| MAGDAS Social Business Hotel GmbH | |
|---|---|
| Rechtsform | GmbH |
| Gründung | 2012 |
| Sitz | Wien, Österreich |
| Leitung | Gabriela Sonnleitner Michael Kleinbichler |
| Mitarbeiterzahl | über 250 |
| Branche | Social Business, Hotellerie, Gastronomie, Dienstleistungen |
| Website | https://www.magdas.at |
| Stand: 8. Oktober 2026 | |
MAGDAS ist ein Social Business der Caritas der Erzdiözese Wien mit Sitz in Wien. Das Sozialunternehmen wurde 2012 mit dem Ziel gegründet, soziale Herausforderungen unternehmerisch zu lösen.
Die operativen Aktivitäten verteilen sich auf zwei Gesellschaften: Dienstleistungen in den Bereichen Gemeinschaftsverpflegung, Reinigung, Recycling und Talent Bridge werden unter der Caritas Services GmbH geführt, Geschäftsführung ist Michael Kleinbichler (seit Start von MAGDAS 2012), seit 2015 gemeinsam mit Gabriela Sonnleitner. Der Hotel- und Beherbergungsbetrieb ist in der MAGDAS Social Business Hotel GmbH gebündelt, alleinige Geschäftsführerin ist Gabriela Sonnleitner.
MAGDAS bietet insbesondere Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt Beschäftigungs- und Ausbildungsmöglichkeiten, darunter Personen mit Flucht- oder Migrationserfahrung. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen über 250 Mitarbeitende, von denen rund die Hälfte einen erschwerten Zugang zum Arbeitsmarkt hatte.
Bekannt wurde das Unternehmen insbesondere durch das MAGDAS Hotel, das 2015 in Wien eröffnet wurde und als eines der ersten Social-Business-Hotels Europas gilt.
Die Marke MAGDAS wurde 2012 von der Caritas der Erzdiözese Wien gegründet. Ziel des Unternehmens ist die Schaffung neuer Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt durch wirtschaftliche Tätigkeit.
Erste Aktivitäten umfassten den Aufbau des Geschäftsbereichs MAGDAS Recycling, der unter anderem mit der Organisation der Caritas-Handysammlung und deren Transformation zu einem Social Business betraut wurde. In Wien-Floridsdorf werden die im Zuge der Ö3 Wundertüte gespendeten Mobiltelefone für die Wiederverwendung oder für das Recycling vorbereitet. 2013 folgte mit MAGDAS Essen ein Unternehmen für Gemeinschaftsverpflegung von Pflegeeinrichtungen, Büros, Kindergärten und Schulen in Wien.
2014 wurde der Verein MAGDAS Social Business der Caritas der Erzdiözese Wien gegründet, um Integrationsprojekte im Bereich Beschäftigung weiterzuentwickeln, insbesondere für Menschen mit Fluchterfahrung.
Internationale Aufmerksamkeit erlangte MAGDAS 2015 mit der Eröffnung des MAGDAS Hotel im Wiener Prater, das bis 2022 als Pop-Up in einem ehemaligen Wohnheim für Pensionistinnen und Pensionisten geführt wurde. Beim Start arbeiteten im Social Business Hotel rund 20 Menschen mit Fluchterfahrung gemeinsam mit zehn Hotelfachpersonen, wodurch im Betrieb 24 Sprachen gesprochen wurden. Zusätzlich waren im Gebäude zwei betreute Wohngemeinschaften der Caritas für rund 20 bis 25 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge integriert. Das Projekt wurde international als Beispiel für sozialunternehmerische Integration im Tourismus und konstruktiven Umgang mit den Flüchtlingsbeqwegungen 2015 wahrgenommen. In den folgenden fünf Jahren verzeichnete das Hotel über 180.000 Gäste.
2017 wurde der Geschäftsbereich MAGDAS Reinigung in das Unternehmen integriert. Im selben Jahr startete im MAGDAS Hotel ein Ausbildungsschwerpunkt für junge Menschen mit Fluchtbiografie. Bis heute gibt es Lehrstellen in den Berufen Koch/Köchin, Hotelfach und Restaurantfach.
2018 bezog das Unternehmen das MAGDAS Heartquarter in Wien-Liesing, in dem unter anderem die Produktionsküche von MAGDAS Essen untergebracht ist.
