Die Gattung Methanosphaera kommt im Darmtrakt verschiedener Säugetiere – vom Känguru bis zum Menschen, s.u. – vor. Sie wurde 1985 anhand der Oligonukleotidsequenz seiner 16S-rRNA von anderen Gattungen der Familie Methanobacteriaceae unterschieden. Wie andere Archaeen innerhalb dieser Familie sind auch die Arten von MethanosphaeraMethanogene, aber während die meisten Formiat zur Reduktion von Kohlendioxid verwenden, benutzt MethanosphaeraWasserstoff, um Methanol zu Methan zu reduzieren.
Methanosphaera stadtmanae
M. stadtmanae ist ein Bewohner des menschlichen Darms (Darm-Mikrobiom).
Die Spezies hat den am stärksten eingeschränkten Energiestoffwechsel aller methanogenen Archaeen (Stand 2006). Als typischer Vertreter ihrer Gattung kann sie Methan (CH4) nur durch Reduktion von Methanol (CH3OH) mit Wasserstoff (H2) erzeugen und ist auf Acetat als Kohlenstoffquelle angewiesen.
Im menschlichen Darm entsteht das Methanol als Produkt des Pektinabbaus durch anaerobeBakterien wie z.B. der Gattung Bacteroides.
Metabolismus
In M. stadtmanae ist die Reduktion von Methanol mit H2 zu Methan über das elektrochemische Protonenpotenzial mit der ADP-Phosphorylierung (zu ATP, siehe ATP-Synthase) gekoppelt.
Dass M. stadtmanae als Mitglied der Ordnung Methanobacteriales auf Methanol und H2 als Energiesubstrate wachsen kann, ist ungewöhnlich; denn dies ist eine Eigenschaft, die sonst nur Mitgliedern der Ordnung Methanosarcinales vorbehalten ist.
Bemerkenswert ist außerdem, dass M. stadtmanae weder Methanol zu CO2oxidieren, noch CO2 zu Methan reduzieren kann. Dieser Organismus ist nicht in der Lage, autotroph auf CO2 zu wachsen, sondern benötigt neben CO2 auch Acetat als Hauptkohlenstoffquellen.
Genom
Das Genom von M. stadtmanae Stamm DSZM 3091 alias DSM 3091 wurde 2006 von Wolfgang Fricke etal.sequenziert.
Es hat eine Größe von 1.767.403bp (Basenpaaren) bei einem durchschnittlichen G+C-Gehalt von 28%. Es enthält nur 1.534 proteinkodierende Sequenzen (CDS); dabei fehlen 37 CDS, die in den Genomen aller anderen Methanogene vorhanden sind. Insbesondere fehlen die CDS (Gene) für die Synthese von Molybdopterin und für die Synthese des Kohlenmonoxid-Dehydrogenase/Acetyl-Coenzym-A-Synthase-Komplexes (CODH/ACS, siehe Reduktiver Acetyl-CoA-Weg §Biochemie) – das ist der Grund dafür, dass M. stadtmanae CO2 nicht zu Methan reduzieren oder Methanol zu CO2 oxidieren kann, und folglich für die Biosynthese von Zellkomponenten auf Acetat angewiesen ist.
Im Genom von M. stadtmanae wurden jedoch vier Sätze von mtaABC-Genen gefunden, die für Methanol:Coenzym-M-Methyltransferasen kodieren. Diese Gene weisen Homologie zu mta-Genen auf, die zuvor in Methanosarcina-Arten identifiziert wurden. Das Genom von M. stadtmanae enthält darüber hinaus mindestens 323 CDS, die in den Genomen aller anderen Archaeen nicht vorhanden sind (Stand 2006).
Methanosphaera cuniculi
M. cuniculi ist ein nicht beweglicher, grampositiver, kugelförmiger Mikroorganismus, der zuerst 1988 aus dem Darmtrakt von Kaninchen isoliert wurde. Für sein Wachstum sind sowohl Wasserstoff als auch Methanol erforderlich. Auf Substratbasis von Wasserstoff plus Kohlendioxid, Formiat, Acetat, Methylaminen, Ethanol oder Isopropanol wurde kein Methan produziert. Der optimale pH-Wert liegt bei 6,8 und die optimale Temperatur bei 35 bis 40°C. Der G+C-Gehalt der DNA beträgt 23mol%. Die Pseudomurein-Zellwand enthält Serin. Aufgrund dieser Eigenschaften und die Ergebnisse immunologischer Analysen wurde die Spezies der Gattung Methanosphaera als weitere Art zugeordnet.
Per Metagenom-Analysen wurden andere Stämme dieser Art, MGYG-HGUT-04410 und SRR16279946_bin.7_MetaWRAP_v1.3_MAG, ebenfalls im menschlichen Stuhl bzw. Darm-Mikrobiom identifiziert.
„Ca. Methanosphaera massiliense“
„Ca. M. massiliense“ wurde durch Kultivierung unter Verwendung eines wasserstoff- und kohlendioxidfreien Mediums aus einer menschlichen Stuhlprobe isoliert. Dieser Mikroorganismus hat nicht bewegliche, 850nm große, grampositivekokkenförmige Zellen, die bei einer Wellenlänge von 420nm autofluoreszieren. Die Sequenzierung des Gesamtgenoms ergab einen GC-Gehalt von 29,7% u d eine Genomgröße von 1.785.773bp. Das Genom kodiert für Alkohol- und Aldehyd-Dehydrogenasen, die das Wachstum ohne Wasserstoff fördern. Das Screening zusätzlicher Säugetier- und Humanfäkalien unter Verwendung eines spezifischen, aus der Genomsequenz abgeleiteten DNA-Polymerase-RT-PCR-Systems ergab eine Prävalenz (Häufigkeit des Vorkommens im Darm-Mikrobiom) von 22% bei Schweinen, 12% bei Roten Riesenkängurus, aber keine Nachweisbarkeit in 149 anderen Humanproben.
Stamm BB6 alias Q7470, CSUR 875(L), CSUR WDCM 875(P), Vir-13MRS(N,G), CSUR:Q7470(N) – Fundort: Stuhl gesunder Menschen, die Spezies ist aber auch weit verbreitet in Schweinen und Roten Riesenkängurus(P)
Stamm SHI1033(N,G,P) – Fundort: Darm-Mikrobiom/Kot von Schafen, Neuseeland(N)
Der Gattungsname Methanosphaera setzt sich zusammen aus neulateinischmethanum‚Methan‘ von französischméthyle (die Vorsilbe methano- bedeutet ‚zu Methan gehörig‘), sowie altgriechischσφαῖραsphaîra, deutsch ‚Sphäre‘, ‚Kugel‘; Methanosphaera meint also eine Methan-produzierende Sphäre.
das Art-Epitheton massiliense ist neulateinisch mit der Bedeutung ‚aus Massilia‘/‚zu Massilia gehörig‘; Massilia ist der antike Name von Marseille, wo dieses Archaeon entdeckt wurde;
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