Marilyn Frye (geb. 1941 in Tulsa (Oklahoma)) ist eine US-amerikanische Philosophin und Vertreterin des Radikalfeminismus. Sie ist bekannt für ihre Theorien über Sexismus, Rassismus, Unterdrückung und Sexualität. Ihr Werk befasst sich insbesondere mit feministischen Themen wie White Supremacy (deutsch weiße Vorherrschaft), männlichen Privilegien, sowie sozialer Marginalisierung von Schwulen und Lesben auseinander. Obwohl sie sich diesen Themen über den Ansatz der Gerechtigkeit nähert, setzt sie sich auch über Metaphysik, Erkenntnistheorie und Moralpsychologie mit sozialen Kategorien auseinander.
Frye ist Autorin von The Politics of Reality (1983), einer Sammlung von neun Essays, die zu „Klassikern“ der feministischen Philosophie avancierten.
Frye ist lesbisch. Ein Großteil ihres Werks befasst sich mit sozialen Kategorien, insbesondere jenen basierend auf „Rasse“ als soziale Konstruktion und gender.
Frye erhielt 1963 einen BA mit Auszeichnung in Philosophie von der Stanford University und promovierte 1969 in Philosophie an der Cornell University. Ihre Dissertation Meaning and Illocutionary Force verfasste sie unter der Betreuung von Max Black.
Bevor sie 1974 an die Michigan State University ging, unterrichtete sie am Philosophischen Department der University of Pittsburgh.
Von 2003 bis zu ihrer Emeritierung war Frye University Distinguished Professor an der Michigan State University und war auch als Associate Dean for Graduate Studies am College of Arts and Letters.
2008 war sie Romanell Lecturer der Phi Beta Kappa.
Frye war Präsidentin und Mitbegründerin von Purple, einer 2013 gegründeten Non-Profit-Organisation.
Die Organisation wurde 2023 aufgelöst.
In dem Kapitel "Oppression" (Unterdrückung) ihres Buches Feminist Frontiers behandelt Frye die Idee der Doppelbindung („double bind“) in Hinblick auf Gender-Aspekte. Die Doppelbindungen beziehen sich dabei auf Situationen, in welchen Optionen nur auf einige wenige reduziert werden, wobei all die Optionen mit Strafe, Tadel oder Entbehrung einhergehen. Frye bezieht dieses Prinzip auf Gender und das Dilemma, das Frauen oft in Zusammenhang mit Unterdrückung erleben. Beispielsweise sei es für Frauen weder gesellschaftlich akzeptabel, sexuell aktiv zu sein noch sexuell inaktiv und damit als „Männerhasserin“ oder „verklemmt“ zu gelten. Das Fehlen von Wahlmöglichkeiten durchdringe nach Frye den Alltag von Frauen so stark, dass selbst Kleinigkeiten wie die Kleidungswahl von Frauen oder deren Sprechweise kritisiert werde. Frye würde zwar anerkennen, dass Männer ebenso mit Problemen konfrontiert seien, unterscheidet jedoch zwischen den Problemen von Männern und jenen von Frauen.
Über die Vogelkäfig-Analogie („bird cage analogy“) veranschaulicht Frye die unterdrückenden Kräfte und ihre Auswirkungen auf Frauen. Nach Fryes Beschreibung könne jede Barriere, die einer Frau begegnet, als einzelne Stange eines Vogelkäfigs verstanden werden. Die Frau in Fryes Analogie ist ein unbeweglicher Vogel. Eine Käfigstange einzeln für sich betrachtet erwecke den Eindruck, der Vogel könne einfach davonfliegen. Einige Schritte zurückgetreten, würde hingegen sichtbar, dass eine Vielzahl von Stangen zusammenarbeite, um den Vogel in seinem Käfig gefangen zu halten. Die Bedeutung der Analogie liege folglich darin, dass eine Vielzahl von Barrieren miteinander interagiere und einzelne Frauen so im Zustand von Unterdrückung festhalte.