Nachdem die Zwischennutzungsbewilligung für das ursprüngliche Hotel am Wiener Prater ausgelaufen war, übersiedelte das gesamte Team im Oktober 2022 in das neue MAGDAS Hotel Vienna City in der Ungargasse im 3. Wiener Gemeindebezirk Landstraße. Das Gebäude, ein ehemaliges Priesterwohnhaus aus den 1960er-Jahren, wurde zuvor renoviert und zu einem Hotel umgebaut.
Im Frühjahr 2025 startete die Generalsanierung des in den 1970er-Jahren errichteten Gebäudes am Wiener Prater mit dem Ziel einer Reduzierung des CO₂-Fußabdrucks. Für das Frühjahr 2027 ist die Wiedereröffnung des MAGDAS Hotel Vienna Prater als dekarbonisiertes Vorzeigeprojekt geplant, wodurch rund 40 zusätzliche Arbeits- und Ausbildungsplätze entstehen sollen.
2023 wurden die Bereiche MAGDAS Hotel und MAGDAS Essen mit dem Österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnet. Zwei Jahre später erhielten MAGDAS Hotel, MAGDAS Essen und MAGDAS Reinigung das Verified Social Enterprise Label (VSE).
Mehr als 60 Prozent des Teams von MAGDAS haben oder hatten einen erschwerten Zugang zum regulären Arbeitsmarkt. Der Fokus liegt hierbei auf Personen, die trotz hoher Motivation und Qualifikation oft strukturelle Hürden beim Jobeinstieg erleben. Dazu zählt das Unternehmen neben Personen mit Migrations- oder Fluchtbiografie auch Menschen mit verfestigter Erwerbslosigkeit, Konflikten mit dem Gesetz, eingeschränkten Deutschkenntnissen, psychischen Erkrankungen, Lernschwierigkeiten, körperlichen Behinderungen, Sucht, starker familiärer Belastung, Wohnungslosigkeit, Schulden oder einem Alter von mehr als 55 Jahren. Seit dem Start des Hotelbetriebs haben weit über 100 Menschen mit Fluchterfahrung ihre berufliche Karriere bei MAGDAS Hotel begonnen.
2017 wurde eine Ausbildungsausrichtung in MAGDAS Hotel etabliert, später auch bei MAGDAS Essen. Stand Anfang 2026 schlossen 17 Lehrlinge ihre reguläre Fachausbildung in den Berufen Koch und Köchin, Hotelfachkraft sowie Restaurantfachkraft erfolgreich ab. Interne Karrierewege demonstrieren den Erfolg des Ansatzes, so nutzte der heutige Rooms Operations Manager des Hotels in den Jahren 2016/2017 das Freiwillige Integrationsjahr zum Spracherwerb, absolvierte anschließend die Hotelfachlehre sowie die Buchhalterprüfung und leitet heute eigenverantwortlich den gesamten Logisbereich mit 16 Angestellten und Lehrlingen. Zur Absicherung der Mitarbeitenden bei organisatorischen und privaten Herausforderungen steht dem Team die interne MAGDAS Sozialberatung zur Verfügung.
MAGDAS betreibt mehrere Geschäftsbereiche, die wirtschaftliche Dienstleistungen mit sozialer Integration verbinden.
Das MAGDAS Hotel ist ein Beherbergungsbetrieb in Wien. Der Betrieb verbindet hotellerieübliche Abläufe mit sozialintegrativen Ausbildungsplätzen. Im Rahmen des Hotel- und Gastronomiebetriebs werden junge Menschen ausgebildet, die erschwerten Zugang zum Arbeitsmarkt haben, dafür werden Lehrstellen in den Berufen Koch/Köchin, Hotelfach und Restaurantfach angeboten.
Die Marke umfasst zwei Hotelstandorte: Neben dem Stand 2026 in Sanierung und Vorbereitung befindlichen Standort MAGDAS Hotel Vienna Prater wird der Standort MAGDAS Hotel Vienna City betrieben. Letzterer wurde von BWM Designers & Architects gestaltet, verfügt über 85 Zimmer mit insgesamt 174 Betten in verschiedenen Kategorien, ein Lokal, drei Veranstaltungsräume, eine eigene Kapelle, einen Café- und Lounge-Bereich um die Bar sowie einen großzügigen Garten mit Terrasse. Die Veranstaltungsräume des Hotels sind für die Durchführung von zertifizierten „Green Meetings“ nach den Kriterien des Österreichischen Umweltzeichens ausgestattet.
