
Der Landkreis Liebenwerda, ursprünglich Kreis Liebenwerda, war ein Landkreis, der in der preußischen Provinz Sachsen bzw. im Land Sachsen-Anhalt der SBZ bzw. DDR von 1816 bis 1952 bestand. Kreissitz war Liebenwerda. Das ehemalige Kreisgebiet gehört heute zu den Landkreisen Elbe-Elster und Oberspreewald-Lausitz im Land Brandenburg sowie zu einem kleinen Teil zum Landkreis Nordsachsen in Sachsen.

Der Kreis Liebenwerda hatte eine Größe von 793 km² und lag im Breslau-Magdeburger Urstromtal circa 120 km südlich von Berlin. Die Schwarze Elster durchquerte den Kreis von Südosten nach Nordwesten. Die Elbe bildete die Grenze im Südwesten. 1907 Hatte der Kreis 63.221 Einwohner und somit eine Bevölkerungsdichte von 80 Einwohner pro Quadratkilometer. Ein Drittel der Bevölkerung war in der Landwirtschaft tätig.
Der Kreis Liebenwerda lag im östlichsten Teil des Regierungsbezirkes Merseburg und somit auch im östlichsten Teil der Provinz Sachsen. Er lag zwischen 51°47' und 51°40' nördlicher Breite und 30°47' und 31°27' östlicher Länge. Im Norden grenzten die Kreise Luckau und Schweinitz, im Westen der Kreis Torgau, im Südwesten die Amtshauptmannschaft Oschatz, im Süden die Amtshauptmannschaft Großenhain, und im Osten die Kreise Hoyerswerda und Calau an den Kreis Liebenwerda.
Mit den preußischen Verwaltungsreformen nach dem Wiener Kongress wurde zum 1. Oktober 1816 aus dem Gebiet des sächsischen Amtes Liebenwerda sowie Teilen der sächsischen Ämter Hayn und Mühlberg der Kreis Liebenwerda im Regierungsbezirk Merseburg in der preußischen Provinz Sachsen eingerichtet. Das Landratsamt befand sich in der Stadt Liebenwerda. Im Rahmen einer nachträglichen Korrektur der ursprünglichen Kreisgrenzen wurden die Orte Bahnsdorf, Friedrichsluga, Gräfendorf und Neudeck aus dem Kreis Liebenwerda in den Kreis Schweinitz umgegliedert.
Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis zum Norddeutschen Bund und ab 18. Januar 1871 zum Deutschen Reich. Die Stadt Liebenwerda erhielt 1925 den Beinamen „Bad“, der Kreis behielt aber seinen Namen. Gegen Ende der 1920er Jahre fand in Preußen eine Gebietsreform statt, bei der nahezu alle Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden. Die Gutsbezirke im Kreis Liebenwerda wurden zu verschiedenen Terminen in den Jahren 1928 und 1929 aufgelöst. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 sowie der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt. Seit der Auflösung der Provinz Sachsen zum 1. Juli 1944 gehörte der Kreis zur neuen Provinz Halle-Merseburg, Regierungsbezirk Merseburg.
