Abu Naeem Mohammad Munier Choudhury (bengalisch মুনীর চৌধুরী, Urdu منیر چودھری; geb. 27. November 1925 in Manikganj, Britisch-Indien; get. 14. Dezember 1971 in Dhaka, Bangladesch) war ein bengalischer Pädagoge, Dramatiker, Literaturkritiker und politischer Dissident. Er fiel 1971 dem Massaker an bangladeschischen Intellektuellen zum Opfer.

Choudhurys Vorfahren stammten aus Chatkhil (চাটখিল), Noakhali. Er wurde am 27. November 1925 in Manikganj geboren. Sein Vater war Khan Bahadur Abdul Halim Chowdhury, ein Distrikts-Magistrat und Absolvent der Aligarh Muslim University. Seine Mutter war Umme Kabir Afia Begum (gest. 2000). Aufgrund der beruflichen Tätigkeit seines Vaters lebte Choudhury in Manikganj, Pirojpur und anderen Teilen Ostbengalens. Die Familie zog 1936 endgültig nach Dhaka. Dort wuchs er mit 14 Geschwistern im nach seiner Mutter benannten Heim Darul Afia auf. Er schloss die Dhaka Collegiate School 1941 ab und erwarb anschließend das intermediate examination an der Aligarh Muslim University. Anschließend studierte er Englischsprachige Literatur und schloss sein Bachelorstudium (mit Auszeichnung) 1946 und sein Masterstudium 1947 an der University of Dhaka ab. Aufgrund seiner Beteiligung an linken politischen Aktivitäten wurde er aus dem Studentenwohnheim Salimullah Hall verwiesen. 1952 wurde er wegen seiner Teilnahme an der bengalischen Sprachbewegung zu zwei Jahren Haft verurteilt. Während seiner Haft legte er 1954 die Masterprüfung in bengalischer Literatur ab und schloss als Jahrgangsbester ab. Später, 1958, erwarb er seinen dritten Masterabschluss in Linguistik an der Harvard University.
1947 begann Choudhury seine Laufbahn als Dozent am Brajalal College in Khulna. 1950 wechselte er ans Jagannath College in Dhaka. Noch im selben Jahr trat er der Universität Dhaka bei und lehrte dort bis 1971 sowohl im Fachbereich Anglistik als auch im Fachbereich Bengali. 1962 wurde er Dozent, 1970 Professor und 1971 Dekan der Geisteswissenschaftlichen Fakultät.
Choudhury war der linken Politik und progressiven Kulturbewegungen verbunden. 1948 nahm er am Parteitag der Kommunistischen Partei in Kolkata teil. Er wurde zum Sekretär der „Progoti Lekhok O Shilpi Songho“ (Vereinigung progressiver Schriftsteller und Künstler) gewählt. 1952 wurde er aufgrund des Gesetzes zur Präventivhaft verhaftet, weil er gegen Polizeirepression und die Tötung von Studenten der Sprachbewegung protestiert hatte. 1967 protestierte er gegen das Verbot von Tagore-Liedern im Radio und Fernsehen durch die pakistanische Regierung. Anfang der 1950er Jahre gab es in Pakistan eine Bewegung zur Ersetzung des bengalischen Alphabets durch das arabische. Als Linguist und Schriftsteller protestierte Choudhury gegen diese Bestrebung, die einheimische Sprache Ostpakistans zu untergraben. Er beteiligte sich aktiv an der Nichtkooperationsbewegung in der ersten Hälfte des Jahres 1971 und verzichtete auf seine Auszeichnung Sitara-e-Imtiaz, die ihm 1966 von der pakistanischen Regierung verliehen worden war.
Während seiner Haft von 1952 bis 1954 schrieb er sein symbolisches Drama über die historische Sprachbewegung, Kabar (কবর, „Das Grab“). Nach seiner Freilassung schrieb er weiter; zu seinen bekanntesten Werken zählen Roktakto Prantor (1959; ein Theaterstück über die Dritte Schlacht von Panipat), Chithi (1966) und Polashi Barrack O Onyanno (1969). 1965 überarbeitete Choudhury die Tastatur der bengalischen Schreibmaschine und nannte sie Munier Optima Keyboard. Dies geschah in Zusammenarbeit mit Remington, dem damaligen Hersteller von Schreibmaschinen in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR).
