Niccolò Granello

Niccolò Granello, Fabrizio Castello (1562–1617), Lazzaro Tavarone (1556–1641) und Orazio Cambiaso († um 1600): Galerie der Schlachten im Kloster San Lorenzo de El Escorial (spanisch: Galería de las Batallas), 1584–1589, Fresken. Die Ausmalung erfolgte in mehreren Arbeitsphasen; Niccolò Granello leitete das Künstlerteam

Niccolò Granello (* um 1550 in Genua; † 30. November 1593 in San Lorenzo de El Escorial) war ein italienischer Maler und Zeichner. In Spanien wurde er auch Nicolás Granello oder Granelo genannt. Als Hofmaler Philipps II. leitete er in den 1580er Jahren gemeinsam mit weiteren Künstlern aus Genua die Freskendekoration zahlreicher Räume des Klosters San Lorenzo de El Escorial.

Leben und Werk

Niccolò Granello war der Sohn des Genueser Freskenmalers Nicolosio Granello, genannt Figonetto, der aus der Gegend von Pieve di Teco in Westligurien stammte, und Margherita. Nach dem Tod des Vaters heiratete die Mutter den Maler Giovanni Battista Castello, genannt il Bergamasco, aus dessen Umkreis auch Niccolòs Stiefbruder Fabrizio Castello hervorging. Das genaue Geburtsjahr ist nicht überliefert. Es kann jedoch aus der Ernennung zum Hofmaler im April 1571, die die Volljährigkeit voraussetzte, erschlossen werden. Eine erste Ausbildung in der Genueser Werkstatt seines Stiefvaters in den frühen 1560er Jahren ist plausibel, aber nicht belegt.

Erstmals urkundlich fassbar ist Niccolò Granello im Mai 1568, als er mit seiner Mutter und Fabrizio Castello nach Spanien reiste. Castello war seit September 1567 als Hofmaler und Architekt Philipps II. tätig. Nach Castellos Tod im Juni 1569 wurde Granello im August 1569 in den Künstlerkreis aufgenommen, der sich um dessen Werkstatt gebildet hatte. Er erhielt monatlich 15 Dukaten. Im April 1571 wurde er schließlich zum Hofmaler ernannt. Die Bezüge waren mit der Auflage verbunden, bis 1577 für den Unterhalt seines Stiefbruders aufzukommen. Ab 1577 stiegen sie auf 20 Dukaten monatlich.

In den 1570er Jahren führte er gemeinsam mit Francesco da Urbino und weiteren Malern aus dem Umkreis Castellos Fresken in der Casa del Bosque in Segovia, im Alcázar von Madrid und im Palacio Real de El Pardo aus. Diese Arbeiten sind heute verloren.

Im Kloster San Lorenzo de El Escorial gehörte Niccolò Granello zu der von Romulo Cincinnato angeführten Gruppe italienischer Maler, zu der auch Fabrizio Castello, Francesco und Gian Maria da Urbino, der Vergolder Francesco de Viana und der Stuckateur Pietro Milanese zählten. Er galt als der begabteste Fortführer der von Castello geprägten, an römischen Vorbildern geschulten Formensprache. Gemeinsam mit Francesco da Urbino schuf er Teile der Deckendekoration der unteren Zelle des Priors mit biblischen Szenen und Grotesken. Der Zyklus wurde 1589 unter Mitwirkung Cincinnatos abgeschlossen. Am 22. Dezember 1581 und am 16. Juli 1582 erhielten beide Zahlungen für die Decke der Vorhalle zu den Kapitelsälen. Im Juli 1582 folgte der Auftrag für die Deckenmalerei des Chors der Klosterkirche. Nach dem Tod Francesco da Urbinos Ende 1582, dessen Testamentsvollstrecker er war, übernahm Granello die Leitung der Deckenarbeiten. Die Arbeiten im Chor begannen Anfang 1583 mit der Mitarbeit von Fabrizio Castello und Francesco de Viana. Die Malereien wurden jedoch bereits 1584 durch Fresken von Luca Cambiaso ersetzt. Ab September 1583 dekorierte Granello die Vorhalle der Sakristei. Im Zentrum der Decke malte er eine schwebende Engelsfigur mit Gießkanne und Tuch, die auf den liturgischen Ritus der Handwaschung anspielt. Daneben sind allegorische Figuren sowie Paare biblischer Helden und Heldinnen zu sehen. Den Großteil der Ausführung übernahmen Mitarbeiter, die auch die Decke der Sakristei im Jahr 1584 vollendeten.

