| Nýrsko | ||||
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| Basisdaten | ||||
| Staat: | ||||
| Region: | Plzeňský kraj | |||
| Bezirk: | Klatovy | |||
| Fläche: | 3150,6632 ha | |||
| Geographische Lage: | 49° 18′ N, 13° 8′ O | |||
| Höhe: | 452 m n.m. | |||
| Einwohner: | 5.033 (1. Jan. 2023) | |||
| Postleitzahl: | 340 22–340 23 | |||
| Kfz-Kennzeichen: | P | |||
| Verkehr | ||||
| Straße: | Domažlice–Železná Ruda | |||
| Bahnanschluss: | Plzeň–Železná Ruda | |||
| Struktur | ||||
| Status: | Stadt | |||
| Ortsteile: | 7 | |||
| Verwaltung | ||||
| Bürgermeister: | Miloslav Rubáš (Stand: 2014) | |||
| Adresse: | Náměstí 122 340 22 Nýrsko | |||
| Gemeindenummer: | 556831 | |||
| Website: | www.sumavanet.cz/nyrsko | |||




Nýrsko (deutsch Neuern) ist eine Stadt in Tschechien. Sie liegt 17 Kilometer südwestlich von Klatovy (Klattau) und gehört zum Okres Klatovy.
Nýrsko befindet sich nördlich des Künischen Gebirges in einem breiten Talkessel der Úhlava (Angel), der den Übergang zu drei Landschaftseinheiten bildet; gegen Norden erstreckt sich der Janovický úval (Janowitzer Senke), östlich die Strážovská vrchovina (Drosauer Bergland) und im Westen die Všerubská vrchovina (Neumarker Bergland). Nordöstlich erhebt sich der Na Porovnání (639 m), im Osten der Želivský vrch (Bauholz, 770 m), südöstlich der Křížový vrch (Kreuzberg, 810 m), im Südwesten der Hraničář (Rantscher, 833 m), westlich der Kameňák (Steinwald, 751 m) und Lišák (Plattenberg, 710 m) sowie im Nordwesten der Jezvinec (Gewintzyberg, 739 m), die Orlovická hora (723 m) und die Havranice (665 m). Südlich liegt der Stausee Nýrsko. In Nýrsko kreuzt sich die Staatsstraße II/191 zwischen Klatovy und Lam mit der II/190 zwischen Železná Ruda und Všeruby; außerdem ist die Stadt Ausgangspunkt der Straße II/192 nach Kdyně. Am östlichen Stadtrand verläuft die Bahnstrecke Plzeň–Železná Ruda.
Nachbarorte sind Dvorce na Strání, Hadrava, Nové Pocinovice (Neu Putzeried) und Úborsko im Norden, Bystřice nad Úhlavou (Bistritz an der Angel), Starý Láz (Starlitz) und Blata (Haslau) im Nordosten, Hodousice (Holletitz), Žiznětice, U Weinbauerů und Želiv im Osten, U Malátů, Dešenice und Milence (Milik) im Südosten, Zelená Lhota (Grün), Pajrek (Bayereck), Horní Polánky und Stará Lhota (Freyhöls) im Süden, Suchý Kámen (Dörrstein), Skelná Huť (Glashütten) und Uhliště im Südwesten, U Kopačků und Chudenín (Chudiwa) im Westen sowie die Liščí (Fuchsberg), Pláně (Plöss), Hyršov (Hirschau), Chalupy (Friedrichsthal), Na Dvorcích und Orlovice im Nordwesten.
