| Methanoregula | ||||||||||||
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TEM-Aufnahme einer Amöbe von Pelomyxa schiedti-: Detailansicht des Zellkerns und der ihn umgebenden Symbionten; weiße Pfeile zeigen auf Zellen von „Ca. Mr. pelomyxae“, während schwarze Pfeile auf mutmaßliche MROs zeigen. | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Methanoregula | ||||||||||||
| Bräuer et al. 2011 |




Methanoregula (Abkürzung Mr.) ist eine Gattung von Archaeen. Die Typusart Methanoregula boonei wurde erstmalig 2006 aus einem sauren Torfmoor isoliert. Sie produziert Methan bei dem niedrigsten pH-Wert aller damals bekannten Organismen.
Eine zweite Art, Mr. formicica mit Referenzstamm SMSP wurde 2011 beschrieben. Dieser Stamm wurde aus einer anaeroben, Propionat abbauenden Anreicherungskultur isoliert. Diese stammte ursprünglich aus dem granulierten Schlamm der Deckschicht eines UASB-Bioreaktors (upflow anaerobic sludge blanket) zur Behandlung von Abwässern einer Bierbrauerei.
Der Referenzstamm 6A8 der Typusart Methanoregula boonei stammt von dem kleinen, sauren Moor (pH-Wert 4,1) namens McLean Bog zwischen dem Beaver Creek im Norden und dem Mud Pond im Süden bei der Ortschaft McLean im US-Bundesstaat New York. Das Antibiotikum Rifampicin ermöglichte die Anreicherung von Wasserstoff und Kohlendioxid (H2+CO2) konsumierenden methanogenen Archaeen in der Torfprobe aus dem Moor und verhinderte das Wachstum von H2+CO2-konsumierenden acetogenen Bakterien. Der Stamm 6A8 wurde kultiviert im anaeroben PM1-Medium, einem Kulturmedium mit geringer Ionenkonzentration, das durch den organischen Puffer Homopipes (pKa-Wert 4,7 bei 28 °C) auf einen pH-Wert von ca. 5,1 gepuffert wurde.
Der Stamm 6A8 verwendet H2+CO2 als Substrat für seine methanogene Lebensweise, Die Verdopplungszeit beträgt von fast zwei Tage bei Standardwachstumsbedingungen (pH-Wert von 5,1 und Temperatur 28 °C). Er konsumiert weder Formiat, noch Ethanol, Methanol oder Acetat. Neben mineralischen Nährstoffen benötigte er jedoch Vitamine, Hefeextrakt, Coenzym M und niedrige Acetatkonzentrationen vom unter 0,2 ᴍ (mol/ℓ) im Medium. Der optimale pH-Wert für die Methanogenese liegt bei etwa 5, bei einem pH-Wert von 4,0 oder 5,8 findet nur noch eine geringe Methanogenese statt. Die optimale Temperatur liegt bei etwa 37 °C, bei 10 °C verläuft die Methanogenese nur noch langsam, bei 4 °C gar nicht mehr.
Der Stamm 6A8 besteht aus zwei Morphotypen – dünnen, geraden Stäbchenzellen (mit 0,2–0,3 mm Durchmesser, 0,8–3,0 mm Länge) und unregelmäßigen kokkoiden Zellen (0,3–0,8 mm Durchmesser). Die kokkoiden Zellen machten nur 5–8 % der Gesamtzellzahl aus, waren aber in allen Wachstumsphasen vorhanden. Bei der mikroskopischen Untersuchung wachsender Kulturen wurde Zellteilung bei den stäbchenförmigen Zellen beobachtet, nicht jedoch bei den kokkoiden Zellen. Die Teilung in den stäbchenförmigen Zellen ist jedoch manchmal asymmetrisch, was zur Bildung der kokkoiden Zellen führen kann.
Obwohl die Wimpertierchen mehrheitlich eine aerobe Lebensweise aufweisen, umfassen die meisten ihrer Hauptlinien (Klassen) auch frei lebende oder endobiotische Gruppen, die sekundär zu einer anaeroben Lebensweise übergegangen sind. Diese Übergänge sind gekennzeichnet durch eine Umwandlung ihrer (Sauerstoff atmenden) Mitochondrien in sog. mitochondrienähnliche Organellen (mitochondrion-related organelles, MROs) und dem Erwerb von prokaryotischen Symbionten (Bakterien oder Archaeen), die ihren fermentativen Stoffwechsel erleichtern. Es wird allgemein angenommen, dass es sich hierbei um syntrophische Partnerschaften handelt, in der die symbiotischen Prokaryoten (in der Regel methanogene Archaeen oder Sulfat-reduzierende Bakterien), die Endprodukte der Fermentation der Wirts-MROs, hauptsächlich Wasserstoff (H2), während der Methanogenese oder Sulfatreduktion nutzen. Diese Syntrophie führt zu einer höheren Energieeffizienz für den Wirt und zur Produktion von Methan respektive Schwefelwasserstoff.
In ihrer 2024 erschienenen Arbeit untersuchten Daniel Méndez-Sánchez et al. insgesamt 53 anaerobe Wimpertierchenstämme aus langfristig stabilen polyxenischen Kulturen, davon 42 aus Süßwassersedimenten, 11 aus Brack- und Meerwassersedimenten und eine Bodenprobe aus verschiedenen Teilen der Erde. In diesen fanden sich eine Reihe frei lebender anaerober Wimpertierchen-Spezies, hauptsächlich aus der Ordnung Metopida (aber auch die Verwandte Armophorida). Die methanbildenden Archaeen gehörten zu den drei Gattungen Methanoregula, Methanobacterium und Methanocorpusculum.
