Robert R. Holt

Robert Rutherford Holt (* 27. Dezember 1917 in Jacksonville; † 10. April 2024 in Truro) war ein US-amerikanischer Klinischer Psychologe und Professor an der New York University (NYU).

Leben

Er wurde als Sohn von Grace Lloyd Hilditch Watson und Walter John Watson geboren. Seine Eltern hätten „keine Traumbeziehung“ geführt und ließen sich scheiden, als er drei Jahre alt war. Er und seine Schwester Dorothy zogen zu ihren Großeltern. Zwei Jahre später heiratete seine Mutter Francis Michael Holt. Robert kehrte zu ihr zurück, Dorothy blieb jedoch bei ihrem Vater. Holt adoptierte Robert später. Mit 16 Jahren schloss er die High School ab und nach einem Jahr an einer Vorbereitungsschule in Pennsylvania ging er an die Princeton University. Seit er in seinem zweiten Studienjahr Hadley Cantrils Kurs „Sozialpsychologie“ gehört hatte, wandte er sich der Psychologie zu. Nach seinem B.A. 1939 begann er das Psychologie-Graduiertenprogramm an der Harvard University, wo er 1941 seinen Master of Arts erwarb und 1944 zum Ph.D. promovierte. Danach absolvierte eine psychoanalytische Ausbildung in Washington, während er für die Bundesregierung in Washington arbeitete, und in Topeka am Veterans Administration Hospital. Hier lernte er auch David Rapaport († 1960) kennen, mit dem er eine fachlich intensive Beziehung bis zu dessen Tod aufrechterhielt.

Seine berufliche Karriere begann 1941 als Forschungsassistent an der Psychologischen Klinik der Harvard University. 1944 wurde er Studienleiter der Abteilung für Programmumfragen bei dem Bureau of American Ethnology (B.A.E.) in Washington und zugleich Dozent an der dortigen American University. Ab 1946 arbeitete er als Klinischer Psychologe am Winter Veterans Administration Hospital in Topeka. Parallel dazu arbeitete er bis 1950 als Klinischer Assistenzprofessor für Psychologie an der University of Kansas. Zugleich war er von 1947 bis 1949 assoziierter Psychologe bei der Menninger Foundation in Topeka; ab 1949 wurde er Leitender Psychologe in der Forschungsabteilung der Menninger Foundation und ab 1951 Leiter des psychologischen Personals. 1953 wurde er gemeinsam mit George S. Klein Direktor des neu gegründeten Forschungszentrums für psychische Gesundheit an der NYU. 1963 übergab er die Leitung an Leo Goldberger ab. Ab 1963 war er Gründungsdirektor des NYU-Programms für Friedens- und Globalpolitikstudien. Obwohl die Klinik selbst Anfang der 1970er-Jahre aufgrund der Unwägbarkeiten der Forschungsförderung das Forschungszentrums schließen musste, blieb er bis zu seiner Pensionierung 1989 an der NYU. Seine Arbeit wurde 31 Jahre lang durch ein Forschungsstipendium des National Institute of Mental Health gefördert.

Werk

Er beschäftigte sich mit der psychoanalytischen Theorie, insbesondere mit der wissenschaftlichen Evaluation von Freuds Ideen. Er wurde zu einer Schlüsselfigur im Bestreben, der Psychoanalyse wissenschaftliche Strenge zu verleihen, und er trug dazu bei, die Kluft zwischen der traditionellen Freud’schen Theorie und der akademischen Psychologie zu überbrücken. In den 1970er Jahren war er eine zentrale Figur bei der sog. „Krise der Metapsychologie“. Daneben arbeitete er zu Projektiven Testverfahren, einschließlich von Arbeiten zum Rorschachtest und zum TAT. In seinen späteren Jahren beschäftigte er sich mit Friedensforschung und speziell der Psychologie des Friedens und der Erforschung der psychologischen Wurzeln von Krieg und Nuklearpolitik. Er war außerdem ein prominenter Aktivist, der sich für nukleare Abrüstung und die Deeskalation des Kalten Krieges einsetzte.

Ehrungen/Positionen

Privates

1944 heiratete er seine Kommilitonin Louisa Pinkham. Die beiden bekamen die Töchter Dorothy und Catherine. Er und Louisa ließen sich 1952 scheiden. 1953 lernte er Crusa Adelman kennen, die er 1957 heiratete; achtzehn Monate später kam sie bei einem Autounfall ums Leben. 1962 kam er mit Joan Esterowitz, eine Psychologiestudentin, in Kontakt, die ihm bei der Organisation eines nationalen Treffens der Wissenschaftler für Überlebensforschung an der NYU half. Zuerst zögerte sie aufgrund des Altersunterschieds von 17 Jahren, sich mit ihm einzulassen, aber im August 1963 heirateten sie. Aus dieser Ehe stammen die Söhne Michael (* 1968) und Daniel (* 1965). Bereits in Princeton sang er im Universitätschor und schrieb Gedichte. In Harvard gründete er ein Barbershop-Quartett. Er sang 15 Jahre lang im Provincetown Choral Society und im Outer Cape Chorale, manchmal auch als Tenorsolist. Seit 1963 verbrachte er die Sommer in seinem Haus in Truro und ab 1989 lebte er ganzjährig dort. Hier engagierte er sich als Vorsitzender des Recyclingausschusses, als Mitglied des Gesundheitsausschusses, als Vorsitzender des Sozialausschusses, als Sekretär des Demokratischen Komitees von Truro und als stellvertretender Vorsitzender des Energieausschusses. Er verstarb mit 106 Jahren.

Publikationen (Auswahl)

Monografien
Herausgeberschaften
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Tom Recchio: Obituary: Psychologist and Peace Activist Robert Holt Dies at 106 auf The Provincetown Independent vom 17. Aprim 2024, abgerufen am 11. Mai 2026.
  2. ↑ Robert Rutherford Holt auf Prabook, abgerufen am 11. Mai 2026.
  3. ↑ Robert R. Holt: Notes for reminiscences of David Rapaport abgerufen am 11. Mai 2026.
  4. ↑ Robert R. Holt: History of the Research Center for Mental Health, New York University (NYU) abgerufen am 11. Mai 2026.
  5. ↑ H. B. Molish: Great Man Award: Robert R. Holt. In: Journal of Projective Techniques and Personality Assessment, 1969, 33 (4), S, 302–310.
Personendaten
NAME Holt, Robert R.
ALTERNATIVNAMEN Holt, Robert Rutherford (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanischer Klinischer Psychologe und Professor
GEBURTSDATUM 27. Dezember 1917
GEBURTSORT Jacksonville
STERBEDATUM 10. April 2024
STERBEORT Truro