
Die Kriegsführung (englisch warfare), auch Kriegführung und Kriegswesen, also die Art und Weise, wie man Kriege führt, ist seit dem Altertum ein Thema, das Militärs, Staaten und Historiker beschäftigt. Das Wissen und die Anwendung praktischer Methoden der Kriegführung aus Sicht der Soldaten und Kämpfende bezeichnet man als Kriegshandwerk. Militärische Theorie wird unter anderem an Militärakademien und Verteidigungsuniversität wie dem NATO Defense College (NDC) gelehrt.
Der Begriff ist vielschichtig und umfasst sowohl Strategie und Mittel der Kriegsführung als auch die Frage der im Krieg erlaubten und unerlaubten Handlungen.
Eine Vielzahl von verschiedenen Arten der Kriegsführung existieren und hier sollen nur einige erwähnt werden, beispielsweise die amphibische, irreguläre oder asymmetrische, chirurgische, elektronische und cyber, hybride, informations, wirtschaftlicher oder auch psychologische Kriegsführung. Werden andere Waffen und Kampfmittel als die konventionellen eingesetzt, spricht man auch von atomarer, biologischer oder chemischer Kriegsführung. Es gibt außerdem eine Vielzahl verschiedener Kriege oder Kriegsarten, wie beispielsweise den Angriffskrieg, Eroberungskrieg oder der moderne Drohnenkrieg.
Der Artikel beschreibt die Kriegsführung in mehreren geschichtlichen Perioden, erwähnt einzelne Konflikte und Gegebenheiten, erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Franz Seidler definierte: „Die Kriegführung im militärischen Sinne umfaßt die Maßnahmen der obersten Führung der Streitkräfte (strategische Führung), die Bewegung und Versorgung der Kampftruppen (operative Führung) und die Durchführung des Kampfes auf dem Gefechtsfeld (taktische Führung). Obwohl bestimmte Grundsätze der Kriegführung wie Überflügelung, Einkreisung, Angriff und Verteidigung in allen Kriegen seit der Antike gleich geblieben sind, hat sich die Art des Krieges aufgrund der technischen Entwicklung erheblich verändert.“
Auch wird unter Kriegführung ein strategisches Konzept verstanden. Gunter Siebel schreibt: „Die strategische Kriegsführungskonzeption der USA sah folgendes Szenario vor: Während die europäischen Verbündeten ihre konventionellen und industriellen Potentiale im Falle eines konventionellen Angriffs [der Sowjetunion] einbringen sollten, konzentrierte sich die USA auf die strategische – nukleare Bestrafung des Aggressors.“ Für die NATO ist das Strategische Konzept seit Jahrzehnten ein wichtiger Rahmen für die Verteidigungsplanung.
Eine Kampfführung hingegen beschränkt sich auf die Durchführung einzelner militärischer Operationen, Gefechte oder Auseinandersetzungen.
Die ältesten historischen Berichte über Kriegsführung und Schlachten stammen aus dem alten Ägypten. So führte der Pharao Ramses II. die Schlacht bei Kadesch im 13. Jahrhundert v. Chr. gegen die Hethiter. Diese Schlacht ist die historisch erste, deren Ablauf rekonstruiert werden konnte. Auf beiden Seiten wurden Fußsoldaten und Streitwagen eingesetzt. Aus ägyptischen Berichten geht hervor, dass sich das ägyptische Heer bei der Kriegsführung an gewisse Regeln hielt. So wurde üblicherweise der Gegner benachrichtigt, bevor man angriff. Neben der offenen Feldschlacht wurden auch Belagerungen durchgeführt.
Im 1. Jahrtausend v. Chr. kam zum Landkrieg im Zuge der Entwicklung der Seefahrt auch der Seekrieg. Vor allem Phönizier und Griechen bauten Kriegsmarinen auf. So besiegten die Griechen 480 v. Chr. in der Seeschlacht von Salamis (nahe Athen) mit ihren Trieren die zahlenmäßig überlegene Flotte der Perser und stoppten so den Vormarsch des persischen Großreiches auf Griechenland.
Als größter Feldherr galt in der Antike Alexander der Große, der mit seinem Heer in schnellen Eroberungszügen innerhalb weniger Jahre ein Reich von Griechenland und Ägypten bis nach Indien eroberte.
