Michael Davidis

Michael Davidis (* 22. September 1947 in München) ist ein deutscher Historiker und Buchwissenschaftler. Von 1988 bis 2012 war er Abteilungsleiter am Schiller-Nationalmuseum und Deutschen Literaturarchiv in Marbach am Neckar. Er ist Autor zahlreicher Publikationen und Ausstellungen zur Buchhandelsgeschichte, zur Geschichte der Erinnerungskultur, zur Porträtgeschichte sowie zur Familien- und Wirkungsgeschichte Friedrich Schillers.

Leben

Davidis besuchte von 1957 bis 1966 das Gymnasium Icking. Entscheidende Anregungen verdankte er dem Kunstpädagogen Wolfgang Lehner (1908–1990) und dem Kirchenmusiker P. Augustin Keßler (1904–1994). Er studierte Geschichte und Deutsche Philologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Zu seinen akademischen Lehrern gehörten der Historiker Karl Bosl und der Honorarprofessor für Buch- und Verlagswesen Herbert G. Göpfert. 1982 wurde er mit einer Dissertation über den Verlag von Wilhelm Hertz promoviert.

Davidis war von 1983 bis 1986 als wissenschaftlicher Angestellter am Deutschen Museum in München tätig, wo er sich mit Buchhandels- und Druckgeschichte befasste. Gemeinsam mit Jürgen Teichmann organisierte er im März 1985 ein Symposium, das die Aufbereitung und Darstellung von Sozialgeschichte an technischen Museen thematisierte. 1987 schloss sich eine Tätigkeit am Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim und dann von 1988 bis 2012 am Deutschen Literaturarchiv Marbach an, wo er für die Kunstsammlungen, die Photographische Sammlung und die Sammlung von Sachzeugnissen verantwortlich war.

Michael Davidis ist mit der Künstlerin Cäcilie Davidis verheiratet und lebt mit ihr in Marbach.

Tätigkeitsschwerpunkte

Die Zuständigkeit für die bildliche und gegenständliche Überlieferung Friedrich Schillers und seiner Familie bildete eine Kernaufgabe seiner musealen Tätigkeit. Hierzu gehörte auch die Gestaltung zweier Ausstellungen in Schillers Geburtshaus.

Die Photographische Sammlung, die er kurz vor dem 150-jährigen Jubiläum dieser bahnbrechenden Erfindung übernahm, brachte er mit dem 1992 formulierten „Ziel eines auch nur annähernd vollständigen Porträtarchivs zur deutschsprachigen Literatur“ durch systematische Erweiterung und Aktualisierung zu erhöhter Geltung. Mit Roger Melis und anderen Photokünstlerinnen und -künstlern entstanden enge Verbindungen.

Der umfangreichen Marbacher Sammlung von Lebend- und Totenmasken sowie dem Bestand an Porträtplastiken widmete Davidis besondere Aufmerksamkeit. Daraus erwuchsen intensive Kontakte mit Bildhauern wie Wieland Förster und Thomas Duttenhoefer.

Zum Abschied aus dem Archiv widmete ihm der Künstler Jan Peter Tripp seinen Essay Vom Augenschein oder la tête au carré oder das Verfertigen eines Autoren-Bildnisses in unseren Tagen. Der Nachlass seines Künstlerfreundes Peter Grau bildete nach der Pensionierung einen wichtigen Arbeitsschwerpunkt und mündete in ein Werkverzeichnis der Radierungen.