Dabei stand sie taxonomische Stellung des Wirts (Gattung und darüber) und seine Umgebung (d. h. selber endobiotisch, maritim/brackig oder frei im Süßwasser lebend) in Beziehung zur Identität der Methanogenen auf Gattungsebene, was für eine starke Spezifität und „Treue“ in der jeweiligen Assoziation spricht. Um das Potenzial für eine horizontale Übertragung der methanogenen Symbionten zwischen verschiedenen Wimpertierchenarten bzw. die Stabilität der Symbionten zu testen, wurden Paare von Wimpertierchen aus bereits etablierten Kulturen gemischt und gemeinsam kultiviert und nach angemessener Zeit analysiert (siehe unten).
Bereits im Jahr 2023 hatten Sebastian C. Treitli et al. die Amöben-Spezies Pelomyxa schiedti (mit Stamm SKADARSKE) auf Endosymbionten hin untersucht. Pelomyxa ist eine Gattung anaerober Amöben, die in Gemeinschaft mit mehreren prokaryotischen Endosymbionten leben. Polyxenischen Kulturen von P. schiedti SKADARSKE bestanden außer aus dem Pelomyxa-Wirt aus folgenden Endosymbionten:
Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) und Elektronenmikroskopie (EM) zeigten, dass das Bakterium „Ca. V. pelomyxae“ innerhalb von Vesikeln lokalisiert ist, während die anderen Endosymbionten frei im Zytosol vorkommen, wobei „Ca. Mr. pelomyxae“ um den Zellkern herum angereichert ist. Genom- und Transkriptom-basierte Rekonstruktionen des Stoffwechsels legen nahe, dass der Stoffwechsel von P. schiedti Einfachzucker (Monosaccharide) produziert, die außer dem eigenen Stoffwechsel auch den Stoffwechsel von „Ca. V. pelomyxae“ antreiben, während „Ca. Syntrophus pelomyxae“ vom Abbau von Butyrat und Isovalerat aus der Umgebung lebt.
„Ca. Mr. pelomyxae“ selbst ist typisch für Methanoregula-Angehörige ein schlankes, stäbchenförmiges Archaeon, das endosymbiotisch im Zytoplasma der Gattung Pelomyxa (Archamoebae) vorkommt. FISH-Hybridisieren ist mit der spezifischen Oligonukleotid-Sonde Meth-P-972 möglich. Aufgrund von phylogenetischen Analysen der 16S-rRNA wurde das Archaeon als Kandidat der Gattung Methanoregula zugeordnet.
Beide Bakterienarten und die Amöbe verwenden Hydrogenasen, um die Elektronen auf Wasserstoff zu übertragen. Dies ist ein Prozess, der einen niedrigen Wasserstoff-Partialdruck erfordert, d. h. erzeugter Wasserstoff (H2) muss sofort wieder entfernt werden. Dies wird durch den dritten Endosymbionten, „Ca. Mr. pelomyxae“ erreicht, der H2 und Formiat für die Methanogenese verbraucht. Eine interessante Konsequenz ist folgende: Während die beiden bakteriellen Symbionten durch eine Behandlung mit Vancomycin eliminiert werden können, ohne die Lebensfähigkeit der Amöben zu beeinträchtigen, tötete die Behandlung mit 2-Bromethansulfonat (BES), einem spezifischen Inhibitor (Hemmstoff) der Methanogenese, die Amöben ab – was auf die Unentbehrlichkeit der Methanogenese für dieses endosymbiotische Konsortium hindeutet.
In einigen anoxischen Umgebungen können die methanogenen Symbionten von Protisten wie Wimpertierchen oder Amöben erheblich zur biogenen Produktion des starken Treibhausgases Methan beitragen, was ein wichtiges Kriterium für Klimamodelle ist.
Die Gattung Methanoregula zählt zu der Ordnung Methanomicrobiales in der Klasse Methanomicrobia des Archaeen-Reichs Methanobacteriati. Im Detail sieht die maßgebliche List of Prokaryotic names with Standing in Nomenclature (LPSN) und die Taxonomie des National Center for Biotechnology Information (NCBI) die Gattung in der Familie Methanoregulaceae und die Klasse Methanomicrobia im Phylum Methanobacteriota; die Genome Taxonomy Database (GTDB) klassifiziert die Gattung abweichend in die Familie Methanospirillaceae, und die Klasse Methanomicrobia in das Phylum Halobacteriota (Stand Ende Dezember 2025).
Die derzeit akzeptierte Taxonomie basiert auf der List of Prokaryotic names with Standing in Nomenclature (LPSN) und dem National Center for Biotechnology Information (NCBI), ergänzt um Einträge aus der Genome Taxonomy Database (GTDB), Stand: 29. Dezember 2025 (auszugsweise):
Gattung Methanoregula Bräuer et al. 2011(L,N,G) [„Candidatus Methanoregula“ Bräuer et al. 2006]
Abgesehen von den Endosymbionten ist der erste Stamm (bzw. das erste MAG) Typusstamm (englisch type strain) für die jeweilige Spezies.
Der Gattungsname Methanoregula setzt sich zusammen aus neulateinisch methano- ‚zu Methan gehörig‘ und lateinisch regula ‚Lineal‘, ‚Lamelle‘; die Bezeichnung verweist daher auf eine Methan-produzierende dünne Latte, was die Morphologie der dünnen Stäbchen beschreibt.