In einem Interview aus dem Jahr 2013 für Stance: international undergraduate philosophy journal äußerte sich Marilyn Frye als Gegnerin der Institution Ehe aufgrund ihrer schrecklichen Geschichte im Patriarchat. Frye fände „merkwürdig“, dass Schwule und Lesben für das Recht kämpfen, an historisch patriarchalen Institutionen wie der Ehe oder dem Militär teilzuhaben. Dennoch räumte sie ein, dass die konkreten Vorteile, die mit einem solchen Status einhergehen, nicht übersehen werden sollten. Sie erwähnte außerdem die Befürchtung mancher, die gleichgeschlechtliche Ehe könne „die Institution der heterosexuellen Ehe untergraben und schließlich zerstören“. Frye erklärte, sie „hoffe vielleicht, dass sie recht haben“, da sie die Existenz dieser Institution ablehne.
Marilyn Frye hat wiederholt ihre Sorge über Tendenzen zur Distanzierung innerhalb des Feminismus betont. Sie kritisiert jene, die sich als „gute Feministinnen“ bezeichnen, um Mäßigung zu demonstrieren oder sich von radikaleren, kontroverseren Feministinnen abzugrenzen. Zudem argumentiert sie, Feministinnen sollten beim Schreiben die „feministischen Vorläuferinnen“ sowie die „Kontexte“ ihrer Arbeit berücksichtigen, um eine lebendige „Genealogie feministischen Denkens“ zu schaffen.
Frye hat in ihren Essays „On Being White“ und „White Woman Feminist“ ausführlich über die Bedeutung, weiß zu sein, geschrieben. In „White Woman Feminist“ schreibt sie, dass sie trotz ihres Wunsches, systemischen und institutionellen Rassismus durch „Analyse und Entscheidung“ zu bekämpfen – also ihre eigene Rolle innerhalb eines rassistischen Systems zu erkennen und sich ihm zu widersetzen –, zu der Einsicht gelangt sei, dass ihre „Kompetenz dazu fraglich“ sei. Frye argumentiert, dass weiße Frauen nicht in der Lage seien, Rassismus angemessen zu analysieren oder authentische Entscheidungen darüber zu treffen, und plädiert stattdessen für ein Eingeständnis weißer Hilflosigkeit. Darüber hinaus schreibt sie, weiß zu sein sei keine „biologische Bedingung“, sondern die Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen bzw. politischen Kategorie, der man „nicht entkommen“ könne.
In The Politics of Reality (1983) argumentiert Frye in ihrem Essay „A Note on Anger“, dass weibliche Wut nur deshalb existiere, weil Frauen das Gefühl hätten, ihnen sei Unrecht widerfahren. Sie weist darauf hin, dass Wut aus der Überzeugung entstehe, im Recht zu sein, während man sich in einer ungerechten Situation befindet. Frye argumentiert außerdem, dass „Wut einen Anspruch auf Zuständigkeit impliziert“, was bedeutet, dass Frauen nur dann ein als legitim wahrgenommenes Recht auf Wut hätten, wenn diese innerhalb ihres gesellschaftlich zugeschriebenen Zuständigkeitsbereichs läge. Sie erklärt, dass solche Zuständigkeitsbereiche häufig geschlechtsspezifisch konnotiert seien und die Möglichkeiten von Frauen beeinflusse, in männlich dominierten Räumen ernst genommen zu werden. So mag es als gerechtfertigt gelten, wenn eine Frau wütend auf ihre Kinder ist, weil diese sich schlecht benehmen; deutlich seltener erscheine ihre Wut hingegen als legitim, wenn sie sich über einen Mechaniker ärgert, der ihren Vergaser falsch eingestellt hat. Da Mechanik nicht als ein Bereich weiblicher Zuständigkeit gelte, werde weibliche Wut darüber oft als uninformiert, irrational oder weniger berechtigt wahrgenommen.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Frye, Marilyn |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanische Philosophin |
| GEBURTSDATUM | 1941 |
| GEBURTSORT | Tulsa, Oklahoma |