Der Geschäftsbereich MAGDAS Essen ist auf Gemeinschaftsverpflegung für Pflege- und Bildungseinrichtungen spezialisiert. Die Produktion im MAGDAS Heartquarter in Wien-Liesing ist auf zwei spezialisierte Menülinien für Kinder (Schulen und Kindergärten) sowie für Seniorinnen und Senioren ausgerichtet. Das zugehörige Ausbildungsprogramm für angehende Köchinnen und Köche wurde 2023 mit dem Wiener Qualitätssiegel „TOP-Lehrbetrieb“ ausgezeichnet.
MAGDAS Reinigung erbringt Reinigungsdienstleistungen für rund 100 Standorte in Wien und Umgebung, darunter Pflegewohnheime, Bürogebäude, Kindergärten und Schulen. Das Team umfasst mehr als 170 Reinigungskräfte, die täglich eine Fläche von über 100.000 Quadratmetern betreuen. Ein betriebliches Spezifikum ist der Verzicht auf Nachtarbeit, um die soziale und berufliche Teilhabe der Mitarbeitenden zu stärken. Im Sinne ökologischer Nachhaltigkeit kommen überwiegend Reinigungsmittel auf Basis europäischer Ölpflanzen sowie Produkte nach dem Cradle to Cradle Certified® (C2C)-Goldstandard zum Einsatz.
MAGDAS Recycling ist seit 2012 am Standort Wien-Floridsdorf mit dem Management der Caritas-Handysammlung beauftragt, die unter anderem über die alljährliche Spendenaktion „Ö3-Wundertüte“ gespeist wird.
Ein Geschäftsbereich, der qualifizierte internationale Fachkräfte – primär aus dem Pflegebereich – gezielt an österreichische Unternehmen und Einrichtungen vermittelt. Der Arbeitsschwerpunkt liegt dabei auf einer ganzheitlichen Begleitung, der nachhaltigen beruflichen und sozialen Integration sowie der Unterstützung beim Onboarding vor Ort.
Die Bereiche Hotel und Essen werden seit November 2023 von Bundesministerin Leonore Gewessler mit dem Österreichischen Umweltzeichen (UZ 200 für Tourismus- und Gastronomiebetriebe) zertifiziert. Zusätzlich bildet das Unternehmen Menschen in verschiedenen Lehrberufen aus und wird mit MAGDAS Essen von der Wirtschaftskammer Wien in der Liste der zertifizierten „TOP-Lehrbetriebe“ geführt.
Die Produktionsküche von MAGDAS Essen und das zugehörige MAGDAS Heartquarter in Wien-Liesing verfügen über die Nachhaltigkeits-Planungszertifizierung der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNB) in Gold. Das anstehende Bauprojekt für das Hotel am Prater (Laufbergergasse 12, geplant von Atelier Heiss ZT GmbH) wurde zudem mit dem HOP „klimaaktiv Gold“-Standard in der Planungsphase ausgezeichnet. Es erreichte mit 978 von 1.000 möglichen Punkten eine Spitzenplatzierung im österreichischen Qualitätszeichen für nachhaltige Dienstleistungsgebäude.
Das MAGDAS Hotel Vienna City nutzt unter anderem Geothermie sowie Photovoltaik zur Energieversorgung. Zudem wurden wassersparende Systeme installiert und zahlreiche Möbelstücke wiederverwendet oder upgecycelt. Ein vergleichbares ökologisches Konzept wird auch bei der Generalsanierung des Standorts MAGDAS Hotel Vienna Prater umgesetzt.
Das Konzept von MAGDAS, insbesondere des Hotelbetriebs, stieß national wie international auf breites Medieninteresse und wird als Fallbeispiel für sozialunternehmerische Integration im Tourismus rezipiert. Berichte über das Unternehmen erschienen unter anderem in internationalen Leitmedien wie The Guardian, El País und The Telegraph. Im Inland dokumentierten unter anderem Der Standard, Die Presse und der ORF die Entwicklung der verschiedenen Geschäftsbereiche.
Das Finanzierungs- und Businesskonzept des ersten MAGDAS-Hotels mit einer integrierten Crowdfunding-Aktion wurde in der Sozialwissenschaft als "kommunikative Innovation" analysiert. Dem Ansatz der Integration Geflüchteter durch qualifizierte Arbeiit wurde in der Forschung Modellcharakter attestiert.