Eine Prüfziffer ist die einfachste Form einer Prüfsumme. Die Prüfziffer einer mehrstelligen Zahl wird nach einer festgelegten Rechenvorschrift aus den einzelnen Ziffern der zu prüfenden Zahl berechnet. Durch Berechnung und Vergleich der Prüfziffer werden Eingabefehler erkannt.
Wenn die Prüfziffer zehn Werte annehmen kann, tritt eine zufällige Übereinstimmung auch bei ungültigen Zahlen mit 10 % Wahrscheinlichkeit auf. Bei Verwendung von zwei Prüfziffern liegt diese Fehlerwahrscheinlichkeit nur noch bei 1 %.
Prüfziffern können bei manueller Eingabe über Tastatur und auch bei automatischer Datenerfassung, z. B. OCR oder Barcodelesern, verwendet werden. In einem Datenerfassungsgerät kann bei einer abweichenden Prüfziffer die Eingabe annulliert werden.
Die Berechnung der Prüfziffer erfolgt beim Identcode der Deutschen Post im Modulo-11-Verfahren
Code : 4 7 3 1 2 4 8 2 Gewichtung : 8 6 4 2 3 5 9 7 Produkte : 32 42 12 2 6 20 72 14 Summe : 200 Modulo 11 : 200 / 11 = 18 Rest 2 Prüfziffer : Differenz zu 11 = 11 - 2 = 9 Ausnahmen : Wenn Differenz zu 11 = 10: Prüfziffer wird zu 0 Wenn Differenz zu 11 = 11: Prüfziffer wird zu 5

Berechnung der Prüfziffer:
Berechnung des Identcodes in einer Formel am Beispiel Excel:
=A1&TEIL("012345678905";12-REST(TEIL(A1;1;1)*8+TEIL(A1;2;1)*6+TEIL(A1;3;1)*4+TEIL(A1;4;1)*2+TEIL(A1;5;1)*3+TEIL(A1;6;1)*5+TEIL(A1;7;1)*9+TEIL(A1;8;1)*7;11);1)
Häufig ist eine Beschreibung durch einen Prüfzeichen-Code über einer Gruppe möglich, etwa über der Restklassen-Gruppe bei der ISBN-10 bzw. bei der EAN-13 oder über der Diedergruppe bei den Nummern der DM-Banknoten der vierten/letzten Serie.
Werden bei einer zehnstelligen ISBN-10 die zehn Ziffern der Reihe nach mit den Zahlen 1, 2,…, 10 multipliziert und diese Produkte addiert, so muss sich eine durch 11 teilbare Summe ergeben. Denn so ist das Prüfzeichen an der letzten Stelle festgelegt, für das sich allerdings auch die „Ziffer“ 10 ergeben kann, die durch ein X symbolisiert wird.
Geht man von den zehn Ziffern einer ISBN-10 zu ihren jeweiligen Restklassen modulo 11 über, so ergibt sich ein 10-Tupel
in (kartesisches Produkt mit 10 Faktoren), das analog die Kontrollgleichung
in erfüllt. Beispielsweise entspricht die Nummer 3-528-16419-0 des Buches dem 10-Tupel
und dieses erfüllt tatsächlich die Kontrollgleichung. Denn deren linke Seite wird zu
in (etwa der vierte Summand zu ). Der Code soll nun die Menge sämtlicher 10-Tupel in sein, welche die Kontrollgleichung erfüllen. Er lässt jeden Einzelfehler erkennen, ebenso jede Vertauschung zweier Zeichen.
Werden bei einer 13-stelligen EAN-13 die 13 Ziffern abwechselnd mit den Zahlen 1 und 3 multipliziert und diese Produkte addiert, so muss sich eine durch 10 teilbare Summe ergeben. Geht man also von den 13 Ziffern zu ihren Restklassen modulo 10 über, so ergibt sich ein 13-Tupel
das die Kontrollgleichung
in erfüllt. Der entsprechende Code, also die Menge sämtlicher 13-Tupel in welche die Kontrollgleichung erfüllen, lässt jeden Einzelfehler erkennen – ebenso wie der ISBN-10-Code. Aber im Unterschied zu diesem wird nicht jede Vertauschung zweier Zeichen erkannt, nicht einmal jede Nachbar-Vertauschung („Zahlendreher“).
Unter einem Prüfzeichen-Code der Länge über einer endlichen Gruppe versteht man eine Menge der Form
mit bijektiven Abbildungen und einem Element Solch ein Code lässt jeden Einzelfehler erkennen.
Beispielsweise ist der ISBN-10-Code ein Prüfzeichen-Code der Länge 10 über der Gruppe Dazu nimmt man das Element und die zehn Abbildungen
mit Diese sind bijektiv, weil jeweils die inverse Restklasse wegen existiert.
Der EAN-13-Code ist ein Prüfzeichen-Code der Länge 13 über der Gruppe mit den 13 bijektiven Abbildungen
sowie dem Element
Eine Gruppe der Ordnung 10 hat den Vorteil, dass ihre Elemente durch die Ziffern 0, 1,…, 9 symbolisiert werden könnten. Zwei Sätze sind nun zentral:
I. Es gibt keinen Prüfzeichen-Code mit einer Länge über der (abelschen) Gruppe der jede Nachbar-Vertauschung erkennen lässt.
II. Es gibt eine nichtabelsche Gruppe der Ordnung 10 und eine bijektive Abbildung derart, dass für jede ganze Zahl und jedes Element der Prüfzeichen-Code
jede Nachbar-Vertauschung erkennen lässt.
In Satz II muss man die Diedergruppe nehmen. Das ist die Symmetriegruppe eines regelmäßigen Fünfecks, bestehend aus fünf Drehungen und fünf Achsenspiegelungen sowie der Verkettung als Verknüpfung. Im Folgenden wird sie multiplikativ geschrieben und das Verknüpfungssymbol weggelassen. Außerdem werden mit ihr neutrales Element bzw. die Drehung um 72° bzw. eine Spiegelung bezeichnet. Es gilt dann und für alle ganzen Zahlen sowie

Als bijektive Abbildung kann man die durch die Skizze gegebene nehmen. In der Kontrollgleichung erscheinen noch ihre Iterierten wie etwa
Bei den Nummern der DM-Banknoten der vierten/letzten Serie wurde allerdings in der Kontrollgleichung vergessen, mit abzubilden (mehr dazu im Artikel Diedergruppe #Codierung).