Das Römische Heer wuchs aufgrund straffer Organisation rasch zu einer bedeutenden Militärmacht an Land heran. Hauptstreitmacht waren die Fußsoldaten, die durch Reiterei an den Flanken unterstützt wurden. In den drei Punischen Kriegen wurde Karthago besiegt. Dabei spielte auch der Aufbau der römischen Marine eine Rolle. Im Unterschied zur gängigen Seekriegsführung durch Versenken setzten die Römer auf Fußsoldaten, die mittels einer Enterbrücke (Corvus) das gegnerische Schiff enterten und einnahmen.
Bereits das ägyptische Heer bestand zum Teil aus fremden Söldnern. Im Römischen Reich, vor allem in der Kaiserzeit nach Caesar, bestand ein erheblicher Teil der Legionen aus Nichtrömern. Dies wurde den Römern zum Verhängnis, als der von den Römern zum Offizier ausgebildete Cheruskerfürst Arminius die drei Legionen XVII, XVIII und XIX unter Publius Quinctilius Varus bei Kalkriese in einen Hinterhalt lockte und mit den vereinigten Germanenstämmen besiegte.
In der Völkerwanderungszeit betrieben insbesondere die Hunnen und Awaren als Reitervölker schnelle Eroberungsfeldzüge. Häufig nutzten sie das Überraschungsmoment.
Die Kriegsführung im Mittelalter bestand insbesondere in Belagerungen oder einzelnen Feldzügen, beispielsweise dem Krieg Karls des Großen gegen die Sachsen. Kriege dauerten oft lang, ein Extrembeispiel war der Hundertjährige Krieg. Neben Eroberungsgelüsten gab es auch religiöse Motive (die nicht selten mit Eroberungsmotiven vermischt waren), beispielsweise in den Kreuzzügen. Beherrschendes Element der Landkriegsführung waren die Ritterheere, die insbesondere durch Bogenschützen unterstützt wurden. Mangels entsprechender Versorgung litt insbesondere die Zivilbevölkerung nicht nur unter den Kämpfen, sondern auch unter den Lasten zur Versorgung der Truppen. Der Seekrieg bestand vielfach vor allem in Kaperfahrten.
Eine besondere Art der Kriegsführung, die Mongolische Kriegsführung, wurde im Mongolenreich unter Dschingis Khan eingeführt.
Der Dreißigjährige Krieg wirkte sich besonders verheerend aus. Es gab kaum klare Fronten, ganz Mitteleuropa wurde von vagabundierenden Söldnertruppen durchzogen, die sich aus dem versorgten, was sie bei der ortsansässigen Bevölkerung konfiszieren konnten. Was nicht verwertbar erschien, wurde gebrandschatzt. Manche Landstriche verloren mehr als 50 Prozent der Bevölkerung durch direkte oder indirekte Kriegseinwirkung. Typisch für diesen Krieg war die beginnende Dominanz der Schusswaffen, während die Zeit der Ritter abgelaufen war.
Im 18. Jahrhundert bauten die Landmächte stehende Heere auf, beispielsweise Preußen, Frankreich und England. Die Organisation dieser Heere war straff, Drill sollte dafür sorgen, dass die Soldaten präzise gemeinschaftlich jeden Befehl ausführten. Zur Schlacht bezog man – ähnlich wie in der Antike – eine genau vorher festgelegte Schlachtaufstellung. Zwar wurde noch viel dort requiriert, wo das Heer gerade war, jedoch begannen die Heere mit dem Aufbau einer gezielten Logistik, um die Versorgung der Truppen vor allem mit Munition sicherzustellen.
Auch im 19. Jahrhundert waren die Kriege primär Bewegungskriege, die um einige Belagerungen von Festungen oder Städten ergänzt waren. Häufig wurden Seewege blockiert, um an Landkriegen beteiligte Staaten zu schwächen.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die ersten modernen Kriege ausgetragen. Technische Neuerungen, wie die Eisenbahn, wurden im Kriegswesen eingesetzt. Durch schwerere und weitreichendere Artillerie wurden Festungen und Stadtbefestigungen aus der Neuzeit obsolet. Als erster moderner Krieg nach heutigen Maßstäben gilt der Sezessionskrieg (1861–1865).
Der Erste Weltkrieg dagegen war, nicht zuletzt wegen der extremen Aufrüstung aller am Krieg beteiligten Staaten, an der Westfront Deutschlands ein Stellungskrieg. Die Front wurde durch Gräben, Stacheldraht und Minen nahezu unpassierbar gemacht; die Soldaten dienten, falls sie nicht bei einem Sturmangriff auf wenige hundert Meter ins Feindesland umkamen, als Opfer für die Kanonen (Kanonenfutter).
