Die Stadt hat 12.950 Einwohner (Stand 1.Januar 2024) und eine Fläche von 100,62km²; sie besteht aus den Ortsteilen Bellevaux-Ligneuville (dt.: Schönenthal-Engelsdorf) und Bévercé und ist Sitz des Bezirkskommissariats. Malmedy ist Teil der Französischen Gemeinschaft Belgiens und gehört zu den Fazilitäten-Gemeinden mit Spracherleichterungen für Deutschsprachige.
Geschichte
Denkmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege
648 bis 1945
Die Gründung der Stadt geht auf den Heiligen Remaclus zurück, der hier – vermutlich im Auftrag des Kölner Bischofs Kunibert – im Jahre 648 eine Abtei, das Kloster Malmedy, gründet. Eine Gründungsurkunde gibt es nicht. Schon 648 stattet König Sigibert III. das Kloster Malmedy mit Grundbesitz aus, 814 bestätigt Kaiser Ludwig der Fromme diese Güter und verleiht dem Kloster die Zollfreiheit auf Rhein und Maas (Regesta Imperii I, 545 + 546). 877 bestätigt dann König Ludwig III. dem Kloster die Immunität (Regesta Imperii I, 1555). 881 erscheint „Malmundarium“ in den „Annales Fuldenses“ und im „Reginonis Chronicon“, als die Mönche des Klosters Fulda von normannischen Heerscharen berichten, die auch die Gegend um Malmedy verwüsteten (AnnFuld 881/Regino 881 in Regnum Francorum online).
Nachdem es jahrhundertelang Teil eines geistlichen Territoriums im Heiligen Römischen Reich, der Reichsabtei Stablo-Malmedy, gewesen war, wurde Malmedy im Zuge der napoleonischen Kriege von Frankreich annektiert und gehörte von 1795 bis 1815 als Arrondissement Malmedy zum französischen Département Ourthe. Von 1815 (Wiener Kongress) bis 1920 (Versailler Vertrag) war Malmedy als Teil der preußischenRheinprovinz und Sitz der Kreisverwaltung Malmedy wieder unter deutscher Hoheit. Infolge der deutschen Kapitulation im Ersten Weltkrieg und des Versailler Vertrages fiel Malmedy im Jahre 1920 zusammen mit Eupen und Sankt Vith an das Königreich Belgien (siehe Ostbelgien). Zur Zeit der Zugehörigkeit zum Deutschen Reich war die Amtssprache Deutsch, die Umgangssprache einer großen Minderheit der Bevölkerung des Gebietes (28,7% im Jahr 1900) allerdings Französisch bzw. Wallonisch, ein galloromanischer Dialekt. Es gab eine deutschsprachige Zeitung (Der Landbote).
Malmedy war seit dem 18. Jahrhundert ein Zentrum der Papier- und Lederindustrie.
Zweiter Weltkrieg
Im Zweiten Weltkrieg wurde Malmedy im Mai 1940 im Rahmen des Angriffs deutscher Verbände auf die neutralen Staaten Niederlande, Belgien und Luxemburg besetzt. Am 18. Mai 1940 wurde Malmedy dem Deutschen Reich eingegliedert und der Rheinprovinz, Regierungsbezirk Aachen, zugeteilt, was nach Kriegsende durch die Wiederherstellung der vorherigen Grenzen Belgiens wiederum rückgängig gemacht wurde. Im September 1944 wurde die Stadt zunächst durch US-Truppenbefreit, dann aber nach Beginn der Ardennenoffensive am 16. Dezember 1944 von deutschen Truppen überrannt. Nach der erneuten Rückeroberung durch amerikanische Truppen bombardierten US-Bomber an den Weihnachtstagen Malmedy dreimal versehentlich. Fast die Hälfte der Häuser wurde zerstört. 230 Zivilisten aus Malmedy sowie Flüchtlinge aus Belgien und Deutschland wurden getötet, daneben eine große Zahl von US-Soldaten. Eine Gedenktafel in Malmedy erinnert an die Bombardierungen.
Im vier Kilometer südöstlich von Malmedy gelegenen Vorort Baugnez wurden am 17. Dezember 1944 in der gleichen Offensive 82 US-amerikanische Soldaten gefangen genommen. Die Gefangenen wurden kurze Zeit nach der Festnahme durch Angehörige der Waffen-SS der Kampfgruppe Peiper getötet (Malmedy-Massaker).
Demographie
Bevölkerungsentwicklung bis 1930
Jahr
Einwohner
Anmerkungen
1818
3668
1852
4060
1875
5671
1880
5978
1890
4447
davon 87 Evangelische (überwiegend französisch-wallonische Bevölkerung)
1900
4680
Einwohner sind größtenteils Wallonen und sprechen Französisch
1905
4833
1910
4992
am 1. Dezember
1930
5321
Verkehr
Malmedy liegt an der Autobahn A27 (E42). Durch die Stadt führen die NationalstraßenN62, N68 (E421) und N632. Letztere mündet in Baugnez in die N62 ein.
