Monacensia

Monacensia (MON)

Monacensia im Hildebrandhaus
Archivtyp Literaturarchiv mit Museum und Forschungsbibliothek
Ort München
Besucheradresse Maria-Theresia-Straße 23
81675 München
Gründung 1921 und 1924
Umfang 2 km Akten, 350.000 Bücher
Laufzeit des Archivguts 15. Jahrhundert bis heute
ISIL DE-M36a
Träger Landeshauptstadt München
Leitung Anke Buettner
Organisationsform {{{Organisationsform}}}
Webseite https://www.monacensia.org/

Die Monacensia, eigentlich Monacensia im Hildebrandhaus, vereint das Literaturarchiv der Stadt München, ein Museum sowie eine Forschungsbibliothek zur Geschichte und zum kulturellen Leben Münchens. Der lateinische Name Monacensia bedeutet „Münchnerisches“. Die Einrichtung bezeichnet sich als „das literarische Gedächtnis der Stadt München“. Seit 1977 ist sie in der ehemaligen Künstlervilla des Bildhauers Adolf von Hildebrand (1847–1921) beheimatet. Die Institution ist an die Münchner Stadtbibliothek angebunden.

Lage

Die Monacensia befindet sich im Hildebrandhaus, der ehemaligen Villa des Bildhauers Adolf von Hildebrand im Stadtteil Bogenhausen am Isarhochufer, nahe dem Friedensengel. Gabriel von Seidl erbaute die Villa, eine der bedeutenden Künstlervillen der Prinzregentenzeit, 1898 auf der Grundlage von Plänen Hildebrands. Sie wurde ein Treffpunkt der Münchner Gesellschaft im frühen 20. Jahrhundert und erlebte bis zum Einzug der Monacensia 1977 eine wechselvolle Geschichte.

Geschichte

Hans Ludwig Held veranlasste 1921 die städtischen Stellen, ihre Bestände an Büchern zum Thema München auszulagern. So kamen 5000 Bände aus unterschiedlichen Einrichtungen, wie etwa dem Baureferat oder dem Stadtmuseum, zusammen und wurden zunächst in einem Zimmer im Rathaus der Stadt untergebracht. 1924 gründete er eine Handschriftensammlung. Den Zweiten Weltkrieg überstanden Handschriftenabteilung und Bibliothek weitgehend unbeschädigt. Nach einigen Umzügen befindet sich die Monacensia seit 1977 am jetzigen Standort. Ab 2013 war die Monacensia für eine Generalsanierung geschlossen. Sie wurde im Dezember 2016 wieder eröffnet. Während des Umbaus war das Literaturarchiv ausgelagert und nur eingeschränkt zugänglich.

Bestände und Benutzung

Literaturarchiv

Die Sammlung umfasst derzeit rund 300 literarische Nachlässe, Vorlässe und Konvolute renommierter Schriftsteller, die in enger Verbindung zu München standen oder stehen. Dazu gehören unter anderem Oskar Maria Graf, Annette Kolb, Liesl Karlstadt, Frank Wedekind, Fanny Gräfin zu Reventlow, Gustav Meyrink, Ludwig Thoma, Ludwig Ganghofer, Felix Noeggerath, Marga Noeggerath-Bauer oder Jörg Hube. Im Dezember 2022 kam das Archiv von Rachel Salamander mit zahlreichen Dokumenten jüdischen Geisteslebens aus vierzig Jahren hinzu, das 2026 bereits vollständig digitalisiert worden war. Zu den Schwerpunkten des Literaturarchivs zählen die Sammlungsbereiche Exil, Schwabinger Bohème um 1900, Gegenwartsautoren und Volkskünstler.