Der Seekrieg war ebenso vor allem durch die technische Rüstung bestimmt, die vor allem in den Schlachtschiffen zum Ausdruck kam. So endete die Seeschlacht am Skagerrak de facto unentschieden. Nachdem von englischer Seite eine Seeblockade errichtet worden war, setzte die insgesamt auf See schwächere deutsche Führung zunehmend auch U-Boote ein, die nicht nur gegen Kriegsschiffe, sondern auch gegen Handelsschiffe feindlicher Staaten vorgingen. Der Angriff deutscher U-Boote auf den englischen Passagierdampfer Lusitania, auf dem auch US-Amerikaner waren, führte zum Kriegseintritt der Vereinigten Staaten.
Der Erste Weltkrieg führte auch zum Luftkrieg. Während zunächst Aufklärungsflüge im Vordergrund standen, wurden zunehmend auch erste Bombardements durchgeführt.
Der Erste Weltkrieg stellt auch hinsichtlich der chemischen Kriegführung eine Zäsur dar. So wurden erstmals in großem Umfang chemische Kampfstoffe eingesetzt. Die damit verbundenen Qualen, aber auch die schlechte Kontrollierbarkeit führten nach dem Ende des Krieges zu einer weitgehenden Ächtung dieser Waffen.
Der Zweite Weltkrieg war zu Beginn infolge der Überraschungseffekte vor allem ein Bewegungskrieg, nicht zuletzt durch den massiven Einsatz von Panzern (Panzerwaffe). Hingegen endete die Kriegsführung nach dem Scheitern des Russlandfeldzuges und nach der Invasion der Alliierten in Rückzugsgefechten in den bekannten Formen des Stellungskrieges, wobei die Stellungen jedoch infolge der materiellen Übergewichte von den Alliierten jeweils durchbrochen wurden.
Das Nachrichtenwesen bekam mit der technischen Weiterentwicklung stärkere Bedeutung. Insbesondere die deutschen Truppen koordinierten die verschiedenen Waffengattungen sehr stark, so dass der so genannte Blitzkrieg entstand, bei dem die Bombardierung aus der Luft, Jagdflugzeuge und Bodentruppen nach einem genauen Plan vorgingen. Die Logistik bekam weitere Bedeutung; neben dem Landweg per Eisenbahn und LKW wurden zunehmend auch Flugzeuge zur Versorgung eingesetzt. Auf dem Seeweg führten vor allem die Alliierten große Geleitzugfahrten durch, mit denen England und die UdSSR seitens der USA unterstützt wurden. Deutschland wiederum setzte dagegen die U-Boot-Waffe ein, ebenso Japan und die USA. Durch die Entwicklung des Sonars wurde die Wirksamkeit der U-Boote herabgesetzt. Ferner löste der Flugzeugträger das Schlachtschiff als wichtigste Waffe im Pazifik ab.
Der Zweite Weltkrieg brachte neue Dimensionen des Leids für die Zivilbevölkerung durch Flächenbombardements aus der Luft. Die deutsche Luftwaffe hatte diese Strategie zur Einschüchterung und Schwächung der Zivilbevölkerung zunächst im Spanischen Bürgerkrieg eingesetzt, im Zweiten Weltkrieg dann insbesondere gegen England (z. B. Coventry) und Norwegen (Hamar, Narvik). Später wurden zu diesem Zweck unbemannte Marschflugkörper und Raketen entwickelt, die V1 und V2, die vor allem zur Bombardierung Londons eingesetzt wurden. Im Gegenzug führten die Alliierten massive Flächenbombardements gegen deutsche Städte durch, z. B. Hamburg, Köln, Berlin. Hierbei wurden gewaltige Feuerstürme ausgelöst, die enorm hohe Opferzahlen unter der Zivilbevölkerung forderten. In den meisten Fällen war der militärische Effekt gering. Auch die von beiden Seiten beabsichtigte Zermürbung der Zivilbevölkerung trat kaum ein, vielmehr führten die Bombardements eher zu einer Verabscheuung des jeweiligen Gegners. Als militärisch besonders unsinnig werden heute die Luftangriffe auf Dresden und auf Würzburg angesehen, da diese Städte 1945 keine militärische Bedeutung hatten, dafür aber voll von Flüchtlingen waren.