Nýrsko wurde wahrscheinlich im 12. Jahrhundert als befestigte Grenzsiedlung mit Zoll- und Mautstation an einer Furt des von Böhmen durch die Wälder des Künischen Gebirges nach Neukirchen beim Heiligen Blut in Bayern führenden deutschen Steiges durch die Úhlava angelegt. Im 13. Jahrhundert entstand auf der Anhöhe rechtsseitig über der Úhlava eine Kirchenburg, die als Zufluchtsstätte für die Bewohner der Umgebung diente. Unterhalb dieser bildete sich eine Marktsiedlung. Die erste schriftliche Erwähnung von Nýrsko erfolgte im Jahre 1327 im Zuge der Verpfändung des Künischen Gebirges durch König Johann von Luxemburg an Peter von Rosenberg, wobei die Zolleinnahmen von Nýrsko als den Herren von Janowitz zustehend aufgeführt wurden. Um 1339 ließ der Besitzer der Herrschaft Bystřice nad Úhlavou, Sezema von Dolany, 600 m nördlich von (Horní) Nýrsko auf seinem Territorium um einen großen rechteckigen Marktplatz das Städtchen Dolní Nýrsko anlegen. Vor 1356 ließen die Herren von Janowitz südlich von Nýrsko im Künischen Gebirge die Burg Bayereck errichten, zu deren Herrschaft Horní Nýrsko fortan gehörte. Im Jahre 1429 überließ König Sigismund das Künische Gebirge einschließlich der Zölle in Nýrsko und Hamry an Bohuslaus von Riesenberg; die Herren von Riesenberg hielten den Besitz fast ein Jahrhundert. Nach der verlorenen Schlacht bei Taus flohen im August 1431 Teile des Kreuzritterheers vor den Hussiten über Nýrsko nach Bayern. Während des Aufstandes der Grünberger Allianz gegen König Georg von Podiebrad fiel 1467 ein von Ludwig IX. von Bayern-Landshut gestelltes Heer in Böhmen ein und verwüstete die Burg Bayereck. Unter Führung von Ratzek von Janowitz auf Bayereck brachte die königliche Kreisgefechtsbereitschaft mit Unterstützung durch Tauser und Prager Truppen dem bayrischen Heer am 22. September 1467 in den Úhlavasümpfen bei Nýrsko eine vernichtende Niederlage bei. Das älteste Siegel von Dolní Nýrsko stammt vom Ende des 15. Jahrhunderts; es zeigte einen Turm mit der Umschrift Sigillum civium de Nira inferiorit. Im Jahre 1524 erwarb Johann Kotz von Dobrz die Herrschaft Bayereck und schlug sie seiner Herrschaft Bystřice nad Úhlavou zu. Damit wurde auch Horní Nýrsko nach Bystřice nad Úhlavou untertänig. Zwischen 1579 und 1593 gehörte Nýrsko zu den böhmischen Zollstationen für die Ausfuhr von Wein, Weizen, Braugerste und Pferden. Im Jahre 1593 erhob König Rudolf II. die Städtchen Dolní Nýrsko und Horní Nýrsko zur Stadt Nýrsko und erteilte ihr auf Gesuch von Johann Kotz von Dobrz Privilegien für zwei Jahrmärkte und einen Wochenmarkt. Beide schutzuntertänigen Städtchen wurden fortan von einem gemeinschaftlichen Stadtrichter verwaltet und führten ein gemeinsames Wappen. König Ferdinand III. überließ der Stadt Nýrsko im Jahre 1652 zur Unterstützung nach dem Dreißigjährigen Krieg das auf der Úhlavabrücke in Dolní Nýrsko für Fuhrwerke und Vieh erhobene Brückengeld. 1677 erhielt Nýrsko das Privileg zur Entnahme von Salz für den Eigenbedarf aus den in der Stadt befindlichen königlichen Salzlagern. 1683 erhielt die Stadt die Blutgerichtsbarkeit. Die erste Erwähnung einer Schule stammt von 1685. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde auf Veranlassung und Kosten der Bürgerschaft durch den Baumeister Marco Antonio Gilmetti in Unter Neuern (Dolní Nýrsko) die Filialkirche der Vierzehn Nothelfer errichtet. Zu den nachfolgenden Besitzern gehörten bis 1720 Peter Kotz von Dobrz und danach Dionysius Kotz von Dobrz. Letzterer verkaufte die Herrschaft Bistritz in den 1750er Jahren an Karl Joseph Reichsgraf von Palm-Gundelfingen. 1782 verlor Unter Neuern wegen des Verkaufs von Salz nach außerhalb das Salzstapelrecht. Nach einem Blitzeinschlag brannte 1798 das jüdische Ghetto in Unter Neuern nieder. Unter Neuern wurde auch als Stadtl am Sand und Ober Neuern als Gränzstadtl bezeichnet. Im Jahre 1814 erbte Karl Josephs Sohn Karl Joseph Franz, Reichsfürst von Palm-Gundelfingen die Herrschaft Bistritz.