Von 1889 bis 2002 hatte Malmedy über die Bahnstrecke Waimes–Trois-Ponts Eisenbahnanschluss mit Anschluss an die Vennbahnstrecke Aachen-Ulflingen. Am 1.April 1959 wurde der Personenverkehr eingestellt. In den 1980er Jahren endete auch der Güterverkehr, doch gab es bis 2002 noch touristische Züge auf der Vennbahn. Ab 2003 wurde die Strecke abgebrochen. Heute befindet sich auf ihrer Trasse der autofreie Weg RAVeL L45 (Trois-Ponts–Weismes).
Sehenswürdigkeiten
Obelisk auf der Place Albert IerInnenstadt mit Blick auf das Villershaus
Kathedrale Saints-Pierre, Paul et Quirin: an der Place du Châtelet, 1775–1784 als Abteikirche erbaut, Pfarrkirche seit 1819 und 1921 zur Kathedrale erhoben (siehe Bistum Eupen-Malmedy), schlichte Inneneinrichtung aus dem 18. Jahrhundert
Der 1728 auf Initiative des Kapuzinerpaters Albert von Dinant angelegte Kreuzweg von der Kathedrale auf den Kalvarienberg. Er führt über 13 Stationen zu einer Kapelle mit hexagonalem Grundriss, die den Heiligen Agathe und Apolline geweiht ist. Die derzeitigen Reliefs (seit 1913) wurden von dem Bildhauer Carl Burger geschaffen
Die alte Innenstadt
Das Kloster von 1708
Die Auferstehungskapelle: an der Place du Pont-Neuf, erbaut 1755–1757 nach Plänen von Gaetano Matteo Pisoni, klassizistischer Barock
Die Kapuzinerkirche: südlich der Kathedrale in der Ruelle des Capucins, 1626 fertiggestellt und 1631 eingeweiht, Inneneinrichtung aus dem 17. Jahrhundert
Die Krankenkapelle: eingeweiht 1188, wurde 1544 wieder errichtet und eingesegnet
Das Villers oder Cavenshaus: 1714–1724 erbaut vom Aachener Baumeister Laurenz Mefferdatis
Das Rathaus: liegt südlich unweit der Kathedrale und wurde 1900 von Jules Steinbach erbaut, 1904 gelangte es durch Schenkung in den Besitz der Stadt Malmedy
Villa Lang: liegt gegenüber dem Rathaus und wurde 1901 erbaut; Jules Steinbach ließ sie für seine Tochter Juliette errichten; der Name geht auf den Ehemann Juliettes, den Lederfabrikanten Hubert Lang zurück
Villa Steisel: befindet sich hinter der Villa Lang und wurde 1897 erbaut (ebenfalls von Jules Steinbach für seine Tochter Laure), Laure heiratete Louis Steisel, den Gründer der Papierfabrik, daher der Name der Villa, die auch Fliedervilla genannt wurde
In den Provinzen Lüttich, Limburg und Hennegau ist die seismische Aktivität höher als im Rest des Landes. Malmedy gehört zu den Gemeinden, die sich in Zone 2 befinden, das heißt die Zone, die den Erdbeben in Belgien ausgesetzt ist.
Das Erdbeben von 1692, das die Region von Verviers betroffen hat, ist vielleicht verantwortlich für die Erdrutsche, die im Tal Warche im Osten von Bévercé beobachtet wurden (im Süden des Zusammenflusses mit dem Bach Trô Maret). Diese drei Erdrutsche, die den Puddingstein von Malmedy betreffen, sind im März 2015 bei den Geländeaufnahmen entdeckt worden, die mit der Revision der geologischen Karte zusammenhängen.
↑The Languages and Linguistics of Europe: A Comprehensive Guide. In: The Languages and Linguistics of Europe. De Gruyter Mouton, 2011, ISBN 978-3-11-022026-1, S.565 (englisch).
↑Europarat:La protection des langues minoritaires en Europe: vers une nouvelle décennie. Council of Europe, 2010, ISBN 978-92-871-6726-2, S.55 (französisch).
↑Peter Schrijvers: The unknown dead – Civilians in the Battle of the Bulge. Lexington 2005, S. 63–68.
↑John M. Bausermann: The Malmédy Massacre. Shippensburg 1995, S. 94.
↑Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 3: Kr–O, Halle 1822, S. 159, Ziffer 265,
↑Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats (Kraatz, Hrsg.). Berlin 1856, S. 375.