Ausstellungen

Veröffentlichungen (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. ↑ Michael Davidis: Der Verlag von Wilhelm Hertz. Beiträge zu einer Geschichte der Literaturvermittlung im 19. Jahrhundert, insbesondere zur Verlagsgeschichte der Werke von Paul Heyse, Theodor Fontane und Gottfried Keller. Univ., Diss., München 1982.
  2. ↑ Michael Davidis: Wissenschaft und Buchhandel. Der Verlag von Julius Springer und seine Autoren. Briefe und Dokumente aus den Jahren 1880–1946. Ausstellung in der Bibliothek des Deutschen Museums, 3.5.–30.6.1985. Deutsches Museum, München 1985.
  3. ↑ Michael Davidis: » … the greatest improvement connected with printing, since the discovery of the art itself«. Zum 150. Todestag von Friedrich Koenig. In: Kultur & Technik 1/1983, S. 33–40 (deutsches-Museum.de PDF).
  4. ↑ Jürgen Franzke: Technischer Fortschritt und gesellschaftlicher Fortschritt. Sozialgeschichte an technischen Museen. In: MonatsAnzeiger/Germanisches Nationalmuseum Nürnberg 51 (1985), S. 410. (Online PDF)
  5. ↑ Michael Davidis: Technischer Fortschritt und gesellschaftlicher Fortschritt – Sozialgeschichte an technischen Museen. Ein Symposium am 20. und 21. März 1985 im Deutschen Museum. In: Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 8 (1985), 4, S. 241–246.
  6. ↑ Cäcilie Davidis, Papierballett. Katalog zur Ausstellung im Museum für Papier- und Buchkunst Lenningen 25. November 2007 bis 31. Oktober 2009 und im Gutenberg-Museum Mainz 13. Januar – 28. März 2010. Feigl, München 2010.
  7. ↑ Cäcilies Papierkunststücke. Dokumentation der Ausstellung Kleinplastiken von Cäcilie Davidis in der Klosterkirche Pfullingen vom 22. Juli bis 5. August 2018. Photographien von Chris Korner. Zweibrücken 2023.
  8. ↑ Michael Davidis: Die Bildnisse der Familie Schiller. Öffentlicher Vortrag im Rahmen des Seniorenprogramms der Ludwig-Maximilians-Universität München am 1. Juli 2008. Online PDF
  9. ↑ Michael Davidis: Von der Miniatur zum Monument. Schiller-Bildnisse in Marbach und Rudolstadt. Rudolstadt, Fachdienst Kultur 2013. (= Rudolstädter Schillerschriften. 4)
  10. ↑ Michael Davidis: Die Gleichen-Rußwurms auf Schloss Greifenstein. Ein Beitrag zur Überlieferungsgeschichte von Schillers Nachlass. In: Wie danke ich Ihnen für Ihr Andenken. Idee und Alltag in Friedrich Schillers Rudolstädter Umfeld. Thüringer Landesmuseum Heidecksburg, Rudolstadt 2018, S. 46–67.
  11. ↑ Michael Davidis, Thomas Schmidt: Schiller in Marbach. Die Ausstellung im Geburtshaus. Schillerverein Marbach am Neckar 2010. Schriften des Marbacher Schillervereins. Sonderband.
  12. ↑ Aus dem Hausrat eines Hofrats. Die Ausstellung in Schillers Geburtshaus. (Katalog.) Bearbeitet von Michael Davidis und Sabine Fischer. (= Marbacher Magazin. 77. Sonderheft). Deutsche Schillergesellschaft, Marbach am Neckar 1997, ISBN 3-929146-63-0.
  13. ↑ Der photographierte Dichter. Marbach 1989.
  14. ↑ Michael Davidis: Nachwort. In: Roger Melis: Berlin – Berlin. Schriftstellerporträts aus 30 Jahren. Cotta, Stuttgart 1992, S. 107.
  15. ↑ Michael Davidis: Roger Melis, ein Klassiker der Portraitphotographie. Verlag Ulrich Keicher, Warmbronn 2021.
  16. ↑ Roger Melis zum Gedenken. Rede von Michael Davidis auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin am 9. Oktober 2009. Lehmstedt, Leipzig 2009.
  17. ↑ Michael Davidis: Die Marbacher Masken. In: Archiv der Gesichter. Toten- und Lebendmasken aus dem Schiller-Nationalmuseum. Marbach 1999, S. 37–53.
  18. ↑ Sabine Fischer u. a.: Literarische Köpfe. Porträtplastik aus der Marbacher Sammlung (= Marbacher Magazin. 109). Deutsche Schillergesellschaft, Marbach am Neckar 2005, ISBN 3-937384-05-7.
  19. ↑ Wieland Förster. Portraitplastiken . Ausstellung und Katalog: Sabine Fischer und Michael Davidis. Mit einem Werkverzeichnis der plastischen Portraits von Angelika Förster. Marbach am Neckar, 1999.
  20. ↑ Michael Davidis: Literarische Köpfe. Portraitplastiken von Thomas Duttenhoefer. Galerie der Stadt Fellbach, 16. September bis 6. November 2022. Kulturamt der Stadt Fellbach, 2022.
  21. ↑ Jan Peter Tripp: Vom Augenschein oder la téte au carré oder das Verfertigen eines Autoren-Bildnisses in unseren Tagen. Ulrich Keicher, Warmbronn 2012.
  22. ↑ Michael Davidis (Hrsg.): Peter Grau – die Radierungen. Conrad + Bothner, Zweibrücken 2024, ISBN 978-3-924171-92-6.
  23. ↑ Konstellationen. Literatur um 1955. Marbach 1995.
  24. ↑ »Theuerste Schwester« – Christophine Reinwald, geb. Schiller. (Katalog zur Ausstellung im Schloss Elisabethenburg, Meiningen, und in Schillers Geburtshaus, Marbach am Neckar.) Von Edda Ziegler. In Zusammenarbeit mit Michael Davidis (= Marbacher Magazin. 118). Deutsche Schillergesellschaft, Marbach am Neckar 2007. ISBN 978-3-937384-27-6.