
Das Unternehmen M. Boden in Breslau, gegründet 1869, bezeichnete sich 1909 und in späteren Jahren als „Deutschlands größtes Pelzwaren-Versandhaus“.
Die schlesische Stadt Breslau heute Wroclaw in Polen, hatte als Handelszentrum und „Stapelplatz des Ostens“ eine alte und herausragende Stellung im Pelzhandel und der Kürschnerei, die dortige Kürschnerinnung wurde 1273 gegründet. Der Reichsbund deutscher Kürschner verzeichnete im Jahr 1928 dort 80 Mitglieder.

M. Boden (geb. 22. April 1844; gest. 1916 im Alter von 71/72 Jahren) eröffnete 1869 in Breslau im Haus „Unter dem goldenen Anker“ (Pod Złotą Kotwicą) einen Pelzbetrieb. Das Unternehmen M. Boden trat öffentlich konsequent ohne den ausgeschriebenen Vornamen des Inhabers auf. Einer Gerichtsreportage des Jahres 1906 ist jedoch zu entnehmen, dass das „M“ für den Hofkürschnermeister Moritz Boden stand. Er war Mitglied der Breslauer jüdischen Gemeinde. Nach seinem Tod übernahmen seine Söhne Kurt und Fritz Boden das Unternehmen.
Offenbar sehr bald betätigte sich Moritz Boden mit dem Versandhandel, einem Geschäftszweig, der sich um diese Zeit in anderen Branchen verbreitete. Ein Briefkopf des Jahres 1896 weist neben „Pelzwaaren eigener Fabrik“ zudem auf die „Fabrik feiner Kopfbedeckungen“ hin. Bereits 1884 warb das Unternehmen mit einer Anzeige, die ungewöhnlich umfangreich möglichst jedes ihrer Angebote und jede Dienstleistung erwähnte, eine Art der Werbung, die es viele Jahre beibehielt. Die Firma inserierte bis weit in die Umgebung und darüber hinaus. Im Jahr 1893 wird M. Boden in der Pfälzer Zeitung unter der Rubrik »Aussprüche über den Erfolg des „Inserirens“« zitiert: „Ich gebe alljährlich 6000 Mk. für Inserate aus und stelle mich gut dabei; ein Jahr lang hatte ich nicht inserirt und die 6000 Mk. gespart, habe aber trotzdem einen bedeutenden Ausfall erlitten und opfere gern diesen Betrag.“
Im Jahr 1884 hatte sich das Unternehmen M. Boden, Kürschnermeister bereits mehrfach vergrößert, das Nachbargebäude Ring Nr. 36 auf der grünen Röhrseite war mit Haus Nr. 35 verbunden worden. Das Pelzwarenlager befand sich im Erdgeschoss und zwei Etagen. Es wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass keine weiteren Filialen unterhalten wurden. Im Jahr 1887 wurde als neue, einzige Adresse die Hausnummer 38 angegeben (heute Kamenieca 38).
Zum 35. Geschäftsjubiläum und 60. Geburtstag des Chefs und Firmengründers M. Boden am 22. April 1920 erwähnte der Sohn Kurt gegenüber der Belegschaft, dass jährlich über eine Viertelmillion Prospekte in alle Welt versandt wurden. „Überall ist der „Pelz-Boden“ bekannt und von allen Seiten zollt man seinen Fabrikaten selbst in den höchsten und allerhöchsten Kreisen die größte Anerkennung. Zieren doch jetzt 3 Wappen die stolze Firma, Zeichen königlicher, herzoglicher und fürstlicher Huld.“
Zum M. Bodens 70. Geburtstag schrieb die Kürschner-Zeitung:
Kurt(-Berthold) Boden begann am 2. April 1896 eine Kürschnerlehre, die er bereits nach einem Jahr erfolgreich abschloss. Später bildete er sich fort bei Auslandsaufenthalten in Paris und London. Beim Militär erreichte er den Rang eines Leutnants, später als Dragoner. Mit seiner Frau Valeska („Fritzchen“, geb. Künzel, geb. 28. Mai 1855) hatte er drei Töchter.