Zunehmend nimmt die Monacensia auch die literarischen Orte der Stadt in den Blick, die bislang nicht zum tradierten Sammlungsprofil gehörten. So erwarb sie 2023 das Archiv von Lillemors Frauenbuchladen, dem ältesten Frauenbuchladen Deutschlands, außerdem das Archiv der Lesereihe „Geschichten aus der großen Stadt“, die von 2001 bin 2007 in der Kneipe Kilombo stattfand und die die literarische Szene Münchens im ersten Jahrzehnt nach der Jahrtausendwende entscheidend mitgeprägt hat. Unter dem Namen „Rachel Salamanders Archiv“ kam 2022 durch eine Schenkung von Rachel Salamander noch eine bedeutende Dokumentation von über 1000 Veranstaltungen hinzu. Die 1982 von Salamander in der Münchner Fürstenstraße gegründete Literaturhandlung strahlte weit über München hinaus. Sie hat das lebendige jüdische Geistesleben nach dem Holocaust in ganz Deutschland wieder sichtbar gemacht. Dies war auch der Anlass für die Ausstellung Literatur & Haltung. Rachel Salamanders Archiv, die am 19. Mai 2026 eröffnet wurde.

Die von Hans Ludwig Held 1924 gegründete Handschriftenabteilung, die Originalmanuskripte und Autographen aller bedeutender Schriftsteller des Münchner und oberbayerischen Raums umfasste, wuchs zum breitgefächerten Bestand an Nachlässen und wertvollen Einzeldokumenten der Monacensia heran. Einen Begriff vom Umfang der gegenwärtigen Sammlungen des Literaturarchivs gewinnt man durch Recherche im alphabetischen Verzeichnis des Literaturarchivs. Bei den einzelnen Autoren findet man die Materialien ihres Nachlasses, Teilnachlasses oder Vorlasses wie Manuskripte, Korrespondenzen, biografische Dokumente, Fotos, evtl. vorhandene bildnerische Objekte oder Tondokumente oder persönliche Gegenstände aufgelistet. Detaillierte Informationen zu den Briefbeständen und Autographen lassen sich in der Datenbank Kalliope und im Archivportal-D recherchieren. Zur Nutzung des Literaturarchivs bedarf es keines Bibliotheksausweises, da die Dokumente nur vor Ort eingesehen werden können. Da viele Materialien in Außendepots untergebracht sind, ist es ratsam, diese schon mehrere Tage vorher zu bestellen.

Durch die Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ist es der Monacensia möglich geworden, die Tagebücher von Klaus Mann, den gesamten Archivbestand von Monika Mann und sämtliche Briefe, Manuskripte und biografische Dokumente von Erika und Klaus Mann in digitaler Form der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Monacensia-Bibliothek

Die Forschungsbibliothek der Monacensia umfasst rund 150.000 Bücher und Medien zum Thema München. Sammlungsschwerpunkt ist München als Literatur- und Kulturstadt. Die Bestände reichen von Münchner Drucken des 16. Jahrhunderts bis zu Neuerscheinungen. Sowohl für Forschungszwecke als auch zur Lektüre stehen verschiedene Freihandbibliotheken sowie eine umfangreiche Magazinbibliothek zur Verfügung. Bücher und audiovisuelle Medien ab dem Erscheinungsjahr 1960 können ausgeliehen werden.

Den Bibliotheksräumen im 1. Obergeschoss des Hauses sind unterschiedliche Themen zugeordnet:

Angebote und Veranstaltungen

Schreibtisch von Oskar Maria Graf in der Dauerausstellung

Erdgeschoss und Hochparterre sind als „offenes Haus“ während der Öffnungszeiten zugänglich. Im Erdgeschoss dient das Forum Atelier als Saal für Veranstaltungen. Es schließen sich Räume mit den Dauerausstellungen „Literarisches München zur Zeit von Thomas Mann“ und „Geschichte des Hildebrandhauses“ an. Weitere Räume bieten Wechselausstellungen Platz. Die seit 1995 existierenden Ausstellungen (unter anderem zu Lena Christ) sind auf der Website der Münchener Stadtbibliothek aufgeführt. Die 2019 eröffnete Ausstellung „Erika Mann. Kabarettistin – Kriegsreporterin – Politische Rednerin“ ist die erste, in der Erika Mann nicht – wie bislang – vor allem in ihrer Rolle als Tochter von Thomas Mann gesehen, sondern es geht ausschließlich um ihre eigene Persönlichkeit und Verdienste. Im Obergeschoss finden sich Bibliothek und Literaturarchiv. Der Garten der Villa ist für die Öffentlichkeit da, daneben gibt es die Cafébar Mona.

