Lingenau liegt im westlichsten Bundesland Österreichs, Vorarlberg, im Bezirk Bregenz südöstlich des Bodensees auf 685 Metern Höhe. 30,8% der Fläche sind bewaldet.
Es existieren keine weiteren Katastralgemeinden in Lingenau. Der Ort ist Mitglied des deutsch-österreichischen Gemeinschaftsprojekts Naturpark Nagelfluhkette.
Nachbargemeinden
Die Gemeinde Lingenau grenzt an vier andere Vorarlberger Gemeinden.
In Lingenau bestand jahrhundertelang bis zur Zeit des Zweiten Weltkriegs das Bad Hohl, wo eine eisenhaltige Quelle (Maxriese) genutzt wurde.
Die Habsburger regierten die Orte in Vorarlberg wechselnd von Tirol und Vorderösterreich (Freiburg im Breisgau) aus. Von 1805 bis 1814 gehörte der Ort zu Bayern, dann wieder zu Österreich. Zum österreichischen Bundesland Vorarlberg gehört Lingenau seit der Gründung 1861.
Von 1902 bis 1983 hatte Lingenau zusammen mit Hittisau einen Bahnhof an der Bregenzerwaldbahn, von 1945 bis 1955 war der Ort Teil der französischen Besatzungszone in Österreich.
Ende 2002 lag der Ausländeranteil bei 7,0 Prozent. In den zwei Jahrzehnten von 1991 bis 2011 blieb die Einwohnerzahl nahezu konstant, da die Geburtenbilanz im gleichen Ausmaß positiv wie die Wanderungsbilanz negativ war. (Stand 2019)
Die Pfarrkirche hl. Johannes der Täufer mit Chor, Langhaus und Nordturm im Neoromanischen Stil aus dem 19. Jahrhundert erhielt 2010 einen Umbau mit dem Altar in der Mitte des Langhauses. Die im Jahre 1964 vom Schrunser Künstler Konrad Honold gestalteten Fenster wurden restauriert. In der Fensterrosette über der Empore sind die Symbole der vier Evangelisten dargestellt.
Die Kapelle hl. Anna auf dem Felde aus dem Jahr 1722 zeigt einen reinen Barockstil. Die durch ihre einzigartige Grundform einmalige Kapelle liegt außerhalb des Dorfes an der Straße nach Müselbach. Erbaut wurde sie anstelle einer früheren Kapelle vom Lingenauer Baumeister Konrad Nussbaumer zusammen mit dem Zimmermeister Konrad Bilgeri.
Die Kapelle wurde aus Quelltuffstein errichtet und besitzt farbige Kirchenfenster mit Darstellungen verschiedener Heiliger und Seliger. 1894 erfolgte eine Innenrestaurierung mit Gemälden von Jakob Bertle (1837–1911).
Das Deckenfresko „Vorarlbergia Sankta“ (Darstellung der Begründung der Diözese Feldkirch; 1968) sowie die zwei Altarbilder stammen vom Schrunser Künstler Konrad Honold (1918–2007). Die St. Anna-Kapelle steht unter Denkmalschutz.
Es gibt einen Quelltuff-Naturlehrpfad. Ein Quellbach scheidet über 40 Höhenmeter massiven Quelltuff (Kalksinter) ab. Diese Sehenswürdigkeit entstand in der Späteiszeit.
Wirtschaft und Infrastruktur
Im Jahr 2015 gab es in Lingenau 786 Erwerbstätige und mit dem Stichtag 31. Dezember 2017 waren 56 Lehrlinge im Ort. Im Tourismusjahr 2016/17 wurden 45.938 Übernachtungen gezählt, 17.287 im Winter und 28.651 im Sommer.
Der Anteil der landwirtschaftlichen Flächen an der Gesamtfläche liegt bei 57%.