Fritz Boden, Sohn von Moritz Boden und Berta Boden, geb. Bindig, war um 1927 Vertreter des Reichsbundes deutscher Kürschner. An der Ausrichtung der Festlichkeiten anlässlich des 650-Jahr-Jubiläums Kürschner-Zwangs-Innung zu Breslau war Konsul Fritz Boden noch führend beteiligt gewesen. Im Jahr 1922 wurde In München in der ersten Etage der Theatinerstraße 48 eine Zweigstelle eröffnet. Dem Adressbucheintrag des Jahres 1930 ist zu entnehmen, dass die Dependance, jetzt auf der Theatinerstraße 50, unter dem Namen Fritz Boden firmierte.
Fritz Boden, bis spätestens 1940 bolivianischer Honorarkonsul, in den Meldeunterlagen ist für ihn „Mischling 2. Grades mit volljüdischen Großelternteil“ vermerkt, überlebte den Holocaust. Er war verheiratet mit der ebenfalls aus Breslau stammenden Katharina Boden (geb. Fünzel; verw. Kulke; Sohn Wilhelm Kulke aus erster Ehe). Die 1914 geschlossene Ehe wurde im Juli 1932 wieder geschieden. Den Gewerbekarten ist zu entnehmen, dass Fritz Boden seit den 1940er Jahren in den Münchner Vororten Gräfelfing und Lochham wohnhaft war. Bei der Angabe der Konfession wurde stets evangelisch (ev.) vermerkt.
Im Jahr 1933 ist Fritz Boden als Pelzspezialgeschäft mit eigener Kürschnerei im Adressbuch der Stadt München auf der Theatinerstraße 50 eingetragen, dazu die Wohnung Leopoldstraße 713, 1935 noch als Geschäftsführer und Konsul nur mit der Firmenadresse. Spätestens im Adress- und Branchenverzeichnis des Jahres 1938 ist Fritz Boden nicht mehr aufgeführt. Ein Eintrag auf seiner, in der Behörde geführten Gewerbekarte zeigt, dass der Betrieb am 6. Mai 1937 abgemeldet wurde. Nachfolger war die Pelze Peter Bauer K.-G. Die Kürschnerei Peter Bauer ist noch 1950 und später im Fachverzeichnis aufgeführt, jetzt mit der Adresse Marienplatz 2/0. Vom 17. August 1938 bis Januar 1940 hatte Fritz Boden eine Handelsvertretung für Lacke und Farben mit Büro auf der Ludwigstraße 11/0 angemeldet. Ein Stempel auf seiner Gewerbeanmeldung besagt: „Deutsch im Sinne d. 3. VO. z. R. Bürg. Gesetz lt. eidesstaatlich. Erklärung, 18. Aug. 1938“. In zweiter Ehe war er verheiratet mit Ellen Margret Boden geb. Fuccius (geb. 5. Februar 1910 in Wuppertal). Mit ihr zusammen betrieb er nach dem Krieg, vom Juli 1946 bis Juli 1961, einen Lotterieannahmestelle.
In der Nachkriegsausgabe des Fachadressbuchs aus dem Jahr 1950 ist die Kürschnerei Fritz Boden wieder verzeichnet, jetzt auf dem Marienplatz 28, von 1953 bis 1957 ergänzt um Marienplatz 8, anstelle der noch 1950 in den Räumen befindlichen Kürschnerei Adolf Petritschek. Zum Ende des Jahres 1957 wurde die Firma M. Boden, mit dem amtlichen Vermerk „ohne Nachfolger“, abgemeldet.
Kurt Boden war der Bruder des Internisten Erich Boden, der den Holocaust zum Kriegsende versteckt in Büderich (Meerbusch) überlebte.

Prämiirt in der „Schlesischen Gewerbe- und Industrie-Ausstellung“ in Breslau 1881, empfiehlt