Marco Confortola (geboren 22. Mai 1971 in Uzza im Valtellina) ist ein italienischer Extrembergsteiger, Bergführer, Bergretter und Skilehrer. Er gehört zu den Überlebenden der K2-Tragödie, bei der 2008 11 Alpinisten starben. Nach der Besteigung des Gasherbrum I im Juli 2025, ließ er über soziale Medien verlauten, dass er nun alle 14 Achttausender bestiegen habe, was in Bergsteigerkreisen von mehreren Seiten angezweifelt wurde. Im Dezember 2025 wurde ihm der Gipfelerfolg des Kangchendzönga von der Organisation „The Himalayan Database“ aberkannt und die Besteigung vier weiterer Achttausender – Annapurna, Dhaulagiri, Lhotse und Makalu – in Zweifel gezogen.
Marco Confortola ist in dem kleinen Bergdorf Uzza einer Fraktion von Valfurva geboren. Als er sieben Jahre alt war, nahm sein Vater ihn auf die Alm seines Onkels mit. Dort half er während der Sommerferien aus und lernte die Bergwelt kennen und schätzen. Im Alter von 10 Jahren machte er in Begleitung von Freunden seines Vaters seine erste Klettertour und beging die Nordwand der Cima de’ Piazzi. Obwohl er nach Erreichen des Gipfels völlig verausgabt war und er nach eigner Aussage eine „schreckliche Erfahrung“ gemacht hatte, ließen in die Berge nicht mehr los.
Als er 19 war, wurde er Bergführer-Anwärter. Er war zu dem Zeitpunkt der jüngste Bergführer-Anwärter in Italien. Einen Rekord, den er fünf Jahre lang hielt. 1993 wurde er als Bergführer zugelassen und war damit der jüngste Bergführer in Europa. Bald war er auch in der Bergrettung, in der Luftrettung und nicht zuletzt als Ausbilder in der Bergrettung tätig. 1995 wurde er zudem Skilehrer.
Zu Beginn der 2000er Jahre machte er durch eine Reihe von anspruchsvollen Skibesteigungen in den Bergen seiner Heimat auf sich aufmerksam. 2001 fuhr er mit Ski von der Nordwand des Pizzo Tresero ab. Im Jahr darauf bezwang er mit Skiern hintereinander die fünf Nordwände des Pizzo Tresero, Punta Pedranzini, Cima Dosegu, Punta San Matteo und Punta Cadini in den Ortler-Alpen. In ähnlicher Weise fuhr er 2004 an einem Tag hintereinander im Alleingang von den Nordwänden des Ortler, der Königspitze, des Monte Zebrù und des Pizzo Tresero ab, wobei er einen Hubschrauber für den Transfer nutzte.
2004 wurde er von Agostino Da Polenza für eine von ihm geleitete Everest-Expedition für das EvK2CNR berücksichtigt. Trotz einer Magen-Darm-Verstimmung erreichte in einer Zweierseilschaft mit Marco Bellò kurz nach seinem 33. Geburtstag von tibetischer Seite über den Nordgrat den Gipfel des Mount Everest. Es sollte sein einziger Achttausender sein, bei dessen Besteigung er nach eigener Aussage auf Sauerstoffflaschen zurückgriff. Noch im gleichen Jahr startete Confortola nach einem mehrwöchigen Aufenthalt in seiner Heimat im Valtellina zu einer weiteren Achttausender-Expedition, diesmal in den Karakorum. Ziel war der K2. Sein Versuch den zweiten Achttausender zu besteigen, scheiterte jedoch auf 7500 m. Dort war das Lager 3 eingerichtet worden, dass er aber vom Sturm oder Lawine fortgerissen worden war, worauf er in das Basislager abstieg. Nach dieser Enttäuschung fasste er den Entschluss, keinen weiteren Achttausender mehr zu besteigen.