Öffentliche Einrichtungen
Als öffentliche Sicherheitseinrichtung unterhält die Gemeinde Lingenau eine Freiwillige Feuerwehr, welche von der Gemeinde ausgerüstet und finanziell unterhalten wird. Die Ortsfeuerwehr Lingenau besteht aus zwei Zügen und ist eine der 27 Stützpunktfeuerwehren für hydraulisches Rettungsgerät in Vorarlberg. 2001 wurde unter Kommandant HBM Georg Winder eine eigene Jugendfeuerwehr innerhalb der Feuerwehr Lingenau gegründet.
Im Kindergarten in Lingenau werden 88,1% der 3–6-Jährigen betreut. Weiters gibt es im Ort eine Volksschule, eine Mittelschule und eine Musikmittelschule mit insgesamt 313 Schülern (Stand Schuljahr 2016/17).
In Vorarlberg wählen die Bürger alle fünf Jahre die Mitglieder der Gemeindevertretung durch Ankreuzen eines Listen-Wahlvorschlages bzw. durch Mehrheitswahl wenn kein Listenvorschlag vorliegt. Weiters den Bürgermeister durch Ankreuzen eines Wahlvorschlages.
Die Gemeindevertretung wählt in der konstituierenden Sitzung aus ihrer Mitte – sofern keine Wahl durch die Bürger zustande kam – gemäß §61 Gemeindegesetz einen Bürgermeister und dann einen mindestens dreiköpfigen Gemeindevorstand. Die Zahl dieser „Gemeinderäte“ darf aber gemäß §55 den vierten Teil der Zahl der Gemeindevertreter nicht übersteigen.
Der Bürgermeister führt den Vorsitz bei den generell öffentlichen Sitzungen der Gemeindevertretung, in denen kommunale Belange besprochen und Beschlüsse gefasst werden. Beobachter haben kein Mitspracherecht und kein Stimmrecht. Die Gemeindevertretung kann nach Bedarf Ausschüsse bestellen. Sitzungen des Gemeindevorstandes und der Ausschüsse sind nicht öffentlich.
Sitzverteilung nach den Wahlen
Gemeindevertretungswahlen 1985: Bürger- und ÖVP Liste 15.
Gemeindevertretungswahlen 1990: Bürger- und ÖVP Liste 15.
Gemeindevertretungswahlen 1995: Bürgerliste und ÖVP Liste Lingenau 15.
Gemeindevertretungswahlen 2000:Lingenauer Bürger- und ÖVP-Liste 15.
↑Gemeindewahlgesetz GWG.§§ 59–63 Wahlen in die Gemeindevertretung in Ermangelung von Wahlvorschlägen.Vorarlberger Landtag,abgerufen im Jahr 2025(Der Wähler trägt bis zu doppelt so viele Namen, als Gemeindevertreter zu wählen sind, in die Stimmliste ein).
↑Gemeindegesetz.2.Abschnitt Gemeindevertretung (ab §33), 3.Abschnitt Gemeindevorstand (ab §54), 4.Abschnitt Bürgermeister (ab §61).Vorarlberger Landtag,abgerufen im Jahr 2025.
↑„Übergangs-Bürgermeisterin“ in Lingenau.In der Bregenzerwälder Gemeinde Lingenau wurde nun für die Nachfolge etwas in die Trickkiste gegriffen.In:vorarlberg.ORF.at.5.Oktober 2020,abgerufen am 13.Mai 2025(Um die Nachfolge zu regeln, wurde in Lingenau eine etwas außergewöhnliche Lösung gefunden: Die bisherige Gemeindesekretärin Carmen Steurer wird Bürgermeisterin für ein Jahr, Vizebürgermeister soll Philipp Fasser werden. Nach einem Jahr soll er dann Steurer ablösen).
↑Erwin Moosbrugger:Neue Gemeindespitze in Lingenau.Großes Vertrauensvotum für Bürgermeister Philipp Fasser und Vizebürgermeister Mathias Meusburger.In:Vorarlberg Online.Russmedia Holding GmbH,7.Oktober 2021,abgerufen am 13.Mai 2025.