Marchegg und die westlichen Marchauen um 1873 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)Jenseits der March, östlich von Marchegg: Stampfen, Zohor, Lozorno und Umgebung
Marchegg gehört formal zum Weinviertel, einem der vier Landesteile Niederösterreichs. Die Fläche der Stadtgemeinde Marchegg umfasst 45,52km². 15,47% der Fläche sind bewaldet.
Die Stadt liegt an der March, die die Grenze zur Slowakei bildet, und somit am Ostrand des Marchfeldes. In die Slowakei führen eine Bahnbrücke der Ostbahn (Marchegger Ast) und eine kombinierte Fahrrad-Fußgängerbrücke. Eine Straßenbrücke besteht nicht.
Die weiten Marchauen, bei Hochwasser überschwemmt, sind wegen ihrer Flora und Fauna geschützt.
Gemeindegliederung
Das Gemeindegebiet umfasst folgende zwei Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl 1.Jänner 2026):
Die Stadt und das Burg wurden 1268 von König Přemysl Ottokar II. von Böhmen, der damals in Österreich herrschte, und dem Bischof von OlmützBruno von Schauenburg, als Stadt an der Grenze zu Königreich Ungarn erbaut. Es handelt sich um eine Gründungsstadt, die nach mittelalterlichen Planungsgrundsätzen mittels Achsenkreuz angelegt wurde. Für die Bedeutung, die der Stadt zugemessen wurde, spricht die Dimension der Stadtbefestigung, die qualitativ hochwertige Architektur von Kirche und Stadttoren sowie der Umstand, dass in Marchegg ein eigenes Landgericht gegründet wurde (als viertes im Gebiet Niederösterreichs). Bemerkenswert ist die Lage und Orientierung der Pfarrkirche, die mit der Geometrie der Stadt verknüpft ist. Das Langhaus wurde am Gründonnerstag und der Chor am Ostersonntag in diese Zeit nach der aufgehenden Sonne orientiert, sodass die Längsachse der Kirche einen leichten Achsknick aufweist.
Die Stadt lag am Kreuzungspunkt von bedeutenden Nord-Süd- bzw. Ost-West-Handelwegen. Der Weinhandel war eine wichtige Einnahmequelle für die Stadt, Herzog Rudolf IV. gewährte der Stadt das Recht, für jeden Wagen ungarischen Weins, der durch Marchegg geführt wurde, 12 Böhmische Groschen als Maut einzufordern. Bereits im Mittelalter soll es zumindest zeitweise eine Brücke über die March gegeben haben. Im 16. und 17. Jahrhundert bestand jedenfalls eine Brücke über die March, ihre Funktion übernahm später eine Überfuhr in Form einer an einem über den Fluss gespannten Seil hängenden großen Plätte.
Beim Krieg gegen die Osmanen 1529 wurde die Stadt vom osmanischen Heer erobert und verwüstet, während die Burg dem Angriff standhielt. Die dadurch weitgehend verödete Stadt wurde mit Siedlern aus Schwaben neu bevölkert.
Durch die Nähe zur March war die Stadt regelmäßig von Überschwemmungen betroffen, das früheste überlieferte Hochwasser findet sich im Ingedenkbuch der Pfarre im Jahr 1280. Bei Überschwemmungen wurde der Gottesdienst häufig in der Schlosskapelle abgehalten. Im Frühjahr 1914 entschied die k.k. niederösterreichische Statthalterei die Regulierung der March, wobei neben Flussbegradigungen auch Hochwasserschutzdämme angelegt werden sollten. Die Umsetzung wurde durch den Ersten Weltkrieg und die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nach dem Krieg verzögert, so dass der Hochwasserschutzdamm erst 1936 vollendet wurde. Wiederholt kam es auch zu großen Bränden in der Stadt, so wurden etwa 32 Häuser bei einem Stadtbrand 1680 zerstört, 1793 brannte fast die Hälfte aller Gebäude der Stadt ab, 1802 waren 71 Wohnstätten betroffen. 1879 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet.
Nach der Anbindung des Orts an das Eisenbahnnetz 1847 siedelten sich Industrieunternehmen (Maschinenfabrik, Pulverfabrik, Zichorienkaffeefabrik, …) an und der Stadtteil Marchegg-Bahnhof entwickelte sich.
Im Ersten Weltkrieg bestand 1915–1918 ein Kriegsgefangenenlager bei Marchegg, die Kriegsgefangenen wurden für Bauarbeiten am Hochwasserschutzdamm und in der Landwirtschaft herangezogen.
Österreich fungierte Anfang der 1970er Jahre als Transitland für auswandernde jüdische Sowjetbürger. Die Auswandererzüge erreichten Österreich an der Grenzstation Marchegg. Hier fand am 28. September 1973 der erste Terrorakt von Palästinensern in Österreich statt. Aus einem Zug mit jüdischen Emigranten wurden vier Geiseln (drei Emigranten und ein österreichischer Zollbeamter) entführt und zum Flughafen Wien gebracht. Nach Zusicherung der Bundesregierung zur Auflösung des Transitlagers in Schloss Schönau wurden die Terroristen am 29. September 1973 ausgeflogen. (Siehe:Geiselnahme in Marchegg)
Schloss Marchegg: Im 13. Jahrhundert als Wasserburg erbaut, in der Barockzeit umgebaut und als Jagdschloss verwendet.