Im Jahre 1837 bestand das beiderseits der Angel an der Straße nach Neumark gelegene Städtchen Unter-Neuern bzw. Dolnj Negrsko aus 120 Häusern mit 825 deutschsprachigen Einwohnern; das jüdische Ghetto umfasste 18 Israelitenhäuser, in denen 24 jüdische Familien lebten. In Unter-Neuern bestanden eine Filialkirche zu den Vierzehn Nothelfern, eine Synagoge, ein Gemeindehaus, ein obrigkeitliches Spital, eine Papiermühle, eine Walkmühle, eine Ziegelhütte und vier Wirtshäuser. Das rechts der Angel an der Straße nach Deschenitz befindliche Städtchen Ober-Neuern bzw. Hornj Negrsko bestand aus 48 Häusern mit 425 deutschsprachigen Einwohnern; im einzigen Israelitenhaus lebten zwei jüdische Familien. Unter dem Patronat der Obrigkeit standen in Ober-Neuern die Pfarrkirche zum Apostel Thomas, die Pfarrei und die Schule. Außerdem gab es in Ober-Neuern zwei Wirtshäuser und eine fünfgängige Mühle mit Brettsäge. Ober-Neuern war Pfarrort für Unter-Neuern, Bistritz (Bystřice nad Úhlavou), Starlitz (Starý Láz), Hoslau (Blata), Holletitz (Hodousice), Millik (Milence), Freihöls (Stará Lhota), Hinterhäuser (Zadní Chalupy), Glashütten (Skelná Huť), Kolheim (Uhliště) und Dörstein (Suchý Kámen). Die landwirtschaftliche Nutzfläche der gemeinschaftlichen Stadtgemeinde Neuern umfasste 1030 Joch 834 Quadratklafter. Die Bewohner lebten von der Landwirtschaft und etwas Handwerk. Die jüdischen Einwohner betrieben vor allem Handel mit Bettfedern. In Neuern gab es 75 Handwerksbetriebe, zehn Gemischtwarenhändler, 18 Hausierer sowie 49 Markthändler. Im Jahre 1839 verkaufte Karl Joseph Franz, Reichsfürst von Palm-Gundelfingen die Herrschaft Bistritz an das Haus Hohenzollern. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts blieben Unter-Neuern und Ober-Neuern zur Allodialherrschaft Bistritz untertänig.
Nach der Aufhebung der Patrimonialherrschaften wurden Unter Neuern und Ober Neuern 1850 zur Stadtgemeinde Neuern / Nýrsko im Gerichtsbezirk Neuern vereinigt. Neuern wurde zum Sitz eines Bezirksgerichts. Im Jahre 1861 entstanden in der Stadt durch mehrere Brände erhebliche Schäden. Ab 1868 gehörte die Stadt zum Bezirk Klattau. Am 20. September 1876 wurde die von der k.k. privilegierten Eisenbahn Pilsen–Priesen errichtete Bahnstrecke Pilsen–Neuern eröffnet. Nach der Vollendung des Spitzbergtunnels wurde die Strecke exakt ein Jahr später bis nach Markt Eisenstein verlängert und damit auch ein Anschluss an die bayerische Bahn nach Deggendorf und Plattling geschaffen. Unter Neuern und Ober Neuern wuchsen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer Einheit zusammen. 1880 erfolgte die Anlegung eines Grundbuches mit einheitlicher Bezifferung für ganz Neuern, damit ging auch die Aufhebung der Gliederung der Stadt in die Ortsteile Unter Neuern und Ober Neuern einher. Zu dieser Zeit hatte die Stadt 1588 Einwohner. Haupterwerbsquellen waren die Zündholzfabrikation, der Federnhandel und die Glasschleiferei. Zum Ende des 19. Jahrhunderts siedelten sich in Neuern Industriebetriebe an. 1895 verlegte die Optische Fabrik W. Eckstein & Co. ihren Sitz von Wien nach Neuern. Im Jahre 1902 entstand am Bahnhof Neuern die Forken und Schaufelfabrik S. Bernt. Außerdem wurde in Neuern eine Fabrik von M. Joss & Löwenstein errichtet. 1930 lebten in den 505 Häusern von Neuern 3230 Personen, darunter waren 288 Tschechen. Nach dem Münchner Abkommen wurde Neuern 1938 an das Deutsche Reich angeschlossen und gehörte zwischen 1939 und 1945 zum Landkreis Markt Eisenstein. 1939 hatte die Stadt 3443 Einwohner. Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges sind drei Einwohner von Neuern auf Befehl des SS-Obersturmbannführers Hans-Hermann Wolff von der Gestapo-Leitstelle Weimar erschossen worden, als sie die kampflose Übergabe des Ortes an die heranrückenden Amerikaner vorbereiteten. Am 3. Mai 1945 besetzte die 3. US-Armee die Stadt. Auf dem Friedhof des Ortes befindet sich ein Massengrab mit 112 Opfern eines SS-Todesmarsches aus der Endphase des Zweiten Weltkriegs. Die meisten deutschsprachigen Bewohner wurden 1945 vertrieben. Am 22. Mai 1947 hatte Nýrsko 2559 Einwohner. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Stadt um neue Wohnsiedlungen erweitert. 1961 wurde Stará Lhota eingemeindet. 1974 erfolgte der Abriss der Kirche der Vierzehn Nothelfer. Am 1. Juli 1975 wurde Hodousice (mit Blata) und am 1. Jänner 1976 Bystřice nad Úhlavou eingemeindet. Zu Beginn des Jahres 1980 erfolgte die Eingemeindung von Zelená Lhota. Nach der Öffnung der Staatsgrenze zu Deutschland und den nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wiederhergestellten Straßenverbindungen wurde Nýrsko zu einem Ferienort und Zentrum des Tourismus im nördlichen Teil des Böhmerwaldes. Bedeutendstes Unternehmen ist die aus der Fabrik W. Eckstein & Co. hervorgegangene Okula Nýrsko.
