Marion Ehrhardt

Marion Ingeborg Agnes Ehrhardt (* 23. Juli 1932 in Hamburg; † 4. November 2011) war eine deutsche Romanistin und Lusitanistin.

Leben und familiärer Hintergrund

Burg Tannroda (2011)

Als jüngste von drei Schwestern wuchs Marion Ehrhardt zunächst in Hamburg auf. Ihre Mutter Ilse-Marie (auch Maria) Mannhardt – eine Tochter von Wolf Mannhardt – hatte, nachdem ihr erster Ehemann und der Vater ihrer beiden älteren Töchter Mathilde und Hedwig 1929 verstorben war, 1931 Marions Vater geheiratet. Die Ehe wurde 1935 geschieden, Marions Vater fiel 1944 im Russlandfeldzug. Im Jahr 1939 heiratete Maria Mannhardt den 25 Jahre älteren Heinrich von Gleichen-Rußwurm, den sie bereits aus eigenen Kindertagen durch seine Kontakte zu ihrem Elternhaus kannte, und zog mit ihren Töchtern nach Tannroda auf sein Rittergut. Nach der Grundschule in Tannroda besuchte Marion ab 1943 die Mittelschule in Bad Berka. Im Zuge der Bodenreform nach dem Zweiten Weltkrieg in der Sowjetischen Besatzungszone wurde der Stiefvater als Großgrundbesitzer enteignet, verhaftet und interniert. Die Familie musste das Gut verlassen und die Mutter floh mit den Kindern zur Großmutter nach Hamburg. Nach seiner Entlassung aus der Haft floh auch Heinrich von Gleichen-Rußwurm nach Westdeutschland, blieb aber in der Göttinger Gegend und die Ehe wurde 1948 geschieden.

Wirken

Marion Ehrhardt engagierte sich als junge Frau im Bund der europäischen Jugend, reiste 1952 in die portugiesische Kolonie Angola und arbeitete als Au-pair in Barry (Wales). Von 1953 bis 1955 studierte sie am Dolmetscherinstitut in Heidelberg. Es folgten ein Studienjahr in Coimbra und das Promotionsstudium der Lusitanistik und Ethnographie an der Universität Hamburg. Ihre Dissertation Das Meer im Werke Fernando Pessoas von 1960 gilt als eine der ersten wissenschaftlichen Arbeiten über Pessoa in Deutschland. Von 1960 bis 1965 war Marion Ehrhardt Lektorin für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Lissabon. Danach lebte sie in ihrem Haus in Galamares/Sintra und forschte freiberuflich zu den deutsch-portugiesischen Kulturbeziehungen. Einige ihrer Bücher und Aufsätze werden als Standardwerke eingestuft. Eine Auswahl besonders wertvoller und repräsentativer Bücher aus ihrer etwa 3000 Titel umfassenden Spezialbibliothek wurden 1997 bei Frankfurter Buchmesse ausgestellt.

Marion Ehrhardt wurde 1987 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Sie war Komtur im Orden des Infanten Dom Henrique (1991), wurde 1996 Ehrenmitglied des portugiesischen Germanistenverbandes APEG (Associação portuguesa de estudos germanísticos) und war Präsidentin der 2005 von ihr ins Leben gerufenen Marion Ehrhardt Stiftung (FME), die auch nach ihrem Tod die Erforschung und Förderung deutsch-portugiesischer Kulturbeziehungen zum Ziel hat.

Grabplatte von Marion Ehrhardt auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Ihre letzte Ruhe fand Marion Ehrhardt auf dem Hamburger Friedhof Ohlsdorf.

Werke

Einzelnachweise

  1. ↑ Marion Ehrhardt: Eine Kindheit auf Schloss Tannroda – Erinnerungen. In: Thomas H. A. Becker. 8. Mai 2020, abgerufen am 17. Oktober 2026.
  2. ↑ Peter Hanenberg: Nachruf auf Dr. Marion Ehrhardt. In: lusitanistenverband.de. 2011, abgerufen am 17. Oktober 2026 (5. Nachruf von oben).
  3. ↑ Abbildung Kissenstein bei genealogy.net
Personendaten
NAME Ehrhardt, Marion
ALTERNATIVNAMEN Ehrhardt-Mannhardt, Marion; Ehrhardt, Marion Ingeborg Agnes (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG deutsche Romanistin und Lusitanistin
GEBURTSDATUM 23. Juli 1932
GEBURTSORT Hamburg
STERBEDATUM 4. November 2011