- und Solanum-Arten. Von 24 untersuchten Mägen enthielten zwei ausschließlich pflanzliche Nahrung, 18 nur tierische Nahrung und vier eine Mischung aus beidem. Zum Nahrungsspektrum zählten Rüsselkäfer und andere Käfer, Ameisen, Raupen, Doppelfüßer, Fangschrecken, Schnecken sowie Beeren und Früchte. Die Nahrung für die Nestlinge besteht aus Larven und ausgewachsenen Insekten. Manche davon sind so groß, dass die Jungvögel Schwierigkeiten haben, sie herunterzuschlucken. Die Art lebt paarweise oder in kleinen Familiengruppen, schließt sich gelegentlich anderen Arten an, ist jedoch meist scheu und schwer zu entdecken. Im nördlichen Zentralamerika verteidigt die Art möglicherweise ein gemeinsames Revier mit dem Fuchsscheitelvireo (Hylophilus ochraceiceps). Beide Arten bilden gemeinsam den Kern kleiner gemischter Vogelgruppen. Das Nahrungssuchgebiet in Belize umfasst etwa 4 bis 5 Hektar. Außerhalb der Brutzeit können Familienmitglieder gemeinsam entlang der Reviergrenzen nach Nahrung suchen. Im Amazonasgebiet schließt sich die Art gelegentlich anderen Arten in kleinen Trupps im Unterwuchs an, bewegt sich aber ebenso häufig unabhängig von diesen. In Mittelamerika und auf Trinidad folgt sie Wanderameisenschwärmen, wobei die Beständigkeit dieser Begleitung variiert. Im Amazonasgebiet folgt sie Wanderameisen nur selten, während sie im Südosten Brasiliens in Espírito Santo regelmäßig an solchen Schwärmen beobachtet wird. Die Nahrungssuche findet in den Straten vom Bodenbereich bis in eine Höhe von etwa 10 Meter statt, selten höher. Im Südosten Perus lag die durchschnittliche Höhe der Nahrungssuche bei etwa 3,6 Meter. Die Vögel suchen nach Nahrung, indem sie durch das Laub hüpfen, gelegentlich auch springend oder flatternd auf Beute zustoßen, diese von Zweigen oder Blättern abpicken oder in Verfolgungsmanövern erbeuten. Selten erbeutet der Vogel seine Nahrung durch kurze Vorstöße von einer Warte aus. Er kann dabei in der Luft rütteln oder sich kurzzeitig unter einem Blatt oder einem anderen Substrat festklammern, um ein Insekt zu erbeuten. Zudem sucht er regelmäßig hängende, abgestorbene Blätter ab. Auf Trinidad sucht der Vogel vorwiegend auf Ästen und Zweigen nach Nahrung. Er frisst Früchte, während er auf einem Ast sitzt oder in einem kurzen, flatternden Flug danach schnappt. Gelegentlich nimmt er auch herabgefallene Früchte vom Boden auf.

Verbreitung und Lebensraum

Verbreitungsgebiet des Karmesinkardinals (grün)

Der Karmesinkardinal bevorzugt dichtes Unterholz sowie die unteren Schichten feuchter Terra-Firme-Wälder und hoher Sekundärwäldern zudem in Várzea-Wäldern und Übergangswäldern im Amazonasgebiet. Er kommt fast ausschließlich im Waldinneren vor, nur selten an Flussufern oder Waldrändern. In El Salvador findet man in Höhenlagen vom Tiefland bis 1500 Meter, in Costa Rica bis ca. 1200 Meter, in Panama bis 2250 Meter, in Venezuela bis 1400 Meter in Kolumbien bis 500 Meter in Ecuador bis 600 bzw. 700 Meter und in Peru bis ca. 900 Meter.

Unterarten

Es sind folgende Unterarten anerkannt:

Tanagra flammiceps Temminck, 1823 wird heute als Synonym zur Nominatform betrachtet. Phoenicothraupis rubica confinis Bangs, 1905 ist ein Synonym zu H. r. rubicoides, Phoenicothraupis rubica amabilis Berlepsch, 1907 ein Synonym zu H. r. peruviana, Habia rubica aurantiicapilla Aldrich, 1937 ein Synonym zu H. r. vinacea.

Migration

Der Karmesinkardinal ist ein Standvogel.