Die Neuerner Freilichtbühne, eine Waldbühne, liegt am „Hohen Stein“ am Fuße des von der Ruine Bayreck gekrönten Neuerner Berge an der Straße gegen den Ort Freihöls/Stará Lhota. Sie wurde im Jahre 1934 geplant und 1935 vollendet. Zur Bühne wurde ein Blockhaus errichtet, welches für die Darstellung bestimmter Szenen wichtig war. Im Hintergrund wurde ein Eingang in den Felsen geschaffen, welcher zur Aufführung gewisser Bühnenwerke von Bedeutung war. Die Sitze für das Publikum waren stufenförmig in Reihen angeordnet.
Als Premiere wurde im Frühjahr 1935 Schillers Schauspiel „Die Räuber“ gegeben. Am Pfingstsonntag wurde das Stück „Künische Freibauern“ von Josef Blau gegeben. Und am Pfingstmontag wurde Hans Multerers „Leben und Sterben“ aufgeführt, in dem der Autor selbst die Hauptrolle übernahm. Am 30. Juni 1935 wurde vom Ensemble des Pilsner tschechischen Theaters noch Friedrich Smetanas Oper „Hubičku“ gespielt.
Auch in der Folgezeit stand die Neuerner Waldbühne im Mittelpunkt des Neuerer Kulturlebens, sie ist bis heute als Sehenswürdigkeit der Stadt Neuern erhalten geblieben.
Die Herrschaft Bistritz gehörte zu Ende des 17. Jh. dem Ritter Johann Kotz von Dobř/Dobrsch. Dionysius Freiherr von Kotz verkaufte sie zwischen den Jahren 1750 und 1760 an Karl Joseph Reichsgrafen von Palm. Nach dem Tode Karl Joseph im Jahre 1814 fiel sie an seinen Sohn Karl Joseph Franz von Palm-Gundelfingen.
Die erste Erwerbung des Fürsten Karl zu Hohenzollern-Sigmaringen an Grundbesitz in Böhmen vollzog sich im Jahre 1839 anlässlich der Versteigerung der Güter des in Konkurs geratenen Großgrundbesitzers Karl Joseph Franz Fürst von Palm-Gundelfingen. Zum Herrschaftsbereich Karls zu Hohenzollern-Sigmaringen gehörten außerdem: der Herrschaftsbezirk Eisenstein (Böhmen), der Herrschaftsbezirk Deffernik-Hurkenthal, der Herrschaftsbezirk Bayerisch Eisenstein. Zwischen der Herrschaft Bistritz und den dazu erworbenen Besitztümern lagen die Gebiete der künischen Freibauern.
Die oberste Zentralverwaltung lag bei der fürstlichen Hofkammer in Sigmaringen. Zur Abwicklung des Verkehrs mit den staatlichen Behörden wurde in Böhmen eine fürstliche Domänen-Administrationen zu errichtet, an deren Spitze teils vom Vorbesitzer Fürst Palm-Gundelfingen übernommene, teils aus Sigmaringen abgeordnete leitende Beamte gesetzt wurden. Nach der Errichtung der Tschechoslowakischen Republik 1918 wurde der gesamte adelige Großgrundbesitz beschlagnahmt und unter die Aufsicht des Staatsbodenamtes in Prag gestellt.
