Los Transformadores (offiziell Fundación Los Transformadores, im kirchlichen Bereich teils als Iglesia de Transformación La Victoria oder TOS-Gemeinde auftretend) ist ein Netzwerk sozialer Hilfsprojekte und freikirchlicher Gemeinden neupfingstlich-charismatischer Prägung in Südamerika. Es fungiert als südamerikanischer Zweig der in Tübingen ansässigen unabhängigen Freikirche Freikirche TOS (ehemals Tübinger Offensive Stadtmission).
Die Organisation ist schwerpunktmäßig in Bolivien (mit Zentren in La Paz, El Alto und Sucre), Peru (Lima) und Argentinien (San Salvador de Jujuy) sowie in Brasilien, Ecuador und Paraguay tätig. Sie betreibt Heime und Tagesstätten für Straßenkinder sowie Präventionsprogramme und verbindet diese Sozialarbeit mit Gemeindegründungen und Dauergebetshäusern, die organisatorisch und theologisch eng an die Vorgaben der deutschen Muttergemeinde gebunden sind.
Die Aktivitäten der Bewegung begannen 1997 im Zuge einer internationalen Expansionsphase der Tübinger TOS-Gemeinde in Osteuropa und Lateinamerika. In den Einsatzländern operiert das Werk über zwei miteinander verflochtene Zweige:
Zudem koordinieren die lokalen Ableger die Durchführung der südamerikanischen Veranstaltungen der von TOS initiierten Märsche des Lebens (spanisch: Marcha de la Vida).
Die Lehrinhalte von Los Transformadores entsprechen der neucharismatischen Theologie des Tübinger TOS-Leiters Jobst Bittner:
Die Bezeichnung „Los Transformadores“ (deutsch: „Die Transformatoren“ oder „Die Verwandelnden“) leitet sich aus dem Konzept der sogenannten strategischen „geistlichen Kriegsführung“ her. Nach dieser Vorstellung sind soziale Missstände wie chronische Armut, Kriminalität, Drogensucht oder familiäre Zerrüttung nicht primär auf gesellschaftliche, politische oder wirtschaftliche Ursachen zurückzuführen, sondern das Resultat übergeordneter dämonischer „territorialer Mächte“. Diese müssten durch Gebetsaktionen, Fasten und geistliche Dekrete gebrochen werden, um eine Region im religiösen Sinn zu transformieren.
Übernommen wird die von Bittner im TOS-Verlag publizierte Lehre aus seinem Werk Die Decke des Schweigens (spanisch: El velo del silencio):
Charakteristisch für die Kulträume der Bewegung (beispielsweise im Gebetszentrum in El Alto) ist eine spezifische politische Beflaggung direkt hinter der Kanzel und den Musikinstrumenten: Neben der Nationalflagge des Gastlandes Bolivien stehen gleichberechtigt die Flagge Israels, die Flaggen der Bundesrepublik Deutschland, der Vereinigten Staaten. Diese Inszenierung unterstreicht visuell den Anspruch, nationale Fürbitte mit der geopolitischen Achse der Gründerorganisation und einer vorbehaltlosen Identifikation mit Israel zu verschmelzen.
In den südamerikanischen Gemeinden der Bewegung werden neupfingstliche Gottesdienste planmäßig mit traditionellen jüdischen Ritualen verknüpft. Bei den wöchentlich veranstalteten und teils per Livestream übertragenen Schabbat-Feiern werden rituelle Handlungen wie das Anzünden von Kerzen, der Kiddusch-Segen über den Wein, das Brechen der Challa-Brote sowie Segenssprüche über Kinder und Jugendliche praktiziert und christologisch überformt.
Diese liturgische Praxis ist eng mit den lokalen Programmen der Kinder- und Jugendarbeit (wie den Nachmittagsangeboten „Punto.Com“ und Jugendtreffs „H2O“) verwoben. Analysen von Gottesdienstübertragungen verdeutlichen zudem eine direkte Verknüpfung der religiösen Praxis mit der aktuellen israelischen Militär- und Nahostpolitik: Im Rahmen der gottesdienstlichen Abläufe werden tagesaktuelle Kriegsentwicklungen und Geiselnahmen im Gazastreifen thematisiert, um die südamerikanischen Gemeindemitglieder und betreuten Jugendlichen emotional an die staatliche und militärische Realität Israels zu binden.
