
Lemmy Caution ist wie Jerry Cotton ein von einem Europäer erdachter FBI-Agent, der zunächst in einer Romanreihe und später auch in einer Reihe von Kinofilmen erfolgreich war.
Erdacht hat ihn der Brite Peter Cheyney. Als Cheyney 1936 den ersten Roman, This Man Is Dangerous, über Lemmy Caution veröffentlichte, war er noch Polizist, bis ihm der spätere Erfolg des Romans ermöglichte, zukünftig vom Schreiben zu leben.
Nach dem Zweiten Weltkrieg begannen sich viele Franzosen für die Kultur der amerikanischen Alliierten zu interessieren. Vor diesem Hintergrund entdeckte die französische Filmwirtschaft die beliebten Romane Peter Cheyneys als Ausgangsmaterial für die Filmreihe des Agenten Lemmy Caution.
Der Regisseur Bernard Borderie suchte für die Verfilmung nach jemandem, der das raue Aussehen eines Gangsters haben sollte, und fand seine Idealbesetzung in dem damals in Paris lebenden amerikanischen Sänger Eddie Constantine.
Constantine war bis dato nur in einer Nebenrolle aufgetreten. Trotz seiner fehlenden schauspielerischen Erfahrung konnte er das Publikum von sich überzeugen. Lemmy Caution wurde als frecher, provokanter und einfallsreicher Macho dargestellt, der Whiskey, Zigaretten und Frauen niemals abgeneigt war. Er ging stets mit Freude in einen Faustkampf und war auch gegen eine Übermacht an Gegnern stets erfolgreich. Constantine spielte Caution so überzeugend, dass, dank des stets gleichen Rollenverhaltens, auch spätere Filme mit ihm unter dem Agentennamen vermarktet wurden.
Im Gegensatz zu den Romanverfilmungen Cheyneys wurde Caution von Jean-Luc Godard in Lemmy Caution gegen Alpha 60 als müder, gealterter und depressiv wirkender Mann dargestellt. Wie Humphrey Bogart zog Lemmy, in seinen Trenchcoat gehüllt, einsam und verloren durch die Zukunftswelt. Drei Jahre zuvor hatte Sean Connery mit seinem Debüt als James Bond in Dr. No einer neuen Generation von Geheimagenten den Weg auf die Kinoleinwand gewiesen.
Lemmy Caution trat 1980 in Udo Lindenbergs Film Panische Zeiten, 1983 in zwei Folgen der österreichischen Serie Kottan ermittelt sowie 1984 in der Komödie Tiger – Frühling in Wien auf.
1989 gab es mit Le Retour de Lemmy Caution einen französischen TV-Film mit Constantine als Hauptdarsteller.
Sein letztes Gastspiel hatte Caution 1991 in Deutschland Neu(n) Null. Hier lässt erneut Godard den Agenten zum Zeitpunkt der deutschen Wiedervereinigung reaktivieren.
Die Romane wurden von den Verlagen Pegasus, Lingen, Ullstein und Heyne in verschiedenen Übersetzungen und teilweise unter unterschiedlichen Titeln oder in Sammelbänden angeboten.
Ab 1951 erschienen Lemmys Abenteuer als Comicstrips in Tageszeitungen. Eine zusammengefasste Wiederveröffentlichung startete 2018. Als Werbung für den Film Lemmy Caution gegen Alpha 60 ließ Jean-Luc Godard 1965 in der eigens erfundenen Zeitung Figaropravda einen Comic über Lemmy zeichnen und veröffentlichen.