
Leo (Lavoslav) Goldberger (* 28. Juni 1930 in Vukovar) ist ein dänisch-US-amerikanischer Psychologe und emeritierter Professor an der New York University.
Er wurde in Vukovar (Königreich Jugoslawien) in einer orthodoxen jüdischen Familie geboren und verbrachte dort seine ersten beiden Lebensjahre. Sein Vater Eugene Goldberger, geboren in Pressburg, war ein klassisch ausgebildeter Opernsänger, der Kantor in der Synagoge Vukovar war. Seine Mutter Helen (ungar. Ilona, geb. Berkovits) wurde in Debrecen in Ungarn geboren. Er wuchs mit drei Brüdern auf. Da sein Vater eine andere Stelle in Troppau bekam, übersiedelte die Familie nach Tschechien. 1934 verließen sie Tschechien, da sie sich von dem aufkommenden Nationalsozialismus bedroht fühlten und zogen nach Kopenhagen. Am 9. April 1940 wurde Dänemark von den Nationalsozialisten überfallen, seine Familie und er flohen im Zusammenhang mit der Rettung der dänischen Juden auf einem Fischerboot im Oktober 1943 nach Schweden und er verbrachte dort seine Schuljahre sechs bis acht an der Dänischen Schule in Göteborg. Nach Kriegsende kehrte er mit seiner Familie am 6. Juni 1945 nach Dänemark zurück und wanderte dann 1947 nach Kanada aus, da seinem Vater eine attraktive Stelle als Oberkantor in Montreal angeboten wurde.
Während seines Studiums an der McGill University wurde er von der kanadischen Polizei des Landes verwiesen, er war mit seinem dänischen Pass und einem Transitvisa für Neufundland eingereist und hatte die Zeit der Gültigkeit seines Visums weit überschritten. 1951 erlangte er seinen B.A. in Psychologie an der McGill University. In dieser Zeit arbeitete er als Freelancer bei dem International Service des Canadian Broadcasting und produzierte Sendungen für die Dänen über Kanada. Er verblieb dort für ein weiteres Jahr im Rahmen eines Aufbaustudiums am Fachbereich von Donald O. Hebb und wurde Teil des sich gerade formierenden Forschungsfeldes der sensorischen Deprivation.
1952 zog er in die USA und arbeitete als Mitglied eines interdisziplinären Teams im „Human Ecology Program“ am NY Hospital-Cornell-Medical Center. Anschließend trat er 1956 als wissenschaftlicher Mitarbeiter dem „Research Center for Mental Health“ (RCMH) an der New York University bei. In Zusammenarbeit mit Robert R. Holt und George S. Klein des RCMH führte er dort Experimente zu den Themen Persönlichkeit, sensorische Deprivation, LSD, kognitiver Stil und unterschwellige Wahrnehmung durch – finanziert unter anderem durch seinen auf fünf Jahre angelegten „NIMH-Research Career Development Award“. 1958 promovierte er zum Ph.D. Nach seiner Promotion wurde er zum Assistenzprofessor und festen Mitarbeiter des Research Center for Mental Health (RCMH) ernannt. Nachdem er 1959 die US-Staatsbürgerschaft erlangt hatte, leistete er seinen Militärdienst als ziviler Forscher für die US Air Force, wobei er Simulationsstudien zur Unterstützung des Mercury-Astronauten-Auswahlprogramms durchführte. Seinen Abschluss in Psychoanalyse machte er 1967 an dem New York Psychoanalytic Institute. 1967 stieg er zum stellvertretenden Direktor des RCMH auf und übernahm schließlich 1971 die Leitung des Zentrums, die er bis zu dessen Auflösung innehatte. Innerhalb der Fakultät der NYU durchlief er die akademischen Stufen vom Assistenzprofessor über den ordentlichen Professor und wurde schließlich Professor Emeritus.
Als Psychologe ist er für seine Arbeiten zu sensorischer Deprivation, Persönlichkeit, Stress und Stressbewältigung sowie für seine Schriften über die Rettung der dänischen Juden während des Holocaust bekannt. Am New York Hospital-Cornell-Medical Center untersuchte er den Stress, dem chinesische Staatsbürger ausgesetzt waren, die nach der kommunistischen Revolution in China in den USA gestrandet waren. Seine Studie „Ein Vergleich von Isolationseffekten und ihren Persönlichkeitskorrelaten in zwei divergenten Stichproben“ ergab, dass acht Stunden perzeptueller Isolation je nach individueller Persönlichkeit unterschiedliche Wirkungen hervorriefen, wobei zwischen Studierenden und Schauspielern abweichende Reaktionen beobachtet wurden. Die Untersuchung zeigte, dass die Anfälligkeit für Isolation – etwa in Form des Erlebens lebhafter bildlicher Vorstellungen – mit Persönlichkeitsfaktoren wie der Fähigkeit zur Toleranz gegenüber unlogischem Denken verknüpft war, wobei die Schauspieler im Vergleich zu den Studierenden deutlich andere Reaktionsmuster aufwiesen. Seine Studien zu den Persönlichkeitsfaktoren Neurotizismus und Extraversion zeigten, dass Personen mit ausgeprägtem Neurotizismus und geringer Extraversion tendenziell ein höheres Ausmaß an wahrgenommener Isolation und Einsamkeit erleben. In seiner Studie zum Thema Kognitiver Stil (leveler vs. sharpener) zeigte er, dass Personen, die eine hohe Toleranz für regressives, unlogisches Denken aufwiesen, durch Isolation weniger stark belastet waren. Persönlichkeitsmerkmale spielen auch eine bedeutende Rolle dabei, wie Individuen die Diskrepanz zwischen sozialer Isolation und dem Gefühl der Einsamkeit erleben.
Er hatte kurz nach seinem B.A. zum ersten Mal geheiratet; diese Ehe wurde nach 7 Jahren geschieden. Seit 1970 ist er mit Nancy (geb. Ruhl) verheiratet; im gleichen Jahr bekamen sie ihre Tochter Jessica, heute Professorin für Agrar- und Ernährungswissenschaften an der Washington State University in Pullman.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Goldberger, Leo |
| ALTERNATIVNAMEN | Goldberger, Lavoslav (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | dänisch-US-amerikanischer Psychologe, Psychoanalytiker und Professor |
| GEBURTSDATUM | 28. Juni 1930 |
| GEBURTSORT | Vukovar |