Das Ende des Zweiten Weltkriegs markierte außerdem den Beginn einer Ära der Raketentechnik, Raumfahrt und Satellitentechnik, die in den USA und der UdSSR weiterentwickelt wurde. Die Beherrschung des elektromagnetischen Spektrums ist Teil der elektronischen Kriegsführung und militärischer Operationen. Sie versucht, Gegnern die Nutzung des Spektrums zur Zielortung und Nachrichtengewinnung zu verwehren.

Der Kalte Krieg folgte dem Zweiten Weltkrieg ab 1947. Seitdem hat sich auch die Bewaffnung der Streitkräfte verändert. Die USA investierten massiv in eine Aufrüstung gemäß den Kriegsplänen und Vorgaben des National Security Council (NSC). Diese technischen Entwicklungen bzw. der militärisch-technische Fortschritt beeinflussen bis heute die Art der Kriegsführung.
Die Hauptmächte der Anti-Hitler-Koalition besiegelten in der Erklärung von Jalta 1945 die Teilung Deutschlands und spalteten damit die Welt faktisch in zwei Machtblöcke unter Führung der USA bzw. Sowjetunion. Der Systemgegensatz zwischen beiden Supermächten manifestierte sich später durch die beiden Militärbündnisse NATO und Warschauer Pakt. Im Kampf um die Vormachtstellung in der Welt standen Kernwaffen im Zentrum der Aufmerksamkeit; beide Seiten strebten strategische Abschreckung im Wege massiver atomarer Aufrüstung und Aufbau der Atromstreitkräfte an, die in den USA bis zur Planung weltraumgestützer Raketenabwehrsysteme (vgl. die Strategic Defense Initiative aus den frühen 1980ern) führte. Das US-Verteidigungsministerium verfolgte ebenfalls verschiedene Rüstungsprogramme, wie das Armored Systems Modernization (ASM).
Nach herrschender Ansicht bewahrte wohl nur die sogenannte assured destruction – das Gleichgewicht der Atommächte – die Welt vor einem Atomkrieg, der mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Zerstörung der menschlichen Zivilisation und ihrer Grundlagen geführt hätte. Der Kalte Krieg war geprägt von Abrüstungsabkommen, von denen im 21. Jahrhundert nur noch sehr wenige gültig sind.
Allerdings wurde auch während des ab etwa 1950 beginnenden (nuklearen und konventionellen) Wettrüstens zwischen den Blöcken der weitaus größte Teil der Budgets für konventionelle Waffensysteme aufgewandt. Der Kalte Krieg war auch kein Krieg ohne konventionelle Kampfhandlungen. Es gab keine direkte Konfrontation der Supermächte, sondern Stellvertreterkriege in Staaten mit unsicherer politischer Situation. So sollte der eigene Einflussbereich ausgedehnt bzw. gesichert werden. Beispielsweise die USA gegen Nordvietnam (Vietnamkrieg) oder Sowjetunion gegen Aufstandsbewegung in Afghanistan (Krieg in Afghanistan). Da die Situation in der ersten und zweiten Welt bis zuletzt relativ stabil war, waren Länder der dritten Welt immer wieder Spielball in diesem Konflikt der Supermächte. So installierten beispielsweise die USA in Mittel- und Südamerika mehrere Marionettenregierungen, um den Einfluss in diesem Bereich zu erhöhen. Diese Entwicklungen dauerten bis zum Zerfall der Sowjetunion im Jahr 1989 an. Es folgte ein Übergang der geopolitischen und sicherheitspolitischen Ordnung und internationalen Beziehungen sowie ein Aufbruch in die 1990er Jahre, der sich unter anderem in einer signifikanten Reduzierung einzelner Armeen und der Vereinigung von Nationale Volksarmee (NVA) und Bundeswehr in Deutschland niederschlug. Im Nahen Osten kam es zudem zum Zweiten Golfkrieg. Parallel zu diesen geopolitischen Veränderungen liefen seit den 1990er Jahren paneuropäische Rüstungsprogramme wie der Eurofighter Typhoon oder der Eurocopter Tiger an.
Die Aufstellung der strategischen Kapazitäten wurde durch diverse politische Initiativen, wie beispielsweise dem Abbau bzw. der Reduktion der nuklearen Kapazitäten, vorangetrieben. Wenn auch nie ganz aufgegeben, so wurde sie doch zu einem „Laborbetrieb“ umgerüstet, der bis heute aktiv ist. Mit anderen Worten: Die Vielzahl der aktiven Atomtests wurde durch den CTBT-Vertrag eingefroren. Nichtsdestotrotz wurden die nuklearen Kapazitäten (sowohl die Kernwaffen als auch die Trägersysteme) im 21. Jahrhundert weiterentwickelt.
