Losse liegt im Norden der Altmark, in waldreicher Umgebung, etwa sechs Kilometer westlich von Seehausen (Altmark) im Landschaftsschutzgebiet „Ostrand der Arendseer Hochfläche“. Im Osten liegt das Waldgebiet Stadtforst Seehausen (Seehauser Forst) mit den Baarsbergen.
Ortsteilgliederung
Zu Ortsteil Losse gehört heute der Wohnplatz Tannenkrug knapp zwei Kilometer nördlich des Dorfes. Aufgelassen wurde der Wohnplatz Dornstücken52.8810711.6789732 nördlich von Losse. Der Wohnplatz Riethberg52.8742611.66647932 im Westen des Dorfes trägt heute keinen eigenen Namen mehr.
Geschichte
Mittelalter bis Neuzeit
Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1170 als Losse. Markgraf Otto I. schenkte dem Bistum und Kapitel Havelberg die Hälfte des Dorfes. Weitere Nennungen sind 1209 Losse, 1541 Lossow und 1687 Zu der Losse.
Archäologie
1838 wurden Urnenfunde aus Losse an das Museum in Salzwedel übergeben. Damals beschrieb man diese Funde so: Sie zeichnen sich aus durch Feinheit der Masse und durch saubere Verzierungen. 1840 wurde eine Nachgrabung in Losse durchgeführt, die Scheiterhaufenplätze zum Vorschein brachte. Die Funde wurden später in die Steinzeit datiert.
Herkunft des Ortsnamens
Der Name wird als altslavisch „lesu“ gedeutet, übersetzt als „der Wald“.
Am 20. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Priemern nach Losse eingegliedert. Am 22. November 1967 erfolgte die Zuordnung des Ortsteils Priemern zur Gemeinde Bretsch. Bereits am 25. Juli 1952 war die Gemeinde Losse in den Kreis Seehausen umgegliedert wurden. Am 2. Juli 1965 kam sie zum Kreis Osterburg und schließlich am 1. Juli 1994 zum heutigen Landkreis Stendal.
Bis zum 31. Dezember 2009 war Losse eine selbständige Gemeinde mit dem Wohnplatz Tannenkrug und gehörte der jetzt aufgelösten Verwaltungsgemeinschaft Seehausen (Altmark) an.
Durch einen Gebietsänderungsvertrag haben die Gemeinderäte der Gemeinden Boock, Bretsch, Gagel, Heiligenfelde, Kossebau, Losse und Lückstedt beschlossen, dass ihre Gemeinden aufgelöst und zu einer neuen Gemeinde mit dem Namen Altmärkische Höhe vereinigt werden. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.
Die evangelische Dorfkirche Losse wurde zwischen 1766 und 1769 neu errichtet auf dem Mauerwerk des Chores und auf dem östlichen Teil des ursprünglichen Feldsteinbaus aus dem frühen 13. Jahrhundert. 1765 war die alte Kirche ausgebrannt.
Der Friedhof befindet sich im Südosten des Dorfes.
Auf dem Friedhof ist die Grabstätte eines unbekannten serbischen Soldaten, der als kriegsgefangener Fremdarbeiter im Ort erschossen wurde, weil er sich geweigert hätte auf einen bestimmten Bauernhof zu gehen auf dem eine Bäuerin lebte, die dafür bekannt war, Kriegsgefangene schlecht zu behandeln und ihnen kaum etwas zu essen gab. Die Gemeinde hat nach der Wende einen Gedenkstein in Form eines Kreuzes auf der Grabstätte errichten lassen.
An der Kirche in Losse steht eine Stele als Denkmal für die Kriegstoten beider Weltkriege, eingebunden in die Natursteinmauer um die Kirche.