Die einzelnen Ortschaften waren in die Herrschaft Bistritz und die Herrschaft Deschenitz untergliedert. Zur Herrschaft Bistritz gehörten: Bistritz, Aichen, Auborska, Dörstein, Freihöls, Glashütten, Hinterhäuser, Holletitz, Hoslau, Ondrowitz, Kolheim, Millik, Ober-Neuern, Unter-Neuern, Petrowitz, Starlitz. Zur Herrschaft Deschenitz gehörten: Deschenitz, Mottowitz, Schiesnitz, Depoldowitz, Dorstadt, Diwischowitz, Ochlowitz, Todlau, Grün, Kreuzberg.
Die Einwohnerzahl des gesamten Dominiums betrug im Jahre 1839 14.299 Personen. Darunter befanden sich 129 israelitische Familien. In den zu den Herrschaften Bistritz und Deschenitz gehörigen Ortschaften war die deutsche Sprache vorherrschend.
Die Ortschaft Bistritz hatte eine Flurgröße von 378 ha. Dazu gehörten: 1830 66 Häuser mit 524 Einwohnern, 1860 66 Häuser mit 437 Einwohnern, 1910 70 Häuser mit 452 Einwohnern, 1933 79 Häuser mit 491 Einwohnern.
Der Ort Bistritz war der Sitz der Fürstlich Hohenzollern’schen Domänenverwaltung, des Rentamtes und des Patronatsamtes, bis 1848 wurde hier die Patromonialgerichtsbarkeit über den Herrschaftsbereich ausgeübt.
In Bistritz wurden betrieben: eine Brauerei, eine Spiegelschleife, ein Elektrizitätswerk, eine Ziegelei, ein Werk zur Holzdrahtverarbeitung, daneben verschiedene Handwerksbetriebe.
Die ältesten Nachrichten über die Neuerner Schule stammen aus dem 17. Jahrhundert. Im Jahre 1656 wird Nikolaus Obser als Schulmeister in Neuern genannt; ein Jahr darauf später versieht ein Michl Torscht die Neuerner Schulstelle, die 80 Jahre bei dieser Familie blieb. Das älteste Schulhaus stand dem Pfarrhof gegenüber. 1803 kam es zu einem Neubau oberhalb der Kirche.
Auf Grund des Theresianischen Schulgesetzes von erfolgte gegen Ende des 18. Jh. die Ablösung der kirchlichen Schulaufsicht durch die staatliche. Seit dieser Zeit unterstand die Schule weitgehend der Herrschaft von Bistritz, zu der Neuern bis 1848 gehörte. Es wurden besondere Kreiskommissäre angestellt, welche die Aufsicht des Unterrichtes zu besorgen hatten. 1789 wurde der halbtägige Unterricht an Landschulen eingeführt, und wo es die Umstände forderten, auch in Märkten und Städten. 1790 bestanden im Klattauer Kreise 89 Schulen, zur Herrschaft Bistritz gehörten: Depoldowitz, Deschenitz und Neuern. 1805 trat ein neues Schulgesetz in Kraft. Es wurden Diözesan-Schuloberaufseher und Distriktsschulaufseher ernannt. 1835 wurde die Schule in Neuern von 328 besucht, welche aus den Orten Neuern, Glashütten, Freihöls, Bistritz, Kohlheim, Bayreck, Hinterhäuser und Dörrstein stammten. In diesem Jahre wurde in Bistritz eine eigene Schule gegründet. 1919/20 wurde in Neuern eine tschechische Minderheitsschule eingeführt. An den deutschen Hauptschule wurde seit dieser Zeit tschechischer Sprachunterricht erteilt.
Die Bürgerschule: Im Jahre 1904 wurde in Neuern die Bürgerschule für Knaben eingeführt. Die Errichtung einer öffentlichen Mädchenbürgerschule wurde 1920 bewilligt. Daneben bestand eine private Mädchenbürgerschule, die 1922 in die staatliche übergenommen wurde. Obligate Unterrichtsfächer der öffentlichen Bürgerschulen waren: Religion, Deutsch, Geographie, Geschichte, Naturgeschichte, Naturlehre, Rechnen, Geometrie, geometrisches Zeichnen, Freihandzeichnen, Schönschreiben, Gesang, Turnen und als nicht verpflichtend, französische Sprache und tschechische Sprache.
Die Landwirtschaftliche Winterschule: Im Jahre 1921 konnte die landwirtschaftliche Winterschule ihren Lehrbetrieb aufnehmen; vorerst war sie im Fürstlich Hohenzollern’schen Schloss zu Bistritz untergebracht, später in dem ehemaligen Gebäude der landwirtschaftlichen Bezirkskrankenkasse in Neuern.
