
Mordechai Tenenbaum (* 1916 in Warschau; † um 20. August 1943 in Białystok) war ein jüdischer Widerstandskämpfer in Polen während des Zweiten Weltkrieges.
Mordechai Tenenbaum wurde 1916 in Warschau geboren. Als 20-Jähriger begann er ein Studium semitischer Sprachen. Ende der 30er Jahre war er in verschiedenen jüdischen Jugendorganisationen tätig. Dort traf er auf Tema Schneiderman, die seine Freundin und Kampfgefährtin, später seine Ehefrau wurde.
Nach dem deutschen Überfall auf Polen flüchtete das Paar zunächst in die sowjetisch kontrollierten Gebiete Ostpolens, wo sie Mitglieder der jüdischen Jugendorganisationen bei dem Versuch unterstützten, nach Palästina auszuwandern, indem sie gefälschte Papiere für sie organisierten. Später schloss sich das Paar in den Ghettos von Wilna und Warschau jüdischen Untergrundbewegungen an.
Tenenbaum war an der Bildung eines „Antifaschistischen Blocks“ beteiligt, einem Bündnis verschiedener Widerstandsgruppen gegen die Besatzung, der nicht erfolgreich war. Im Juli 1942 gehörte er zu den Mitbegründern der Jüdischen Kampforganisation „Żydowska Organizacja Bojowa“ (ŻOB), einem Zusammenschluss jüdisch-sozialistischer Jugendorganisationen, um Widerstand gegen die Deportationen vorzubereiten.
Im November 1942 ging Tenenbaum in das Ghetto in Bialystok. Zu seinen ersten Tätigkeiten zählte die Einrichtung eines Untergrundarchivs nach dem Vorbild des Ringelblum-Archivs in Warschau, das Belege über die jüdische Kultur und Zeugnisse über die Judenverfolgung sammelte, um der geplanten Auslöschung des Judentums entgegenzutreten. Die Dokumente befinden sich heute in Holcaustarchiven in Israel und Polen.

Im Januar 1943 entsandte Mordechai Tenenbaum Tema Schneiderman nach Warschau, um Geld und Anleitungen zum Bau von Handgranaten und Molotowcocktails zu überbringen. Bei diesem Einsatz wurde die Kurierin gefasst, in das Vernichtungslager Treblinka deportiert und am 18. Januar ermordet. Tenenbaum kam über den Verlust seiner Frau nicht hinweg. In seinen Briefen betrauerte er verzweifelt ihren Tod.
Nach der Zusammenführung unterschiedlicher Widerstandsgruppen im Ghetto Białystok im Juli 1943 zur „Einheitsfront“ wurde Mordechai Tenenbaum zum Anführer im Widerstandskampf gegen die Deutschen gewählt. Nach den Erfahrungen des Warschauer Ghettoaufstandes hatten die deutschen SS- und Polizeieinheiten ihre Vernichtungstaktik im Falle des Ghettos Białystok jedoch geändert. Nach der hermetischen Abriegelung des Ghettos durch deutsche Sicherheitskräfte in der Nacht vom 15. auf den 16. August 1943 ging Tenenbaum und seinen Anhängern schon nach wenigen Tagen die Munition aus.
Über Mordechai Tenenbaums Tod existieren keine genauen Angaben. Einige Quellen besagen, er sei im Kampf gefallen, andere, er habe sich um den 20. August 1943 in auswegloser Situation selbst das Leben genommen.
Tenenbaum wurde am 18. April 1945 postum mit dem polnischen Orden Grunwald-Kreuz (Orden Krzyża Grunwaldu) III. Klasse ausgezeichnet.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Tenenbaum, Mordechai |
| KURZBESCHREIBUNG | jüdischer Widerstandskämpfer während des Zweiten Weltkriegs |
| GEBURTSDATUM | 1916 |
| GEBURTSORT | Warschau |
| STERBEDATUM | um 20. August 1943 |
| STERBEORT | Białystok, Polen |