Im Frühjahr 1945 wurde das Kreisgebiet durch sowjetische Truppen besetzt. 1947 erfolgte nach der Auflösung von Preußen die Umbenennung der Provinz Halle-Merseburg in Land Sachsen-Anhalt. Der nunmehr Landkreis Liebenwerda genannte Kreis blieb bestehen. Im Rahmen der Auflösung der Länder in der DDR wurde im Jahre 1952 eine umfassende Kreisreform durchgeführt:
In den Bodenreformfonds fielen:
Das Land wurde verteilt:
Aus den restlichen 1.790 ha wurden folgende Landesgüter gebildet:
| Jahr | Einwohner | davon männlich | davon weiblich | Einwohner/km² |
|---|---|---|---|---|
| 1816 | 25.688 | |||
| 1840 | 33.484 | |||
| 1864 | 43.172 | |||
| 1871 | 43.967 | |||
| 1875 | 44.722 | |||
| 1880 | 46.715 | |||
| 1885 | 47.853 | |||
| 1907 | 63.221 | |||
| 1925 | 74.839 | |||
| 1939 | 88.018 | 44.407 | 43.611 | 111 |
| 1949 | 111.891 | 50.464 | 61.427 | 141 |
| Amtszeit | Name |
|---|---|
| 1816–1843 | Carl Georg Friedrich von Rechenberg |
| 1843–1851 | Friedrich Wilhelm von Rohrscheidt |
| 1851–1854 | Rauer |
| 1854–1885 | Carl Heinrich von Schaper |
| 1885–1900 | Ernst von Bredow |
| 1901–1904 | Friedrich Wilhelm von Obernitz |
| 1904–1920 | Claus von Borcke |
| 1920–1925 | Max Vogl |
| 1925–1945 | Georg Röhrig |
| 1945–1949 | Paul Paulick |
| ab 1949 | Paul Gasche |
| Name d. Wahl | Wahljahr | KPD | SPD | DNVP | DVP | NSDAP | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Reichstagswahl | 1919 | – | 11.481 | 4.006 | 1.924 | – | |
| Reichstagswahl | 1920 | 914 | 5.164 | 7.219 | 4.480 | – | |
| Reichstagswahl | 1924 | 7.197 | 7.349 | 10.770 | 4.322 | 975 | |
| Reichstagswahl | 1928 | 7.339 | 8.806 | 6.589 | 3.619 | 1.222 | |
| Reichstagswahl | 1930 | 10.087 | 8.450 | 2.332 | 3.598 | 7.252 | |
| Reichstagswahl | 31.07.1932 | 8.564 | 3.503 | 4.006 | 562 | 20.490 | |
| Reichstagswahl | 06.11.1932 | 7.568 | 4.406 | 4.006 | 1.109 | 17.734 | |
| Name d. Wahl | Tag der Wahl | Wahlberechtigt | Wahlbeteiligung | SED | LDP | CDU | VdgB |
| Kreistagswahl | 20. Oktober 1946 | 71.016 | 93,5 % | 23.758 | 14.168 | 21.699 | 2.611 |
| Landtagswahl | 20. Oktober 1946 | 71.008 | 93,7 % | 23.912 | 14.250 | 21.765 | 2.600 |

Das Wappen trägt auf silbernem Schild einen schwarzen Wellenquerbalken, dem in der Mitte das Wappenbild der alten Markgrafschaft Meißen – ein schwarzer, aufrecht stehender Löwe mit roter Zunge auf goldenem Grund – aufgelegt ist. Der Oberteil des Wappens zeigt vier, der Unterteil drei Türme. Die sieben im Wappen dargestellten Burgen Mückenberg, Elsterwerda, Saathain, Würdenhain, Liebenwerda, Wahrenbrück und Uebigau sind auf dem linken Ufer der Schwarzen Elster zur Landsicherung vor etwa 800 Jahren entstanden. Spuren dieser einst mächtigen Burgen sind heute noch in den Schlössern von Mückenberg, Saathain, Elsterwerda, Übigau und dem Lubwartturm in Bad Liebenwerda zu erkennen. Die Burgen von Wahrenbrück und Würdenhain sind urkundlich nachweisbar, aber heute jedoch gänzlich verschwunden. Der schwarze Wellenbalken deutet auf die Schwarze Elster als Schicksalsfluss des Kreises hin, und das Wappen der alten Markgrafschaft bringt die Zugehörigkeit des Kreisgebietes zur Markgrafschaft Meißen zum Ausdruck. Das Wappen wurde nach Ideen von Geschichtsfreunden und Heimatforschern im Staatsarchiv Magdeburg gefertigt. Das Wappen ist heute kein amtliches Wappen mehr und wird von der Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde e. V. in Bad Liebenwerda als Vereinswappen genutzt.