Etymologie und Forschungsgeschichte

Tafel des Karmesinkardinals bei Temminck illustriert von Nicolas Geneviève Huet

Die Erstbeschreibung des Karmesinkardinals erfolgte 1817 durch Louis Pierre Vieillot unter dem wissenschaftlichen Namen Staltator rubicus. Als Verbreitungsgebiet gab er Paraguay an, basierend auf Habia de la roxiza von Félix de Azara. 1840 hatte Edward Blyth die Gattung Habia für den Karmesinkardinal ein. Das Wort stammt aus dem Guaraní ab und steht dort für verschiedene Drosseln, Finken und Tangaren. Der Artname rubica leitet sich aus lateinisch rubicus, rubere, ruber ‚rötlich, rot sein, rot‘ ab. Nelsoni ist Edward William Nelson gewidmet, alfaroana Anastasio Alfaro. Perijana bezieht sich auf die Sierra de Perijá, peruviana auf Peru und bahiae auf Bahia. Affinis hat seinen Ursprung in lateinisch ad ‚in Richtung‘ und lateinisch finis ‚-Ende, Grenze‘, holobrunnea in altgriechisch ὁλος holos, deutsch ‚vollständig, gänzlich‘ und lateinisch brunneus, brunius ‚braun‘, rubicoides in lateinisch rubicus, rubere, ruber ‚rötlich, rot sein, rot‘ und altgriechisch -οιδης -oidēs, deutsch ‚ähnelich‘, vinacea in lateinisch vinaceus, vinum, vini ‚von Wein, weinartig, Wein‘, coccinea in lateinisch coccineus, coccum ‚scharlachrot, Scharlachfarbstoff‘, crissalis in lateinisch crissalis, crissum, crissare ‚die Kloakengegend betreffend, Kloake, untere Schwanzdecken, kopulieren‘, rubra in lateinisch ruber, rubra ‚rot, rosig‘, mesopotamia in altgriechisch μεσος mesos, deutsch ‚in der Mitte von‘ und altgriechisch ποταμος potamos, deutsch ‚Fluss‘, rhodinolaema in altgriechisch ῥοδινος, ῥοδον rhodinos, rhodon, deutsch ‚pink, rosa‘ und altgriechisch λαιμος laimos, deutsch ‚Kehle‘, hesterna in lateinisch hesternus, here, heri ‚von gestern, gestern‘, flammiceps in lateinisch flamma, flagrare ‚Flamme, brennen‘ und lateinisch -ceps, caput, capitis ‚-bekappt, -gekrönt, Kopf‘, confinis in lateinisch confinis ‚ähnlich, nahe verwandt‘ und aurantiicapilla in lateinisch aurantius, aurantia ‚orangefarben, orange‘ und lateinisch -capillus, capillus ‚-bekappt, Hauthaar‘. Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay drei Bälge, gesammelt durch Eugen Josef Robert Schuhmacher (1906–1973) in Zanja Moroti im Bergland des Río Apa, zur Verfügung. Er betrachtete Habia rubica rubica als Unterart für das Land. Im Münchner Museum fand er ein zusätzlich Exemplare von Adolf Neunteufel (1909–1979) aus Cambyretá. In der Literatur sah er in Sapucai durch Harry Church Oberholser und durch Charles Chubb und im Departamento Alto Paraná durch Arnaldo de Winkelried Bertoni Nachweise für das Land.

Literatur

Commons: Karmesinkardinal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 Steven Leon Hilty (2020)
  2. ↑ AviList Core Team: AviList: The Global Avian Checklist, v2025. 2025, doi:10.2173/avilist.v2025b.
  3. ↑ Ludlow Griscom (1830), S. 290.
  4. ↑ Edward William Nelson (1898), S. 60.
  5. ↑ Edward William Nelson (1897), S. 66.
  6. 1 2 Robert Ridgway (1902), S. 145–146
  7. ↑ Frédéric de Lafresnaye (1844), S. 41–42.
  8. ↑ George Newbold Lawrence (1867), S. 94.
  9. 1 2 Robert Ridgway (1905), S. 211–212
  10. 1 2 William Henry Phelps u. a. (1957), S. 126–127.
  11. ↑ Walter Edmond Clyde Todd (1919), S. 113.
  12. ↑ Kenneth Carroll Parkes (1969), S. 83–84.
  13. ↑ Louis Pierre Vieillot (1819), S. 359–360
  14. ↑ Kenneth Carroll Parkes (1969), S. 84–85.
  15. ↑ Osbert Salvin u. a. (1883), S. 300–301.
  16. 1 2 3 Władysław Taczanowski (1884), S. 498–499.
  17. ↑ Ludlow Griscom (1937) u. a., S. 437.
  18. 1 2 Carl Eduard Hellmayr (1936), S. 301–302.
  19. 1 2 Louis Pierre Vieillot (1817), S. 117.
  20. ↑ Coenraad Jacob Temminck (1823), Tafel 117 & Text.
  21. ↑ Outram Bangs (1905), S. 156.
  22. ↑ Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch (1907), S. 348–349.
  23. ↑ John Warren Aldrich (1937), S. 132–134.
  24. ↑ Félix de Azara (1802), S. 351–356
  25. ↑ Edward Blyth (1840), S. 184
  26. ↑ Habia The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  27. ↑ rubica The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  28. ↑ affinis The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  29. ↑ holobrunnea The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  30. ↑ rubicoides The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  31. ↑ vinacea The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  32. ↑ coccinea The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  33. ↑ crissalis The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  34. ↑ rubra The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  35. ↑ mesopotamia The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  36. ↑ rhodinolaema The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  37. ↑ hesterna The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  38. ↑ flammiceps The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  39. ↑ confinis The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  40. ↑ aurantiicapilla The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  41. ↑ Harry Church Oberholser (1901), S. 143.
  42. ↑ Charles Chubb (1910), S. 626
  43. ↑ Arnaldo de Winkelried Bertoni (1914), S. 62.
  44. ↑ Alfred Laubmann (1940), S. 165.

Anmerkungen

  1. ↑ Zur genauen Publikationsgeschichte des Werkes siehe Edward Clive Dickinson (2001).