Die Nordverlängerung der A14 (Teilabschnitt Osterburg – Seehausen) soll durch den Losser Forst führen. Im Vorfeld gab es eine Waldbesetzung, die gegen den Weiterbau der A14 protestierte. Sowohl A14-Gegner als auch Befürworter demonstrierten regelmäßig in und um Losse. 2021 hatte das Oberverwaltungsgericht Magdeburg entschieden, dass die Waldbesetzung rechtens sei. Im Rahmen der Proteste kam es ab Mitte 2021 vermehrt zu Angriffen und Gewalttaten, wie zum Beispiel der Paintball-Angriff am Bahnhof Seehausen im Juni 2021 oder dem Brandanschlag auf das Bahnhofsgebäude im Juni 2022. Im Mai 2022 wies das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig eine Klage der Naturfreunde Sachsen-Anhalt ab und gab damit grünes Licht für den Lückenschluss der Autobahn. Am 18. August 2022 wurde das Protestcamp im Losser Forst geräumt.
Persönlichkeiten
Friedrich Wilhelm August Bratring (1772–1829), Völkerkundler und Verfasser topographisch-statistischer Sachbücher, wurde in Losse geboren.
Wilhelm Zahn:Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, Salzwedel 1928, OCLC614308966, S.183 (Reprint 2018, SelbstVerlag Eugen& Constanze Gliege).
J[ohann] A[ugust] F[riedrich] Hermes:Historisch-geographisch-statistisch-topographisches Handbuch vom Regierungsbezirke Magdeburg. Hrsg.: J[ohann] A[ugust] F[riedrich] Hermes, M[ichael] J[ulius] Weigelt. Zweiter, oder topographischer Teil. Selbstverlag und W.Heinrichshofen in Kommission, Magdeburg 1842, OCLC1071081004, S.377, 90. Losse (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche).
Weblinks
Commons: Losse– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
↑Hermann Krabbo:Regesten der Markgrafen von Brandenburg aus askanischem Hause. Hrsg.: Verein für Geschichte der Mark Brandenburg. 1. Lieferung. Duncker & Humblot, Leipzig 1910, S.73, Nr. 381 (uni-potsdam.de).
↑Johann Friedrich Danneil:Bislang vorgenommene Ausgrabungen bzw. Funde aus wendischen Gräbern. In: Jahresberichte des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte. 1. Jahresbericht, 1838, S.53–54 (altmark-geschichte.de[PDF]).
↑Johann Friedrich Danneil:Nachgrabung bei Losse. In: Jahresberichte des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte. 3. Jahresbericht, 1840, S.31–32 (altmark-geschichte.de[PDF]).
↑Zweite Verordnung zum Gesetz zur Änderung der Kreis- und Gemeindegrenzen zum 27. April 1950 (GuABl. S. 161). In: Landesregierung Sachsen-Anhalt (Hrsg.): Gesetz- und Amtsblatt des Landes Sachsen-Anhalt. Nr.18, 5.August 1950, ZDB-ID511105-5, S.277 (PDF).
12Ralf Franke:Seehausen hat mehr Zuzügler. In: Osterburger Volksstimme, Biese-Aland-Kurier. 14.Januar 2022, DNB1047269554, S.17.
↑Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID551010-7, S.108 (genealogy.net [Volltext und Scan]).
↑Ernst Machholz:Die Kirchenbücher der evangelischen Kirchen in der Provinz Sachsen. In: Mitteilungen der Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte. 30. Heft, 1925, ZDB-ID504809-6, S.16 (genealogy.net [Volltext und Scan]).
↑Thomas Hartwig:Alle Altmarkkirchen von A bis Z. Elbe-Havel-Verlag, Havelberg 2012, ISBN 978-3-9814039-5-4, S.305.
↑Horst Henning (aufgezeichnet von Diana Kokot):Der Tod eines unbekannten Soldaten. Hrsg.: Helmut Kurt Block und Kulturförderverein Östliche Altmark (=Das Wissen der Region. Band3). 1. Auflage. Edition Kulturförderverein Östliche Altmark, Kremkau 2008, DNB994253249, S.238–242.
↑Losse, Landkreis Stendal.In:denkmalprojekt.org.Onlineprojekt Gefallenendenkmäler,Juli 2004,abgerufen am 2.Oktober 2022.