Katholische Pfarrkirche Marchegg hl. Margaretha: Der mächtige, mehrfach veränderte Sakralbau mit dominierendem frühgotischemChor aus dem 3. Viertel des 13. Jahrhunderts war ursprünglich von einem Friedhof umgeben, befindet sich in der Stadtmitte und ist der hl. Margaretha geweiht. Die Kirche war nach 1260 als große dreischiffige Stadtpfarrkirche konzipiert. Nach schweren Zerstörungen durch den ersten österreichischen Türkenkrieg 1529 und 1634 (Schwedenkrieg) wurde nur der Chorbau als Kirche verwendet. Unter Karl Fürst Pálffy errichtete man 1789/90 das gegenüber dem Chor wesentlich kleinere Langhaus. Der zweigeschoßige Westturm mit steilem Spitzhelm wurde 1855 errichtet.
Museumsdepot im Lokschuppen: Die nicht mehr benötigte Lokomotivhalle im Bahnhof Marchegg wurde 2012 langfristig vom Technischen Museum gemietet, renoviert und mit Gleisen unterschiedlicher Spurweite ausgestattet. Das Gebäude wird als Depothalle für Eisenbahnlokomotiven und Waggons verwendet. Damit werden die bisher an verschiedenen Standorten deponierten Objekte der Eisenbahnsammlung des Museums erstmals in einer Halle vereint.
Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 98, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 54. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 43,57%, d.h. 1.242 der 2.850 Einwohner waren berufstätig.
2001 wurde der Ecoplus Wirtschaftspark Marchegg gegründet, der mit seinen 44ha Fläche ein Angebot an Wirtschaftstreibende mit Bezug zur Slowakei darstellen soll.
2015 lag die Erwerbsquote bei 48,3%, 1.427 der 2.941 Einwohner waren berufstätig. Von 1.238 berücksichtigten Erwerbstätigen waren im Jahr 2015 987 Auspendler, zum größten Teil (502) in ein anderes Bundesland. Die Anzahl der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe nahm zwischen 1999 und 2010 um 25,5% auf 41 ab.
Verkehr
Die Fahrradbrücke
Bahn: Im Bahnhof, in dem bis Ende 2007 die dann abgeschaffte österreichische Grenzkontrolle stattfand, treffen, von Westen aus gesehen, zwei Bahnlinien zusammen: die Marchegger Ostbahn und die Marchfeldbahn. Nach Osten führt die Bahn nach Devínska Nová Ves. Unter der Woche gibt es stündlich Regionalzüge Richtung Wien und ebenfalls stündliche REX nach Wien bzw. Bratislava. Am Wochenende sowie an Feiertagen verkehren die Regionalzüge Richtung Wien nun ebenfalls stündlich. Nach Wien über Gänserndorf fahren stündlich S-Bahnen.
Im Jahr 2022 wurde eine neue Fahrradbrücke über die March eröffnet, die VysoMarch (nach den Orten, die sie verbindet – Vysoká pri Morave und Marchegg).
Freizeit und Tourismus
Im südwestlichen Teil des Gemeindegebietes liegt das Feriendorf Breitensee.
Nach den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2000 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 9 ÖVP, 6 SPÖ, 3 Namensliste Johann Krehula, 2 Bürgerliste Breitensee-Marchegg, und 1 FPÖ.
Franz Xaver Schweickhardt: Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Ens, durch umfassende Beschreibung aller Burgen, Schlösser, Herrschaften, Städte, Märkte, Dörfer, Rotten etc. etc., topographisch-statistisch-genealogisch-historisch bearbeitet und nach den bestehenden vier Kreis-Vierteln [alphabetisch] gereiht. [Teil:] Viertel unterm Manhartsberg. 7 von 34 Bänden. 4. Band: Leis bis Neusiedl. Sollinger, Wien 1834, S.99 (Marchegg – Internet Archive).
Ferdinand Opll: Marchegg. In: Felix Czeike, Renate Banik-Schweitzer (wissenschaftliche Gesamtleitung): Österreichischer Städteatlas. Hrsg. vom Wiener Stadt- und Landesarchiv, Ludwig-Boltzmann-Institut für Stadtgeschichtsforschung: 2. Lieferung, Verlag Deuticke, Wien 1985, ISBN 3-7005-4651-3.
Maria Fasslabend, Wilhelm Fasslabend: Geschichte und Geschichten. Selbstverlag, Marchegg 1995
Emil Mück, Raimund Temel: Die Geschichte von Marchegg. Selbstverlag der Gemeinde, Marchegg 2006, ISBN 978-3-200-00785-7.
Filme
1969/1970 Austrommeln in Breitensee/Marchegg und Ausblasen in Bad Pirawarth.
12Nikolaus Wilhelm-Stempin:Das Siedlungsgebiet der Burgenlandkroaten. Books on Demand GmbH, Norderstedt.
↑Marchegg auf Burgenkunde; abgerufen am 13. Jänner 2010.
↑Erwin Reidinger: Stadtplanung im hohen Mittelalter: Wiener Neustadt – Marchegg – Wien. In: Europäische Städte im Mittelalter, Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte. Band 52, Wien 2010, ISBN 978-3-7065-4856-4, S. 155–176; Erwin Reidinger: Marchegg – Ostersonntag 1268. In: Der Sternenbote, Österreichische astronomische Monatsschrift. Nr. 551/2002, 45. Jahrgang Heft 6, ISSN0039-1271 S. 102–106.
↑DEHIO Niederösterreich nördlich der Donau. Verlag Berger, Horn/Wien 2010, 2., unveränderte Auflage, ISBN 978-3-85028-395-3, S. 711.
↑Thomas Winkler: Ein Dach über dem Kopf. Platzproblem für Schienenfahrzeuge des Museums gelöst. In: forum. magazin technisches museumwien. Nr. 4/2013. ZDB-ID2056697-9 S. 18–19.