Liza Magon

eine junge Frau mit offenem Lächeln, kurzen lockigen Haaren, in einer weißen Bluse
Lisa Magon

Liza Magon (auch Lise Magun; geboren am 1. Januar 1920 in Vilnius; gestorben am 17. Februar 1943 in Ponar bei Vilnius, heute Paneriai, Litauen) war eine jüdische litauische Widerstandskämpferin. Als Verbindungsperson (Kasharit) und Partisanin der Fareynikte Partizaner Organizatsye (FPO) warnte sie die jüdische Bevölkerung vor Deportationen. Nach ihrer Enttarnung wurde sie von der Gestapo gefoltert und beim Massaker von Ponary ermordet. Die Parole „Liza ruft“ wurde zum Erkennungsruf der litauischen Partisanen.

Jugend und Familie

Liza Magon wurde 1920 in Vilnius geboren. Über ihre Familie ist nichts Näheres bekannt. Bereits in jungen Jahren engagierte sie sich in der sozialistisch-zionistischen Jugendorganisation Hashomer Hatzair. Sie war aktives Mitglied des Ausbildungs-Kibbuzes „Ha'bokeah“, in dem die Jugendlichen durch landwirtschaftliche und lebenspraktische Kurse auf eine Auswanderung (Alija) in das Mandatsgebiet Palästina vorbereitet wurden. Später übernahm sie die Leitung der Hashomer Hatzair-Ortsgruppe in Vilnius.

Untergrundarbeit

Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 dehnten die Besatzungsbehörden das Ghettosystem auf die zuvor sowjetisch besetzten Gebiete Osteuropas aus, indem sie die jüdische Bevölkerung isolierten. Nach der Errichtung des Ghettos Vilnius ging Liza Magon in den Untergrund. Um zwischen dem abgeriegelten Ghetto und der sogenannten „arischen Seite“ der Stadt und zum jüdischen Untergrund Kontakt zu halten, wurde sie als Verbindungsperson des jüdischen Widerstands (Kashariyot) tätig. Sie schloss sich der Partisanengruppe Fareinikte Partisaner Organisatzije (FPO) an. Unter falscher Identität reiste sie umher, um Dokumente, Menschen und Waffen zu schmuggeln und die Bevölkerung der Ghettos vor bevorstehenden Deportationen in die Vernichtungslager zu warnen. Als „katholische Polin“, die außerhalb des Ghettos lebte, kam ihr eine zentrale Funktion bei der Sicherung der Kommunikationswege und der Durchführung geheimer Missionen zu. Insbesondere versuchte sie zwischen den Partisanen und dem von der SS kontrollierten Judenrat in Vilnius zu vermitteln. Während der Judenrat um Jacob Gens die Ghettobevölkerung ruhig halten wollte und bei Selektionen mit der SS kooperierte, wollten die Partisanen die Menschen aufrütteln und über die Vernichtungsabsichten der Deutschen aufklären.

neun junge Leute in Uniform, davon drei Frauen, alle tragen Gewehre
FPO-Partisanengruppe (1944); rechts außen Vitka Kempner, Mitte hinten Abba Kovner

Als Informationen über eine bevorstehende Massenerschießung in der Kleinstadt Oshmana bekannt wurden, brach Liza Magon auf, um die dortige Bevölkerung zu warnen und die Flucht von Jugendlichen aus dem Ghetto in die umliegenden Wälder zu organisieren. Dafür brauchte sie neue Ausweispapiere, da die bisherigen Dokumente ihre Gültigkeit verloren hatten. Bei dem Versuch, einen neuen Ausweis auf einer Polizeidienststelle zu erhalten, wurde sie enttarnt und verhaftet, vermutlich wegen einer Denunziation. Sie wurde in das Lukiškės-Gefängnis in Vilnius eingeliefert und wochenlang von der Gestapo gefoltert. Sie gab jedoch keinerlei Informationen preis und wurde schließlich von der Gestapo zur Erschießung in Ponar verurteilt, einem Massenmordgelände in einem Wald bei Vilnius. Alle Versuche des jüdischen Untergrunds, Wachen zu bestechen und so Magons Freilassung zu erreichen, blieben vergeblich.

Kurz vor ihrer Ermordung schrieb sie einen Abschiedsbrief an den Partisanenführer Abba Kovner:

„Lieber Abba, es ist mir klar, wie meine Situation und meine Chancen sind, aber es ist schwer für mich, mich an die Idee zu gewöhnen, dass ich nach Ponar gebracht werde. Ich bin ruhig, ich weiß, wofür ich mein Leben gebe. Ich weiß, dass alles getan wurde, um mich zu befreien, aber jetzt ist alles verloren. [...] Grüß alle meine Freunde. Ich schüttle dir die Hände. Sei stark und mutig. Deine Lisa.“

Liza Magon wurde am 17. Februar 1943 im Massaker von Ponary von der SS ermordet. Sie war 23 Jahre alt.

Gedenken

große steinerne Gedenktafeln mit eingravierten Namen auf einem Sockel
Gedenkstein für die Opfer des Massenmords in Ponar

Dreißig Tage nach ihrem Tod eroberten jüdische Partisanen ein Maschinengewehr aus einem deutschen Bunker und schmuggelten es ins Ghetto. Sie tauften die automatische Waffe auf den Namen „Liza“ und ordneten an, dass Magon zu Ehren der Erkennungsruf bei Mobilisierungsbefehlen künftig lauten sollte: „Liza ruft“.

Beim Eichmann-Prozess berichtete Abba Kovner in seiner Zeugenaussage von Liza Magons Leistungen im Widerstand und ihrer Ermordung in Ponar. In seinem späteren Buch nannte er in einer Gedenkliste an gefallene Freunde auch Liza Magons Namen und beschrieb sie als entschlossene Kämpferin, die sich ganz der Verteidigung und dem Widerstand verschrieben hatte.

Die Polnische Nachkriegsregierung zeichnete Liza Magon 1948 postum mit dem Tapferkeitskreuz aus.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 Ashmyany, Belarus (English pages 59-92). In: JewishGen. Abgerufen am 29. Juli 2026.
  2. ↑ Liza Magun (1920 – 1943). In: Gedenkorte Europas. Abgerufen am 31. Juli 2026.
  3. 1 2 Lisa Magon. In: Association of Jews of Vilna and vicinity in Israel. Abgerufen am 26. Juli 2026 (amerikanisches Englisch).
  4. ↑ The Children's Home in the Vilna Ghetto. In: Eilatgordin. Abgerufen am 29. Juli 2026.
  5. ↑ Abba Kovner: Die Rache ist Mein allein: Vergeltung für die Schoa: Abba Kovners Organisation Nakam. Brill Deutschland GmbH, 2021, ISBN 978-3-506-79112-2.
  6. ↑ LEX. Abgerufen am 30. Juli 2026.