Bereits im Jahr darauf machte er seine Entscheidung rückgängig, als er von Silvio Mondinelli für eine Expedition auf den Shishapangma eingeladen wurde. Aufgrund schlechten Wetters erreichte er aber nur einen Nebengipfel. Auf dem Hauptgipfel stand er dann 2006. Der Versuch wenige Wochen später auch den Lhotse zu besteigen, scheiterte. Während sein Seilpartner Mondinelli den Gipfel erreichte, musste Confortola 50 Höhenmeter unterhalb des Gipfels wegen Erfrierungserscheinungen an beiden Füßen umkehren. Noch im gleichen Jahr nahm er mit Mondinelli die Annapurna in Angriff. 2007 bestieg er ebenfalls mit Mondinelli den Cho Oyu. Nach einigen Monaten Pause bestieg er 2007 noch den Broad Peak.
Im Mai 2008 war Confortola erneut am Mount Everest. Dort half er bei der Installierung einer Wetterstation des CNR auf dem Südsattel. Der anschließende Versuch mit Silvio Mondinelli über den Südgrat den Gipfel zu erreichen, musste wegen widriger Witterungsbedingungen abgebrochen werden. Nach einigen Wochen zu Hause, langte er im Juli im Basislager des K2 an. Aufgrund schlechten Wetters brachen mehrere Expeditionen gleichzeitig zum Gipfel auf, was zu Verzögerungen beim Anstieg auf den Gipfel führte. Zu weiteren Verzögerungen kam es, als der serbische Bergsteiger Dren Mandić, der sich vom Fixseil gelöst hatte, vor den Augen der anderen Alpinisten im sogenannten „Flaschenhals“ in die Tiefe stürzte. Am Abend des 1. August stand Confortola schließlich auf dem Gipfel des K2.
Auf dem Abstieg entschloss er sich, mit dem mit ihm absteigenden Iren Gerard McDonnell auf einer Höhe von 8400 m in notdürftigen Schneelöchern zu biwakieren, da ihnen ein weiterer Abstieg über die Traverse und den Flaschenhals zu gefährlich erschien. Kurz danach hörten sie einen lauten Knall, gefolgt von Rufen und Schreien in der Ferne, bevor eine vollkommene Stille eintrat. Wie sich später herausstellte, hatte sich vom Sérac oberhalb des Flaschenhalses eine Eislawine gelöst und einen Bergsteiger in die Tiefe gerissen. Mit allen Mitteln versuchten die beiden in ihrem Notbiwak nicht einzuschlafen. In der Nacht stieß noch der Niederländer Wilco van Rooijen zu ihnen.
Im Morgengrauen des nächsten Tages begann die Dreiergruppe den Abstieg, dabei verloren Confortola und McDonnell den Kontakt mit dem vor ihnen absteigenden van Rooijen. Am oberen Ende der Traverse fanden der Italiener und der Ire zwei koreanische Alpinisten und einem nepalesischen Sherpa, die von der Eislawine mitgerissen worden waren und noch Lebenszeichen von sich gaben. Laut Confortola verlor er bei dem Versuch den drei zu helfen, den Kontakt mit McDonnell, der aus ihm unbekannten Gründen wieder aufgestiegen war. Nachdem er für die drei Verunglückten nichts weiter tun konnte und über das Funkgerät des Sherpa einen Notruf abgesetzt hatte, stieg er weiter bergab.
Die Familie McDonnell zweifelte an seiner Version und ließ Nachforschungen über das Schicksal von Gerard McDonell anstellen. Dabei kam heraus, dass McDonnell aufstieg, um die Seile zu kappen, in denen die zwei Südkoreaner sich verfangen hatten. Anschließend stieg er wieder zu den Verunglückten ab und schaffte es alle Drei wieder auf die Beine zu bringen und sie dazu zu bringen, in Richtung Flaschenhals abzusteigen. Auf dem Weg dorthin wurde McDonnell von einer weiteren Eislawine in den Tod gerissen, wie zwei aufsteigende Sherpa über Funk mitteilten.
