Morris West

Morris West

Morris Langlo West (* 26. April 1916 in St. Kilda, Australien; † 9. Oktober 1999 in Clareville (Sydney)) war ein australischer Schriftsteller. Bis ca. 1960 publizierte er auch unter den Pseudonymen Julian Morris und Michael East.

Leben

Morris West war das älteste Kind von sechs Kindern des Ehepaares Charles Langlo West und Florence Guilfoyle West, geb. Hanlon. Er trat unter dem Einfluss seiner Lehrer am Christian Brothers’ College in East St Kilda im Jahr 1930 in das Juniorat der römisch-katholischen Congregation of Christian Brothers in Viktoria ein. Nach einem Studium an der University of Melbourne, das West 1937 abschloss, unterrichtete er Moderne Sprachen und Mathematik an den Klosterschulen des Ordens in New South Wales. West legte ein Zeitliches Gelübde ab. Als er im Jahr 1942 das Ewige Gelübde ablegen sollte, verließ er jedoch den Orden.

1939 war West zur Armee eingezogen worden. Während des Zweiten Weltkrieges war er Leutnant der Australian Imperial Forces im Südpazifik. 1943 wurde er aus der Armee entlassen und arbeitete für kurze Zeit als Sekretär des früheren australischen Premierministers Billy Hughes –, ein Gegner der liberal-demokratischen Politiker David Lloyd George und Woodrow Wilson. Während der Armeezeit hatte Morris West ein Buch über sein Leben im Kloster geschrieben (Moon in my Pocket), das er 1945 unter dem Pseudonym Julian Morris veröffentlichte.

Von 1943 bis 1953 arbeitete West zunächst als Werbechef und dann als Direktor für den australischen Rundfunk. Er war auch Direktor einer eigenen Aufnahme- und Übertragungsgesellschaft. Nachdem er einen Zusammenbruch erlitten und für ein Jahr im Krankenhaus gelegen hatte, verkaufte er sein Unternehmen und war seit 1954 als freier Schriftsteller tätig. Es erschienen von ihm der Gedichtband The Illusionists (1955) sowie die beiden Romane Gallows on the Sand (1955) und Kundu (1956), aus deren Erlös er seine Reisen finanzieren konnte.

West verließ Australien im Jahr 1955 und lebte mehr als fünfundzwanzig Jahre in Italien, Österreich, England und den Vereinigten Staaten.

Im italienischen Sorrent hörte West von der Arbeit des katholischen Priesters Don Mario Borelli, der sich um die obdachlosen Kinder in den Slums von Neapel kümmerte. Über dieses Thema erschien 1957 Wests Buch Children of the Shadows (deutsch 1964 Die Kinder des Schattens.). Ebenfalls 1957 erschien der Roman The Big Story (in den USA unter dem Titel The Crooked Road, deutsch 1966 Die Stunde des Fremden). Danach ging West für sechs Monate für die Daily Mail als Korrespondent nach Rom. Dort sammelte er Material für seinen Roman The Devil’s Advocate, den er 1959 veröffentlichte (deutsch 1960 Des Teufels Advokat). Der Roman wurde ein internationaler Erfolg und als Des Teufels Advokat 1977 verfilmt.

Um 1982 kehrte Morris West mit seiner Familie nach Australien zurück.

Mehrere der Werke Wests, die meist um ethisch-religiöse Konflikte und politisch brisante Situationen sowie um die Rolle der katholischen Kirche kreisen, wurden erfolgreich verfilmt. Der Autor konnte mit seinen Empfehlungen die damalige Diskussion über die Änderung des Eherechts der katholischen Kirche beeinflussen.

Morris West war mit Elizabeth Harvey verheiratet. Nach der Scheidung der ersten Ehe heirateten er und Joyce Lawford im Jahr 1953. Im Alter von 83 Jahren starb Morris West an einem Herzinfarkt am Schreibtisch in seinem Haus in Clareville, einem Vorort am Meer im Norden von Sydney. Er schrieb an einem fiktiven Tagebuch Giordano Brunos, das die letzten Wochen vor dessen Hinrichtung umfasst. Das halbvollendete Buch The Last Confession („Das letzte Geständnis“) wurde 2010 postum mit einem Vorwort von Thomas Keneally veröffentlicht. Der letzte Absatz lautete: „I can write no more today … who knows to what nightmares I might wake.“ („Ich kann heute nicht weiterschreiben … wer weiß schon, welche Alpträume mich wecken werden.“)

Auszeichnungen

Ehrendoktorate

Zitat

„Es hat Morris L. West unglaublich geschmerzt, dass er zwar kommerziell sehr erfolgreich war..., ihm aber die kritische Anerkennung als Schriftsteller versagt blieb. Gerne wäre er wohl tatsächlich Australiens Antwort auf Graham Greene gewesen.“

– Christiane Neuhausen: Nachrichtenportal katholisch.de vom 24. April 2016.

Siehe auch

Werke

Prosa

Monografien

Radioserien

Theateradaptationen

Verfilmungen

Commons: Morris West – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 The Morris West Collection: Biografie.
  2. ↑ Christian Brothers in Australien
  3. ↑ Morris L. West: Kinder des Schattens. Hölle und Himmel von Neapel. Aus dem Englischen übersetzt von Paul Baudisch. Kurt Desch, München / Wien / Basel 1964, S. 207.
  4. ↑ Morris West: Tochter des Schweigens. Aus dem Englischen übersetzt von Wolfgang Freitag. Droemersche Verlagsanstalt, München / Zürich 1966, Rückseite des Einbandes.
  5. 1 2 3 Biografische Angaben auf der Rückseite des Schutzumschlages des Buches Morris West: In einer Welt von Glas. Droemer Knaur, München 1983.
  6. ↑ Angaben auf der Rückseite des Schutzumschlages des Buches Morris West: Kinder des Schattens. Hölle und Himmel von Neapel. Aus dem Englischen übersetzt von Paul Baudisch. Kurt Desch, München / Wien / Basel 1964.
  7. ↑ MyHeritage: Vita von Joyce Lawford.
  8. ↑ Notiz in: The Sydney Morning Herald, 29. September 1945., S. 7.
  9. ↑ Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste vom 25. Februar bis zum 30. Juni 1974.
  10. ↑ Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste vom 10. bis zum 30. März 1975
  11. ↑ Cyranos: Morris L. West.
  12. ↑ Morris West: Liste.
Personendaten
NAME West, Morris
ALTERNATIVNAMEN West, Morris Langlo (vollständiger Name); West, Morris L.
KURZBESCHREIBUNG australischer Schriftsteller
GEBURTSDATUM 26. April 1916
GEBURTSORT St. Kilda (Melbourne), Victoria, Australien
STERBEDATUM 9. Oktober 1999
STERBEORT Clareville (Sydney), New South Wales, Australien