
In der Mathematik ist die lambertsche W-Funktion (oder Lambert-W-Funktion), auch Omegafunktion oder Produktlogarithmus, benannt nach Johann Heinrich Lambert, die Umkehrfunktion von
wobei die Exponentialfunktion ist. Die lambertsche W-Funktion wird meistens mit bezeichnet.

Da die Funktion auf dem Intervall nicht injektiv ist, besitzt die lambertsche W-Funktion auf dem Intervall zwei Funktionsäste und . Mit wird aber in der Regel der obere der beiden Äste bezeichnet.
Die W-Funktion kann nicht als elementare Funktion ausgedrückt werden.
Zumeist wird sie in der Kombinatorik verwendet, beispielsweise zur Auswertung von Bäumen oder zur asymptotischen Bestimmung der Bell-Zahlen.
Die Ableitungsfunktion eines Astes der W-Funktion kann mit Hilfe der Umkehrregel der Differentialrechnung gefunden werden (an der Stelle existiert die Ableitung nicht, ihr Betrag wächst bei hinreichender Annäherung an diese Stelle in jedem Ast über alle Schranken):
sowie für den oberen Ast (der untere Ast ist für gar nicht definiert).
Die Ableitungen höherer Ordnung haben die Form
wobei die Polynome sind, die sich aus folgender Rekursionsformel berechnen lassen:
Ausgehend von ergeben sich damit die nächsten drei Ableitungen zu:
Eine Stammfunktion ergibt sich durch Substitution des ganzen Integranden:
Durch implizites Differenzieren kann man zeigen, dass folgender Differentialgleichung genügt:
Die Taylor-Reihe von um ist durch folgende Formel gegeben:
Der Konvergenzradius beträgt . Folgende zwei Funktionen haben ebenso Taylor-Reihen in diesem Muster:


Für jedes gibt es einen Zweig der W-Funktion, wobei und die oben genannten reellen Zweige darstellen. Der Hauptzweig ist insofern besonders, als er auf der gesamten komplexen Zahlenebene definiert ist; alle anderen Zweige (Nebenzweige) haben eine Definitionslücke bei . Konkret gilt
Dieses Verhalten ist im Diagramm oben für die reellen Fälle exemplarisch ersichtlich.
Die Verzweigungsstelle für den Hauptzweig ist bei , die sich über den Rest der negativen Halbachse in Richtung erstreckt. Diese Verzweigung trennt den Hauptzweig von den Nebenzweigen und . Auf den Nebenzweigen beginnt die Verzweigung bereits bei und setzt sich wie beim Hauptzweig in Richtung fort.
Alle Zweige sind injektiv und ihre Wertebereiche sind disjunkt. Aufgefasst als Funktion mit zwei Parametern aus und hat die W-Funktion die gesamte komplexe Zahlenebene als Wertebereich. Das Bild der reellen Achse ist die Vereinigung der reellen Achse mit der Quadratrix des Hippias, der für definierten parametrischen Kurve , wobei man unter den Grenzwert versteht, wodurch an der Stelle stetig fortgesetzt wird.
Der Kehrwert des Nachfolgers der lambertschen W-Funktion hat diese Integraldarstellung:
Die lambertsche W-Funktion direkt hat diese Integralidentitäten:
Die kanadischen Mathematiker German Kalugin, David Jeffrey und Robert Corless entdeckten einige Formeln für die Integralrepräsentation der lambertschen W-Funktion und hielten diese Formeln in ihrer gemeinsamen Arbeit Stieltjes, Poisson and other integral representations for functions of Lambert W fest. Dieser Zusammenhang wurde danach in erweiterter Form von dem ungarischen Mathematiker István Mező entdeckt. Er schrieb in seinem Werk An integral representation for the Lambert W function die Herleitung für die Integraldarstellung der lambertschen W-Funktion nieder.
Integrale von Produkten aus der lambertschen Funktion und gebrochen rationalen Funktionen:
Dabei wird mit dem die Gammafunktion zum Ausdruck gebracht.
Die lambertsche W-Funktion kann gebraucht werden, um Gleichungen vom Typus
zu lösen ( ist ein beliebiger, von abhängiger Ausdruck).
Auch die Gleichung
kann mit Hilfe der lambertschen W-Funktion gelöst werden. Die Lösung lautet
Der unendliche Potenzturm
kann an den konvergenten Stellen mit der W-Funktion in geschlossene Form gebracht werden:
Mit Hilfe der normalen lambertschen W-Funktion lassen sich die exakten Lösungen „transzendenter algebraischer“ Gleichungen (in x) folgender Form ausdrücken:
mit reellen Konstanten und . Die Lösung ist . Verallgemeinerungen der lambertschen W-Funktion umfassen:
Die W-Funktion steht in direktem Zusammenhang zu verallgemeinerten hypergeometrischen Funktionen. Diese Beziehung wird durch die Gleichungen
und
klar.
Die Fox H-Funktion steht im direkten Zusammenhang zur W-Funktion, was durch die Relation
deutlich wird, wobei das komplex-konjugierte ist.
Eine Folge von Näherungen an die W-Funktion kann rekursiv mithilfe der Beziehung
berechnet werden. Alternativ kann auch das Newton-Verfahren zur Lösung der Gleichung verwendet werden:
oberer Zweig:
unterer Zweig:
Andere Werte lassen sich über berechnen.
Eine Näherung von für große ist