Lubawa

Lubawa
Wappen von Lubawa
Lubawa (Polen)
Lubawa (Polen)
Lubawa
Basisdaten
Staat: Polen Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Iławski
Fläche: 16,84 km²
Geographische Lage: 53° 30′ N, 19° 45′ OKoordinaten: 53° 30′ 0″ N, 19° 45′ 0″ O
Einwohner: 10.633
(1. Jan. 2024)
Postleitzahl: 14-260
Telefonvorwahl: (+48) 89
Kfz-Kennzeichen: NIL
Wirtschaft und Verkehr
Eisenbahn: Działdowo–Iława
Nächster int. Flughafen: Bydgoszcz
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Fläche: 16,84 km²
Einwohner: 10.633
(1. Jan. 2024)
Bevölkerungsdichte: 631 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2807021
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Maciej Radtke
Adresse: ul. Rzepnikowskiego 9 A
14-260 Lubawa
Webpräsenz: www.lubawa.pl

Lubawa [luˈbava] (deutsch Löbau in Westpreußen) ist eine Stadt mit etwa 10.500 Einwohnern im Powiat Iławski der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Geographische Lage

Die Stadt liegt im Grenzgebiet zwischen dem Kulmerland und Preußen, etwa 60 Kilometer südöstlich von Marienwerder (polnisch Kwidzyn) und 18 Kilometer südöstlich von Deutsch Eylau (polnisch Iława), unmittelbar südwestlich der Kernsdorfer Höhe (polnisch Dylewska Góra), am Flüsschen Sandelle (polnisch Sandela), und wird vom Fluss Welle (polnisch Wel) weiträumig umflossen.

Geschichte

Stadt und Schloss Löbau im 17. Jahrhundert
Marktplatz (Rynek) im Stadtzentrum
St.-Anna-Kirche
Turm der St.-Anna-Kirche
St.-Barbara-Kirche
St.-Johannes-Kirche
Kirche der Heimsuchung der Jungfrau Maria in Lipy

Mittelalter und Frühe Neuzeit

Erstmals Erwähnung findet die terra Lubavia 1216 als Besitz des Missionsbischofs Christian von Preußen in einer Urkunde des Papstes Innozenz III. Für die Stadt datiert der erste schriftliche Nachweis von 1260. Über die Bedeutung des Namens sind sich die Linguisten nicht einig. Stadt und Burg wurden 1269 durch die Sudauer zerstört. Die Bischöfe von Kulm ließen Stadt und Feste wieder aufbauen und residierten im Schloss, bis sie 1781 ihren Sitz nach Kulmsee verlegten.

Beim (zweiten) Thorner Frieden von 1466 kam die Stadt zum autonomen Königlich Preußen oder ‚Polnisch Preußen‘, das sich freiwillig der Krone Polens unterstellt hatte, und dadurch 1569 schließlich zur polnischen Adelsrepublik, die Königlich-Preußen den Autonomie-Status entzog.

1724 zerstörte ein Stadtbrand große Teile der Stadt. Davon erholte sich Löbau nur schwer, 50 Jahre später hatte es nur 624 Einwohner und über 100 Grundstücke lagen noch wüst. Es gab kaum massive Häuser, vorherrschend waren Fach- und Schurzwerkbauten.

Im Rahmen der ersten polnischen Teilung, durch die unter Friedrich II. Königlich Preußen mit dem restlichen Preußen zusammengeschlossen wurde, kam Löbau 1772 zum Königreich Preußen. Zum 31. Januar 1773 wurde von Friedrich II. die Provinz Westpreußen gegründet, in der Löbau bis 1920 lag, mit einer Unterbrechung von 1807 bis 1815, als Löbau dem Herzogtum Warschau zugeschlagen worden war.

19. Jahrhundert

1813 brannte das Schloss nach einem Blitzeinschlag aus und wurde abgebrochen. Auf dem Wiener Kongress kam Löbau wieder an das Königreich Preußen. Die Einwohnerzahl stieg bis 1819 auf 1300 an. 1818 wurde der Landkreis Löbau gegründet, der unter den wechselnden Hoheiten bis 1948 bestand und dann aus Powiat lubawski in Powiat nowomiejski mit dem Sitz Nowe Miasto Lubawskie umbenannt wurde.

Im Jahr 1820 wurde das örtliche Bernhardinerkloster aufgehoben. Die Klosterkirche wurde der evangelischen Gemeinde zugewiesen. In den übrigen Klostergebäuden wurde später eine Schule eingerichtet.

Im Jahr 1884 bekam Löbau Anschluss an die Eisenbahn. In der Stadt war kaum Industrie ansässig, es dominierten das kleine Handwerk und die Krämerei. Von 1818 bis 1920 gab Löbau dem Landkreis Löbau seinen Namen, Sitz der Kreisverwaltung war aber das benachbarte Neumark. Löbau und sein Landkreis gehörten zum Regierungsbezirk Marienwerder in der Provinz Westpreußen des Deutschen Reichs.

Während der gesamten Zugehörigkeit zu Preußen bzw. ab 1871 zum Deutschen Reich bestand die Bevölkerung von Stadt und Umland aus deutschen, polnischen und masurischen Sprachgruppen und war überwiegend katholischer Konfession. Im Jahr 1890 waren die Hälfte der Stadtbewohner Polen.