Völlig verausgabt brach Confortola schließlich zwischen Flaschenhals und Lager 4 zusammen, wo er von dem aufsteigenden Sherpa Pemba Gyalje aufgefunden wurde. Bereits in Sichtweite von Lager 4 stieg Pemba Gyalje wieder auf und machte sich auf die Suche nach Wilco van Rooijen. Nach einer Nacht in Lager 4 stieg Confortola, nun wieder allein, bis zum Lager 3 ab, verbrachte dort allein eine weitere Nacht. Am 4. August kam ihm beim Abstieg von Lager 3 schließlich eine Rettungsmannschaft entgegen. Als er im Lager 1 nach drei Tagen erstmals seine Schuhe auszog, stellte er fest, dass alle seine Zehen erfroren waren. Nach seiner Rückkehr nach Italien mussten ihm alle Zehen amputiert werden.
Nach der Amputation begann eine lange Rehabilitation, bei der er praktisch wieder laufen lernen musste. Trug er vorher Schuhe der Schuhgröße 43, war seine Schuhgröße nach der Amputation auf Schuhgröße 35 geschrumpft. 2010 kehrte er in den Himalaya zurück, um den Cho Oyu zu besteigen. Wegen starker Schmerzen in den Füßen, musste er den Besteigungsversuch auf einer Höhe von 7900 m abbrechen. 2012 erreichte er schließlich den Gipfel des Manaslu. Im Jahr darauf versuchte er sich erneut am Lhotse. Beim anschließenden Versuch den Kangchendzönga zu ersteigen, machten ihm erneut seine Füße einen Strich durch die Rechnung. Auch am Dhaulagiri 2015 blieb ihm ein Gipfelerfolg versagt, da die Expedition noch im Basislager infolge des starken Erdbebens in Nepal abgesagt wurde. 2016 wagte er sich auf den Makalu und 2017 erneut auf den Dhaulagiri.
2018 ging er zum zweiten Mal den Kangchendzönga an, musste aber 600 Höhenmeter unterhalb des Gipfels umkehren. 2019 stand er auf dem Gasherbrum II. 2022 versuchte er sich zum dritten Mal am Kangchendzönga und 2023 war er am Nanga Parbat. Nach der Besteigung des Gasherbrum I im Juli 2025 verkündete er über soziale Medien, dass er nun alle 14 Achttausender bestiegen habe.
Seine Aussage löste umgehend Reaktionen in italienischen Bergsteigerkreisen aus, und er sah sich mit mehreren Vorwürfen konfrontiert, dass er bei der Besteigung seiner 14 Achttausender geschummelt habe. So sagte Mondinelli, der mit Confortola unter anderem 2006 an der Annapurna-Expedition teilnahm, dass Confortola damals nicht den Gipfel der Annapurna erreichte, sondern etwa eine halbe Stunde Gehzeit vor dem Gipfel stehengeblieben war. Er hätte damals darüber hinweggesehen und geschwiegen. Nachdem aber weitere Gipfelerfolge von Confortola angezweifelt wurden, könne er nun nicht mehr schweigen. Die Besteigung des Annapurna durch Confortola war damals von „The Himalayan Database“ bestätigt worden. Confortola begegnete den Vorwürfen Mondinellis, dass in Bezug auf den Gipfelerfolg der Annapurna Aussage gegen Aussage stehen würde.
Nach Mondinelli meldete sich Simone Moro zu Wort und verwies auf weitere Unstimmigkeiten. So habe ihm ein Sherpa versichert, der Confortola 2022 auf den Kangchendzönga begleitet hatte, dass Confortola den Gipfel nicht erreicht habe und der Sherpa deshalb keinen Anspruch auf die Gipfelprämie hatte, da die beiden 70 bis 100 m vor dem Gipfel Halt machten. Auch die Agentur, mit der Confortola die Expedition auf den Kangchendzönga unternahm, bestätigte seinen Gipfelerfolg nicht.
