Marcus zum Lamm

Marcus zum Lamm als Student in Poitiers 1567

Marcus zum Lamm (* 3. März 1544 in Speyer; † 13. Februar 1606 in Heidelberg) war ein deutscher Jurist, kurpfälzischer Kirchenrat und Pionier der Ornithologie.

Familie und Ausbildung

Seine Eltern waren der promovierte Jurist und Stadtsyndikus von Speyer, Marcus zum Lamm IV. (1509–1574), und die aus Worms stammende Ottilie Staud (1526–1592). Sein Großvater väterlicherseits, Hieronymus zum Lamm, war Advokat am Reichskammergericht. Die Familie Lamm gehörte in Speyer zur städtischen Oberschicht, wie mehrere um 1590 angefertigte Miniaturen in Öl zeigen. Den Auftrag zu dieser Serie gab höchstwahrscheinlich Marcus zum Lamm selbst.

1564 bis 1567 studierte er in Poitiers Rechtswissenschaft und beschäftigte sich dort mit Vogelkunde, welche er akribisch betrieb. Er konvertierte zum reformierten Bekenntnis. Den Rest seines Lebens verbrachte er in Heidelberg.

Marcus zum Lamm 1587
Elisabeth Heuring, verh. zum Lamm, 1587
Epitaph des Marcus zum Lamm in der Peterskirche in heidelberg

Er war mit Elisabeth, geborene Heuring, verheiratet und hatte mit ihr zwei Kinder:

Sein Sohn studierte an der Universität Heidelberg. Marcus Christian arbeitete als kurfürstlicher Kanzlist, Drucker und Verleger von politischen Flugblättern und beteiligte sich maßgeblich am Thesaurus Picturarum.

Leben

Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz berief ihn 1576 zum Kirchenrat, starb allerdings noch im selben Jahr. Sein Nachfolger, Ludwig VI., war strenger Lutheraner und entließ alle calvinistischen Beamten. Marcus zum Lamm blieb im Gegensatz zu vielen anderen Reformierten, die während dieser Jahre nach Neustadt an der Weinstraße auswichen, in der kurpfälzischen Residenzstadt. In der Universität Fuß zu fassen, gelang ihm nicht.

1579 wurde er aber Rat und Diener des (reformierten) Herzogs Johann Kasimir und dessen Agent in Heidelberg. Dort fielen er und seine Frau als „halsstarrige Calvinisten“ auf, da sie weiterhin außerhalb Heidelbergs die reformierte Messe besuchten. Als Friedrich IV. von der Pfalz 1584 Kurfürst, Johann Kasimir wegen der Minderjährigkeit seines Neffen Regent und damit die Kurpfalz wieder reformiert wurde, erhielt Marcus zum Lamm seine Stelle als Kirchenrat sofort zurück. Um 1600 galt er als hochangesehener Bürger in der Gunst des Kurfürsten.

Marcus zum Lamm trat nun mit Streitschriften gegen das Luthertum hervor. Bekannt geworden ist seine Auseinandersetzung um das protestantische Abendmahl mit dem jesuitischen Propst Johannes Magirus.

Marcus zum Lamm starb am 13. Februar 1606. Er wurde am 26. Februar 1606 im Chorraum der Peterskirche in Heidelberg begraben. Die Leichenpredigt wurde gedruckt.

Thesaurus Picturarum

Im Thesaurus Picturarum („Bilderschatz“) veröffentlichte Marcus zum Lamm eine sehr umfangreiche, frühe enzyklopädische Sammlung des Wissens seiner Zeit mit einem hohen Anteil an bildlichen Darstellungen. Schwerpunkte sind Ereignisse seiner Zeit, seine Auseinandersetzung mit den Lutheranern und mit der römisch-katholischen Kirche, die Ornithologie und Kostümstudien unterschiedlicher Völker und sozialer Gruppen. Durch seine Naturbeobachtungen registrierte er früh den sich um 1580 verstärkenden Umschwung des Klimas, der in die Kleine Eiszeit führte. Dadurch konnte er seinem Landesherrn den Rat erteilen, Nahrungsvorräte für die Bevölkerung anzulegen. Den Thesaurus Picturarum ergänzte er ständig bis zu seinem Tod.

Andere Schriften

nach Erscheinungsjahr geordnet

Literatur

nach Autoren / Herausgebern alphabetisch geordnet

Commons: Marcus zum Lamm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. ↑ Bezieht sich auf Johann Maririus, Propst von Stuttgart: Kurtzer vnd gründtlicher Gegenbericht/ Darinnen wider den falschen Bericht Doctor Marxen zum Lam[m] zu Heidelberg/ erwisen würdt: daß nicht die genannte Lutherische/ sonder die Zwinglianer vnnd Caluinisten die Lehr von den H. Sacramenten/ vnd von der Person Christi/ verkehren. Sampt angehenckter Erklärung vber den vermeindltlich genannten Christlichen Schwermer. Gestelt einer Ehrsamen Burgerschafft zu Heidelberg zu trewhertziger WarnungJohannes Magirus: Notwendige vnd warhaffte Antwort M. Iohannis Magiri/ Probsts zu Stutgart: Auff die schmähliche vngegründte Abfertigung/ vnd vnbefügte vermeindte Retorsion Doctor Marxen zum Lam[m]/ Caluinischen Kirchenrahts zu Heidelberg. Gruppenbach, Tübingen 1593. Gruppenbach, Tübingen 1592. Dem wird wiederum entgegnet durch Johannes Magirus: Notwendige vnd warhaffte Antwort M. Iohannis Magiri/ Probsts zu Stutgart: Auff die schmähliche vngegründte Abfertigung/ vnd vnbefügte vermeindte Retorsion Doctor Marxen zum Lam[m]/ Caluinischen Kirchenrahts zu Heidelberg. Gruppenbach, Tübingen 1593.
  2. ↑ Dazu findet sich eine Gegenschrift, Daniel Schade: Antwort Auff Doct. Marxen zum Lam[m] Inuectiuam, vnd vilfeltigen Calumnien. Die er neben andern/ auch wider M. Danielem Schadæum/ vnnd das gantze Ministerium zu Franckfurt/ in nechst verschiner Herpstmes Anno 1592. außgesprenget hat. Gruppenbach, Tübingen 1593.

Einzelnachweise

  1. ↑ Hepp: Religion und Herrschaft, S. 16.
  2. ↑ Hepp: Religion und Herrschaft, S. 21.
  3. ↑ Hepp: Religion und Herrschaft, S. 17.
  4. ↑ Freitag: Thesaurus, S. 8; Otto, S. 404, Anm. 2.
  5. ↑ Hepp: Religion und Herrschaft, S. 21.
  6. ↑ Hepp: Religion und Herrschaft, S. 21.
  7. ↑ Hepp: Religion und Herrschaft, S. 18f.
  8. ↑ Mylaeum.
  9. ↑ Die Vogelbücher aus dem Thesaurus picturarum, Marcus zum Lamm (1544–1606) hg. mit Interpretation und Kommentar von Ragnar K. Kinzelbach u. a.; Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3529-9.
  10. ↑ Haas: Bildwerke, S. 6.
Personendaten
NAME Lamm, Marcus zum
KURZBESCHREIBUNG deutscher Jurist und Kurpfälzer Kirchenrat
GEBURTSDATUM 3. März 1544
GEBURTSORT Speyer
STERBEDATUM 13. Februar 1606
STERBEORT Heidelberg