Der Kreis Liebenwerda gliederte sich in Städte, in Landgemeinden und – bis zu deren nahezu vollständigen Auflösung im Jahre 1928 – in Gutsbezirke. Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 trat zum 1. April 1935 im Deutschen Reich eine einheitliche Kommunalverfassung in Kraft, wonach die bisherigen Landgemeinden nun als Gemeinden bezeichnet wurden. Diese waren in Amtsbezirken zusammengefasst.
Zuständig für die drei Amtsgerichte in Liebenwerda, Elsterwerda und Mühlberg waren das Landgericht Torgau und das Oberlandesgericht Naumburg. Das Finanzamt Liebenwerda unterstand dem Landesfinanzamt Magdeburg.
Die Militärverwaltung des Kreises Liebenwerda unterstand nach 1885 dem IV. Armee-Korps (Generalkommando Magdeburg). Mit Gründung der Wehrmacht 1935 gehörte das Wehrmeldeamt des Kreises zum Wehrbezirk Großenhain im Wehrkreis IV (Wehrersatzbezirk Dresden).
Die katholischen Kirchengemeinden unterstanden seit 1821 dem Bistum Paderborn, genauer dem Bischöflichen Kommissariat Magdeburg. Landeskirche der evangelischen Gemeinden war die Evangelische Kirche der altpreußischen Union, speziell die Kirchenprovinz Sachsen.
Bis 1919 bestanden die folgenden Verwaltungsbehörden:
Königliches Landratsamt
Vorsitzender der Einkommenssteuerveranlagungskommission, des Schätzungsausschusses der Steuerausschüsse der Gewerbesteuerklassen III und IV im Kreise Liebenwerda
Königliche Kreiskasse in Liebenwerda
Königliches Katasteramt in Liebenwerda
Königliches Hochbauamt in Torgau
Kreiskommunalverwaltung
Kreiskommunalkasse
Kreissparkasse
Kreiskommission der Landfeuersozietät im ehemaligen Herzogtum Sachsen
Kommissionen
Bei den Städten und Gemeinden des Kreises ist, soweit bekannt, die erste urkundliche Erwähnung und damalige Bezeichnung angegeben.
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Nach 1928 verblieben die beiden gemeindefreien Gutsbezirke Amtsheide und Forst Liebenwerda im Kreis.
Durch das Kreisgebiet verlief schon seit dem Mittelalter in west-östlicher Richtung die Niederstraße. Bei Wahrenbrück führte eine weitere Straße über Herzberg nach Norden. Bei Elsterwerda führte eine Straße aus Gross Hayn weiter in nördliche Richtung über Dobrilugk. 1827 eröffnete Preußen die Staatschaussee Nr. 62, welche von Jüterbog nach Dresden durch das Kreisgebiet führte. Mit dem zunehmenden Ausbau des Schienennetzes entstanden neue wirtschaftlich wichtige Knotenpunkte. So gewann das Straßendorf Falkenberg/Elster schnell an Bedeutung mit dem Bau der Bahnstrecke Jüterbog–Röderau 1848. Ortrand bekam 1870 einen Bahnhof an der Bahnstrecke Großenhain–Cottbus. Von Falkenberg/Elster ging 1874 die Falkenberg–Kohlfurt, welche die Kreisstadt Liebenwerda mit Biehla an das niederschlesische Kohlfurt anband. Elsterwerda folgte 1875 mit dem Bau der Bahnstrecke Berlin–Dresden. Die preußische Provinzialregierung versuchte Pläne für eine Regulierung der Schwarzen Elster zu entwickeln, die aber erst 1863 endgültig umgesetzt werden konnten. Dennoch gelang es nicht die Schwarze Elster wirtschaftlich sinnvoll schiffbar zu machen. Schon Detlev Carl von Einsiedel hatte versucht mit Schiffen über die Schwarze Elster Raseneisen bzw. Braunkohle zu transportieren.