Das deutsche Schulwesen in Neuern endete, wie überall in Böhmen, mit der Vertreibung der Deutschen im Jahre 1945.
Neuern galt über einen längeren Zeitraum als Zentrum des böhmischen Federnhandels. Die Forschungen über diesen Gewerbezweig verdanken wir vor allem dem Heimatforscher Josef Blau.
Die Lage an dem wichtigen Landestore, dem Passe Neumark-Furth, machte die Gegend von Taus über Neumark und Neuern bis Drosau zum Hauptplatz für den böhmischen und später den europäischen Federnhandel. Schon Kaiser Karl IV. erteilte den Tausern im 14. Jh. das Privilegium der Federnausfuhr.
Dass Neuern mit der Zeit anderen königlichen Städten wie Pilsen, Taus, Klattau oder Schüttenhofen den Rang als Handelsmetropole für den Federnhandel ablief, hängt mit der Tatsache zusammen, dass die Israeliten als Träger dieses Gewerbezweiges auf Grund bestehender alter Vorurteile dort nicht Fuß fassen konnten. Sie verlegten daher ihre Tätigkeit auf Güter des Adels im Hinterland, und hier hatte Neuern durch seine Lage nahe der Grenze, der leichten Zufahrtsmöglichkeiten und der Förderung durch die Gutsherrn besondere Vorteile. So wurde die Stadt zum Mittelpunkt einer weitreichenden Handelsorganisation und damit zu einem Hauptplatze für den mitteleuropäischen Federnhandel.
Dabei kommt den in Neuern ansässigen Juden eine besondere Rolle zu. Von ihnen wurden die Federn im ganzen Lande zusammengekauft und durch angeworbene Fuhrwerkbauern nach Neuern geliefert. Ärmere jüdische Hausierer, die sogenannten „Pinkeljuden“, trugen die Federn den mit größeren Mitteln versehenen Handelsleuten zu, die sie wieder nach größeren Handelsorten, auf die Märkte in Pilsen oder Prag, vorzugsweise aber nach Neuern dem Hauptsitze des böhmischen Federnhandels brachten.
Dieses Gewerbe brachte auch für andere Erwerbszweige gute Geschäfte, so für Gastwirte oder Handwerker, die die ein- und abfahrenden Wagen instand halten mussten. Auch die Gemeinde hatte ihren Nutzen. Sie besaß das Recht, die eingehende Ware durch einen im „Waaghaus“ tätigen „Waagmeister“ zu wiegen und dafür das „Waaggeld“ zu erheben. Auch hatten viele Einheimische von dem Handel Verdienst, z. B. durch „Federnschleißen“ und durch Arbeiten auf den „Federnböden“.
Da den jüdischen Handelsleuten das Hausieren nur in den österreichischen Ländern erlaubt war, mussten sich die Neuerner Großhändler für den ausländischen Absatz christlicher Kleinhändler bedienen, welche vor allem aus den Reihen der Ackerbürger von Neuern, Neumark und den umliegenden Dörfern stammten, welche mit ihren Fuhrwerken die Waren abtransportierten und den weiteren Transport organisierten.
Nach statistischen Aufschreibungen wurden im Jahre 1768 aus Böhmen in die Erblande für 27686 fl., in fremde Länder für 76 556 fl. Federn ausgeführt, die alle böhmischer Herkunft waren. In der Blütezeit dieses Handels gingen die Wagen in die Schweiz in die Rheingegenden und nach Hamburg ganz regelmäßig hin und her. Nach und von jeder Richtung waren immer zwei Wagen auf dem Wege. An den bestimmten Stellen erwartete sie ein Vorspann, in gewissen Gasthöfen hielten sie Rast und auf halbem Wege trafen sie mit den zweiten Wagen zusammen, die ohne Gegenfracht der Heimat zustrebten.
Der Neuerner Federnhandel hatte sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts den halben europäischen Kontinent erobert und selbst nach Amerika wurde eine Unternehmung versucht. Die Federnhändler gingen in die gesamten Alpenländer, nach Süd-, Mittel- und West-, auch Norddeutschland, Frankreich, Belgien, Holland und sogar nach Schweden. Mit dem Aufschwunge des Federnhandels entstanden in der Fremde Niederlagen, die zu neuen Zentralpunkten des Handels wurden, von Hausierern gegründet. Solche Niederlagen bestanden in Linz, Innsbruck, München, Zürich, Zurzach, Basel, Frankfurt a. M., Düsseldorf, Köln, Memmingen, Amsterdam, Paris, Bremen, Hamburg, Lübeck, Hannover und Magdeburg. Einige dieser Firmen gingen bald ein, andere entfremdeten sich der Heimat, andere wieder standen noch weiterhin zu den heimatlichen Familien der ehemaligen Gründer in Beziehungen.
