Michael B. Sabom (* 20. Jahrhundert) ist ein US-amerikanischer Kardiologe und Erforscher von Nahtoderfahrungen. Bekannt wurde er vor allem durch sein 1982 erschienenes Buch Recollections of Death: A Medical Investigation, das als eine der ersten medizinisch fundierten Untersuchungen von Nahtoderfahrungen gilt. Methodisch prägend war sein Einsatz einer Kontrollgruppe, mit dem er erstmals die Genauigkeit außerkörperlicher Wahrnehmungen während einer Reanimation systematisch überprüfbar machte.
Sabom schloss 1966 ein Studium am Colorado College ab. 1970 erwarb er seinen medizinischen Abschluss an der University of Texas Medical Branch. Seine Facharztausbildung in Kardiologie schloss er 1978 an der University of Florida ab. Anschließend war er als Assistenzprofessor für Kardiologie an der Emory University in Atlanta tätig, bevor er in eine eigene Praxis wechselte. 2017 zog er sich aus der ärztlichen Praxis zurück.
Sabom bezeichnet sich selbst als bekennenden Christen. Er ist Gründungsmitglied der International Association for Near-Death Studies (IANDS).
Sabom begann seine Untersuchungen Mitte der 1970er Jahre mit einer ausgesprochen skeptischen Haltung. Nachdem Raymond Moodys Bestseller Leben nach dem Tod erschienen war, bat ihn eine Kollegin um einen Vortrag darüber; Sabom hielt die Berichte zunächst für Anekdoten und Wunschdenken und nahm sich vor, sie kritisch zu prüfen. Daraus wurde eine rund fünfjährige Studie, in deren Verlauf er über 100 reanimierte Patienten befragte. Die Ergebnisse veranlassten ihn, seine ursprüngliche Ablehnung aufzugeben.
In seinem ersten Buch Recollections of Death: A Medical Investigation (1982) wertete Sabom die Berichte von rund 116 Patienten aus. Methodisch bedeutsam war der Vergleich mit einer Kontrollgruppe: Er befragte erfahrene Herzpatienten ohne Nahtoderfahrung, wie eine Reanimation abläuft. Diese Schilderungen enthielten durchweg sachliche Fehler, wie sie bei Laien zu erwarten sind, die den Ablauf lediglich erraten.
Demgegenüber berichteten 32 Patienten von einer außerkörperlichen („autoskopischen“) Wahrnehmung ihrer eigenen Wiederbelebung. Von diesen gaben nach Saboms Darstellung 26 eine durchweg zutreffende Beschreibung; die übrigen sechs schilderten den Verlauf so präzise, dass er sich Punkt für Punkt mit den Krankenakten deckte. Sabom arbeitete damit als Erster den Unterschied zwischen einer bloß vorgestellten und einer überprüfbaren („veridischen“) Wahrnehmung heraus. Das Buch wurde für seinen vergleichsweise objektiven, medizinisch orientierten Ansatz gelobt und gilt als eines der Gründungsdokumente der wissenschaftlichen Nahtodforschung.
Saboms zweites Buch Light & Death: One Doctor’s Fascinating Account of Near-Death Experiences (1998) stützte sich auf die sogenannte Atlanta-Studie (1994–1998) mit 160 Patienten, von denen 47 eine sorgfältig dokumentierte Nahtoderfahrung durchlebten. Das Buch behielt medizinische und wissenschaftliche Elemente bei, deutete die Befunde jedoch ausdrücklich in einem konservativ-christlichen Rahmen und grenzte sich von eher spirituell-universalistischen Lesarten ab.
In diesem Buch dokumentierte Sabom ausführlich den Fall der Sängerin Pam Reynolds. Reynolds wurde 1991 wegen eines Aneurysmas der Arteria basilaris operiert; dabei kam ein Verfahren mit tiefer Hypothermie, Herzstillstand und Ableitung des Bluts aus dem Gehirn („standstill“) bei flachem EEG zum Einsatz. Reynolds berichtete anschließend von einer außerkörperlichen Erfahrung mit detaillierten Wahrnehmungen während der Operation, die Sabom mit den Angaben des OP-Teams abglich. Der Fall zählt zu den meistdiskutierten Einzelfällen der Nahtodforschung.
Saboms erste Studie gilt als ein Bezugspunkt der Nahtodforschung und wird bis heute breit rezipiert; ihr Kontrollgruppen-Ansatz beeinflusste spätere Arbeiten unter anderem von Janice Holden, Pim van Lommel und Bruce Greyson. Kritiker wandten gegen die Auswertung des Falls Pam Reynolds unter anderem mögliche Versuchsleiter-Verzerrungen (experimenter bias), eine unbeabsichtigte Beeinflussung der Zeugen sowie die Möglichkeit nachträglich rekonstruierter Erinnerungen (false memories) ein.
Die in Light and Death vertretene christliche Deutung führte zu einer Auseinandersetzung mit Saboms langjährigem Kollegen Kenneth Ring. Ring veröffentlichte 2000 im Journal of Near-Death Studies den Aufsatz Religious Wars in the NDE Movement, in dem er Sabom eine weltanschauliche Verzerrung der Befunde vorwarf; Sabom wies die Kritik in einer ausführlichen Erwiderung im selben Heft zurück.
2023 trat Sabom als Interviewpartner in dem Dokumentarfilm After Death auf.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Sabom, Michael |
| ALTERNATIVNAMEN | Sabom, Michael B. |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Kardiologe und Erforscher von Nahtoderfahrungen |
| GEBURTSDATUM | 20. Jahrhundert |