In einem erweiterten Kontext werden die komplexen Beziehungen zwischen Politik, Militär und Rüstungsindustrie – besonders in den USA während und nach dem Kalten Krieg – als militärisch-industrieller Komplex bezeichnet. Ende der 1990er Jahre begann auch die Volksrepublik China (VR) mit einem strategischen Rüstungsprogramm, der Militärisch-zivilen Fusion, welches bis heute andauert und den gewachsenen Anspruch der Nation als Großmacht technisch-militärisch ausdrückt.
Nach dem Kalten Krieg begann, neben der weiterhin bestehenden nuklearen Abschreckung, eine Ära der asymmetrischen und unkonventionellen Kriegsführung (Hybrider Krieg).
Seit den Terroranschlägen am 11. September 2001 hat sich die Kriegsführung signifikant verändert. Die USA haben sich im sogenannten „Kampf gegen den Terror“ gegen neue Bedrohungen eingestellt. Das neue Rüstungsprogramm Prompt Global Strike wurde aktiviert und ist bis heute in seiner weiterentwickelten Ausprägung andauernd. Eine US-Doktrin der Joint Vision 2010 und Joint Vision 2020 wurde ebenfalls veröffentlicht.
Auch für die Bundeswehr, die im Kalten Krieg noch auf Landesverteidigung ausgerichtet war, wurden Aufstandsbekämpfung (Intervention) und eine „Armee im Einsatz“ zum neuen Auftrag.
Mit dem Ende des Kalten Kriegs begann die elektronische Kampfführung mit dem Cyber-Raum zu verschmelzen (Informationszeitalter). Durch die zunehmende Entwicklung von Computertechnologien und informationstechnischen Systemen werden alte Systeme, auch im militärischen Bereich, nach und nach abgelöst oder sogar durch neue Cyberwaffen ergänzt.

Der seit 2022 andauernde Ukrainekrieg führte zu einer erheblichen Veränderung der Kriegsführung – einer sogenannten Zeitenwende – gefolgt vom Irankrieg ab 2026. Der Ukrainekrieg ist geprägt vom Einsatz von Altsystemen wie Artillerie und Patriot-Abwehrsystemen sowie von neuen, unbemannte System und autonomen Waffen als Teil eines Drohnenkriegs. Auch die hybride, irreguläre oder asymmetrische Kriegsführung spielen hierbei eine Rolle.
Die Aufrüstung und Umwandlung der Bundeswehr und anderer Länder und Streitkräfte wirft zahlreiche Fragen hinsichtlich der Art und Weise auf, wie moderner Krieg geführt wird. Die zukünftige Verteidigungsfähigkeit wird von diesen und vielen anderen Fragen und Entscheidungen beeinflusst.
Das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) verkündete beispielsweise, ab 2027 ein eigenes Drohnenregiment aufstellen zu wollen. In den USA wurde das eigenständige Unified Combatant Command (UCC) der United States Autonomous Warfare Command angekündigt. Die ukrainischen Streitkräfte haben bereits 2024 ihre eigenen Kräfte Unbemannter Systeme aufgestellt.
In manchen Staaten existieren außerdem Rüstungsprogramme zu Hyperschallwaffen und dem sogenannten „Deep Precision Strike“ (DPS), siehe das System Typhon. Damit sind bewaffnete Flugkörper mit großer Reichweite und hoher Zielgenauigkeit (vgl. Streukreisradius) gemeint.
Gleichzeitig rücken der Weltraum und der Cyberspace als weitere Domänen neben See, Land und Luft in den Fokus. Ein Beispiel ist die Gründung der United States Space Force (USSF) im Jahr 2019. Neue Konzepte wie das Digital Engineering, eine Software-basierte Verteidigung und Künstliche Intelligenz werden zunehmend für militärische Zwecke aufgegriffen und erprobt.
Das Pentagon unter Kriegsminister Pete Hegseth versucht spätestens seit 2025, moderne KI (LLMs oder andere KI-Software) für militärische Zwecke zu beschaffen. Es wurde ein Strategiepapier (Artificial Intelligence Strategy) entwickelt und eine eigenständige Behörde gebildet. Das Chief Digital and Artificial Intelligence Office (CDAO) des US-Verteidigungsministeriums beschäftigt sich mit der KI-gestützten Kampf- oder Kriegsführung. Fachleute sehen jedoch Schwierigkeiten bei der Anbindung der KI-Systeme an die bestehende, hoch-fragmentierte Datenlandschaft.