Der Federnhandel aus Böhmen erreichte im 18. und beginnenden 19. Jahrhundert seinen Höhepunkt, wonach er einen stetigen Rückgang zu verzeichnen hatte. Mit dem Ersten Weltkrieg und seinen Folgen kam sein endgültiges Aus, und er ist heute fast schon in Vergessenheit geraten.
Die folgenden Informationen gehen in erster Linie auf den früheren Inhaber der Firma Franz Fremuth zurück.
Die Israeliten Wilhelm und Eduard Eckstein gründeten 1873 eine optische Werkstatt in Prag. Sie verlegten die Fabrik 1887 nach Wien und 1895 nach Neuern. Die Firma befasste sich von Anfang an mit der Herstellung und dem Vertrieb von optischen Erzeugnissen und unterhielt in der ersten Zeit ihres Bestehens eine Schleiferei optischer Gläser.
Im Jahre 1895 pachteten die beiden Gründer der Optischen Werke von Neuern die Mühle in Oberneuern am Angelfluss und errichteten dort eine „Schleiferei optischer Gläser“ und eine Werkstatt zur „Erzeugung von feinmechanischen und optischen Geräten und von Brillengestellen und fertigen Brillen aus Edelmetall, Horn und Schildkrot“. Wilhelm Eckstein übersiedelte mit seiner Familie nach Neuern. Die Schleiferei wurde von Fachkräften aus dem Raum Fürth eingerichtet, Facharbeiter aus dem Raume Seewiesen folgten, Mitarbeiter, die aus der Neuerner Umgebung kamen, wurden angelernt.
Das Unternehmen hatte sich bis zum Kriegsausbruch 1914 zu einem Beschäftigtenstand von ungefähr 300 bis 350 Arbeitern und Angestellten entwickelt. Es überstand auch die Wirren des Krieges und stand bei Kriegsende im November 1918 wieder auf festen Füßen. Der Übergang in die neuen staatlichen Verhältnisse durch die Errichtung der Tschechoslowakischen Republik brachte tiefgreifende Umstellungen für die Firma mit sich.
Bisher waren vor allem die südlichen und östlichen Bereiche der Monarchie Hauptabsatzgebiete, der Export ging nach Italien, Griechenland, die Türkei und nach Russland. Mit der Gründung der ČSR waren die bisherigen Absatzgebiete zu Ausland geworden. Doch es gelang neue Märkte zu gewinnen, so dass von Ende der zwanziger Jahre bis Ende 1938 Italien, Polen, England, Deutschland, Rumänien, die Türkei mit allen Nachfolgestaaten, später noch Brasilien und Argentinien beliefert wurden. Das Verhältnis Export zu Inland betrug im Gesamtdurchschnitt mit jeweiligen saisonbedingten kleineren Änderungen der einzelnen Gebiete 60 bis 65 % Export.
Nach dem Tod von Herrn Wilhelm Eckstein im Jahre 1925 übernahm Hugo Reiner die Majorität im Beteiligungsverhältnis. Als Vertreter der Gruppe Eckstein war noch Dr. Ernst Eckstein in der Firma tätig. Prokurist war seit 1928 Franz Fremuth. Anfang der 30er Jahre war das Werk nach Vollendung der verschiedenen Neu-, Um- und Zubauten bis in Anfang der 40er Jahre in Werk I und Werk II gegliedert mit einer Gesamtbelegschaft von ca. 500 Mitarbeitern.
Das Jahr 1938 mit dem Anschluss des Sudetenlandes an das Deutsche Reich brachte für die Firma neue Herausforderungen. Zum kommissarischen Leiter des Unternehmens wurde der bisherige Prokurist Franz Fremuth bestimmt. Ende des Jahres hatte das Werk wieder seine Vollbeschäftigung erreicht. Im Juni 1939 wurde Franz Fremuth Eigentümer des Unternehmens. Gleichzeitig wurde der tschechische Konzern "Spolek pro Chemicku a Metallurgicku Lhutu v Praze", d. h. "Verein für Chemische und Metallurgische Produktion in Prag", dem die frühere Firma "Solo" in Schüttenhofen angehörte, und die Stanniolfabrik Bloch in Chumo bei Hartmanitz von der Regierung erworben. Diese Fabrik war im Oktober 1938 stillgelegt worden, und über 200 Leute waren erwerbslos geworden.