Nach dem Vorgehen der pakistanischen Armee im Jahr 1971 im Universitätsviertel von Dhaka, aus dem Chowdhury wie viele andere entkam, zog er zu seinen Eltern in die Nähe von Hatirpool. Am 14. Dezember 1971 wurde er zusammen mit zahlreichen bengalischen Intellektuellen, Pädagogen, Ärzten und Ingenieuren aus ihren Häusern entführt und später von der pakistanischen Armee und ihren bengalischen Kollaborateuren Al-Badr und Al-Shams gefoltert und hingerichtet. Laut einer Zeugenaussage wurde Chowdhury zuletzt im Sportkolleg in Mohammadpur Thana, Dhaka, gesehen, wo ihm die Finger verstümmelt wurden. Seine Leiche konnte nicht identifiziert werden.
Am 18. Juli 2013 gab Asif Munier Chowdhury Tonmoy, ein Sohn von Choudhury, vor dem Internationalen Strafgerichtshof-2 (আন্তর্জাতিক অপরাধ ট্রাইব্যুনাল - বাংলাদেশ) eine Aussage ab. Laut seiner Aussage waren Chowdhury Mueen-Uddin, ein in London ansässiger muslimischer Führer, und Ashrafuz Zaman Khan, der in den Vereinigten Staaten lebte, direkt an der Entführung, dem Verschwindenlassen und der Ermordung von Choudhury beteiligt. Am 3. November desselben Jahres wurden beide in Abwesenheit verurteilt, nachdem das Gericht festgestellt hatte, dass sie an der Entführung und Ermordung von 18 Menschen – neun Dozenten der Universität Dhaka, darunter Choudhury, sechs Journalisten und drei Ärzten – im Dezember 1971 beteiligt waren.

Choudhury war mit Lily Choudhury (1928–2021) verheiratet. Gemeinsam hatten sie drei Söhne: Ahmed Munier, Ashfaque Munier (Mishuk) (1959–2011) und Asif Munier (geb. 1967). Ashfaq war Kameramann. Ahmed ist im Ruhestand und arbeitete zuvor für UN-Missionen in Afrika. Asif ist Menschenrechtsaktivist und in der Entwicklungszusammenarbeit tätig. Er war Gründungsmitglied von Projonmo Ekattor, einer Menschenrechtsorganisation.
Zu Choudhurys bemerkenswerten Geschwistern gehören die Schauspielerin Ferdousi Mazumder, der Nationalprofessor Kabir Chowdhury (1923–2011), der Kolumnist Shamsher Choudhury (gest. 2012), die Sprachaktivistin Nadera Begum (gest. 2013) und der erste bengalische Kadett, dem an der Pakistanischen Militärakademie das (Sword of Honour) verliehen wurde, Oberstleutnant Abdul Qayyum Chowdhury (gest. 2013).
Seit 1989 verleiht die bangladeschische Theatergruppe „Theatre“ den Munier-Chowdhury-Shammanona-Preis an Persönlichkeiten des Theaters für ihren Beitrag zur darstellenden Kunst. Die Bangla Academy vergibt den Shaheed Munier Choudhury Memorial Award an Buchverlage für herausragende Druckqualität und ästhetische Werte. Die Central Road in Dhaka, in welcher Choudhury lebte, wurde in Shaheed-Munier-Chowdhury-Straße umbenannt. 1991, zum 20. Jahrestag der Unabhängigkeit Bangladeschs, gab die Regierung eine Gedenkbriefmarke mit Choudhurys Porträt heraus.
Am 27. November 2020 feierte Google den 95. Geburtstag mit einem Google Doodle.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Choudhury, Munier |
| ALTERNATIVNAMEN | Munīra Caudhurī; মুনীর চৌধুরী (Bengali); Munir Caudhuri; منیر چودھری (Urdu) |
| KURZBESCHREIBUNG | bengalischer Pädagoge, Dramatiker, Literaturkritiker und politischer Dissident |
| GEBURTSDATUM | 27. November 1925 |
| GEBURTSORT | Manikganj, Britisch-Indien |
| STERBEDATUM | 14. Dezember 1971 |
| STERBEORT | Dhaka, Bangladesch |