Michael Dohle machte 1963 sein Abitur an der Gymnasialen Aufbaustufe für Realschulabsolventen des Deutzer Gymnasium Schaurtestraße in Köln-Deutz. Anschließend studierte er an der Universität zu Köln bis September 1964 einige Semester Kunstgeschichte und Philosophie. Im Oktober 1964 wechselte er nach Aachen an die RWTH Aachen zum Studium der Architektur, das er 1972 mit dem Diplom abschloss. Bis 1974 blieb er als wissenschaftlicher Assistent an der RWTH und wurde anschließend als Quereinsteiger Berufsschullehrer für Bautechnik, wo er sich besonders in Foto-AG’s engagierte. Im Jahr 1997 ging er in Pension.
Dohles besonderes Interesse für die Fotografie hatte sein Vater in ihm geweckt, der als Photochemiker tätig war und ihm schon 1950 eine Adox 66 geschenkt hatte. Er experimentierte mit zahlreichen Kameras und Techniken und arbeitete dabei im Labor seines Vaters. Schon früh wurden Ansel Adams und Robert Frank seine Vorbilder. In der Beschäftigung mit diesen fand er heraus, dass ein Nachahmen zu eigenen Bildern führte und recht schnell seine künstlerische Sicht auf die Umgebung forcierte. Zum Ende seines Studiums entstanden so Serien über Architektur und Landschaft. Im Jahr 1982 begann Dohle trotz der beruflichen Belastung intensiv künstlerisch zu arbeiten. Auf eine Ausschreibung des Neuen Kunsthauses Ahrenshoop des Schriftstellers Oskar Pastior bewarb er sich 1996 mit Erfolg. Daraus entwickelte sich eine jahrelange Verbindung und Zusammenarbeit, wodurch er Autorinnen und Autoren kennenlernte, mit denen das Neue Kunsthaus Ahrenshoop Projekte entwickelte und Reisen zu Ausstellungsplätzen auf den Lofoten, in England, Polen und Kaliningrad organisierte.
So lernte Dohle das Projekt Entwerter/Oder des Berliner Verlegers Uwe Warnke kennen, im Rahmen dessen er in den Sonderheften 19 und 20 Beiträge zuarbeitete. Im Jahr 2004 wurde Dohle der Kunstpreis des Freundeskreises Ahrenshoop verliehen. Durch die intensive Beschäftigung mit den Texten von Herta Müller und Oskar Pastior entstand 2008 der Buchkubus zu Oskar Pastior.
Nach seiner Pensionierung 1997 organisierte Dohle eigene Kurse. Er leitete Workshops in Aachener Museen und lehrte an der Akademie für Handwerksdesign Gut Rosenberg zu Technik und Gestaltung der Fotografie. Ab 2001 entstanden zusammen mit der Künstlerin Gerlinde Zantis zahlreiche Projekte und Ausstellungen. 2004 wurde Michael Dohle in die Münchener Secession aufgenommen. Zusammen mit einer wechselnden Künstlergruppe fuhr er seit 2003 jährlich nach Frankreich; es entstanden bis heute Bilder und Text-Bild Arbeiten französischer Landschaften. Seit Corona beschäftigte ihn das Fotografieren bei Nacht; auch hier entstanden bis heute Wandbilder/Installationen und Text-Bild-Booklets. Michael Dohle fotografierte und belichtete seine Bilder bis 2004 analog, seitdem digital.
Zum Komplex Text-Bild hat er zusammen mit Monika Kuck Bücher herausgegeben, in denen sich Fotos und Zitate sowie kurze Texte treffen, die einen ironischen, philosophischen oder auch grotesken Zusammenhang erst im Kopf des Betrachters entstehen lassen.
Ehrungen
2004 Kunstpreis des Freundeskreises Ahrenshoop
Ausstellungen (Auswahl)
1998–2015: Projekte am Neuen Kunsthaus in Ahrenshoop mit den Autoren Oskar Pastior, Jürgen Becker, Marcel Beyer, Kathrin Schmidt, sowie Publikationen und Ausstellungen auf den Lofoten und in Svolvær (Norwegen), im Mönchehaus Museum Goslar, in der Universität Ermland-Masuren in Allenstein (Polen), im Deutsches Haus Kaliningrad (RUS) und auf den Buchmessen in Frankfurt, Paris und Leipzig sowie der Kunstmesse ART Frankfurt.
2010: Melancholie zusammen mit Viorel Chirea, Gerlinde Zantis und Bernd Radtke, Galerie 45, Aachen
2023: Im Schatten / à l’ombre, Städtische Galerie Wertingen
2025: Die letzten Tage des Jahres, zusammen mit Monika Kuck, Atelier K 36,
2025: Revolte, Absurdität, Solidarität, Fotoausstellung mit Begleitprogramm zum Werk Albert Camus, LOGOI und die Albert Camus Gesellschaft, Aachen
Literatur (Auswahl)
Bedingungen und Perspektiven der Stadtteilarbeit, Autorenkollektiv: Arbeitsgruppe für Planungsgrundlagen (Assistenten-Pool) an der Architekturabteilung der RWTH Aachen: Dohle [et al.], Sozialistisches Büro, Offenbach 1972
Beziehungsweisen, Malerei, Grafik, Fotografie, Skulpturen und Künstlerbücher, 1998, ISBN 3-934216-04-8
Und das ist alles Ernst. Malerei, Grafik, Fotografie und Skulptur. Künstlerbuch zu Texten von Johannes Bobrowski, Künstlerhaus Lukas Ahrenshoop, 2000, ISBN 3-934216-12-9
entwerter/oder, Sonderheft 19: autographen II, Herausgeber: Uwe Warnke, Berlin 1999.
entwerter/oder, Sonderheft 20: autographen III, Herausgeber: Uwe Warnke, Berlin 2002.
Kunststück Ahrenshoop, herausgegeben von Annett Gröschner, Inga Rensch und Gerlinde Creutzburg, Hinstorff-Verlag Rostock, 2004, ISBN 3-356-01029-8.
Geschichte in Landschaften (zweisprachig) – Malerei, Grafik, Fotografie, Skulptur, Künstlerbuch, Objekte und Komposition zu Texten von Marcel Beyer, Kathrin Schmidt, Nikolai Kononov und Alina Vitichnovskaja mit Werken von u.a. Michael Dohle, Künstlerhaus Lukas, Ahrenshoop, 2004, ISBN 3-934216-29-3.
10 Jahre Edition Hohes Ufer Ahrenshoop, Buchobjekt-Würfel, Gemeinschaftwerk mit Grafiken, Leporellos oder Muliples von Gerlinde Creutzburg, Michael Dohle, Hartmut Dorschner, Karin Innerling, Claudia Capellbusch, Susanne Nickel, Lothar Seruset und Angelique van Wesemael, Box 21 × 22 × 21 cm, 2008
Brele Scholz: MondPferdKuh errichten ihre Hütten – die Zaunkönigin lädt zur Weltenwanderung; Beitragende u.a. Michael Dohle, Übersetzung Paul Lytton und Isabel Seeberg, Verlag Brele Scholz, Aachen, 2016.