Diese Feiern werden regelmäßig per Videoschaltung und Livestream direkt mit der Leitung in Deutschland vernetzt, wobei Gründer Jobst Bittner oder leitende Tübinger Mitarbeiter den Versammlungen der lokalen Gläubigen und Jugendlichen auf Bildschirmen zugeschaltet sind. Religionswissenschaftler und kirchliche Beobachter werten diese Aneignung jüdischer Ritualpraxis in Kombination mit digitaler Präsenzkontrolle aus Europa als Ausdruck einer extremen Leitungszentrierung sowie einer künstlichen religiösen Überformung lokaler freikirchlicher Strukturen.
Neben den diakonischen Angeboten in Bolivien und Peru ist die theologische Ausrichtung der Stiftung eng an die Publikationen und Lehrinhalte des Tübinger Gemeindeleiters Jobst Bittner gekoppelt. Insbesondere das Konzept der „Decke des Schweigens“ (spanisch: Rompiendo el velo del silencio) wird systematisch in die Gemeindearbeit vor Ort integriert.
Obwohl die lateinamerikanische Zielbevölkerung historisch keinen Bezug zu den Verbrechen des Nationalsozialismus in Europa aufweist, überträgt die Leitung die Doktrin generationeller Flüche und Ahnenbindungen auf die lokalen Gläubigen:
Kritiker und Fachstellen für Weltanschauungsfragen bemängeln an diesem Vorgehen, dass niedrigschwellige Hilfsangebote für Straßenkinder und sozial benachteiligte Familien als Vorfeld für die Indoktrination mit einem dualistischen Weltbild und fachlich umstrittenen heilsgeschichtlichen Sonderlehren genutzt werden.
Soziologen, Sektenbeauftragte und kirchliche Beobachter problematisieren die Doppelstruktur aus humanitärer Hilfsorganisation und missionarischer Freikirche. Nach Ansicht von Kritikern dienen die unverdächtig auftretenden sozialen Angebote (wie Heime für Straßenkinder, Kinderfeste, Hausaufgabenhilfen und Freizeitprogramme in Sucre) als niedrigschwellige gesellschaftliche Eintrittspforte („Barmherzigkeitsdienst“).
Über die materielle Versorgung schutzbedürftiger Minderjähriger und sozial schwacher Familien werden diese schrittweise an das neupfingstliche Milieu der Bewegung gebunden. Dabei werden Heranwachsende und Laien, die in ihren Lebensrealitäten keinen Bezug zum europäischen Holocaust oder zum Nahostkonflikt aufweisen, gezielt mit endzeitlichen Dämonenlehren und dem militanten christlichen Zionismus der Tübinger Zentrale vertraut gemacht. Fachstellen für Weltanschauungsfragen bewerten diese Verknüpfung von Entwicklungs- und Nothilfe mit religiöser Indoktrination als Ausnutzung existenzieller Verwundbarkeit.
Theologen und Weltanschauungsbeauftragte der evangelischen Landeskirchen kritisieren die Übertragung der spezifisch mitteleuropäischen Täter-Opfer-Aufarbeitung auf die Gesellschaften des Globalen Südens. Den mehrheitlich indigenen und mestizischen Gläubigen in den Andenländern wird vermittelt, dass nationale Probleme wie Armut oder politische Instabilität letztlich auf mangelnde biblische Loyalität gegenüber dem jüdischen Volk zurückzuführen seien.
Beobachter werten dies als ideologische Entfremdung: Anstatt lokale strukturelle Ursachen von Marginalisierung anzugehen, werden Gläubige angehalten, stellvertretende Schuld für historische Verbrechen im fernen Europa zu bekennen und sich für die geopolitischen Interessen Israels und der westlichen Gründerländer instrumentalisieren zu lassen.
Wissenschaftliche Untersuchungen zur TOS-Gemeinde verweisen auf straff hierarchische Leitungsmodelle, strikte Loyalitätserwartungen und die Praxis rigider Gehorsamsdisziplin. Die südamerikanischen Zweige agieren dabei in starker Abhängigkeit von Weisungen und Visitationen der Tübinger Freikirchenleitung. Ehemalige Mitglieder und kirchliche Sektenberatungsstellen berichten von psychischem Druck durch permanente Dämonenängste, rigide Kontrollen im Lebenswandel und Vorwürfe mangelnden Glaubens bei abweichenden Ansichten.