
Kurt Palm (* 12. April 1955 in Vöcklabruck) ist ein österreichischer Autor und Regisseur.
Kurt Palm studierte von 1975 bis 1981 Germanistik und Publizistik an der Universität Salzburg. Während seiner Studienzeit engagierte er sich beim Kommunistischen Studentenverband (KSV). 1981 promovierte er mit einer Arbeit über die Rezeption Bertolt Brechts in Österreich, die er 1983 unter dem Titel Vom Boykott zur Anerkennung. Brecht und Österreich in Buchform veröffentlichte.
Seit 1982 arbeitet Palm als Regisseur, Autor und Volksbildner. Seine künstlerische Arbeit bewegt sich zwischen Theater, Literatur, Film, Fernsehen, Kochtheater, Performance und satirischer Kulturvermittlung. Wiederkehrend beschäftigt er sich mit Autoren und Figuren der Literatur- und Kulturgeschichte, darunter Bertolt Brecht, Franz Kafka, James Joyce, Adalbert Stifter, Wolfgang Amadeus Mozart, Flann O’Brien und Johann Nestroy. Das Stifterhaus beschreibt Palms Arbeit als stark materialistisch geprägt; in seinen essayistischen Annäherungen an Joyce, Stifter und Mozart interessiere er sich besonders für die sinnlich-historischen Grundlagen künstlerischer Werke und für jene Aspekte, die in klassischen Kanonisierungen häufig ausgeblendet würden. Dabei spielen in seinem Werk Essen, Trinken, Körperlichkeit, Groteske, politische Geschichte, österreichische Alltagskultur und Formen populärer Wissensvermittlung eine wichtige Rolle.
Ab den 1980er Jahren inszenierte Palm zunächst an freien Bühnen und im Umfeld der österreichischen Off-Theater-Szene. Neben klassischen Theaterarbeiten entstanden auch Happenings, literarische Abende und spartenübergreifende Produktionen, in denen Elemente von Theater, Lesung, Konzert, Aktionismus und Kabarett ineinandergriffen. 1989 gründete er in Wien die Theatergruppe Sparverein Die Unz-Ertrennlichen, die bis 1999 bestand. Die Gruppe spielte regelmäßig in Wien und arbeitete mit Autorinnen und Autoren, Musikerinnen und Musikern sowie Künstlerinnen und Künstlern wie Max Goldt, Wiglaf Droste, Attwenger und Tex Rubinowitz zusammen. Zu den frühen Erfolgen des Ensembles zählte Palms Inszenierung von Kafkas Franz nach Alan Bennett, die 1990 im Theater im Konzerthaus in Wien gezeigt wurde und später erneut im Zusammenhang mit dem Sparverein rezipiert wurde.
Von 1994 bis 1996 produzierte und inszenierte Palm 24 Folgen der von Hermes Phettberg moderierten Phettbergs Nette Leit Show. Die Sendung ging aus einer Bühnenshow des Sparvereins Die Unz-Ertrennlichen hervor und wurde später im ORF ausgestrahlt. Sie verband Talkshow-Format, grotesken Humor, Wiener Off-Theater, katholische und triviale Alltagsmotive sowie eine bewusste Parodie konventioneller Fernsehrituale. Das Stifterhaus bezeichnet die Sendung als Höhepunkt von Palms Aneignung des Talkshow-Formats; durch Ausstrahlungen auf 3sat wurden Phettberg und Palm auch in Deutschland bekannt. Der Kurier schrieb 2024, die von Palm produzierte Nette Leit Show habe „Fernsehgeschichte“ geschrieben.
Neben seiner Theater- und Fernseharbeit veröffentlichte Palm zahlreiche Bücher. Sein literarisches Werk umfasst essayistische und kulturgeschichtliche Arbeiten ebenso wie Romane und Kriminalromane. Wiederkehrende Themen sind österreichische Mentalitätsgeschichte, Provinz, politische Ideologien, Literaturgeschichte, kulinarische Kultur und die komischen oder absurden Seiten gesellschaftlicher Systeme. Mit dem Kriminalroman Bad Fucking wurde Palm auch einem breiteren Lesepublikum bekannt; das Buch wurde 2011 mit dem Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichnet. Für Der Hai im System erhielt Palm 2023 den Leo-Perutz-Preis für Wiener Kriminalliteratur. In der Jurybegründung wurde hervorgehoben, dass der Roman weder einem klassischen Ermittler- noch einem klassischen Mordmodell folge, sondern auf Psychogramme und gesellschaftliche „Tiefenbohrungen“ setze.
2024 veröffentlichte Palm den Roman Trockenes Feld, in dem er sich mit der Geschichte seiner Familie, insbesondere mit Flucht, Vertreibung und den Nachwirkungen der Kriegsgeneration, auseinandersetzt. Ö1 beschrieb das Buch als Aufarbeitung der Familiengeschichte seiner aus Kroatien vertriebenen donauschwäbischen Eltern. Das Literaturhaus Wien schrieb, Palm erzähle darin „mit Empathie“ von seiner Familie und sich selbst und stelle die eigene Biografie jener seines Vaters gegenüber.
Auch als Filmregisseur arbeitete Palm wiederholt mit literarischen und kulturhistorischen Stoffen. Seine Filme widmen sich unter anderem Flann O’Brien, Adalbert Stifter, Wolfgang Amadeus Mozart und Franz Kafka oder porträtieren mit Hermes Phettberg, Elender eine zentrale Figur der österreichischen Medien- und Subkultur der 1990er Jahre. Ö1 bezeichnete Palm 2025 als Filmemacher, Autor und Regisseur, dessen Bücher, Theaterstücke und Filme polarisiert und provoziert hätten, und hob seine Rolle bei der Etablierung Phettbergs als Fernsehfigur hervor.
Seit 19. November 1998 ist Palm Mitglied der Society of Jem Casey in Dublin. Er lebt in Wien und in Litzlberg am Attersee.
Bei den Produktionen des Sparvereins Die Unz-Ertrennlichen wirkten zwischen 1989 und 1999 unter anderem folgende Künstlerinnen und Künstler mit: Lindy Annis, Attwenger, Wolfgang Bauer, Karl Bruckschwaiger, Christian Eckenhofer, Rainer Egger, Johannes Friesinger, Wiglaf Droste, Robert Gernhardt, Max Goldt, Oliver Hangl, Amina Handke, Eckhard Henscheid, Gabi Hift, Ursula Hübner, Andreas Karner, Bodo Kirchhoff, Elisabeth Kny, Wolfgang Kralicek, Karl Ferdinand Kratzl, Thomas Kussin, Susanna Marchand, Mara Mattuschka, Thomas Mießgang, Erich Möchel, Klaus Nüchtern, Fritz Ostermayer, Hermes Phettberg, Begonia Plaza, Chrono Popp, Martin Puntigam, Bernd Rauschenbach, Josef Reiter, Wilbirg Reiter, Harry Rowohlt, Tex Rubinowitz, Martina Salner, Hermann Schmid, Marian Schönwiese, Diane Shooman, Andreas Sobik, Alexandra Sommerfeld, Kathy Tanner, Tobias Urban, Renato Uz, Christoph Winder, Paul Wolff-Plottegg und Ernst Wolzenburg.

| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Palm, Kurt |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Regisseur und Autor |
| GEBURTSDATUM | 12. April 1955 |
| GEBURTSORT | Vöcklabruck |