Als angeblichen Beweis für seinen Gipfelerfolg legte Confortola ein von ihm bearbeitetes Gipfelfoto eines anderen Bergsteigers vor. Als der Schwindel aufflog und er in die Kritik geriet, verwies er auf ein anderes Foto von seiner Uhr, auf dem die ungefähre Gipfelhöhe des Kangchendzönga zu sehen war. Moro unterstrich, dass es ein offenes Geheimnis sei, dass man die Höhenangabe auf einer Uhr manipulieren kann. Laut Moro hat Confortola auch das Gipfelfoto des Lhotse bearbeitet. Das Foto stamme nachweislich vom Spanier Jorge Egochega und Confortola habe mit Photoshop seinen Kopf daraufgesetzt. Egochega bestätigte, dass er Confortola auf dessen Bitte hin das Foto ausgehändigt hatte.
Auch Marco Camandona, der mit Confortola 2016 an der Makalu-Expedition teilnahm, warf Confortola die Manipulation von Gipfelfotos vor. So habe Confortola Camandonas Gipfelfoto bearbeitet und als Beweis für die Gipfelbesteigung vorgelegt. Camandona bezweifelte auch die Echtheit des von Confortola vorgelegten Gipfelfotos des Dhaulagiri von 2017. Auf dem Foto seien laut Camandona Dinge zu sehen, wie Felsen, die nicht im Einklang mit den Gegebenheiten vor Ort übereinstimmten. Seine Fotobearbeitungen brachten ihm den Spitznamen „King of Photoshop“ ein.
Von verschiedenen Seiten wurde auch seine Besteigung des Nanga Parbat angezweifelt. Zumal er selbst zunächst bekannt gab, den Gipfel nicht erreicht zu haben. Erst nachdem ihm ein Gipfelzertifikat von den pakistanischen Behörden ausgestellt wurde, änderte er seine Version.
Reinhold Messner, der sich in der Sache zu Wort meldete, teilte die Meinung Moros, dass die Gipfelerfolge zu belegen seien. Zur Sache äußerte er sich nicht weiter, da seiner Ansicht nach die Besteigungen Confortolas, auch wenn sie bestätigt seien, nichts mit dem traditionellen Alpinismus zu tun hätten, sondern im Bereich des Massentourismus liegen würden. Confortola habe nach Messner keine Bedeutung für den Alpinismus und er betrachte ihn nur als „Touristen“.
Confortola beschuldigte seine Kritiker, dass sie neidisch auf ihn seien. Simone Moro hielt er vor, dass er kein Recht habe, sich als oberster Richter aufzuspielen und seine Gipfelerfolge in Frage zu stellen. Zu seiner Verteidigung sagte er, dass es nicht immer möglich sei, einen Beweis für einen Gipfelerfolg zu liefern. Auch wies er Anschuldigungen zurück, als Beweis vorgelegte Gipfelfotos manipuliert zu haben. Eine öffentliche Konfrontation mit Moro und Mondinelli lehnte er mit der Begründung ab, dass dies Zeitverschwendung sei.
Billi Bierling von „The Himalayan Database“ kündigte Ende August 2025 an, den Fall Confortola zu überprüfen. Im Dezember 2025 wurde bekannt, dass der Gipfelerfolg des Kangchendzönga von der Organisation nicht mehr anerkannt werde und vier weitere Besteigungen von Achttausendern angezweifelt werden, die des Annapurna 2006, des Lhotse 2013, des Makalu 2016 und des Dhaulagiri 2017. Da das Himalaya Database nicht über die Besteigungen in Pakistan Buch führt, bleibt auch der Gipfelerfolg des Nanga Parbat 2023 ungewiss. Confortola habe ein Jahr Zeit Beweise für die in Zweifel gezogenen Besteigungen nachzureichen, ansonsten würden die in Frage kommenden vier Achttausender vom The Himalaya Database als nicht bestiegen eingestuft werden.
Laut Eberhard Jurgalski fehlen Confortola sechs Achttausender. Neben Annapurna, Dhaulagiri, Kangchendzönga, Lhotse und Makalu fehle auch eine Bestätigung für den Manaslu. Nach Jugalski habe Confortola am Manaslu nur einen Vorgipfel, aber nicht den Hauptgipfel erreicht.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Confortola, Marco |
| KURZBESCHREIBUNG | italienischer Bergsteiger |
| GEBURTSDATUM | 22. Mai 1971 |
| GEBURTSORT | Uzza (Valfurva) |