Neben den Ausstellungen und den Freihandbibliotheken gibt es Angebote zur Literaturvermittlung. In Zusammenarbeit mit dem Museumspädagogischen Zentrum gibt es spezielle Führungen für Schulklassen. Es bestehen Kooperationen mit der Ludwig-Maximilians-Universität München und dem NS-Dokumentationszentrum München. Ergebnisse aus der Forschung werden in der Edition Monacensia veröffentlicht.

Die Veranstaltungen spiegeln die Sammlungsschwerpunkte der Forschungsbibliothek und des Literaturarchivs wider: Bayerische Autorinnen und Autoren des 20. Jahrhunderts, Schriftsteller der Schwabinger Bohème um 1900, Exilliteratur zwischen 1933 und 1945, Münchner Gegenwartsliteratur seit 1945 sowie das Thema Münchner Volkssänger, Vortragskünstler und Kabarettisten. Für diese Themen gibt es die folgenden Veranstaltungsreihen:

Aktuelle Schwerpunkte

Seit einigen Jahren versucht die Monacensia, die weithin vergessene oder einseitig dargestellte Geschichte der Schriftstellerinnen Münchens aufzuarbeiten. So widmete sie 2018 dem Thema Münchner Schriftstellerinnen und die moderne Frauenbewegung. 1894–1933 eine Ausstellung. 2019 folgte mit Erika Mann. Kabarettistin. Kriegsreporterin. Politische Rednerin eine Ausstellung, die sich erstmals mit Erika Mann als Schriftstellerin und politischen Akteurin befasste – und nicht, wie bisher, nur als Helferin ihres Vaters Thomas Mann. In der 2021 eröffneten Ausstellung Pop Punk Politik – Die 1980er Jahre in München wurden insbesondere Frauenbiographien in den Blick genommen, wie die der bis heute nicht hinreichend gewürdigten Ausnahmekünstlerin Rabe Perplexum. Gleichzeitig startete die Monacensia das Kulturerbeprojekt #Femaleheritage, welches das Ziel hat „verschollenes Wissen über das Werk und Wirken von Frauen zutage (zu) fördern“ – zunächst mit der „Blogparade – Frauen und Erinnerungskultur“, die sehr erfolgreich zur Mitwirkung verschiedenster Institutionen, aber auch privaten Initiativen, aufrief und weiter fortgesetzt wird. Das Projekt wurde 2026 auf dem 7. International Award UCLG – Mexico City – Culture 21 mit einer Special Mention ausgezeichnet. Darüber hinaus nimmt die Vernetzung und Kooperation mit wichtigen Institutionen zu, etwa mit dem Archiv der Deutschen Frauenbewegung, dem Literaturhaus Berlin, den Münchner Kammerspielen und auch der Wikipedia. 2022 startete dann mit Frei leben! Die Frauen der Boheme. 1890–1920, eine Ausstellung, die den Versuch dreier Frauen in den Fokus nimmt, ganz individuell ein anti-bürgerliches, freies Leben zu führen. Wichtig ist jedoch nicht nur den Literatinnen der Vergangenheit Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Auch die aktuelle Sammlungstätigkeit der Monacensia wird breiter aufgestellt, da sich nicht sicher voraussagen lässt, was für spätere Generationen einmal Bedeutung haben wird.