20. Jahrhundert

Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Löbau eine evangelische Kirche, drei katholische Kirchen, eine Synagoge, ein Progymnasium, ein evangelisches Schullehrerseminar, eine Präparandenanstalt und ein Amtsgericht.

Im Jahr 1919 gehörte die Stadt Löbau zum Kreis Löbau (Westpreußen) im Regierungsbezirk Marienwerder der Provinz Westpreußen des Deutschen Reichs.

Nach dem Ersten Weltkrieg musste Löbau aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags, der die Verlegung des sogenannten Polnischen Korridors durch westpreußisches Territorium vorsah, an Polen abgetreten werden. Nach dem Überfall auf Polen im September 1939 trat das Korridor-Gebiet zum Deutschen Reich; am 26. Oktober 1939 wurde die bisher polnische Stadt Lubawa vorläufig in Löbau umbenannt, und am 21. Oktober 1941 erfolgte die Umbenennung der Stadt Löbau in Löbau (Westpr.).

Die Nationalsozialisten zerstörten die städtische Synagoge. 1943 lebten 5657 Einwohner in der Stadt.

Im Jahr 1945 gehörte die Stadt Löbau (Westpr.) zum Kreis Löbau (Westpreußen) im Regierungsbezirk Marienwerder im Reichsgau Danzig-Westpreußen des Deutschen Reichs.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Löbau im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Bald nach Beendigung der Kampfhandlungen wurde die Stadt von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Die deutschen Einwohner wurden vertrieben.

Seit der Gebietsreform von 1999 gehört Lubawa zum Powiat Iławski mit Sitz in Iława, dem früheren Deutsch Eylau.

Demographie

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1772625
17851 115meistens römisch-katholische Polen
18021 269
18161 007davon 207 Evangelische, 585 Katholiken und 215 Juden
18191 297
18211 598
18312 126meistens Polen
18523 310
18643 951davon 1244 Evangelische und 2154 Katholiken
18714 224darunter 1350 Evangelische und 2350 Katholiken (2200 Polen)
18754 506
18804 857
18904 593davon 1651 Protestanten, 2604 Katholiken und 338 Juden (2300 Polen)
19004 451meistens Katholiken
19105 365am 1. Dezember, davon 2123 mit deutscher Muttersprache (darunter 1610 Evangelische, 329 Katholiken, 173 Juden und elf Sonstige), 3144 mit polnischer Muttersprache (darunter 52 Evangelische und 3092 Katholiken), aber keine Einwohner mit kaschubischer Muttersprache
19214 600400 Deutsche
19435 657
Bevölkerungsentwicklung seit 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
20069 328
201310 092
202410 602

Bauwerke

Verkehr

Der Bahnhof Lubawa ist Endpunkt der noch als Anschlussgleis betriebenen Bahnstrecke Zajączkowo Lubawskie–Lubawa. Der Ort Rakowice in der Gemeinde Lubawa hat einen Bahnhof an der Bahnstrecke Warszawa–Gdańsk.

Landgemeinde

Die Landgemeinde Lubawa, zu der die Stadt selbst nicht zählt, umfasst ein Territorium von 237 km² mit 10.391 Einwohnern (1. Januar 2024). Der Sitz der Landgemeinde befindet sich im Dorf Fijewo.

Persönlichkeiten

Literatur

Commons: Lubawa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten

  1. 1 2 Area and population in the territorial profile in 2024. Abgerufen am 7. September 2025.
  2. 1 2 3 4 Löbau. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Band 12: L–Lyra. Bibliographisches Institut, Leipzig / Wien 1908, S. 641 (Digitalisat. zeno.org).
  3. ↑ Max Toeppen: Historisch-comparative Geographie von Preussen. Gotha 1858, S. 363.
  4. ↑ Michael Rademacher: Landkreis Löbau. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com. Abgerufen am 21. Oktober 2023.
  5. ↑ Stadt Löbau (Westpr.) (Territorial.de)
  6. 1 2 3 Handbuch der historischen Stätten: Ost und Westpreußen, Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 123–124.
  7. ↑ Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil II: Topographie von West-Preussen. Marienwerder 1789, S. 44–45, Nr. 4; Textarchiv – Internet Archive.
  8. 1 2 3 Alexander August Mützell, Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z. Halle 1823, S. 330–331, Ziffer 403; books.google.de
  9. ↑ August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 433–434, Nr. 38; Textarchiv – Internet Archive.
  10. ↑ Kraatz: Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Berlin 1856, S. 359; Textarchiv – Internet Archive.
  11. ↑ E. Jacobson: Topographisch-statistisches Handbuch für den Regierungsbezirk Marienwerder. Danzig 1868, S. 90–91, Nr. 96.
  12. ↑ Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage. Band 2. Berlin 1874, S. 50, Ziffer 4.
  13. 1 2 3 Michael Rademacher: Provinz Westpreußen, Kreis Löbau/Neumark. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com.
  14. ↑ Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Königlich Preußisches Statistisches Landesamt, Berlin 1912, Heft III: Regierungsbezirk Marienwerder. 8. Kreis Löbau, S. 34–35, Ziffer 1 (Google Books).
  15. ↑ Der Große Brockhaus. 15. Auflage. Band 11, Leipzig 1932, S. 506–507, Nr. 2.
  16. ↑ Gmina Lubawa: rok 2024 w liczbach. Urodzenia, śluby, zgony, najczęściej nadawane imiona. Abgerufen am 1. Februar 2025 (polnisch).