Mechthild Großmann wurde nach drei Brüdern als viertes Kind einer Übersetzerin und eines Kaufmanns geboren. Sie wuchs in Münster im Kreuzviertel nahe dem Coerdehof auf. Als Kind nahm sie Ballettunterricht. Später begann sie professionell zu tanzen. Danach absolvierte sie in Hamburg eine Schauspielausbildung.
Theater
1969 wurde Großmann von Kurt Hübner engagiert, dem Intendanten des Bremer Theaters am Goetheplatz, des damals führenden Theaters in der Bundesrepublik Deutschland. Nach Hübners Weggang 1973 ging sie zum Staatstheater Stuttgart unter Leitung von Claus Peymann und von 1977 bis 1979 zum Schauspielhaus Bochum unter Leitung von Peter Zadek. Großmann war von 1976 bis 2017 Mitglied des Tanztheaters Pina Bausch und gehörte als Schauspielerin zu den Stützen dieses Tanzensembles. Pina Bausch wählte sie 1975 als Sängerin für ihre Inszenierung des Brecht-Weill-Stücks Die sieben Todsünden (1976) aus.
Ihr Debüt als Film- und Fernsehschauspielerin gab Großmann 1980 in der Rolle der Hure Paula in Rainer Werner Fassbinders vierzehnteiliger Miniserie Berlin Alexanderplatz, wo sie in der Auftaktfolge Die Strafe beginnt zu sehen war. 1985 spielte sie die Hauptrolle (eine Geschäftsfrau und Domina) in dem Avantgarde-Film Verführung: Die grausame Frau. Danach folgten viele weitere Film- und Fernsehproduktionen. Deutschlandweit bekannt wurde sie unter anderem durch ihre Rolle als kettenrauchende Staatsanwältin Wilhelmine Klemm im TatortMünster, die sie seit 2002 spielt. In der Wilhelm-Hauff-Märchenverfilmung Zwerg Nase (2008) übernahm sie unter der Regie von Felicitas Darschin die Rolle der Fee Kräuterweis. Eine weitere Rolle hatte sie 2016 in dem Märchenfilm Prinz Himmelblau und Fee Lupine nach einem Feenmärchen aus Christoph Martin WielandsDschinnistan, wo sie an der Seite von ihrer Münsteraner Tatort-Kollegin Friederike Kempter die Königin und Mutter von Prinz Himmelblau spielte.
Seit den 2000er Jahren spricht sie zahlreiche Hörbuch- und Hörspielproduktionen ein. 2015 und 2016 bekam sie für ihre Interpretation der Kinderhörbücher Der Yark und Aus dem Tagebuch einer Killerkatze den Deutschen Kinderhörbuchpreis BEO verliehen.
Privates
Mechthild Großmann lebte mit dem Regisseur Stephan Meyer zusammen, der unter anderem im Jahr 2000 den Kriminalfilm Die achte Todsünde: Gespensterjagd und 2004 die Tatort-Folge Mörderspiele mit ihr produzierte, und hat mit ihm eine 1991 geborene Tochter. Sie wohnt in Hamburg.
Zu Großmanns Markenzeichen wurde ihre tiefe, rauchige Stimme mit hohem Wiedererkennungswert. Nach eigener Aussage war ihre Stimme bereits so tief, als sie ein Kind war; zudem habe sie fast keine Stirn- und Kieferhöhlen.
Ein Stück für Pina Bausch.In:EMMA.Winter 2010,archiviertvomOriginal(nicht mehr online verfügbar)am16.März 2010;abgerufen am 26.Januar 2019(mit drei Audio-Dateien).
123Westfälische Nachrichten: Rauchende Staatsanwältin steigt aus: Mechthild Großmann nach mehr als 22 Jahren bald nicht mehr beim Münster-„Tatort“. Medien, Carsten Linnhoff, Robin Gerke, 16. August 2024.