Literatur

Commons: Monacensia – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ Monacensia – das literarische Gedächtnis der Stadt München. Münchner Stadtbibliothek, abgerufen am 18. Juni 2019.
  2. ↑ Münchner Stadtbibliothek (Hg.): Das Hildebrandhaus. Biografie einer Künstlervilla. Auswahlverzeichnis, München 2016 (Flyer).
  3. ↑ Elisabeth Tworek: Monacensia. Literaturarchiv und Bibliothek - ein kultureller Anziehungspunkt. In: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek (Hrsg.): Literatur im Archiv. Aus den Beständen der Monacensia. München 1994, S. 13.
  4. ↑ Hannes Hintermeier: Thomas Mann als Spinne im Netz. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. Dezember 2016, S. 11.
  5. ↑ muenchen.de: Monacensia im Hildebrandhaus. Literaturarchiv, Museum, Bibliothek - muenchen.de. Abgerufen am 28. Januar 2024.
  6. ↑ Hannes Hintermeier: Jüdische Literatur: Beruf und Berufung. In: www.faz.net. 12. Dezember 2022, abgerufen am 13. Dezember 2022.
  7. ↑ geschichten aus der grossen stadt. Abgerufen am 28. Januar 2024.
  8. ↑ Monacensia: Wie man zwei Münchner Kultorte archiviert. In: sueddeutsche.de. 26. Juli 2023, abgerufen am 28. Januar 2024.
  9. ↑ Literatur & Haltung. Abgerufen am 19. Mai 2026 (deutsch).
  10. ↑ Nils Minkmar: Lässige Frau, dabei spektakulär. Jahrzehntelang dokumentierte Rachel Salamander die Auftritte ihrer berühmten Gäste in der jüdischen Literaturhandlung. Eine Ausstellung in München zeigt nun dieses erstaunliche Archiv. in: Süddeutsche Zeitung vom 19. Mai 2026, S. 11
  11. ↑ Monacensia Literaturarchiv: Archivbestände. Abgerufen am 19. August 2026.
  12. ↑ Verbundkatalog für Nachlässe, Autographensammlungen und Archivbestände. Abgerufen am 19. August 2026.
  13. ↑ Startseite - Archivportal-D. Abgerufen am 19. August 2026.
  14. ↑ Monacensia - Literaturarchiv. Abgerufen am 19. August 2026.
  15. ↑ monacensia-digital. Abgerufen am 12. November 2019.
  16. ↑ Petra Hallmayer: Eine Villa für München. In: Münchner Feuilleton, Juni 2019, S. 29.
  17. ↑ Broschüre das literarische gedächtnis der stadt münchen. Hrsg. Münchner Stadtbibliothek/Monacensia. München 2016
  18. ↑ Ausstellungen der Monacensia. Abgerufen am 16. August 2020.
  19. ↑ Veranstaltungen in der Monacensia. Abgerufen am 16. August 2020.
  20. ↑ Tanja Praske: Dana von Suffrin und die erste Schreib-Residency der Monacensia | #SchreibResi. 30. Mai 2022, abgerufen am 16. Juli 2022 (deutsch).
  21. ↑ Antje Weber: Was Elvira Steppacher für ihre Schreibresidenz in der Monacensia plant. 28. Juli 2025, abgerufen am 8. August 2025.
  22. ↑ Monacensia im Hildebrandhaus: Evas Töchter. Münchner Schriftstellerinnen und die moderne Frauenbewegung 1894 - 1933. Abgerufen am 28. Januar 2024 (deutsch).
  23. ↑ Erika Mann. Abgerufen am 28. Januar 2024.
  24. ↑ Monacensia im Hildebrandhaus: Pop Punk Politik - Die 1980er Jahre in München. Abgerufen am 28. Januar 2024 (deutsch).
  25. ↑ Tanja Praske: Kulturerbe-Projekt #femaleheritage: Vom Spuren legen und Fährten lesen – Ausblick & Nachlese der Blogparade. 8. März 2021, abgerufen am 28. Januar 2024 (deutsch).
  26. ↑ https://ru.muenchen.de/2026/142/Internationale-Auszeichnung-fuer-FemaleHeritage-der-Monacensia-125506
  27. ↑ Monacensia im Hildebrandhaus: Frei leben! Die Frauen der Boheme. 1890–1920. Abgerufen am 28. Januar 2024 (deutsch).