Als Endergebnis stand „Optische Werke Fremuth & Co. Komm. Ges. in Neuern“, Zentrale in Neuern, Zweigwerk in Chumo. Beteiligungsverhältnis war dann 60 % Franz Fremuth, 40 % der Verein in Prag. Die Firma umfasste jetzt: die komplette Fabrikation „Firma Optische Werke in Neuern“ mit Werk I und Werk II mit allen Gründen, die Fabrik Chumo ebenfalls mit allem Zubehör und Gründen sowie die frühere Firma „Hana“, Etuifabrikation, in Neuholletitz.
Die Fabrikation lief bis in die letzten Apriltage des Jahres 1945. Die Zahl der Beschäftigten betrug auf das gesamte Unternehmen gerechnet etwa 900 Personen. Nach den Beschuss von Neuern durch die Amerikaner kam es zu einigen Zerstörungen. Die Amerikaner verlangten jedoch, dass die Fabrik wieder in Stand gesetzt werden müsste. Der Tscheche Vaneček wurde zum Leiter eingesetzt, er arbeitete zunächst mit Franz Fremuth zusammen, bis er durch frühere Beamte aus Prag abgelöst und der frühere Inhaber der Firma abgesetzt wurde. Franz Fremuth wurde enteignet, inhaftiert und nach seiner Entlassung 1946 ausgesiedelt.
Nachfolgerin des Unternehmens wurde die Firma "Ocula", die das Werk nach ganz modernen Grundsätzen wieder errichtete.
Die Gründung dieser Firma erfolgte gegen Ende des 19. Jh. durch den Israeliten David Bloch. Dieser hatte ursprünglich mit Eisen gehandelt und in Neuern eine Eisenhandlung betrieben. Für seinen Sohn Siegfried Bloch richtete er das Gabelwerk ein, wo alle Arten von Gabeln hergestellt wurden.
Unter dem Betriebsleiter Franz Zettl wurde das Werk zu einer bedeutenden Firma ausgebaut, welche Kunden vor allem in den Kronländern der Donaumonarchie fand. Während des Ersten Weltkrieges wurde das Werk auf die Herstellung von Feldspaten für die Wehrmacht umgerüstet.
Nach Kriegsende musste das Werk auf neue Produktionsverfahren umgerüstet werden. Neuartige Feuerungs- und Härtungsverfahren wurden eingeführt, die Zahl der Pressen, Hämmer und Feuerungsanlagen stieg, und die Zahl der Beschäftigen wuchs auf 500 bis 600 Personen. Auch wurde die Produktion von Gabeln aller Art auf andere Stahlerzeugnisse erweitert. Nachdem der Firmeninhaber seinen Namen geändert hatte, erfolgte auch eine Umbenennung des Namens der Firma in „Eisen- und Stahlwerke Bernt in Neuern“.
Der Sohn des Unternehmers, Karl Bernt, wanderte im Jahre 1938 noch vor dem Anschluss des Sudetenlandes an das Deutsche Reich nach Chile aus, da er sich als Bürger jüdischen Glaubens durch die Herrschaft der Nationalsozialisten gefährde sah. Franz Zettl, ein Sohn des ehemaligen Werkmeisters, verwaltete den Betrieb in der Folgezeit treuhänderisch. Nach der Übernahme der Firma durch einen tschechischen Eigentümer im Jahre 1945 wurde eine Flachsröste eingerichtet, einige Zeit später erfolgte die endgültige Stilllegung des Werkes.
siehe M. Joss & Löwenstein
Die Stadt Nýrsko besteht aus den Ortsteilen und Katastralbezirken Blata (Hoslau), Bystřice nad Úhlavou (Bistritz an der Angel), Hodousice (Holletitz), Nýrsko (Neuern), Stará Lhota (Freihöls), Starý Láz (Starlitz) und Zelená Lhota (Grün). Grundsiedlungseinheiten sind Blata, Bystřice nad Úhlavou, Hodousice, Nýrsko, Stará Lhota, Starý Láz, Zelená Lhota und Zelená Lhota-u nádraží. Zu Nýrsko gehören außerdem die Einschichten Dolní Špátův Dvůr (Unter Spatenhof), Horní Polánky, Horní Špátův Dvůr (Ober Spatenhof), Na Lesní Louce, Na Sedle, Na Vrchu, Pajrek (Bayereck) und U Kopačků.
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