Niccolò Granello: Landung der spanischen Tercios auf der Insel Terceira auf den Azoren (spanisch: Desembarco de los tercios en Terceira), 1590–1591, Fresko, Sala de las Batallas, Kloster San Lorenzo de El Escorial, Spanien – Dargestellt ist die Landung spanischer Truppen in der Bucht von Mós auf der Azoreninsel Terceira am 26. und 27. Juli 1583

Niccolò Granello trat außerdem als Vermittler beim Ankauf von Gemälden aus Italien auf. Im Jahr 1581 erhielt er eine Zahlung für Luca Cambiasos Martyrium des heiligen Laurentius, 1583 für zwei Leinwandgemälde, die Tintoretto und Veronese zugeschrieben wurden.

Nach Cambiasos Ankunft in Madrid im Oktober 1583 schloss sich Granello mit ihm und Fabrizio Castello zu einer Werkgemeinschaft zusammen. Am 10. Dezember 1584 übertrug Philipp II. ihm die Leitung der Deckenmalerei in der Galerie im Appartement der Königin. Die Grotesken- und Allegoriemalereien waren im Juli 1585 fertiggestellt und wurden von Romulo Cincinnato und Diego de Urbina begutachtet. Im September 1585 dekorierte die Gruppe die beiden Kapitelsäle (Priorats- und Vikariatssaal) sowie die Decke der Vorhalle. Die letzte Zahlung erfolgte am 13. September 1586, als Hernando de Ávila und Diego de Urbina ein Gutachten erstellten.

Im Jahr 1587 malten Granello, Orazio Cambiaso, Fabrizio Castello und Lazzaro Tavarone in der Galerie der Königin (der späteren Sala de las Batallas) mehrere Szenen der Schlacht von La Higueruela. Die letzte Zahlung datiert vom 23. September 1589. 1590 schuf dieselbe Künstlergruppe, nun ohne den nach Genua zurückgekehrten Orazio Cambiaso, an gleicher Stelle Wandmalereien, welche die Schlachten Philipps II. im Krieg gegen Frankreich darstellten. Vorlage waren Leinwandbilder von Rodrigo de Holanda. Granello freskierte die Gefangennahme Strozzis, die Landung auf der Insel Terceira und das Spanische Heerlager vor Doullens. Die Szenen sollten nach einem Vertrag vom 7. Februar 1591 ein geschlossenes politisches Bildprogramm zur Macht des Königs bilden.

In seinen letzten Jahren arbeitete Niccolò Granello mit Fabrizio Castello, Lazzaro Tavarone und Francesco de Viana in der Klosterbibliothek zusammen. Er und Viana wurden dafür am 1. August 1590 bezahlt. Nach Tavarones Rückkehr nach Ligurien im März 1592 und dem Rückgang der Aufträge am Escorial malte Granello einige Fresken im Alcázar von Madrid. Niccolò Granello starb 1593 im Kloster San Lorenzo de El Escorial.

Niccolò Granello und Mitarbeiter: Satyr mit einer Säule (spanisch: Sátiro portando una columna), 16. Jahrhundert, Freskodetail an der Decke der Sala de las Batallas, Kloster San Lorenzo de El Escorial

Familie

Niccolò Granello war mit einer Spanierin verheiratet und hatte mehrere Kinder. Als Maler ist nur sein Sohn Francisco dokumentiert. Dieser arbeitete zu Beginn des 17. Jahrhunderts als Retabelmaler in Madrid und Toledo.

Literatur

Commons: Niccoló Granello – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 Granello, Niccolò. In: De Gruyter (Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon (AKL). Band 60. München/Leipzig 2008, S. 308.
Personendaten
NAME Granello, Niccolò
KURZBESCHREIBUNG italienischer Maler und Zeichner
GEBURTSDATUM um 1550
GEBURTSORT Genua
STERBEDATUM 30. November 1593
STERBEORT San Lorenzo de El Escorial