Anfang 2026 kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen dem LLM-Hersteller Anthropic und dem Pentagon. Die Firma wollte vom US-Militär die Zusage, dass dieses ihr LLM-Modell Claude nicht in autonomen Waffensystemen (AWS) einsetzen wird, die in der Lage sind, Ziele ohne menschliches Eingreifen zu identifizieren und zu bekämpfen. Ebenso wurde der Verzicht auf Massenüberwachung gefordert. Ein Sprecher des Pentagon dementierte: „Wir fordern Folgendes: Erlauben Sie dem Pentagon, das Modell von Anthropic für alle rechtmäßigen Zwecke zu nutzen. Dies ist eine einfache, vernünftige Forderung, die verhindern wird, dass Anthropic kritische Militäroperationen gefährdet und möglicherweise unsere Soldaten in Gefahr bringt.“ Das Pentagon drohte Anthropic damit, die nicht verfügbaren Services (LLM-Modelle) als Lieferkettenproblem zu bezeichnen und den Defense Production Act zu aktivieren, um die Kontrolle über das Unternehmen zu erlangen. Außerdem plant das Pentagon, einzelnen Firmen klassifizierte Daten zum Trainieren von LLMs zur Verfügung zu stellen. Auch der LLM-Hersteller OpenAI befindet sich in Verhandlungen mit dem Pentagon. Sein CEO Altman betonte, dass OpenAI keinen Einfluss auf der operative Entscheidungsebene habe und die Kooperationsvereinbarung um folgende Formulierung ergänzt werden solle „In Übereinstimmung mit den geltenden Gesetzen, einschließlich des Vierten Zusatzartikels zur Verfassung der Vereinigten Staaten, des National Security Act von 1947 und des FISA Act von 1978, darf das KI-System nicht absichtlich zur Überwachung von US-Bürgern und Staatsangehörigen im Inland eingesetzt werden.“ Die KI-Software des Unternehmens Palantir soll ebenfalls Teil der US-Beschaffungstrategie sein. Grundsätzlich beschleunigt die KI den Prozess der Auswertung und Zielidentifikation und die „kill chain“ (vgl. Killzone) kann erheblich verkürzt werden. Auf operativer Ebene kommt es zur decision compression, die "Kommandeure müssen immer rascher und immer mehr Entscheidungen treffen".
Kriegsführung wurde ab 1989 von William S. Lind auch als Modell beschrieben. Lind führte die „4. Generation der Kriegsführung“ (4GW) ein. Fachleute bezeichnen den „Krieg der 5. Generation“ (5GW) als einen Konflikt, der mit fortschrittlichen Technologien und Taktiken geführt wird und eine Abstreitbarkeit ermöglicht, um Verwirrung und Instabilität in Gesellschaften zu stiften. Dazu zählen beispielsweise künstliche Intelligenz, Cyberangriffe, Social Engineering und soziale Medien. Bei diesem Konzept geht man davon aus, dass sich moderne Konflikte mehr auf die Beeinflussung von Denkweisen und Gesellschaften konzentrieren als auf konventionelle militärische Auseinandersetzungen.
Die abstrakte oder theoretische Beschreibung der „4. Generation der Kriegsführung“ wird jedoch auch kritisch rezipiert.
Während in Gegenden mit hoher Bevölkerungsdichte die Kriegsführung auf die zahlenmäßige Schwächung oder gar die Vernichtung der gegnerischen Streitkräfte aus war, ging es in den bevölkerungsmäßig schwachen Regionen der Erde meist darum, möglichst viele potentielle Arbeitskräfte und streitfähige Männer zu fangen. Deshalb ging es in solchen Konflikten im Allgemeinen nicht um die Vernichtung von militärischen Gliederungen, sondern um deren Gefangennahme. Auch Zivilpersonen wurden insofern geschont, soweit sie als Arbeitskräfte in Frage kamen. Beispiele sind die Auseinandersetzungen zwischen den nordamerikanischen Indianern und in Südostasien.
Zu einer taktischen Kriegsführung zählen neben der Detailplanung die Versorgung und der Transport (Militärlogistik), der Positionsbezug, die Aufklärung und das Nachrichtenwesen, sowie die Kampfdisposition (Schlachtenlenkung).